''Erleuchtung'' - gibt es das überhaupt?

Hallo,

ich stelle diese Frage, nämlich danach, ob es ein Phänomen namens „Erleuchtung“ (ich meine natürlich die metaphorische Bedeutungsvariante des Begriffs) wirklich gibt oder nur den Hype, der von Esoterikern oder auch Religionen davon gemacht wurde und wird, hier im Psycho-Brett, da ich selbiges Phänomen eher wissenschaftlicherseits beleuchtet wissen möchte denn esoterischer- bzw. religiöserseits.

Mir ist klar, daß sozialisierte Menschen in einer (bzw. ihrer) Menschenwelt („Wirklichkeit“) leben, die sie einerseits befähigt, sich in nämlicher Wirklichkeit zurechtzufinden und dort gar „Karriere“ zu machen, andererseits ist ebenso klar, daß die ansozialisierte menschliche Sicht auf die Wirklichkeit Ergebnis antrainierter („ansozialisierter“) Selektions- und Interpretationsmechanismen und -muster ist.

Von daheraus kann ich mir vorstellen, daß es Menschen gibt, die in der Lage sind, (absichtlich oder unabsichtlich) jene in der Sozialisation antrainierte selektive Wahrnehmung zu überwinden, was sie evtl. dazu befähigt, in sinnlicher Hinsicht mehr wahrzunehmen und in intellektueller Hinsicht klügere Gedanken zu treffen als Menschen, die das „Zwangskorsett des ansozialisierten Regelwerks“ als solches gar nicht (mehr) wahrnehmen.

Oder ist es so, daß das Phänomen des „Erleuchtetseins“ für die Psychologie aus wissenschaftlicher Sicht gar nicht existiert, sondern ignoriert bzw. an die Soziologie, die Anthropologie, die Religions- oder die Kulturwissenschaften „wegdelegiert“ wird?

Oder gibt es das Phänomen der „Erleuchtung“ evtl. DEShalb gar nicht, da es sich schlicht um eine überkommene Mystifikation wissenschaftlicher bzw. vorwissenschaftlicher Intelligenz handelt, die (Mystifikation) sich (auch über den metaphorischen Begriff „Erleuchtung“) über die Jahrhunderte gehalten hat?

Gruß,
Uwe

Hallo,

hast Du schon was von „buddhistischer Psychologie“ gehört?
Vielleicht kann Dir die ja eine Antwort geben?
Ansonsten finde ich, dass „Erleuchtung“ sowas von mystifiziertb wird, dass man gar nicht mehr weiss, wie leicht es kein kann, zu leuchten:smile:

MfG, iceage

Moin!

Hallo,

ich stelle diese Frage, nämlich danach, ob es ein Phänomen
namens „Erleuchtung“ (ich meine natürlich die metaphorische
Bedeutungsvariante des Begriffs) wirklich gibt

Ja!

oder nur den

Hype, der von Esoterikern oder auch Religionen davon gemacht
wurde und wird, hier im Psycho-Brett, da ich selbiges Phänomen
eher wissenschaftlicherseits beleuchtet wissen möchte denn
esoterischer- bzw. religiöserseits.

Die Wissenschaft versucht ihr Bild der Wirklichkeit darzustellen. Ist das die Wirklichkeit?

Mir ist klar, daß sozialisierte Menschen in einer (bzw. ihrer)
Menschenwelt („Wirklichkeit“) leben, die sie einerseits
befähigt, sich in nämlicher Wirklichkeit zurechtzufinden und
dort gar „Karriere“ zu machen, andererseits ist ebenso klar,
daß die ansozialisierte menschliche Sicht auf die Wirklichkeit
Ergebnis antrainierter („ansozialisierter“) Selektions- und
Interpretationsmechanismen und -muster ist.

Was ist daran schlecht? Oder zweifelst du an deiner Sozialisation?

Von daheraus kann ich mir vorstellen, daß es Menschen gibt,
die in der Lage sind, (absichtlich oder unabsichtlich) jene in
der Sozialisation antrainierte selektive Wahrnehmung zu
überwinden, was sie evtl. dazu befähigt, in sinnlicher
Hinsicht mehr wahrzunehmen und in intellektueller Hinsicht
klügere Gedanken zu treffen als Menschen, die das
„Zwangskorsett des ansozialisierten Regelwerks“ als solches
gar nicht (mehr) wahrnehmen.

Ein Korsett hilft manchen Menschen aufrecht durch Leben zu gehen. Ich kenne keinen der eine andere Sozailisation hat als ich und deshalb intelektueller ist oder klügere Gedanken hat. Das liegt daran das er anders sozialisiert ist und ich mir kein Urteil darüber erlauben kann.

Oder ist es so, daß das Phänomen des „Erleuchtetseins“ für die
Psychologie aus wissenschaftlicher Sicht gar nicht existiert,
sondern ignoriert bzw. an die Soziologie, die Anthropologie,
die Religions- oder die Kulturwissenschaften „wegdelegiert“
wird?

Die Psychologie ist eine „Junge Wissenschaft“. Vielleicht wird es bald eine „Erleutungswissenschaft“ geben. Es werden immer und immer mehr Wissenschaftsrichtungen aufgemacht. Jede hat für sich den Anspruch die Wirklichkeit am besten abzubilden.

Oder gibt es das Phänomen der „Erleuchtung“ evtl. DEShalb gar
nicht, da es sich schlicht um eine überkommene Mystifikation
wissenschaftlicher bzw. vorwissenschaftlicher Intelligenz
handelt, die (Mystifikation) sich (auch über den
metaphorischen Begriff „Erleuchtung“) über die Jahrhunderte
gehalten hat?

Gruß,
Uwe

Vielleicht gibt es nicht „Die Erleuchtung“, sondern es ist jedem selber überlassen wie er Erleuchtung definiert. Warum willst du eine wissenschaftliche Theorie die in 20 Jahren überholt ist.
Das ist das Problem der Wissenschaft, wie lange hält die Theorie bis sie ersetzt wird.
Die Wirklichkeit trägst du in dir.
Gruß

Subjektives un Objektives
Hi
Zunächst gab ich dir mal ein Sternchen füpr diese wirklich relevante und darüberhinaus gut formulierte Fragestellung. Bei dem gesunkenen Niveau hier im Psycho-Brett freut sich unsereiner über derlei seltene Fragen.
Als alter Freudianer gehöre ich auch eher zum skeptisch-hinterfragenden „Block“ als zu den Esoterikern.
Allerdings habe ich in den 60 Jahren meines Lebens dreimal eine Art „kleines Satori“, also eine Art „Erleuchtungserlebnis“ gehabt, welches mich jedesmal in eine seltene und schöne Form des Erlebens gebracht hat. Ich hatte diese Erlebnisse merkwürdigerweise nie innerhalb von meditativen Techniken oder Gruppenhysterien, sondern jedes Mal völlig spontan.
Das erste Mal war das stärkste und nachhaltigste. Vor etwa 30 bis 35 Jahren ging ich in Ascona eine wenig frequentierte Straße entlang, als mich blitzartig dieses Erleuchtungs-Erlebnis überfiel. In der absoluten Intensität, wie weißes Rauschen oder weißes Licht, hielt es nur ein paar Sekunden, vielleicht eine Minute, an, aber die Nachwirkungen waren weitauzs länger, ohne dass ich umstande war und bin, sie genauer zu beschreiben. Diese Zustände sind offenbar nicht mit Worten zu b eschreiben, weil sie uns aus unserem üblichen Denken heraus katapultieren. Ähnliches wird ja von den Zen-Meistern, aber auch einheimischen Memnschen wie Meister Eckhard, Jakob Böhme etc., berichtet. Bevor ich diese Erlebnisse hatte, hätte ich sie vielleicht gelinde bezweifelt. Einiges an Literatur und weniges an LSD-Erlebnissen hatte ich zuvor schon genossen, zugegeben, aber ich war weit davon entfernt, esoterisch zu sein.

Oder ist es so, daß das Phänomen des „Erleuchtetseins“ für die
Psychologie aus wissenschaftlicher Sicht gar nicht existiert,
sondern ignoriert bzw. an die Soziologie, die Anthropologie,
die Religions- oder die Kulturwissenschaften „wegdelegiert“
wird?

Nein, es gibt innerhalb der Psychologie Strömungen, die sich intensiv damit befassen, z.B. E.Fromm & Suzuki: „Zen-Buddhismus und Psychoanalyse“, „Der westliche und der östliche Weg“, die New-Age-Literatur, die Beat-Generation (Kerouac, Ginsberg) u.a.m.

Oder gibt es das Phänomen der „Erleuchtung“ evtl. DEShalb gar
nicht, da es sich schlicht um eine überkommene Mystifikation
wissenschaftlicher bzw. vorwissenschaftlicher Intelligenz
handelt, die (Mystifikation) sich (auch über den
metaphorischen Begriff „Erleuchtung“) über die Jahrhunderte
gehalten hat?

Nicht alle Intelligenzen sind notwendigerweise intelltuell; denke nur an die Bücher von Carlos Castaneda über Schamanen wie Don Juan Matus.
Es grüßt dich
Branden

Hallo,

ich kenne „Erleuchtungszustände“ aus den Zeiten durchgemachter Nächte. Und nein, ich meine damit keine durch irgendwelche Substanzen augelösten Rauschzustände.

Ich meine diese schlaglichtartige, glaklare Erkenntnis, in diesem einen kurzen Augenblick zu begreifen, warum die Erde sich dreht und alle Dinge so sind, wie sie sind.

Entstanden sind diese Momente aus stundenlangen - oft, aber nicht nur, philosophischen - Gesprächen über alles und nichts. Manchmal mit einem Blick aufs endlose Meer, manchmal auch in einer Küche mit dem Blick auf Berge von ungespültem Geschirr.

Niemals waren diese Momente willkürlich auslös- oder abrufbar. Und die Erinnerung daran war schon Sekunden später kaum noch greifbar, wenn auch das Gefühl, das ich nicht beschreiben kann, noch Stunden anhielt.

Schöne Grüße,
Jule

Hi JUle

Niemals waren diese Momente willkürlich auslös- oder abrufbar.
Und die Erinnerung daran war schon Sekunden später kaum noch
greifbar, wenn auch das Gefühl, das ich nicht beschreiben
kann, noch Stunden anhielt.

Genauso ging es mir wiegesagt auch (siehe mein altes Posting eins drunter).
Gruß,
Branden

Hi Branden,

danke für Deine Antwort.

In der absoluten Intensität, wie weißes Rauschen oder weißes Licht, hielt es nur ein paar Sekunden, vielleicht eine Minute, an

hast Du weißes Rauschen bzw. Licht „gesehen“? Nahmst Du das als eher „von außen kommend“ oder eher „in Dir drin“ wahr?

Gruß
Uwe

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Hallo Branden,

Genauso ging es mir wiegesagt auch

Schade irgendwie, dass das nicht wiederholbar ist. Und nach meinem 30. Lebensjahr ist mir das auch nicht wieder passiert. Vermutlich zuviel Ballast in meinem Kopf seitdem :smile:

Schöne Grüße,
Jule

Kannst Du damit etwas anfangen?
„Radikaler Konstruktivismus“:
http://heyer.firma.co.at/cms/1/5916/

Ich denke immer, daß wenn man „Erleuchtung“ erlebt (hat), bedeutet das immer ein Überwinden der ansozialisierten Erkenntnis- und Erlebnisgrenzen… Aber vielleicht liege ich da falsch…!?

Beste Grüße
Uwe

Hi Uwe,

was meinst Du damit, ansozialisierte Grenzen?

(Es ist alles, was man glaubt zu sein, was man dann wohl sausen lassen kann?)

Gruß, IHF

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Hi Uwe
Zunächst einmal bin ich kein Philosoph; und wenn ich einer wäre, vermutlich kein Konstruktivist. Ich wäre auch nicht das Gegenteil, auch kein Derrida o.ä.
Wenn überhaupt, wäre mein Zugang eher ein hermeneutischer als ein positivistischer, wenn man diese beiden Ebenen übnerhaupt vergleichen kann. Nicht nur, dass ich Statistiken misstraue - ich interessiere mich nicht für sie. Das ganz persönliche, ganz subjektive Erloeben ist mein Tätigkeitsfeld. Sowohl beruflich - psychoanalytisch orientierte Behandlungen - als auch privat.
Insofern kann ich dir gar nicht soviel dazu antworten.
Spannend bleibt für mich bei der Geschichte, dass sich s p o n t a n ein Erlöeben wie besagte Erleuchtung einstellen kann. Undzwar ohne chemische oder biologische Hilfsmittekl wie Drogen, Medikamente o.ä.
Es grüßt dich
Branden

Hi Uwe

In der absoluten Intensität, wie weißes Rauschen oder weißes Licht, hielt es nur ein paar Sekunden, vielleicht eine Minute, an

hast Du weißes Rauschen bzw. Licht „gesehen“? Nahmst Du das
als eher „von außen kommend“ oder eher „in Dir drin“ wahr?

Nein, das war nur der Versuch einer Allegorie oder sowas, um dieses Erleben greeifbarer zu vermitteln. Gehört habe ich nichts, also auch kein weißes Rauschen, gesehen im engeren Sinne auch nichts; mein Erlebnis war gleichsam „abstrakt“.
Es grüßt dich
Branden

Empfindung?
Hallo Branden,

hattest Du in jenem Moment vielleicht ein starkes Gefühl von „Einssein“ mit Deiner Umgebung (z. B. Flora, Fauna), also eine starke emotionale Verbundenheit, ein Gefühl, daß Du von selbiger Umgebung ganz stark verstanden wirst?

LG
Uwe

Eher ein Gefühl, dass alle Widersprüche…
…und Gegensätze sich aufgelöst haben.

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Guten Morgen lieber Uwe,

natürlich gibt es sie, die Erleuchtung!
Ich habe sie bereits als Kind (u.a. auch in Visionen) erlebt, später habe ich angefangen, mich damit genauer zu beschäftigen und habe dabei angefangen, mein Leben Schritt um Schritt zu verändern.

Erleuchtung ist aber wohl nicht bloß ein Gefühl, sondern es ist eine umfassende Seinserfahrung. Und sie hat - das ist meine Auffassung und niemand muss das teilen - auch Auswirkungen auf unsere Art und Weise in Austausch zu gehen mit allem, was uns umgibt und möglichst weitgehend auch achtungsvoll mit Mutter Erde zu sein.
Also für mich ist es eine „Tiefenerfahrung“, die mein ganzes Denken und Empfinden maßgeblich mitbestimmt, jeden Tag auf ein Neues.

Liebe Grüße
milchundhonig

Guten Tag,

Bei der „Erleuchtung“ handelt es sich eine Stimmulierung der Amygdala. Schon seit Jahrtausende hatte der Mensch erfahren, das seine Fantasie Emotionen erregen kann, und durch staendiges Ueben in einem dauerhaften erregten Zustand geraten kann.
http://de.wikipedia.org/wiki/Amygdala

Hallo

Der Begriff „Erleuchtung“ kommt aus dem Religiösen und hat in der Anwendung stark verschiedenartige Bedeutungen.

Es gibt sicher auch den Hype(z.B. Gelaber von Alkoholikern) aber es gibt auch reale zugeordnete Erscheinungen.

Jedenfalls findest Du nicht unbedingt in der Psychologie eine befriedigende Antwort. Es müßte schon ein fachlich bewanderter Psychologe sein, der etwas von sich gibt, sozusagen fachlich übergreifend.
Ich persönlich bin bei Yoga/Meditation.
Ich fand 2 deutsche Übersetzungen im Internet des Yoga Sutra eines alten Inders namens Patanjali. Darin werden auch die realitätsnahen Eigenschaften paranormaler(so heißt es glaub ich in der Psychologie)Erscheinungen deutlich.

Du mußt Dir überlegen, was für Dich real in Frage kommen könnte.
Jeder darf da denken oder glauben was er will. Aber er darf sich auch überraschen lassen, und nichts neues verneinen.
Ich persönlich glaube nicht so sehr an plötzliche Totalereignisse, eher an schrittweisen Verbesserung des eigenen Zustandes.
Licht kann allgemein im Sinne der „Erleuchtung“ sowohl Emissionen(Quelle) als auch Wahrnehmung(Senke) bedeuten.

MfG