Erklärungsversuch zu 'tote Sprache'

Nach meiner Frage zu Latein und den toten Sprachen will ich anhand eines Gleichnisses zu erklären versuchen, was meiner Meinung nach eine wirkliche tote Sprache ist und warum Latein nicht dazu gehört und warum der Vergleich mit ausgestorbenen Tierarten nicht überzeugend ist.

Stellt euch vor, es gibt eine Zucht mit schwarzen Pferden (lateinische Sprache) und eine kleinere Zucht mit weißen Pferden (dakische Sprache).
Die Zucht mit den schwarzen Pferden expandiert irgendwann auch auf das Gebiet der weißen Pferde. Dort vermischen sich die weißen und schwarzen Pferde, und es entstehen Schecken (rumänisch).
Trotzdem gibt es weiter schwarze Pferde. Sie verändern sich zwar durch Zuchtauslese mit der Zeit in ihrer Gestalt (lateinisch entwickelt sich zu italienisch), aber dennoch geht die Zucht mit den rein schwarzen Pferden weiter bis heute.
Die Zucht mit den weißen Pferden hat dagegen nicht genügend Tiere - es werden immer weniger rein weiße Pferde geboren, irgendwann gibt es keine mehr, sondern nur noch Schecken. Die weißen Pferde sterben aus.

Hallo Feldmarschall,
wenn man deinen Ausführungen folgte, dann wäre z. B. auch das Mittelhochdeutsch der Manesse’schen Nibelungensage noch eine lebendige Sprache, da sicher viele Sprachelemente dieser Zeit auch heute noch vorhanden oder eben eben abgewandelt erhalten sind, wie eben in Deiner Ausführung von Latein zu Italienisch. Die Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen. Dennoch halte ich gerade das eben nicht für eine lebendige Sprache, insofern fange ich mit deinem Gleichnis nicht viel an.

Sprache zeichnet sich m. E. durch fortlaufende Weiterentwicklung, Dialektausformungen etc. aus und wird vor allem auch bestimmt durch die Literatur - oder besser: Medien - geprägt und vice versa. So gesehen halte ich Latein eben doch für eine tote Sprache, da solche wesentlichen Elemente nicht (mehr) vorhanden sind.

Grüßle
Albrecht

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Hallo Feldmarschall,
wenn man deinen Ausführungen folgte, dann wäre z. B. auch das
Mittelhochdeutsch der Manesse’schen Nibelungensage noch eine
lebendige Sprache, da sicher viele Sprachelemente dieser Zeit
auch heute noch vorhanden oder eben eben abgewandelt erhalten
sind, wie eben in Deiner Ausführung von Latein zu Italienisch.
Die Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen. Dennoch halte
ich gerade das eben nicht für eine lebendige Sprache, insofern
fange ich mit deinem Gleichnis nicht viel an.

Dies ist weder eine lebendige noch eine tote, sondern überhaupt keine Sprache. Die Sprache ist deutsch, das Mittelhochdeutsche eine Epoche innerhalb der Entwicklung des Deutschen.

Sprache zeichnet sich m. E. durch fortlaufende
Weiterentwicklung, Dialektausformungen etc. aus und wird vor
allem auch bestimmt durch die Literatur - oder besser: Medien

  • geprägt und vice versa. So gesehen halte ich Latein eben
    doch für eine tote Sprache, da solche wesentlichen Elemente
    nicht (mehr) vorhanden sind.

Weil es schon längst zum Italienischen sich weiterentwickelt hat.

wenn man deinen Ausführungen folgte, dann wäre z. B. auch das
Mittelhochdeutsch der Manesse’schen Nibelungensage noch eine
lebendige Sprache,

Dies ist weder eine lebendige noch eine tote, sondern
überhaupt keine Sprache. Die Sprache ist deutsch, das
Mittelhochdeutsche eine Epoche innerhalb der Entwicklung des
Deutschen.

Aha. Und das Deutsche ist eine Epoche in der Entwicklung des Germanischen, wie das Italienisch eine Epoche in der Entwicklung des Lateinischen ist.
Und Germanisch und Lateinisch sind Epochen in der Entwicklung des Indoeuropäischen, welches evtl. eine Epoche in der Entwicklung des Nostratischen oder Eurasiatischen ist. Wo willst Du aufhören?

So gesehen halte ich Latein eben
doch für eine tote Sprache, da solche wesentlichen Elemente
nicht (mehr) vorhanden sind.

Weil es schon längst zum Italienischen sich weiterentwickelt
hat.

Und damit eine neue Sprache ist. Oder bezeichnest Du Pekinesen auch als Wölfe?

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wenn man deinen Ausführungen folgte, dann wäre z. B. auch das
Mittelhochdeutsch der Manesse’schen Nibelungensage noch eine
lebendige Sprache,

Dies ist weder eine lebendige noch eine tote, sondern
überhaupt keine Sprache. Die Sprache ist deutsch, das
Mittelhochdeutsche eine Epoche innerhalb der Entwicklung des
Deutschen.

Aha. Und das Deutsche ist eine Epoche in der Entwicklung des
Germanischen, wie das Italienisch eine Epoche in der
Entwicklung des Lateinischen ist.
Und Germanisch und Lateinisch sind Epochen in der Entwicklung
des Indoeuropäischen, welches evtl. eine Epoche in der
Entwicklung des Nostratischen oder Eurasiatischen ist.

Ja, so ist es ja im Prinzip auch. Ich habe auch nicht behauputet, daß Urgermanisch oder Indoeuropäisch in meinen Augen im Verlgleich zu Latein tote Sprachen seien.
Wenn man sie als tote Sprachen bezeichnen will, gut.
Aber das Extrem kann man ebenso in die andere Richtung verfolgen. Warum sind in Auflistungen verschiedener (toter und noch lebender) Sprachen, z. b. nie Mittelhochdeutsch, Altniederländisch, das Spanisch der 2. Hälfte des 17. Jh. usw. als eigene Sprachen vertreten?

Warum sind in Auflistungen verschiedener (toter und
noch lebender) Sprachen, z. b. nie Mittelhochdeutsch,
Altniederländisch, das Spanisch der 2. Hälfte des 17. Jh. usw.
als eigene Sprachen vertreten?

Ganz einfach: in diesen Fällen hat noch keine Aufsplitterung in verschiedene Sprachen stattgefunden. Und darum bezeichnet man diese Varianten als alte Versionen lebender Sprachen. Sprachen, die sich während ihrer Entwicklung in mehrere Sprachen aufgesplittet haben, werden dann nicht mehr als alte Varianten bezeichnet. Das ist letztendlich Pragmatismus, um irgendeine Ordnung oder Klassifizierung hinzukriegen.