Hi,
mir fiel leider keine passendere Überschrift ein.
Wie soll ich meine Frage erklären - ich merke immer wieder, dass mir Leute, die mir sozusagen ‚gleichgültig‘ sind, die ich einfach so kenne, oder aber auch Freunde und Verwandte, gut im Gedächtnis bleiben.
Sowie da aber mehr Gefühle dazukommen, dh, wenn ich verliebt bin, einen Freund habe, ich ihn aber mal nen paar Tage nicht sehe, dann verschwindet irgendwie sein Gesicht aus meinem Gedächtnis. Natürlich nicht völlig - und natürlich nicht in dem Sinne, dass man das Ausssehen einer Person vergisst & sie nicht wiedererkennt. Nein, es ist, als würde gerade deswegen, weil ich das ‚Abbild‘ gerne in meiner Erinnerung hätte, selbiges verlorengehen.
Ich kann’s nicht so ganz beschreiben, aber was ich gerne wissen würde, ist:
Geht das anderen Menschen auch so, oder ist das ziemlich ungewöhnlich?
Mein Hirn funktioniert schon bei bestimmten Dingen ‚ein bisschen anders‘ - aber da ich bisher nur in meinem eigenen Hirn gelebt habe, merke ich ab und an, dass ich gar nicht weiss, dass es anderen Menschen bei bestimmten Dingen NICHT so geht wie mir.
Ich würde mich über Antworten freuen - es geht mir auch nicht darum, ein ‚Problem‘ zu lösen, ich möchte wirklich nur wissen, wie ich dieses ‚Phänomen‘ sozusagen einordnen soll.
ich glaube, sobald man versucht, sich an eine Person zu erinnern, klappt das nicht mehr. Menschen, mit denen Du nur flüchtig in Berührung kamst, kannst Du vielleicht eher erinnern, weil Du sie mit einer bestimmten Situation in Zusammenhang bringst.
Versuch mal, Dich an besonders liebe Menschen nicht in der Form zu erinnern, dass Du das Gesicht zu sehen versuchst, sondern erinner Dich an eine bestimmte Situation mit diesem Menschen. Das klappt meistens!
Hallo Isabel
(meine älteste Tochter heißt auch Isabel, aber das habe ich Dir schonmal geschrieben, oder?)
das von Dir beschriebene Phänomen finde ich sehr interessant. „Normalerweise“ geht es den Leuten umgekehrt - sie könnnen sich an die vertrautesten Gesichter am besten erinnern, diese haben also den höchsten Wiedererkennungswert.
Nun müßte man einfach mal analysieren, WIESO es bei Dir anders ist. Es wird schlicht und ergreifend einen sinn-machenden, psychischen Hintergrund haben.
Vielleicht macht Dir
eine große Nähe auch in d er Tiefe eine gewisse Angst, so dass Du gleichsam im Erinnern auch das Vergessen, besser: den Abstand, suchst und brauchst. Einigen Menschen geht es so, dass sie zu bestimmten Menschen sowohl große, fast symbiotische Nähe als auch Distanz suchen, weil sie fürchten, durch „Verschmelzung“ bei zu großer Nähe ihr Ich, Ihre Ich-Konturen, zu verlieren. Dies ist selbstverständlich unbewußt.
Es grüßt Dich
Branden
ich glaube, sobald man versucht, sich an eine Person zu
erinnern, klappt das nicht mehr.
Das halte ich auch für den Grund, aber mir geht’s wirklich nicht darum, dem Abhilfe zu schaffen, sondern ich würde wirklich gerne mal einordnen können, ob das ungewöhnlich oder normal ist.
Hallo Isabel
(meine älteste Tochter heißt auch Isabel, aber das habe ich
Dir schonmal geschrieben, oder?)
ja, hattest Du wohl mal - aber mein Erinnerungsvermögen ist auch im Allgemeinen nicht gerade das beste.
das von Dir beschriebene Phänomen finde ich sehr interessant.
„Normalerweise“ geht es den Leuten umgekehrt - sie könnnen
sich an die vertrautesten Gesichter am besten erinnern, diese
haben also den höchsten Wiedererkennungswert.
Hhm… meinst Du wirklich, dass es ungewöhnlich ist? Das ist ja das, was ich gerade rauszufinden versuche.
Aber das es an den von Dir genannten Gründen liegt, würde ich mal bestreiten.
Nicht, dass sie nicht plausibel wären, aber bei mir liegt’s wohl an anderen Dingen.
Und da ich halt auch glaube, dass es eher daran liegt, dass man sich ‚verkrampft‘, wenn man sich an was erinnern will, bin ich mir halt nicht so sicher, ob es wirklich ein ‚ungewöhnliches Phänomen‘ ist.
Ich bin zwar nicht vom Fach , aber ich kenne das „Problem“ - ich habe das auch immer, und die paar Leute, mit denen ich darüber gesprochen habe, hatten das auch.
Ist aber nicht repräsentativ.
Aber ich habe inzwischen rausgefunden, wie ich das umgehen kann: Ich denke an ein Foto von der Person, den daran kann ich mich seltsamerweise noch erinnern.
Oder an eine bestimmte Situation mit der Person.
Ich glaube, das liegt einfach daran, das ich mich an die Personen die nur flüchtig kenne, situativ erinnere, zB vor Uni-Kulisse.
Dh ich erinnere mich nicht nur an die Gesichter, sondern an das Gesicht vor der häuigsten Kulisse, vor der ich es sehe.
Während ich Personen, die ich gerne habe, natürlich überall sehe.
Und sich nur an die Gesichter zu erinnern finde ich schwierig.
Sowie da aber mehr Gefühle dazukommen, dh, wenn ich verliebt
bin, einen Freund habe, ich ihn aber mal nen paar Tage nicht
sehe, dann verschwindet irgendwie sein Gesicht aus meinem
Gedächtnis. Natürlich nicht völlig - und natürlich nicht in
dem Sinne, dass man das Ausssehen einer Person vergisst & sie
nicht wiedererkennt. Nein, es ist, als würde gerade deswegen,
weil ich das ‚Abbild‘ gerne in meiner Erinnerung hätte,
selbiges verlorengehen.
Das geht mir genauso, aber nur wenn ich richtig verliebt bin. Dann kann ich das Gesicht einfach nicht vor meinem inneren Auge sehen, alle anderen ja nur eben dieses nicht.
Das seltsame daran ist das ich sonst ein eher photographisches Gedächtnis habe, letztens war ich bei einer Freundin und als ich wieder zurück war hat sie mich gefragt wo sie etwas liegen hat. Ich hab nur das Bild in meinem Kopf abgerufen und konnte ihr sagen wo das Zeug liegt.
So schreibe ich auch, ich rufe die Bilder von den Wörtern ab und lege sie im Kopf über das was ich geschrieben habe, so komm ich einigermassen mit meiner Rechtschreibschwäche klar.
Ich kann’s nicht so ganz beschreiben, aber was ich gerne
wissen würde, ist:
Geht das anderen Menschen auch so, oder ist das ziemlich
ungewöhnlich?
Mir geht es auch so, aber das muss nichts bedeuten
Liebe Isabel,
ich kenne das Phänomen (auch wenn’s lange her ist *g).
Eine Vermutung: Vielleicht ist dieses „Verlieren“ eines Bildes vom geliebten Objekt ein erster Ausdruck von Verlustangst?
Keine Ahnung, geb’ ich ja zu, finde es aber interessant.
Gruß,
Anja
„Normalerweise“ geht es den Leuten umgekehrt - sie könnnen
sich an die vertrautesten Gesichter am besten erinnern, diese
haben also den höchsten Wiedererkennungswert.
Hallo, Branden,
ich weiß nicht, worauf Du diese Aussage stützt, sie ist sicher fundiert. Aber sie läuft merkwürdigerweise der Mehrzahl der Antworten genau entgegen.
Und auch nach meiner Erfahrung ist es so: Vertraute Gesichter erkenne ich zwar sofort wieder, notfalls auch im Dunkeln. Aber es fällt mir schwer mit ihre Gesichter vorzustellen. Das ist bei nur flüchtig Bekannten anders. Da kann es durchaus sein, dass ich auf der Straße an ihnen vorbeilaufe, aber ich kann mir die Gesichter im Geist vorstellen.
Wahrscheinlich ist es individuell unterschiedlich, Eckard. Ich hatte nur diese Idee bei der Fragerin - halt (wie üblich) eine analytisch gedachte Möglichkeit.
Gruß, Branden
Das geht mir genauso, aber nur wenn ich richtig verliebt bin.
Dann kann ich das Gesicht einfach nicht vor meinem inneren
Auge sehen, alle anderen ja nur eben dieses nicht.
Möglicherweise hat dies folgenden Grund, Jan:
Bei der Verliebheit verschwindet ja bekanntlich die OBJEKTIVE WAHRNEHMUNG. Man erlebt die geliebte Person subjektiv als ideal. Möglicherweise kann man daher ihr objektives Aussehen nicht erinnern.
Gruß, Branden
Hallo Isabel,
ich kenne dieses Phänomen auch gut. Dachte, nur mir ginge es so, da z.B. mein Freund im umgekehrten Fall mein Gesicht gut „erinnern“ (vor dem inneren Auge visualisieren?) kann. Kann es mir auch nicht erklären, aber Du wolltest ja auch keinen Erklärungsversuch:smile:
Lieber Gruss
Christine
neulich kam im Fernsehen ein Beitrag über Menschen, die enorme Schwierigkeiten haben sich direkt Gesichter zu merken. Sie erkennen Personen an Gesten, Stimme, Verhalten, etc. nicht aber an dem Gesicht. Diesen Personen fällt das meist erst spät auf und meistens sogar nur dann, wenn sie sehr viele verschiedene Leute um sich herum haben. Anscheinend sin 2% der Bevölkerung davon betroffen.
Hi Isabel,
zwei Hypothesen könnte ich noch anbieten.
Der Zustand des Verliebtseins, also meist ein bei aller Schwärmerei doch recht Unsicherer, lässt einen mitunter besonders sensibel für Zeichen des Gegenübers werden, die einem bestätigen, dass die eigenen Gefühle erwidert werden. Dabei ist besonders die Mimik von großem Interesse. Man versucht, durch besondere Aufmerksamkeit hinsichtlich des Gesichtsausdrucks, den anderen Menschen kennen zu lernen und beachtet hier weniger das grobe Aussehen, als eben die Gesichtsbewegungen und vielen kleinen Hinweise auf das Verliebtsein des Partners. Beachtet man jedoch hauptsächlich Zeichen des Gesichts (also die Mimik) bleiben weniger Kapazitäten frei für das eigentliche Aussehen.
Die andere Hypothese geht eigentlich in eine ähnliche Richtung; beim Gesichtermerken fremder Personen werden weniger Einzelheiten des Gesichts, sondern eher grobe Kennzeichen, wie Proportionen der einzelnen Anhaltspunkte Nase, Augen, Mund) zueinander gespeichert. Einzelheiten wie Augenfarbe, Dicke der Lippen oder Form der Ohren werden i.d.R. erst bei späterem näheren Kennenlernen gemerkt.
Im Zustand des Verliebtseins ist das zunächst nicht anders, der Mangel an Details wird aber bei späteren, besonders häufigen Erinnerungsversuchen als besonders gravierend erlebt. Man hat zwar genügend Informationen, um den entsprechenden Menschen wiederzuerkennen, kann sich aber kein präzises Abbild vorstellen, das man sich im Zustand des Verliebtseins jedoch besonders wünscht.
So könnte dies auch eine Form der selektiven Wahrnehmung sein: Man nimmt des Mangel an Informationen bezügl. Aussehen des Partners nur deshalb wahr, weil man verliebt ist und sich besonders viele Details seines Aussehens in diesem Zustand ersehnt. Diesen Mangel hat man zwar immer, nimmt ihn bei nicht sehr wichtigen Personen aber nicht wahr, weil man ihn nicht für besonders wichtig hält. Zum Wiedererkennen reicht es ja.
Danke Euch allen…
… aber warum muss ich immer Fragen stellen, auf die es keine Antworten gibt?
Ich kann nun annehmen, dass gerade Leute, denen es genauso geht, auf meine Frage reagieren, und dass ich daher fälschlich den Eindruck gewinne, dies sei gar nicht so seltsam.
Oder ich kann annehmen, dass es einer Menge Leute scheinbar auch so geht, und dies deshalb doch recht normal ist…
Ach, ich weiss nicht…
Aber vielen Dank für Eure Antworten.
Ich habe auch ein visuelles/photographisches Gedächtnis, und deshalb empfinde ich diese Lücke als etwas seltsam. Aber nach dem Lesen Eurer Kommentare denke ich doch, dass es eher was mit einem ‚zwanghaften Festhalten‘ eines image zu tun hat - und dieses Zwanghafte ist halt bei Menschen, die einem nicht nahe stehen, nicht da.
ich fand Branden’s letzten Erklärungsansatz schon sehr gut.
Denn, die Menschen, die man liebt oder sehr mag, die mag man in der Regel nicht wegen ihres Aussehens, sondern viel mehr wegen ihrer inneren Werte. Eben deshalb, ist man unbewusst nicht auf das Gesicht fixiert und kann es sich einfach schlechter merken.
Bei Menschen, die ich nicht leiden kann, ist es bei mir zumind. anders. Wenn man sie kennenlernt, dann assoziere ich ihre schlechten Eigenschaften mit dem Gesicht (Aussehen), weshalb dieses dem Gerhirn in guter „schlechter“ Erinnerung bleibt.
Egoisums? Unterstelle ich Dir nicht, aber wäre eine Erklärung.
Ein Egoist nimmt m.E. die Personen seiner Umgebung
nicht so intensiv wahr (die sind ja sowieso da)
wie ferne Bekannte, die ihm evtl einen Vorteil geben könnten
und die damit interessanter erscheinen.
Interessante Version für Branden.
Gruss - digi
Nein, ich bin kein Fachmann auf dem Gebiet -
ich spreche nur aus der Praxis.