erklär mir postmoderne

„erklär mir liebe“ hat frau bachmann
früher mal gefordert.

erklärt mir „postmoderne“.
könnt ihr?

freu mich auf spannende repliken!

alabama

Hallo !

Postmoderne
[lateinisch] Postmodernismus, ein Anfang der 1970er Jahre von dem Architekturtheoretiker C. Jencks und dem Architekten A. M. Stern geprägter Begriff, der Tendenzen zusammenfaßt, die sich gegen die geometrische Abstraktheit und Technikbezogenheit der sog. Moderne wenden. Kennzeichnend ist ein spielerisches Hantieren mit dem historischen Erbe, die bewußt eklektische Collage, die in der Überlagerung vertrauter Formen sowohl ironische Distanz wie neuen Bedeutungszusammenhang erzielen will. Diese Tendenzwende setzte in den 1980er Jahren vor allem bei öffentlichen Gebäuden stadtbildverändernde Akzente. Hauptwerke der postmodernen Architektur in der Bundesrepublik Deutschland sind die Neue Pinakothek in München von A. von Branca (1981), das Museum am Abteiberg in Mönchengladbach von H. Hollein (1982) und die Erweiterung der Staatsgalerie in Stuttgart von J. Stirling (1984).
Von der Architektur ausgehend hat sich der Begriff der Postmoderne ausgeweitet und wird als Leitbegriff einer Übergangssituation in allen kulturellen Disziplinen von der Philosophie bis zur Naturwissenschaft diskutiert.
§ostmoderne - eine werkstatt

 
© 2000 Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH, Gütersloh

Gruß Max

Innigsten Dank…
…an Max für diese Erläuterung. Leider mußte ich die Feststellung machen, daß nur die allerwenigsten, die in akademischem Rahmen mit diesem Begriff um sich werfen (speziell im filmwissenschaftlichen Bereich), ihn auch nur annähernd definieren oder zumindest erklären können, was SIE damit eigentlich meinen. Insofern ist die Definition zwar sicherlich korrekt, gibt aber den traurigen tatsächlichen Sprachgebrauch nicht recht wieder, zumal dieser mittlerweile mit noch größeren Blödsinnigkeiten wie Prä- oder Postpostmoderne angereichert wurde. Im Zweifelsfalle empfehle ich daher, äußerst kritisch zu werden, wenn dieser Etikettenbegriff in irgendeiner Quelle auftaucht.

Gruß,
Pengoblin

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Hallo,

[lateinisch] Postmodernismus, ein Anfang der 1970er Jahre von
dem Architekturtheoretiker C. Jencks und dem Architekten A. M.
Stern geprägter Begriff, der Tendenzen zusammenfaßt, die sich
gegen die geometrische Abstraktheit und Technikbezogenheit der
sog. Moderne wenden.

Das ist nicht zutreffend. Gerade in dem Sinn, wie wir heute von Postmoderne reden, stammt dieser Begriff aus der Literaturkritik und ist einige Jahrzehnte älter. Ich hänge einen etwas längeren Text an, der das aufdröselt:

Es ist ein Allgemeinplatz, der Begriff sei in der Architekturtheorie entstanden und die Philosophie habe ihn daher entlehnt; aber das ist falsch. Der älteste Beleg für das Wort (nicht den Begriff) „postmodern“ datiert zur Zeit um das Jahr 1870 (aber vielleicht wird man ältere Belegstellen auch noch finden). Ein ansonsten eher unbekannter Maler, der Engländer John Watkins Chapman, benutzt es in Zusammenhang mit der Forderung, ‘moderner’ zu sein als die modernste Malerei seiner Zeit, der Impressionismus; den Ausdruck ‘postmodern’ prägt Chapman, um sich von der vorherrschenden reaktionären Kritik am Impressionismus abzusetzen. Der Terminus bleibt unbemerkt und verschwindet wieder.
Ein deutscher Literat und Nietzsche-Epigone, Rudolf Pannwitz, verwendet den Begriff „postmodern“ 1917 („Die Krisis der europäischen Kultur“, Bd. 2). Sein „postmoderner Mensch“ ist das Ergebnis der „radikalen Revolution des europäischen Nihilismus“, ein Aufguß von Nietzsches Übermensch. – Wieder verschwindet das Wort, und es taucht noch ein paar mal vereinzelt auf, bis der britische Kultur- und Geschichtsphilosoph Arnold Toynbee in seinem 1947 erscheinendem Werk „A Study of History“ die gegenwärtige Phase der abendländischen Kultur „post-modern“ nennt: sie ist gekennzeichet durch den Übergang der Politik von national-staatlichen Denken zu globaler Interaktion und beginnt, Toynbee zufolge, 1875.
Wirkmächtig wird der Begriff aber in einem ganz anderen Kontext und, obwohl von Toynbee übernommen, mit ganz anderem Inhalt. Der amerikanische Literaturkritiker Irwing Howe spricht 1959 in einem Artikel von „post-modern literature“: ‘postmodern’ ist für ihn dabei Ausdruck einer Negativdiagnose der Gegenwartsliteratur, der es gegenüber den großen Vorbil-dern der Moderne – Eliot, Proust, Pound bilden hier den Minimalkanon – an Kraft und Innova-tion gebricht. Bei dieser Bewertung bleibt es aber nicht lange. Mitte der 60er Jahre geben Kriti-ker wie Leslie Fiedler und Susan Sontag die Orientierung am Maßstab der Moderne auf und kommen zu einer positiven Bewertung der literarischen „Post-Moderne“ gerade dadurch, daß diese die Hermetik der Altmeister und ihre Beschränkung auf einen kleinen, elitären Kreis (eine intellektuelle Oberschicht) von Lesern sprengt; in der Verbindung von Elite-und Massenkultur wird die eigentliche Leistung von „post-modernen“ Autoren wie Norman Mailer, Boris Vian und Leonard Cohen gesehen. Ausdruck dieses Ausbruchs aus den kleinen, feinen Zirkeln der Hoch-kultur ist auch die Tatsache, das Leslie Fiedler seinen berühmten Aufsatz „Cross the Border – Close the Gap“, der heute selbst schon der klassische Referenzpunkt detr Postmoderne-Debatte ist, nicht in einer wissenschaftlichen Zeitschrift, sondern im Playboy veröffentlicht hat. Seine „Postmoderne“ ist aber nicht einfach ein Plädoyer gegen die Hoch- und für die Massrenkultur. Im Gegensatz zur „volkstümlichen“ Massenkultur, die, wie Fiedler sagt, ihren Platz in der Klas-sengesellschaft kennt und akzeptiert, zerstört postmoderne Literatur diese Ordnung, ist rebel-lisch, obwohl immer ein wenig auf Distanz zu sich selbst. Postmoderne Literatur ist „ein politi-scher und ästhetischer Akt zugleich“.

(sorry für die Silbentrennungsreste…)

HTH
Täubchen

Na, da wende Dich an Bertelsmann. Habe ich doch groß unter den Text geschrieben!
Natürlich hat hier jeder seine Verssion von Postmoderne und warum sollte ein lexikon mal Recht haben!! Hier bei www wird jeder Lexikontext nicht nur bezweifelt, nein, sofort wird behauptet, er ist falsch.

Grüße max

Na, da wende Dich an Bertelsmann. Habe ich doch groß unter den
Text geschrieben!
Natürlich hat hier jeder seine Verssion von Postmoderne und
warum sollte ein lexikon mal Recht haben!! Hier bei www wird
jeder Lexikontext nicht nur bezweifelt, nein, sofort wird
behauptet, er ist falsch.

Hey, ich bin nicht Dir auf die Zehen gestiegen, sondern habe eine nachweislich falsche Information korrigiert. Das hat m.E. wenig mit persönlichen Postmoderne-Versionen oder -Volieben zu tun. Ich habe auch gesagt, dass dieses Missverständnis weit verbreitet ist.

… alles o.k.?

Täubchen

Hi Täubchen,

Max ist da etwas sensibel, er hat den einen oder anderen Zwist mit einigen Mitgliedern diesr Gescheinschaft hinter sich und fühlt sich in dieser Hinsicht leicht angegriffen.

Gandalf

Hey, ich bin nicht Dir auf die Zehen gestiegen, sondern
habe eine nachweislich falsche Information korrigiert.
Das hat m.E. wenig mit persönlichen Postmoderne-Versionen oder
-Volieben zu tun. Ich habe auch gesagt, dass dieses
Missverständnis weit verbreitet ist.

… alles o.k.?

Täubchen

Postmoderne kurz angefasst
Hallo Täubchen,

dein Text ist gut und bringt weiter. Nur würde ich die Gegenüberstellung ‚entweder-oder‘ zugunsten der Ergänzung ‚sowohl-als-auch‘ aufweichen. Wir haben leider keine allgemeine Theorie für die Bezeichnung der Epoche, jeweils verschiedener Künste, der Literatur sowie der Philosophie geschweige schon fürs Lebensgefühl. So können Theoretiker der Architektur auch weiter Jencks, die der Literatur - Fiedler usw. als ihren jeweils Ersten betonen. Dabei sehen auch Grenzen zwischen der Moderne und Postmoderne in jedem solchen Fall anders aus. Das heißt, Postmoderne in der Architektur, Literatur, Musik etc. hat ihre teils andere Erklärung, Theorie sowie Namen und Kunstwerke, über die man sich streitet. Das hast du auch unterstrichen. Und das liegt auch in der Natur des Begriffes, wie er bis jetzt verstanden wird, nicht wahr? :smile:
Architekturzentriert oder literaturzentriert muss die allgemeine Kunsttheorie sein? Darüber streitet man sich auch…

Gruß