Hallo,
ich nehme jetzt seit etwa 5 Wochen Decortin H. Ich soll aufgrund meiner schlimmen Pannikulitis das Medikament ungefähr ein Jahr lang nehmen. Hat jemand Erfahrungen mit Langzeitschäden gemacht??
LG Simone
Cortison
Hallo,
mit Pannikulitis habe ich keine Erfahrungen, da nicht mein Fach. Ich nehme an, dass etwas aus dem rheumatologischen Formenkreis vermutet wird.
Cortison ist ein auch vom Körper produziertes Stresshormon. Es wirkt stark entzündungshemmend, gleichzeitig sorgt es für Energiebereitstellung im Körper. Das kann zu Überzuckerung (Steroiddiabetes) führen, die Energie wird durch Katabolismus (Abbau von energiereichen Körpersubstanzen) gewonnen. Daher erfolgt auf lange Sicht ein Muskelabau, -knochenabbau (Osteoporosegefahr). Im Gegenzug kann es zur Stammfettsucht, also dünne Arme und Beine, dicker Bauch und Nacken führen.
So, jetzt hast Du erstmal das Gruselkabinett hinter Dir. Das ist auch die Ursache für die in manchen Laienkreisen vorherrschende Panik vor dem Medikament. Als man es in den ca 50ern entdeckt und angewendet hat, galt es als Wunderdroge, plötzlich konnten viel Krankheiten wie Rheuma, Asthma, Schuppenflechte etc. wunderbar behandelt werden. Leider war das Wissen um Nebenwirkungen nicht groß, so dass bei großzügiger Anwendung diese Nebenwirkungen recht dramatisch werden konnten.
Kurzzeitige Anwendung macht praktisch keine Nebenwirkungen, denn der Körper kann das Hormon auch selbst in ordentlichen Mengen ausschütten. Erst nach ungefähr 1-2 Monaten einer Gabe von 5 mg Cortison oder mehr (das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, also nimm die mg nicht als gegeben an, nur die Relation stimmt so) kann man mit Nebenwirkungen rechnen. Diabetes tritt meist nur bei ohnehin gefährdeten Menschen auf, zur Vorbeugung der Osteoporose gibt es die Empfehlung, viel Calcium (zB Milch) zu sich zu nehmen und viel an die Sonne zu gehen, sich zu bewegen. Ggf. kann man auch Medikamente nehmen (Calcium, Vitmain D, Bisphosphonate…)
Wichtig, man sollte Cortison nicht plötzlich absetzen, weil es dann zu einem Nebennierenversagen kommen kann.
Insgesamt ist Cortison gewiß kein Spielzeug, in der Hand des Erfahrenen aber ein richtig gutes Medikament.
Es gab mal ein Buch „Angst vor Cortison?“ von Prof Kaiser, 1995, das wäre vllt. was für Dich.
pp
Hallo,
mit Pannikulitis habe ich keine Erfahrungen, da nicht
Hört sich nach was entzündlichem an.Wenn das so ist gibt es vieleicht Hoffnung.
Meine Frau hat entzündlich Gelenke aufgrund von Schuppenflechte (Psoriasis) die in seltenen Fällen Artritis auslösen kann. Sie hat Weihrauch in Kapseln probiert und das Cortison langsam abgesetzt, hätte es laut Ärzten dauernd nehmen müssen. Seit drei Jahren ist sie bis auf kleine gelegentliche Schübe beschwerdenfrei. Ich kenne inzwischen viele denen der Weihrauch bei allerlei Entzündungen geholfen hat. Sie bezieht ihn von einem Versand für Nahrungsergänzungsmittel in Holland.
Gute Besserung wünscht
Elmar
Hallo,
lieben Dank für die Informationen. Erstmal Pannikulitis ist eine Entzündung des Fettgewebes. Heisst das, eine Langzeitanwendung beim Cortison gilt schon ab einer Einnahme von 1-2 Monate? Wenn ich es richtig verstanden habe, könnte es passieren das die Muskeln sich abbauen?? Würde es sich denn normalisieren wenn man das Cortison absetzt oder bleibt dann dieser Muskelschwund für immer und ist dann sozusagen eine Langzeitschädigung??
LG Simone
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Hallo pp,
danke und Lob für folgende Zeilen:
zur Vorbeugung der Osteoporose gibt es die Empfehlung, viel
Calcium (zB Milch) zu sich zu nehmen und viel an die Sonne zu
gehen, sich zu bewegen. Ggf. kann man auch Medikamente nehmen
(Calcium, Vitmain D, Bisphosphonate…)
leider scheinen nicht viele Ärzte diese „Empfehlung“ zu kennen, bzw. umzusetzen. Spricht man Patienten unter einer Langzeitbehandlung mit Cortison auf o. g. Problem an, erntet man Erstaunen und Ungläubigkeit. Mit Calciumpräperaten + Vit. C kann man ja noch aushelfen, doch z. B. Biphosphonate gibt es eben nur auf Rezept. Auf ihre Nachfrage beim Doc kommen oft folgende Antworten: Biphosphonate o. ä. /Calcium mit Vit. D sind nur für Patienten mit bestehender Osteoporose verordnungsfähig, weil zu teuer; Mittel zur Vorbeugung von Krankheiten werden von der Kasse nicht bezahlt.
Traurig aber wahr.
Gruss
Sigrid
Heisst das, eine
Langzeitanwendung beim Cortison gilt schon ab einer Einnahme
von 1-2 Monate? Wenn ich es richtig verstanden habe, könnte es
passieren das die Muskeln sich abbauen?? Würde es sich denn
normalisieren wenn man das Cortison absetzt oder bleibt dann
dieser Muskelschwund für immer und ist dann sozusagen eine
Langzeitschädigung??
Ab einigen Monaten ist zumindest dosisabhängig mit Nebenwirkungen zu rechnen. Das ist der Körper nämlich nicht gewohnt (5 mg ist nicht sehr viel, oft wird bis zu 100 mg gegeben und allmählich über viele Wochen auf eine Erhaltungsdosis reduziert.
Die Muskulatur baut sich danach wieder auf, wobei je nach Körperstatus Physiotherapie sinnvoll ist, auch um dem Abbau entgegenzuwirken.
Mir ist immer wichtig an die Osteoporose zu denken. Wenns in den Knochen kracht, ists nämlich zu spät. Alle anderen relevanten Nebenwirkungen gehen nach Absetzen in aller Regel zurück, gebrochene Knochen aber nicht. Nach meiner Erfahrung denken Rheumatologen immer an die Osteoporose, bei chronisch Lungenkranken siehts oft böse aus.
pp
Hallo,
ich habe vor 5 Wochen 50mg bekommen und jetzt bin ich bei 10mg. Diese Dosis soll ich jetzt beibehalten. Mit 7,5mg bin ich überhaupt nicht klar gekommen. Meine Beschwerden waren da sehr schlimm!!
Was meinst du mit chronisch Lungenkranken siehts oft böse aus??
LG Simone
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ich habe vor 5 Wochen 50mg bekommen und jetzt bin ich bei
10mg. Diese Dosis soll ich jetzt beibehalten. Mit 7,5mg bin
ich überhaupt nicht klar gekommen. Meine Beschwerden waren da
sehr schlimm!!
Was meinst du mit chronisch Lungenkranken siehts oft böse
aus??
Dass bei Lungenkranken oft nicht an Osteoporoseprophylaxe gedacht wird. Und irgendwann die Wirbelsäule nine-eleven spielt. Das blöde an Osteoporose ist, dass sie erst weh tut, wenns zu spät ist. Wie gesagt, Cortison ist eine tolle Therapieoption, und viele Komplikationen müssen nicht sein. Die Dosis hängt von den Beschwerden ab, das hat bei Dir also schon seine Richtigkeit.
pp