Ergebnisoffen?

hallo.

in den heutigen schlagzeilen auf web.de taucht - meinem vokabular bisher unbekannt - o.g. wort auf.

„Niedersachsens Ministerpräsident und Aufsichtsratsmitglied bei VW, Christian Wulff, forderte eine ergebnisoffene Untersuchung.“

was ist das denn für ein merkwürdiges konstrukt? soll damit gemeint sein, eine untersuchung, die einfach nur objektive aufklärung zum ziel hat?
denn KEINE ergebnisoffene (also eine ergebnisgeschlossene?) untersuchung müßte ja nach meinem verständnis für das wort ein von vornherein gewünschtes ergebnis zum ziel haben. also ungefähr so: „richten sie ihre untersuchungen dahingehend aus, daß wir zwar herrn x drankriegen, aber herr y ungeschoren davonkommt“.

oder heißt „ergebnisoffen“, daß auch gar nix dabei rauskommen darf?

oder was meint ihr?

gruß

michael

Auch hallo.

„Niedersachsens Ministerpräsident und Aufsichtsratsmitglied
bei VW, Christian Wulff, forderte eine ergebnisoffene
Untersuchung.“

was ist das denn für ein merkwürdiges konstrukt? soll damit
gemeint sein, eine untersuchung, die einfach nur objektive
aufklärung zum ziel hat?

Damit ist eher gemeint, dass man das Resultat einer Untersuchung abwartet. Beim Wurf eines Würfels kennt man das Endresultat schliesslich auch nicht.
‚ergebnisgeschlossen‘ gibt es m.W. nach übrigens nicht.

oder heißt „ergebnisoffen“, daß auch gar nix dabei rauskommen
darf?

Wie gesagt: etwas kommt heraus und man akzeptiert das Resultat.

HTH
mfg M.L., der das Wort vom Schachspiel her kennt. Dort wird allerdings ‚unklar‘ ( ∞ ) verwendet, wenn keiner weiss was bei einer bestimmten Spielweise rauskommt :wink:

Hallo,

was ist das denn für ein merkwürdiges konstrukt? soll damit
gemeint sein, eine untersuchung, die einfach nur objektive
aufklärung zum ziel hat?

Ja, und das ist in der Politik nicht so selbstverständlich (und wird es durch die Verwendung dieser Formulierung auch nicht unbedingt :wink:

denn KEINE ergebnisoffene (also eine ergebnisgeschlossene?)
untersuchung müßte ja nach meinem verständnis für das wort ein
von vornherein gewünschtes ergebnis zum ziel haben. also
ungefähr so: „richten sie ihre untersuchungen dahingehend aus,
daß wir zwar herrn x drankriegen, aber herr y ungeschoren
davonkommt“.

Ja, aber dein Beispiel klingt da schon etwas anrüchig. Oft geht es eher darum, dass z.B. bestimmte Vorhaben/Projekte aus politischen Gründen auf jeden Fall gemacht werden müssen/sollen und es dann z.B. in einer Studie nur darum geht, die positiven Argumente hierfür noch einmal klar herauszustellen und Argumentationsstrukuren zu verwenden, durch die man dann bei Abwägung positiver und negativer Argumente zum gewünschten Ergebnis kommt.

oder heißt „ergebnisoffen“, daß auch gar nix dabei rauskommen
darf?

Natürlich ist auch das möglich und wichtig: Man stelle sich z.B. vor, dass zu einer bestimmten Zeit sich Verdachtselemente gegen jemanden ergeben, die zu einer Untersuchung führen. Dann sollte die immer insoweit ergebnisoffen bleiben, dass sich auch die Unschuld des Beschuldigten ergeben kann. Auch dies ist gerade im politischen Umfeld nicht selbstverständlich und wird deshalb gerne betont (Randbemerkung siehe oben). Schlimm sind Hetzjagden, insbesondere auf politische Gegner, mit denen diese einfach nur diskreditiert werden sollen und die deshalb gerade nicht ergebnisoffen geführt werden. Der richtige Weg ist eine objektive Untersuchung, bei der man am Ende dann ganz deutlich sagt, ob sich ein Verdacht bestätigt hat, oder eben nicht und bei der man dann ggf. auch den Betroffenen wieder rehabilitiert.

Gruß vom Wiz, der z.B. gerade heute eine ergebnisoffene Informationsbeschaffung bei AA über eine ihm suspekt vorkommende Einrichtung in Südosteuropa starten wird, für die er zukünftig Spenden verwalten soll. Sagt dass AA, dass alles OK ist, ist dies ein gutes Indiz weiterhin mit gutem Gewissen dort spenden zu können, schlägt das AA die Hände über dem Kopf zusammen, wird die Sache kurzfristig eingestellt

Ich würde das schlicht als zynisch-rhetorische Wortneuschöpfung bezeichnen.

Es soll nicht mehr bedeuten als: „Ich wünsche, dass das Thema diskutiert wird, ohne dass das Ergebnis vorher schon feststeht“.

Andreas

Hallo Andreas,

Ich würde das schlicht als zynisch-rhetorische
Wortneuschöpfung bezeichnen.

So negativ würde ich es nicht sehen, es kommt immer ganz darauf an, wer diese Formulierung wem gegenüber in welchem Zusammenhang gebraucht.

Klassische Situation: Vorgesetzter gibt den Auftrag zu einer Studie und es ist bekannt, dass er ein „bestimmtes Ergebnis“ will, ohne dass dies bei Auftragsvergabe erwähnt wird. Brave Mitarbeiter sorgen trotzdem dafür, dass das Ergebnis „stimmt“.

Oft meinen aber auch die lieben Mitarbeiter nur zu wissen, was der Vorgesetzten will. Der will aber ggf. in einer bestimmten Situation tatsächlich objektive Informationen. Um klar zu machen, dass es in diesem Fall nicht darum geht, ihn mit Argumenten in eine bestimmte Richtung zu unterstützen, sondern um reine Informationsbeschaffung, bittet er um „ergebnisoffene“ Arbeit. Jeder weiß dann, dass es jetzt nicht darum geht Dinge zu bestätigen, sondern um echte Entscheidungsgrundlagen.

Gruß vom Wiz

Unwort…
Hallo Michael

Wie Du den anderen Antworten entnehmen kannst, wird dieses Wort nur
in Kreisen verwendet, die tricksen und/oder verschleiern wollen.

Anständige Leute brauchen sowas nicht.

Gruss
Heinz

Hi michael,

Untersuchungen sollen Ergebnisse zutage fördern, die nicht an Erwartungen, sondern an Tatsachen gebunden sind. Für solche - vielleicht unerwarteten - Ergebnisse sollten die Auftraggeber offen sein. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, möchte ich meinen. Wenn also jemand ergebnisoffene Untersuchungen fordert, hat er entweder nicht nachgedacht oder er hat es nötig. Vorbeugende Rückversicherung heißt das wohl: Der Politiker hat eine ergebnisoffene Untersuchung gefordert, also muss doch das Richtige dabei rumkommen. Wenn das Richtige dann zufällig mit dem Gewünschten übereinstimmt, kann der Politiker jedenfalls nichts dafür.

Gruß Ralf