Erfolg deutscher Autoren im Ausland

Hallo liebe Experten,

es ist ja bekannt das ähnlich wie in der Musik der Deutsche auch in der Literatur ausländische Künstler bevorzugt (Rowling, Mankell etc.).
Meine Frage, sind deutsche Autoren im Ausland (zB. Frankreich, England, Italien) auch so erfolglos wie Ihre Kollegen in der Musikbranche? Damit meine ich jetzt zeitgenössische Autoren, nicht Goethe&Co. oder irgendwelche Schul-Klassiker von Brecht.

Gibt es einen internationalen Markt für Deutsche Autoren?

Vielen Dank für die Antworten schon mal im Voraus!

Cosmo

Hallo Cosmo,

es ist ja bekannt das ähnlich wie in der Musik der Deutsche
auch in der Literatur ausländische Künstler bevorzugt
(Rowling, Mankell etc.).
Meine Frage, sind deutsche Autoren im Ausland (zB. Frankreich,
England, Italien) auch so erfolglos wie Ihre Kollegen in der
Musikbranche? Damit meine ich jetzt zeitgenössische Autoren,
nicht Goethe&Co. oder irgendwelche Schul-Klassiker von Brecht.
Gibt es einen internationalen Markt für Deutsche Autoren?

das ist einer der Problemkreise, bei denen sich sozusagen die Katze selbst in den Schwanz beißt.

Es gibt in Deutschland nicht die Tradition wie anderswo, wo Jung-Autoren systematisch gefördert werden, in dem Sinn, dass man ihnen erst einmal das Handwerk beibringt. (Creative Writing). Bei uns setzt man zu sehr auf Genie.

Siehe zum Beispiel Zoe Jenny (oder Andere). Roman Eins gepuscht, Roman Zwei: laaaange nichts von ihr gehört, dann Flopp. Jetzt Versuch Drei - da kenne ich noch keine Kritiken.

Wie gehört, hat gerade in Klagenfurt eine junge Frau gewonnen, die einen Roman über einen alten Mann schreibt, der sich aufs Sterben vorbereitet.

Das, lieber Cosmo, lockt nirgendwo viele Leute hinter dem Ofen vor.

Der einzige Autor, von dem ich im Augenblick weiß, dass er Erfolg im Ausland hat und zwar in Italien, Frankreich, USA, ist Andreas Eschbach. Wie Du vielleicht weißt, oder auch nicht, schreibt er Thriller, Sciencefiction, aber auf jeden Fall: spannend.

Harry Potter Eins ist auf den ersten 100 Seiten grottenlangweilig. Dann kriegt das Teil einen Drive, dass Du es nicht mehr aus der Hand legen kannst.
Außerdem ist die aufgebaute Zauberwelt in sich kongruent, will sagen stimmig und die Versatzstücke sind so allgemein bekannt und beliebt, dass sich Leser in der Harry-Potter-Welt einfach wohlfühlen müssen.

Also merke: schreibe mainstream, schreibe spannend.

Weil deutsche Verlage das bei deutschen Autoren offenbar nicht finden, greifen sie zu Übersetzungen von Büchern die anderswo schon einmal gute Seller waren. Kaufmännisches Denken, mehr nicht.

viele Grüße
Angelika

Hallo Cosmo,

natürlich gibt es das - es kommt darauf an, wie man es promotet! Als Bernhard Schlink von Opra in ihrer Fersehschow vorgestellt wurde, wurde es ein „Renner“ in USA, und auch Jonathan Franzens Korrekturen sind übersetzt.

Grass etc. eh. Aber manches ist halt schon ein bißchen „dröge“, da findest Du in Deutschland schon schwer Leser…

Grüße

Wendy

Moin Cosmo,

es ist ja bekannt das ähnlich wie in der Musik der Deutsche
auch in der Literatur ausländische Künstler bevorzugt
(Rowling, Mankell etc.).

Also so ganz kann ich diese Schlussfolgerung nicht nachvollziehen. Ich hab mir grad mal die letzte Belletristik-Bestsellerliste vom Spiegel angeschaut:

Bei den 20 aufgeführten Autoren gab es folgende Länderverteilung:

Deutschland: 7 (u.a. auf den Plätzen 2 und 3)
USA: 4
Großbritannien: 3
Irland
Frankreich
Schweden
Ungarn
Brasilien
Canada

Damit dürften das Interesse an deutschen Autoren (7) am größten sein, gefolgt von europäischen Autoren (insgesamt 7) und dann erst die USA (4) bzw. außereuropäische Autoren. (2)

Gruss
Marion

hi cosmo,

wenn darunter verstehst, dass im ausland verleger so bekloppt sind und mehrstellige millionenbeträge für garantie-honorare deutscher autoren zahlen, wie es die deutschen verleger tun, sobald ein autor aus USA oder südamerika kommt - nein.

ok, ich hab jetzt mal etwas übertrieben. aber es trifft den kern.
es soll schon überlegungen deutscher autoren geben, in andere kontinente überzusiedeln, um dann nach ein paar jahren von deutschen verlagen und agenten mit offenen armen empfangen und als z.b. südamerikanische entdeckung gefeiert zu werden :wink:

man kann natürlich auch sagen, daß USA oder südamerika riesige länder sind, die natürlich auch viele schriftsteller hervorbringen - wahrscheinlich prozentual nicht mehr gute und sehr gute als good old germany, aber eben in absoluten zahlen mehr.

aaaaaber das erklärt noch nicht die wahnsinnssummen, für die z.t. ami-autoren hier eingekauft werden, nur weil es gerade mode ist - geschweige denn das gejammere hiesiger verleger, wenn sie sich gerade mal wieder mit einer solchen summe verhoben haben, daher bei hiesigen autoren vorne und hinten sparen und ihre werke mangels ausreichender werbung noch nicht mal hierzulande bekannt werden.

wie dann im ausland???

beste grüße
ann

Also merke: schreibe mainstream, schreibe spannend.

Weil deutsche Verlage das bei deutschen Autoren offenbar nicht
finden, greifen sie zu Übersetzungen von Büchern die anderswo
schon einmal gute Seller waren. Kaufmännisches Denken, mehr
nicht.

Dem ist nicht viel hinzuzufügen.
Guckt euch das Deutsche Kino an. Mainstream wird komischerweise erfolgreich - hoppla, sogar hinternational. Lola rennt oder Literaturverfilmungen hingegen nur selten.
Hierzulande ist man sich zu schade, Mainstream und Unterhaltung (pfui!) zu schreiben oder zu produzieren. Man ist lieber „seriös“ und „gewichtig“ als erfolgreich. Und wer erfolgreich wird - über den fällt ganz schnell Misgunst und Häme.

Franzen
Hallo Wendy,

natürlich gibt es das - es kommt darauf an, wie man es
promotet! Als Bernhard Schlink von Opra in ihrer Fersehschow
vorgestellt wurde, wurde es ein „Renner“ in USA, und auch
Jonathan Franzens Korrekturen sind übersetzt.

das lese ich jetzt so, als haette Franzen das Buch auf deutsch geschieben - wenn
mich nicht alles taeuscht, ist der aber Amerikaner und die Originalausgabe auf
englisch.
Viele Gruesse,
baw

‚Spannende‘ und ‚seriöse‘ Literatur, etwas o.t.
Hallo, Alexander.

Ich habe mich schon lange nicht mehr geärgert beim Lesen auf www, heute schon. Der Ärger ist abgeklungen, jetzt der Versuch einer Antwort auf Dein Statement.

Ich weiß nicht ganz genau, was mit „seriösem“ und „gewichtigem“ Schreiben gemeint sein soll. Ich nehme an, es geht um eine Art Unterscheidung zwischen E- und U-Literatur!?
Wie kommt man bitte dazu, dass E-Literatur nicht auch spannend sein kann? Es ist zu vermuten, dass eine solche Meinung nicht unbedingt von jemandem kommt, der von deutschsprachiger Gegenwartsliteratur Ahnung hat. Die Bestsellerlisten z.B. im Spiegel (auf die ja schon in einem früheren Posting hingewiesen wurde) liefern immer wieder Beispiele für erfolgreiche deutschsorachige Literatur, die sehr wohl als „seriös“ zu bezeichnen ist, in dem Sinn, dass da jemand 1. sein Handwerk beherrscht, 2. eine eigene Sprache hat und 3. Themen anzubieten hat. Wenn diese drei Dinge zusammentreffen, warum soll da keine „ernstes“ Buch herauskommen können, das auch spannend, ja sogar unterhaltsam ist?
Zugegeben, die Mehrheit der Autoren, die am Markt sind, wird da nicht dazugehören. Aber das ist im englischen,spanischen oder sonstwo Raum nicht anders.

Ein Autor entscheidet sich meist nicht, ob er U- oder E-Literatur produziert. Wer für den E-Sektor taugt, wird sich mit U nicht zufrieden geben, und ein erfolgreicher U-Autor hat vielleicht nicht das Talent/Können, um E zu schreiben. Der einzige Unterschied ist vielleicht der, dass ein E-Autor zudem in den seltensten Fällen darüber entscheiden kann, ob er schreibt, oder nicht. Meistens ist das ein Muss. Und das ist nicht unbedingt ein Spass. Schreiben ist zu einem ganz großen Teil Handwerk, und nicht das lustigste. Mit „sich für einfacheres zu schade sein“ hat das nichts zu tun.

Sowohl E- als auch U-Literatur haben ihre Berechtigung, ihre Leserschaft (siehe Bestsellerlisten), ihre Bedeutung. Ich will da in keiner Weise werten. Ich finde es nur ungerechtfertigt und irgendwie auch dumm, Sachen zu sagen wie:

Hierzulande ist man sich zu schade, Mainstream und
Unterhaltung (pfui!) zu schreiben oder zu produzieren. Man ist
lieber „seriös“ und „gewichtig“ als erfolgreich. Und wer
erfolgreich wird - über den fällt ganz schnell Misgunst und
Häme.

Ich könnte Dir reichlich Bücher nennen, die literarisch wertvoll und dennoch großartig zu lesen sind - die man durchaus nicht mehr aus der Hand legen will, abseits von Mankell und Rowling etc.

Grüße,
Elisabeth

Hallo Eliza,

tut mir leid, dass du dich über mein Posting geärgert hast… zumal ich auch nicht recht verstehe, weshalb.

Mir ging es nicht darum, irgendeiner Art von Literatur ihre Daseinberechtigung abzusprechen oder sie zu bewerten. Genauso wenig möchte ich widersprechen, dass literarisch hochwertige Werke nicht auch spannend sein können.

Es geht vielmehr darum, dass angelsächsische Autoren einen anderen Ansatz beim Schreiben haben. Dort gehört „Creative Writing“ zum Standardprogramm jedes Colleges, es gibt Schulen, Kursen, Zeitschriften, einen riesigen Markt. Es geht darum, zu unterhalten. Und auch, wenn man solche Leute einen Vortrag halten hört ist man nicht umsonst begeistert, denn diese Leute können mitreißen, begeistern, unterhalten.
In Deutschland ist man traditionell eher „verkopft“. Das ist in der Wissenschaft so, in der Wirtschaft und eben auch in der Literaturlandschaft. Und das ist keine neue oder private Beobachtung von mir.

In sofern habe ich dem vorherigen Posting zugestimmt: Das „Mainstream“-Schreiben ist in Deutschland nicht üblich. In anderen Ländern schon.