Erfolg als Chemiker

Guten Tag liebe Chemiker!

Meine Frage richtet sich vorwiegend an die promovierten Chemiker, die mitten im Berufsleben sind.

Die Soft Skills sind in aller Munde und sind nicht selten entscheidend im Berufsleben. Doch welche Soft Skills /Schlüsselqualifikationen sollte man als Student wählen? Was sagen die erfahrenen Chemiker dazu? Was wird immer gebraucht, was kommt gut an und was ist eher überflüssig? ( Angefangen bei Excel-Kursen, über die Rhetorikkurse, bis zum wissenschaftlichen Recherchieren)

Man nehme an, der Student möchte später im Bereich der Biochemie tätig sein(Altersforschung z.B.).

Bereits jetzt einen herzlichen Dank für jede Gedankenanregung und Rat.

Michail

Die Soft Skills sind in aller Munde und sind nicht selten
entscheidend im Berufsleben. Doch welche Soft Skills
/Schlüsselqualifikationen sollte man als Student wählen? Was
sagen die erfahrenen Chemiker dazu? Was wird immer gebraucht,
was kommt gut an und was ist eher überflüssig? ( Angefangen
bei Excel-Kursen, über die Rhetorikkurse, bis zum
wissenschaftlichen Recherchieren)
Man nehme an, der Student möchte später im Bereich der
Biochemie tätig sein(Altersforschung z.B.).

Erstens solltest Du Dich nicht auf eine dauerhafte Karriere als Forscher festlegen, ausser Du entscheidest Dich für eine (risikoreiche) Hochschullaufbahn. Im Wirtschaftsleben wird Deine Laufbahn als Forscher endlich lange dauern (2-5 Jahre, wenn Du weiter kommen willst). Dann Entscheidung ob Produktion, Marketing, Zentalabteilungen wie Qualitätssicherung o.ä. oder Stabstellen wie Projektleitungen in Frage kommen.
Alle diese Funktionen kannst Du am besten innerhalb der Fortbildung des speziellen Unternehmens erlernen.
Generell gut ist ein Auslandsaufenthalt mit Aneignung einer wichtigen Sprache und Erfahrung in Projektmanagement, vorzugsweise Software- unterstützt.
Nicht honoriert wird eine lange Verweildauer im Studium, auch wenn sie durch Zusatz- Qualifikationen begründbar sein sollte.
Udo Becker

Hallo Michail: Vorab, ich bin Chemiker FH, mit NDS in Biotechnologie und nebenberuflicher Weiterbildung in Psychologie (Selbsterfahrung, Transaktionsanalyse) und habe über 30 Jahre Erfahrung u.a. mit vielen promovierten Chemikern hinter mir. Schlüsselqualifikationen sind Fachkenntnisse, der Drang Neues zu lernen/kennenlernen, Versuchsplanung (2-7-Faktoren-Versuchspläne)und deren systematische Auswertung, Kenntnisse in Analytik, Thema Arbeits-Sicherheit/Umgang mit Substanzen und deren Entsorgung. Die Fähigkeit klare, eindeutige, strukturierte Berichte und Labor-Verfahren mit konkreten Aussagen verfassen können. Bei den Soft Skills = Sozialkompetenz sind Kenntnisse und Erfahrungen in Gruppendynamik ein grosses Plus. D.h. das „Wir“ steht im Vordergrund und weniger das „Ich“. Man(n) muss Menschen mögen und mit deren Macken (auch den Eigenen) umgehen können. Dazu gehört Reflexion, sich und andere vorübergehend aus Distanz aber mit Empathie (ohne Zynismus) betrachten, und anschliessend wenn möglich darüber in geeigneter Weise diskutieren. Dominieren (Rhetorik?) und Imponiergehabe (zu hoher Testosteron-Spiegel im Blut?) ersetzen durch „den Überblick behalten“, zuhören/nachfragen/mit denken. Lebenslanges Lernen, etwas Geduld und Erfahrung mit einander mischen. Gruss. Paul

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Hallo Udo!

Alle reden davon wie schlecht das Leben eines Forschers ist.
Das ist sehr sehr deprimierend! Ist es denn wirklich so dass man nur bei Nestle als Kinderschokoladen-Chemiker gute beruflichen Aussichten hat?
Quasi: entweder ein schlauer aber gutverdienender Narr für die grossen Konzerne, oder aber ein richtiger Wissenschaftler in der Forschung, aber ohne Geld?

Geht denn nicht Beides gleichzeitig, oder irgendein lohnenswerter Kompromiss?

Moin Michail,

mein Backgound:stuck_out_tongue:romoviert in organischer Chemie byw. Naturstoffsynthese, ich habe aber nie als Chemiker in der Forschung gearbeitet sondern im Vertrieb und Projektmanagement im Kunststoff- und Pharmabereich. Conditiones sine qua non sind hier verhandlungssicheres Englisch und sehr guter Umgang mit den gängigen Office-Systemen. Ausserdem Umgang mit Menschen und schnelles Einlernen in neue Gebiete.

Ralph

Guten Tag lieber Michail,

Man nehme an, der Student möchte später im Bereich der
Biochemie tätig sein(Altersforschung z.B.).

nun ja, es kommt auch ein wenig darauf an, wo man arbeitet, bzw. welche Eigenschaften der zukünftige Chef schätzt.

Wenn der Teamfähigkeit mag, ist die gefragt, wenn der aber Typen bevorzugt, die eine dicke Hornhaut auf den Ellenbogen haben, kommst Du mit Teamfähigkeit bei dem nicht groß raus.

Neugier ist in der Forschung immer gut, logisches Denken auch. Manchmal unbequem (für alle Seiten) ist es, wenn man querdenkt, aber langfristig ist es eher positiv.
Ein langer Atem ist essentiell, zum einen um ein Ergebnis zu erzielen und zum anderen aber auch, um es zu vertreten, speziell, wenn es dem/den Vorgesetzten nicht sofort einsichtig ist.

Dazu die Geschichte, wie ein Prof (oder ein beliebiger Vorgesetzter) eine neue Erkenntnis aufnimmt:

  • Völlig unmöglich das
  • Lassen sie mal sehen
  • Hab ich doch immer schon gesagt

Gandalf

Hallo Michail: Lass Dir den Spass an der Forschung nicht verdriessen. Es gibt viele Firmen die gute Forscher suchen (Roche, Novartis, Pfizer, etc. oder Uni-Kliniken) und auch so bezahlen, dass man(n) damit leben kann. Nur die Startphase ist anstrengend und auch relativ schlecht bezahlt. Nach 10-20 Jahren Forschung kann man immer noch in besser bestallte Jobs wechseln, falls man(n) in der Forschung noch nicht entsprechend reüssiert hat. Falls Du aber das schnelle Geld suchst werde Bänker, Versicherungsvertreter, Autoverkäufer oder Manager. Gruss. Paul

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Alle reden davon wie schlecht das Leben eines Forschers ist.
Das ist sehr sehr deprimierend! Ist es denn wirklich so dass
man nur bei Nestle als Kinderschokoladen-Chemiker gute
beruflichen Aussichten hat?
Quasi: entweder ein schlauer aber gutverdienender Narr für die
grossen Konzerne, oder aber ein richtiger Wissenschaftler in
der Forschung, aber ohne Geld?
Geht denn nicht Beides gleichzeitig, oder irgendein
lohnenswerter Kompromiss?

Industrieforschung ist selten Grundlagenforschung, aber dennoch reizvoll, weil man an Produkten beteiligt ist, die auf den Markt kommen. Man muss nur wissen, dass die Projekte von Marketingleuten vorgegeben werden und Marketing ist weiblich, d.h. es hat das Recht seine Meinung jederzeit zu ändern. Das heißt, dass Projekte öfters mal abgebrochen werden, weil sie nicht mehr aktuell sind, zu lange dauern oder zu viel kosten. Der Forscher sieht das oft anders.
Ein Industriechemiker sollte nicht lebenslang Forschung machen. Irgendwann wird er für die Forschung weniger und für andere Aufgaben aufgrund seiner Erfahrung mehr geeignet. Das ist positiv zu sehen. Du kannst Deinen Lebensweg jetzt weder übersehen noch beurteilen, weil sich Dein Horizont in der Zeitachse verändert. Also keine voreingenommene OhGottohGott- Haltung.
Hilft Dir dieser Hinweis für Deine Entscheidung ?
Udo Becker