Erich Fried

Hallo!

In Deutsch halte ich ein Referat über Erich Fried. Neben den Lebensdaten und Werken, die ja übers Internet leicht zu erfahren sind, soll ich auch etwas über die Zeit in der er lebte berichten. Was war für sie typisch? Wie stand Fried dazu? Ging er mit der Zeit? Welche Themen sind bei ihm immer wieder zu finden? Welche Merkmale haben seine Werke? Dabei soll es besonders um seine Gedichte gehen.

Danke für eure Antwort,
Christian

Hallo Christian,
vielleicht hilft dir dieses Referat zu Erich Fried weiter, in dem seine autobiographisch-dichterische Entwicklung beschrieben wird (stets hängen Leben und Werk zusammen!):
http://www.hausarbeiten.de/rd/archiv/big/big-text42…
Und dazu natürlich „DER“ Link: http://www.erichfried.de/

Viel Erfolg, Allie

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Hallo, Christian!

Ich habe noch folgende Biografie für Dich gefunden:


Geburt und Herkunft
* 6. Mai 1921 in Wien + 22. Nov. 1988 in Baden-Baden

Erich Fried entstammte einer jüdischen Wiener Familie. Nach dem „Anschluß“ Österreichs an Deutschland fiel sein Vater im Mai 1938 der Gestapo-Folter zum Opfer. Seine Großmutter kam später in Theresienstadt ums Leben. Er selbst, damals Gymnasiast am Wiener Bundesgymnasium, konnte im August 1938, zusammen mit seiner Mutter, nach England entkommen. Das traumatische Erlebnis blieb tief in seine Erinnerung eingebrannt. So wurde noch viel später das genau angegebene Datum zum Ausgangspunkt der Erzählung „Die grüne Garnitur“ (in: Das Unmaß aller Dinge, 82).

Berufliches Wirken
Im englischen Exil hielt sich F. mit verschiedenen Gelegenheitsarbeiten über Wasser. Zeitweise arbeitete er als Bibliothekar. In London gründete er eine Flüchtlings-Selbsthilfegruppe, die mehr als 70 Verfolgten die Flucht nach Großbritannien ermöglichte. Von 1952 an war F. Kommentator des „German Soviet Zone Programm“ der BBC, gab diese Mitarbeit aber im Febr. 1968 wieder auf, weil er nicht länger „anti-kommunistische Propaganda“ betreiben wollte. F. war britischer, ab 1981 auch wieder österreichischer Staatsbürger. Seinen Wohnsitz in London behielt er bis zuletzt bei.
F.s lyrisches Schaffen reicht zurück bis in die letzte Zeit des Zweiten Weltkrieges. In der anhaltenden Sprachisolation des Exils entwickelte F. ein intimes, fast überbewußtes Verhältnis zu seiner Heimatsprache. Das ständige Befragen der Worte in seiner Lyrik hatte wohl etwas mit dieser Situation zu tun. 1944 erschien in London sein erster Gedichtband (in deutscher Sprache) mit dem Titel „Deutschland“. Wenige Monate nach Kriegsende publizierte er weitere Gedichte unter dem Titel „Österreich“ (45). F.s lyrische Sprache entwickelte sich von zunächst liedhaftem, bilderzeugendem Medium „zunehmend zum dialektisch zugespitzten, rationell kalkulierten Mittel des aus der Betroffenheit resultierenden ‚eingreifenden‘ Gedichts“ (Weltliteratur im 20. Jh.). Als entscheidender Wendepunkt in seiner schriftstellerischen Aussage gelten die zwischen 1962 und 1966 entstandenen „Anti-Vietnamkriegs-Gedichte“ (zusammengefaßt in dem Band „und Vietnam und“, 66), mit denen er zum „Paradebeispiel für politische Lyrik“ avancierte (ebd.). Der Dichter der Wortspiele, liedhafter Gesänge und eines dunklen Bildreichtums „wird zum lyrischen Verstärker der Neuen Linken“ (FR, 5.83). Diese politische Lyrik, die auf jede Zeitungsmeldung reagieren konnte, war „zum alsbaldigen Verbrauch bestimmt“ (FAZ). Sie war im Grund so prosaisch wie die Welt, der sie „kritisch beizukommen“ suchte, fand aber dessenungeachtet ein überaus breites Publikum, allerdings auch viele Kritiker. 1978 wurden einige seiner Texte aus den bayerischen Schulbüchern gestrichen. Sein politisches Engagement etwa gegen den Vietnam-Krieg oder die Politik Israels („Höre Israel! Gedichte“, 74) und die Formen der Terrorismus-Bekämpfung in der Bundesrepublik Deutschland führte ihn in manche Kontroversen. Insgesamt hinterließ F. rd. zwei Dutzend Gedichtbände, die eine Gesamtauflage von über 300.000 Expl. erreichten.
Von F.s wenigen Prosawerken - nach dem Krieg geschrieben, aber erst sehr viel später veröffentlicht - wurde der Roman „Ein Soldat und ein Mädchen“ (60) 1982 neu aufgelegt. 35 seiner Erzählungen erschienen 1982 in dem Sammelband „Das Unmaß aller Dinge“, der zum großen Teil Reflexionen und Kommentare enthält. Einen Namen machte sich F. auch als Übersetzer (u.a. Shakespeare-Dramen, Euripides, T.S. Elliot, Graham Greene, Edith Sitwell, David Rokeah, Thomas Dylan, Syliva Plath). Seine Shakespeare-Übertragungen zählen zu den „herausragenden Sprachleistungen dieses Jahrhunderts“ (NZZ).

Werke, Publikationen
Veröffentlichungen (Auswahl): „Gedichte“ (58), „Reich der Steine“, Zyklische Gedichte (63), „Warngedichte“ (64), „Überlegungen“, Gedichtzyklus (64), „Kinder und Narren“, Prosa (65), „Arden muß sterben“, Operntext (67), „Anfechtungen“, Fünfzig Gedichte (68), „Zeitfragen“, Gedichte (68), „Befreiung von der Flucht“, Gedichte und Gegengedichte (68), „Shakespeare-Übersetzungen“ (68ff), „Verhaltensmuster Intellektuelle und Sozialismus-Essays“ (Mitautor; 69), „Die Beine der größeren Lügen“, Gedichte (69), „Unter Nebenfeinden“, 50 Gedichte (70), „Aufforderung zur Unruhe“, Gedichte (72), „Gegengift“, 49 Gedichte und ein Zyklus (74), „Fast alles Mögliche. Wahre Geschichten und gültige Lügen“ (75), „So kam ich unter die Deutschen“ (77), „Die bunten Getüme“, 70 Gedichte (77), „100 Gedichte ohne Vaterland“ (78), „Die Beine der größeren Lügen“, „Unter Nebenfeinden“, „Gegengift, drei Gedichtsammlungen“ (78), „Die Freiheit den Mund aufzumachen“, 48 Gedichte (78), „Liebesgedichte“ (79; Aufl. rd. 150.000 Expl.), „Zur Zeit und zur Unzeit“, Gedichte (81), „Lebensschatten“, Gedichte (81), „Das Nahe suchen“, Gedichte (82), „Befreiung von der Flucht“, Gedichte und Gegengedichte (83), „Höre Israel“ (neue und erweiterte Auflage, 83), „Es ist, was es ist“, Gedichte (83), „Beunruhigungen“ (84), „Kalender für den Frieden 1985“ (84), „Um Klarheit“, Gedichte gegen das Vergessen (85), „Frühe Gedichte“ (87), „Wächst das Rettende auch?“ Gedicht für den Frieden (87), „Mitunter sogar Lachen“ (87; Erinnerungen), „Vorübungen für Wunder - Gedichte vom Zorn und von der Liebe“ (87), „Am Rand unserer Lebenszeit“, Gedichte (87). Zusammen mit dem Künstler Michael Helm gestaltete er den Band „Gegen das Vergessen. Texte und Radierungen“ (87). 1988 erschienen noch die Bände „Unverwundenes. Liebe, Trauer, Widersprüche“ und „Gedanken in und an Deutschland. Essays und Reden“. Hörspiele: „Erinnerung an einen Feiertag“ (58), „Izanagi und Izanami“ (60), „Indizienbeweise“ (60), „Die Expedition“ (62), „Magellans Fahrt“ (62), „Die Beine der größeren Lügen“ (70), „Welch Licht scheint dort“ (80).

Literatur
Literatur über F.: Michael Lewin, „Über Erich Fried“ (87).
Volker Kaukoreit/Jörg Thunecke: „126, Westbourne
Terrace. Erich Fried im Londoner Exil (1938-1945).“ Texte und
Materialien (01)

Preise, Auszeichnungen
Auszeichnungen: Fördergabe des Schiller-Gedächtnispreises des Landes Baden-Württemberg (65), Österreichischer Würdigungspreis für Literatur (72), Prix International des Editeurs (77), Preis der Stadt Wien für Literatur (80), Bremer Literaturpreis (83), Carl-von-Ossietzky-Medaille (86). 1987 erhielt F. den Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Mit seiner Dankesrede zum letzteren Preis sorgte F. noch einmal für eine kleine Kontroverse, als er erneut ein „schwarzes Gemälde vom Unterdrückungsstaat“ zeichnete („Büchner wäre heute Mitglied der Baader-Meinhof-Gruppe“) und damit nach Meinung der FAZ Augenmaß vermissen ließ. F. war seit 1974 Mitglied im P.E.N.-Zentrum Bundesrepublik Deutschland.

Familie/Interessen/Hobbies
F. war dreimal verheiratet und hinterließ sechs Kinder. Er starb nach jahrelangem Krebsleiden am 22. Nov. 1988 im Alter von 67 Jahren in einer Klinik in Baden-Baden.


Gruß!
Chris

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