Hallo!
ein gut 100 Jahre altes Mietshaus … wurden u.a. die alten Holzfenster gegen
Kunststofffenster ausgetauscht. Dazu war sicherlich seinerzeit
eine Baugenehmigung erforderlich, bei der bestimmt auch das
Denkmalschutzamt mit im Spiel war.
Mag sein. Dass aber die untere Denkmalschutzbehörde Kunststofffenster befürwortete, ist bei einer unter Denkmalschutz stehenden Fassade eher nicht anzunehmen.
Nun müssen wegen eines Brandes einige Fenster ersetzt werden.
Kurioserweise verlangt das Denkmalschutzamt jetzt, dass
ausschließlich Holzfenster eingebaut werden. Und nicht nur
das: auch die anderen (unbeschädigt gebliebenen) Fenster der
betroffenen Etagen nach dieser Straßenseite (es handelt sich
um ein Eckhaus) sollen ebenfalls durch Holzfenster ersetzt
werden!
Ist nicht kurios, ist der Normalfall.
Muss man das hinnehmen?
Ursprüngliches Aussehen und wirtschaftliche Nutzung sind mit Holzfenstern unter einen Hut zu bringen. Deshalb fehlt es am Argument für die Verwendung anderen Materials. Dass es ein bisschen kostspieliger wird, sollte man gar nicht erst vortragen, bringt vorhersehbar nichts.
Nicht vom Hörensagen, sondern aus eigener Erfahrung: Wer mit Denkmalschutz nichts am Hut hat, ist gut beraten, von denkmalgeschützten Häusern die Finger zu lassen. Grenzwertige Methoden, schmerzhafte Stilbrüche und Dauerärger sind die Folge, wenn die inkompatiblen Vorstellungen aufeinander treffen. Als Eigentümer eines denkmalgeschützten Hauses sollte man die untere Denkmalschutzbehörde nicht als Gegner ansehen. Man verfügt vielmehr über versierte kostenlose Berater - wo bittschön gibt’s das sonst?
Man ist außerdem gut beraten, sich über den Stil der Fassade, über den Architekten und das ursprüngliche Aussehen der Fassade zu informieren. Ein bisschen Mühe zur Beschaffung alter Zeichnungen, Fotos, Postkarten und Zeitungsausschnitte lohnt sich. Dafür muss man recherchieren, etwa in den Familienunterlagen alteingesessener Leute, in der Chronik des Ortes und in Archiven. Derart fundiert ausgestattet, kann man kaum noch auf die Idee kommen, den Anblick einer Fassade mit ungeeignetem Zeug von Ortgang-Formteilen, über Sat-Schüssel und Baumarkt-Haustür, bis zu Fenstern aus Kunststoff und mit Sprossenimitaten zu verschandeln. Dann muss man auch nicht warten, was die Leute vom Denkmalamt sagen, sondern kann qualifiziert begründen, warum es genau diese Bauart und jenes Fensterprofil sein soll. Weil man selbst weiß, worum es geht, wird man aber gar nicht erst auf die Idee kommen, irgendwelches Plastezeug einbauen zu wollen. Darüber hinaus wird es ziemlich sicher weitere Gelegenheiten geben, bei denen man mit Sachkenntnis und eigenem Bildmaterial über Detailausführungen an anderen Häusern aus gleicher Epoche in gleicher Region vor Fehlern bewahrt wird und dem Denkmalschutzamt Qualifizierteres zu bieten hat als Aussagen wie „ich hab aber ein billigeres Angebot“.
Nicht nur für das Denkmalschutzamt, auch für den eigenen Bedarf ist eine eigene Architektursoftware, z. B. Arcon o. ä., hilfreich. Damit kann man sich selbst, der Denkmalschutzbehörde und ausführenden Handwerksunternehmen vorher zeigen, wie das Ergebnis einer Maßnahme aussehen wird/auszusehen hat. Ist aber wirklich nichts für Leute, die sich irgendwie billig durchlavieren wollen. Das muss man schon mögen, um am richtigen Strang in die passende Richtung zu ziehen.
Der Idealismus zahlt sich aus, zwar nicht in geringeren Kosten, aber immerhin mit einem lukrativen Steuersparmodell - einem der letzten seiner Art http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/steuernspar….
Gruß
Wolfgang