Hallo.
Die Menge der heute noch vorhandenen alten Bausubstanz ist in verschiedenen Regionen innerhalb Deutschlands sehr unterschiedlich.
Einige Landstriche (Südhessen) haben zahlreiche Ortschaften mit sehr viel erhaltener alter Bausubstanz, in anderen dagegen fehlt diese fast völlig, existiert allenfalls wenn überhaupt noch in Gestalt von Kirchen.
Warum bestehen so deutliche Unterschiede von einer Region zur nächsten? Eine Ursache ist sicher, wenn in einem Gebiet oft Krieg war und die Ortschaften zerstört wurden. Was sind die anderen?
Auffällig ist übrigens, daß in Gegenden mit Weinbau oft viel erhalten ist. Haben die besser gebaut?
Grüße
Ostlandreiter
Warum bestehen so deutliche Unterschiede von einer Region zur
nächsten?
Hallo, OLR,
Erhaltung von Bausubstanz kostet Geld. Viel Geld. Fast genausoviel oder gar mehr als schnell etwas Neues hochzuziehen. Als die Wirtschaft in der 60ern boomte, war zwar das Geld da, aber vielerorts fehlte einfach das Bewusstsein für den ideellen Wert alter Gebäude. Da baute man lieber den Aussiedlerhof auf der grünen Wiese, alles neu, alles modern.
Erst im Laufe der 70er, 80er kam der Wunsch Altes zu bewahren. Es wurde modern ein altes Fachwerkhaus wieder bewohnbar zu machen. Regionale Unterschiede mögen sich auch daraus erklären, dass mancherorts sich die Personen in den Baubehörden mit unterschiedlichem Eifer und Können für Restaurierung und Instandsetzung einsetzten. Einige schafften es einzelne Hausbesitzer zu überzeugen, wodurch dann nachahmenswerte Beispiele entstanden, die auch den Nachbarn animierten. Wettbewerbe wie „Unser Dorf soll schöner werden“ taten ein Übriges dazu.
Ich habe hier nur die Entwicklung in den „alten“ Bundesländern beschrieben. Die Situation in Neufünfland war ja eine gänzlich andere.
Gruß
Eckard
Servus!
Warum bestehen so deutliche Unterschiede von einer Region zur
nächsten? Eine Ursache ist sicher, wenn in einem Gebiet oft
Krieg war und die Ortschaften zerstört wurden. Was sind die
anderen?
Plötzlicher Reichtum ist eine, politischer Wille eine andere.
Zur Erklärung: Wenn eine Gegend oder Gemeinde auf irgendeine Art und Weise zu Geld kam, geschah es in der BRD v.a. in den 1950er-70er Jahren sehr oft, dass alles Alte platt gemacht wurde und stattdessen moderne Betonbauten hingestellt wurden. Bei denen man jetzt sehr oft wieder vor der Wahl steht, „platt machen oder renovieren“, und davon träumt, wie schön´s doch früher war…und wie haltbar die früher gebaut haben!
Auch in der ehemaligen DDR wurden im gleichen Zeitraum oft alte, erhaltene Bauten abgerissen und durch Beton ersetzt. Da wurden allerdings die Betonklötze im Namen des Sozialismus hingestellt: Neue Gesellschaftsform = neue Bauten. Was alt war, war ja vorsozialistisch und daher von Haus aus nicht so gut wie die sozialistischen Bauten…
Achja, noch´n Grund für eine Nicht-Erhaltung alter Bausubstanz (in Ost und West): Der Verkehr. Is doch viel besser, wenn die Autos quer durch die Stadt flutschen können… Wenn so´n altes Geraffel im Weg rumsteht, dann musses eben weg!
Dass es soviel Autos werden könnten, konnte sich damals wohl keiner vorstellen.
VG
Christian
Servus!
Einige schafften
es einzelne Hausbesitzer zu überzeugen, wodurch dann
nachahmenswerte Beispiele entstanden, die auch den Nachbarn
animierten. Wettbewerbe wie „Unser Dorf soll schöner werden“
taten ein Übriges dazu.
Wie? Meines Wissens (bezogen auf Bayern, da hab ich´s ein bisschen mit verfolgt) wurden grad in den ersten Jahren dieses Wettbewerbs üble Verbrechen sowohl am guten Geschmack als auch am Denkmalschutz begangen, alles zu Gunsten des gerade allgemein verbreiteten Stils. In den 70ern gehörten dazu z.B. schicke schwarzbraun lackierte Jodlerbalkone mit Geranien und Riesenfenster.
Da musste manch altes Bauernhaus dran glauben! Nicht in der Substanz, aber wehe, es wurde renoviert…
VG
Christian
Hallo Ostlandreiter,
auf der Westseite des Rheinlandes gibt es mehrere Faktoren, die alte Bausubstanz in einigen Gegenden rar sein läßt.
Zum einen sind das in einigen Städten massive Kriegseinwirkungen. Jülich und Düren waren zu etwa 98 % zerstört.
Dann in neuerer Zeit der Braunkohletagebau, dem mittlerweile hunderte von Dörfern zum Opfer gefallen sind und weiter fallen.
In vielen Dörfern war es in den 50ern schick, Fachwerk hinter Asbestplatten zu verstecken. Jetzt werden diese Platten zum Teil abgebaut und hervor kommt ruiniertes Fachwerk …
Gandalf
Zum einen sind das in einigen Städten massive
Kriegseinwirkungen. Jülich und Düren waren zu etwa 98 %
zerstört.
Das erklärt natürlich auch die Tatsache, daß in größeren Städten oft nicht viel erhalten ist außer schweren Steinbauten und diese auch oft wieder neu aufgebaut wurden.
Dann in neuerer Zeit der Braunkohletagebau, dem mittlerweile
hunderte von Dörfern zum Opfer gefallen sind und weiter
fallen.
Daran hatte ich noch überhaupt nicht gedacht.
In vielen Dörfern war es in den 50ern schick, Fachwerk hinter
Asbestplatten zu verstecken. Jetzt werden diese Platten zum
Teil abgebaut und hervor kommt ruiniertes Fachwerk …
Dann ist die Substanz ja dennoch vorhanden. Auffälligerweise gibt es aber Landstriche, in denen fast in jeder Ortschaft noch alte Bausubstanz vorhanden ist, beispielsweise im Taunus, ich schrieb ja von Südhessen, und in Teilen von Baden-Württemberg und in Franken. Das umfaßt Bürgerhäuser ebenso wie alte Befestigungsanlagen.
Dann gibt es Gebiete, wo das kaum der Fall ist. Es sind ja nicht einzelne Ortschaften, sondern ganze Regionen.