Hallo liebe WWW-ler,
könnt Ihr mir sagen, ob es für dieses Verhaltensmuster eine Erklärung gibt?
Ein Freund von mir hat anscheinend eine etwas seltsame Anmachmasche, die er bei jeder – für ihn interessanten - Frau anwendet und damit wohl auch ganz gut ankommt, (will sagen: Beziehungen anbahnt) Ich muss dazu sagen, dass er (36 J., geschieden, zwei Kinder) sehr redegewandt und recht intelligent ist. Auch wirkt er nicht psychisch krank und kann recht charmant sein.
Um ein Beispiel zu geben wie er die Masche anwendet:
Sagen wir mal, er hat eine Arbeitskollegin, die er manchmal auf dem Flur trifft und mit der er ein zwei belanglose Worte gewechselt hat. Er schreibt ihr eine Mail und fragt sie, ob sie nicht mal mit ihm Mittagessen möchte (Kantine).
Während des Mittagessens (wie gesagt, die beiden kennen sich kaum) schüttet er ihr sein Herz aus und erzählt, dass er immer wieder unter Angstattacken leidet, es beispielsweise nicht schafft, Auto zu fahren, weil er Angst hat, dann jemanden zu überfahren oder möglicherweise plötzlich Amok (!) zu laufen. (Dieses Problem hat er wirklich!)
Da er aber, wie gesagt, nicht den Eindruck eines „typischen Amokläufers“ macht ;o) , reagiert die Frau einigermaßen gelassen darauf, fragt ihn vielleicht, ob er etwas gegen die Angst unternimmt (Therapie o.ä.), macht jedoch keinen besonders geschockten Eindruck auf ihn. Das Mittagessen wird nett fortgeführt/ bzw. beendet. Man verabschiedet sich freundlich (um weiterzuarbeiten).
Wenige Stunden später kommt dann eine E-Mail, in der er noch mal auf das Gespräch eingeht und (scheinbar) besorgt fragt, ob das jetzt wohl eine zu heftige Offenbarung war - und will wissen, was die Frau nun von ihm denkt. Er hakt auch noch mal nach, wenn eine zu unverbindliche oder ausweichende Antwort kommt.
Soweit zu seiner „Masche“. Ich habe inzwischen beobachtet, dass er dies genau so immer wieder durchzieht. Auch ich habe ihn damals so kennen gelernt – und war anfangs von dieser plötzlichen Offenheit überrumpelt und wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte.
Meines Erachtens ist das aber genau sein Ziel: Durch sein „intimes Geständnis“ zwingt er sein Gegenüber zu einer Reaktion. Und entweder reagiert man dann mit ebensolcher Offenheit (á la: „der muss doch sehr viel Vertrauen zu mir haben, mich sehr schätzen, wenn er mir so etwas erzählt – also kann ich mich ihm gegenüber schon aus purer Höflichkeit ja nicht verschlossen verhalten“) oder man bleibt ablehnend, weil man ihn möglicherweise für seltsam hält und diese plötzliche, „erzwungene“ Nähe nicht möchte.
Falls aber die Frau nun den Weg der erwiderten Offenheit wählt, so hat er sie (meiner Meinung nach) praktisch „geknackt“ und es entsteht ganz schnell eine scheinbare Vertrauensbasis, die man durch einen normalen Umgang/ein normales Kennenlernen so nicht erreicht hätte – zumindest nicht so schnell.
Mich beschäftigt nun die Frage, was das für ein Verhaltensmuster ist. Da er es immer wieder genau so macht, scheint da eine bestimmte Logik dahinter zu stecken, ja evtl. sogar eine gewisse (unbeabsichtigte?) Manipulationsabsicht. Aber wie funktioniert das (psychologisch betrachtet)? Welche Muster laufen hier bei ihm ab und wie muss eine Frau gestrickt sein, die auf diese Art des (massiven) Kennenlernens positiv reagiert?
Andere Frauen, mit denen ich gesprochen habe, fanden sein Verhalten etwas seltsam. Denn keine von ihnen kannte ihn vor „diesem Gespräch“ besonders gut und wurde durch sein Verhalten ziemlich überrumpelt.
Wie kann man sein Verhalten beschreiben??
Vielen Dank für Eure Hilfe und Meinung!
Susanne
