Hallo liebe Mediziner,
kann mir bitte jemand ganz allgemein aufzählen, worauf eine erhöhte Pulsfrequenz bei einem jungen Erwachsenen (29 J.), im Ruhezustand, zurückzuführen sein könnte. Es geht dabei nicht um Ruhe nach Sport oder Aufregung, es wurde keine Krankheit gefunden, keine Herzanomalie, es ist auch nicht auf Konsum von Drogen, Tabak, Alkohol oder Kaffee zurückzuführen und auch nicht auf Leistungssport. Der untersuchende Allgemeinarzt hat in Zusammenhang mit einer anderen Routineuntersuchung den erhöhten Puls festgestellt und das auch später noch ein paar Mal nachgechecked und bestätigt, auch das Herz (US und EKG) untersucht (ist aber kein Kardiologe …) und nichts gefunden, sich auch nicht mehr weiter dazu geäussert.
Wozu ratet Ihr? Doch zum Kardiologen gehen? Oder gibt es einfach Leute, die ohne, dass es auf eine Krankheit oder Stesssituation zurückzuführen wäre einfach einen hohen Puls haben (90 - 100 in Ruhezustand.) Was könnte die Ursache sein? Besteht ein erhöhtes Gesundheitsrisiko dadurch?`
Vielen Dank für Eure Gedanken, Anregungen, Links oder Informationen zu dieser Sache!
Liebe Grüße
Ama
Hallo Ama,
dass im EKG nichts gefunden wurde, wundert mich nicht. Wenn dein Arzt einen zu hohen Puls festgestellt, aber dir kein Langzeit-EKG gemacht hat, kannst du den Befund zunächst mal ganz locker sehen. Bei vielen Menschen besteht eine unterschwellige Angst oder Nervosität, wenn sie sich in ärztlicher Untersuchung befinden. Da sind Puls und Blutdruck schnell mal etwas zu hoch. Aufschluss bringt da nur eine Langzeituntersuchung (kontinuierlich über 24 h). Also bevor du gleich zum Kardiologen gehst, kannst du ja mal beim Hausarzt anregen, ein Langzeit-EKG zu machen. Dysregulationen zeigen sich auch oft im Belastungs-EKG. Falls auch hier der Verdacht nicht entkräftet wird, kannst du ja immer noch einen Herz-Fachmann aufsuchen.
Ursache kann Vieles sein. Das Spektrum reicht von „idiopathisch“ (Ursache unbekannt) über Elektrolytverschiebungen (z.B. nach einem Saufgelage oder nach dem Sport) und Hypotonie (niedriger Blutdruck) bis hin zu Herzklappenfehlern oder Schilddrüsenerkrankungen. Dies kann aber alles mit recht einfachen Untersuchungen gecheckt werden.
Schlimmstenfalls brauchst du eine „Bremse“ fürs Herz. Sehr gebräuchlich sind hier so genannte Beta-Rezeptoren-Blocker. Ich selbst kenne privat gleich mehrere junge Menschen (so um die 30-40), die gering dosiert eben solche Betablocker nehmen und damit völlig ohne Beeinträchtigung (auch im Sport) leben.
Bleib also gelassen und sorg zuerst mal dafür, dass Langzeituntersuchungen stattfinden. Zur ernsthaften Besorgnis ist noch lange kein Anlass.
Gruß
Habe Durchfall
Hallo Habe
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vielen Dank für Deine Informationen. Meines Wissens wurde kein Langzeit-EKG gemacht. Blutdruck ist ok, Elektrolytverschiebungen und niedr. Blutdruck kann man ebenfalls ausschliessen. Der Allgeimenarzt hat einen Beta-Blocker verordnet (weiss leider nicht, wie das Medikament heisst), den der Patient sehr widerwillig in halber Dosierung (1/2 Tabl./Tag) einnimmt, weil er a) nicht so richtig versteht warum, b) Nebenwirkungen bei Langzeiteinnahme befürchtet, c) meint, noch „zu jung“ zu sein um an solchen Medikamenten zu „hängen“ etc. Andererseits macht er sich Sorgen um seine Gesunheit, will zu Homöopathen, TCM-Spezialisten etc. Ich bin nicht gegen NAturmedizin, aber ich denke, da hat die Schulmedizin mehr Möglichkeiten die Ursache heruauszufinden. Habe geraten, er soll sich doch mal informieren, wie Beta-Blocker funktionieren und wie lange er sie vermutlich einnehmen muss, bevor er sich entscheidet sie abzusetzen und weiter um seine Gesundheit bangt … Ich denke manchmal, vielleicht ist auch die Angst die Ursache des hohen Pulses … Werde auf jeden Fall das mit dem Langzeit-EKG mal weitergeben.
Herzlichen Dank
Ama
Homöopathie und TCM
Hallo Ama,
ein bißchen Senf von der Fachfrau zu deiner Einschätzung.
Homöopathie:
Du hast recht was die Diagnosemöglichkeiten der Homöopathie betrifft. Wir sind in aller Regel auf die Schulmedizin angewiesen was die klinischen Diagnosefähigkeiten angeht. Die Schulmediziner sind da erstens besser für ausgebildet und zweitens haben sie mehr technische Möglichkeiten.
Behandeln können wir nach der Diagnose aber meist mit mehr Möglichkeiten als Beta-Blocker (diese blockieren übrigens die Rezeptoren am Herzen an die sonst Adrenalin gehen würde, d.h. sie verhindern die Anregung des Herzens auch bei ein hohen Streßhormonspiegel. Das ist erstmal relativ harmlos und nicht schädigend im Gegenteil, es beruhigt das Herz. Es ist allerdings auch keine ursächliche Behandlung.)
Homöopathisch kann ich immer auch zusätzlich behandeln und dann den Betablocker irgendwann ausschleichen lassen. Wenn es eine gefundene klinische Ursache gibt, bau ich die in meine Behandlung mit ein. Gibt es sie nicht, dann stelle ich „nur“ eine Diagnose innerhalb meines homöopathischen Systems und behandel diese.
Beides funktioniert bei einem guten Homöopathen am Ende so, daß das Herz ruhiger schlägt auch ohne Betablocker. Du hast aber auch recht, daß er sinnvollerweise noch zu einem guten Kardiologen oder Internisten geht.
Ich selbst bin viele Jahre rumgelaufen mit einem nicht diagnostizierten Herzklappenfehler der für Tachykardie (zu schneller Puls) und asthmatischem Husten verantwortlich war, der aber ewig nicht gefunden wurde. Bis ich zu einem guten Arzt gegangen bin. Ich habe dann auch 1,5 Jahre lang einen Beta-Blocker genommen und komm mittlerweile dank der Behandlung durch einen Kollegen ohne aus.
TCM:
Die TCM hat mit der Diagnose von Puls (sehr viel umfangreicher, als in der westlichen Schulmedizin) und Zunge eigene Diagnosemöglichkeiten, die wirklich sehr ausgereift und gründlich sind.
Hier hätte ich also nicht nur eine gute Behandlungsmöglichkeit, sondern im Zweifel auch noch eine praktische Diagnosefindungsmöglichkeit
.
Auch hier gilt: Beides sowohl die gefundene schulmedizinische Diagnose, also auch das was die Schulmedizin idiopathisch (also im Prinzip „ohne Grund“) nennt ist gut behandelbar.
Auch hier ist es wieder günstig, alle Möglichkeiten die es gibt, also auch die volle schulmedizinische Diagnostik auszunutzen.
Aber es spricht nichts dagegen - im Gegenteil - dann auch die vollen Behandlungsmöglichkeiten nicht nur der Schulmedizin auszunutzen.
Nur mein Senf wie gesagt.
Schönen Sonntag
Kerstin