Ernstnehmen von Befunden durch Ärzte... (lang!)

liebe www.ler, liebe Experten,

lange habe ich überlegt, meine Frage ins Brett zu stellen. Doch ich würde mich freuen, wenn mir sowohl Betroffene, als auch Mediziner (o.Werdende M.) o. Naturheilkundler ihre Erfahrungen mitteilen könnten:

Wie teilweise bekannt, leide ich unter zahlreichen gesundheitlichen Einschränkungen ( 5. Bandscheiben-OPs an der LWS, 3 noch nicht operierte Bandscheibenvorfälle an der HWS, Stoffwechselstörungen, Diabetes, div.Nahrungsmittelallergien u. -unverträglichkeiten, Blutdruckprobleme, usw.).

Nun sollte ich um 8:00 Uhr heute nüchtern zum Blutabnehmen da sein. Mit Nüchtern war gemeint: ohne essen (logisch) ohne trinken (schwierig) ohne Medikamente (Katastrophe). Dazu muss ich erklären, dass ich üblicherweise um +/- 3:00 Uhr jeden Morgen aufstehe, meine Medikamente nehme(insbesondere Schmerzmittel u. Blutdruck), dazu 2 Glas Wasser trinke, dann ca. 1 - 1 1/2 Std. Dehnübungen und krankengymnastische Übungen, um zu den körperlichen Verrichtungen kommen zu können. Inzwischen kommen dann die anderen Medikamente und Nahrungsergänzungen dazu. Dies ist mein Körper seit 3 Jahren, seitdem ich aus dem Rollstuhl bin, gewohnt. Damit führe ich auch ein halbwegs „normales“ sprich berufstätiges Leben.

Bis 7:00 trinke ich üblicherweise 1 l Mineralwasser und 3 Becher grünen Tee, da ich über Tag 4 l trinken muss.

Nun hatte ich bis 8:00 Uhr weisungsgemäss nichts ( wobei andere Ärzte bisher sagten, Schmerzmittel u. Blutdruckmittel m. wenig Wasser sei o.k, wenn das Blut schlecht floss, musste ich sogar 1/2 l Wasser trinken.

Da es mir momentan vom Rücken nicht gut geht, ich stark das Bein nachziehe, nur sehr langsam sehr kurze Strecken schaffe, war ich schon mal körperlich fix und foxi, als ich in der Praxis des Internisten ankam.

Die Arzthelferinnen spöttelten ob meiner Humpelei (im Gesicht sehe ich fast immer frisch aus, da übergewichtig). Mühsam ging ich ins Wartezimmer. Nach 30 Minuten wurde ich aufgerufen, brauchte aber sehr (!!) lange ins Labor, weil mir inzwischen auch leicht schwindelig war. Gut, Blut wird im Liegen abgenommen mit dem Bemerken, ich soll mal nicht so mit meinem Rücken übertreiben.

Soweit o.k., dann aufstehen — und da rutschte ich weg, wurde noch von der Arzthelferin aufgefangen. Sie rief eine Kollegin zur Hilfe, dann fehlt mir etwas, da ich offenbar kurzfristig weg war, und sass auf einem Stuhl. Nun sollte ich mirch „beeilen“ um Platz für die nächsten Patienten zu machen. Langer Rede kurzer Sinn: ich bin total zusammengesackt, da keine Liege frei war, liess man mich erst einmal auf dem Boden sitzen. Dann ging alles sehr schnell, mehrere Leute rannten, ich kam in einen anderen Raum, mir wurde mein mitgebrachtes Essen gebracht und vor allen Dingen bekam ich 2 Pötte Wasser zu trinken.

Dann nahm ich meine Medikamente, trank vom Tee und Wasser, ass 2 Löffel Dinkelflocken. Es ging mir zusehends besser, wenn auch das Humpeln gleich schlimm blieb, da die Schmerztablette doch recht lange braucht, bis sie Wirkung zeigt.

Man half mir auf, ich ging zum WC und wollte die Praxis verlassen- da stand mein behandelnder Arzt vor mir, den man aus der Wohnung nun (9:30) geholt hatte. Er half mir in sein Behandlungszimmer.

Kommentar: ja, da hätte ich nie mit gerechnet, so gut, wie Sie immer aussehen. Und überhaupt, wieso humpeln Sie heute so stark. Das kenne ich gar nicht. Naja, nun weiss ich ja, dass wir ein wenig obacht geben müssen und ganz nüchtern dürfen Sie nun nie mehr kommen (dabei hatte ich ihn anfangs darauf angesprochen)"

Was sollte ich sagen, es ist halt zeitweise so. Der Blutdruck war eine Katastrophe ( 240/140) immer noch, er notierte alles in Ruhe und ich bekam dann Spritzen u.a. Cortison.

Da ich noch 20 Minuten in der Praxis bleiben musste, sah man, dass es mir auch vom Rücken her ein wenig besser ging. Kommentar der Arzthelferinnen: „Na, dann wissen wir ja jetzt, dass sie wirklich krank sind und werden in Zukunft darauf achten“.

Sagt mal, ist das normal, dass man erst zusammenklappen muss, bis man ernst genommen wird?
Ist es normal, dass man bei der Vorgeschichte 5 Stunden länger bei vollen Aktivitäten nüchtern bleiben muss (ich hatte ja schon ab 6:30 gearbeitet)?
Wie gehen eure Ärzte mit chronisch Kranken um - auch immer nur eingebildete Kranke (so kam ich mir manchmal vor)

Das war mir vor Jahren schon mal passiert, ich wurde erst ernst genommen, als ich zusammengeklappt war.

Einen gelben Schein habe ich übrigens nicht gewollt, weil das dieses Problem eh nicht löst und ich muss halt nun die Fehlstunden nacharbeiten.

Meine Frage daher, was muss/musste passieren, damit Ärzte (die Arzthelferinnen sind halt so, wie das Klima der Praxis) „wie der Herr so`s Geschirr“ ein Sprichwort bei uns, einen ernst nehmen?

Danke für eure Geduld beim Lesen und in Hoffnung auf aufklärende Antworten
Gruss Chris

Hallo Christel!

Da hast Du ja was „tolles“ erlebt…ich frage mich, wie unverschämt Leute eigentlich sein können, ohne dass es ihnen peinlich wird!

Sagt mal, ist das normal, dass man erst zusammenklappen muss,
bis man ernst genommen wird?

Bei mir zum Glück nicht, ich habe immer Ärzte erwischt, die meine Beschwerden ernst genommen haben, obwohl die teilweise nicht sichtbar waren (habe auch Diabetes und einige Folgeschäden). Selbst als ich zum zigsten Mal in der Praxis war, weil eines meiner Medikamente vom Markt war.

Andererseits fällt mir grade ein Fall ein, wo ich doch nicht ernst genommen worden bin, der doch etwas brenzlig war. Ich habe eine gastroparese („Magenlähmung“), und einige Jahre ging es mir oft sehr schlecht. Einen Tag war mir so übel, dass ich nicht mehr in der Lage war, vom Bett aufzustehen. Trotz aller Übelkeit konnte ich fast nicht brechen, und so ging es mir immer schlechter. Der Blutzucker war auf über 300 angestiegen, ich hatte seit Stunden nichts getrunken, und irgendwann war der Puntk erreicht, an dem ich die rettung angerufen habe, Telefon lag zum Glück neben mir. Ich schilderte dem Herrn an der Leitung meine Beschwerden, und fragte ihn, ob er mir bitte einen Rettungswagen schicken könne. Die Antwort war nein. Er gab mir die Telefonnummer vom kassenärztlichen Notdienst, und das wars. Wäre es mir nicht so schlecht gegangen, hätte ich wohl protestieren können, aber so hatte ich einfach nicht die Kraft dazu. Beim Notdienst hiess es, „meine Frau ist gerade unterwegs, aber sie ruft Sie so in einer halben Stunde an“…
Nach ein paar minuten klingelte dann aber doch das Telefon und Frau Doktor war dran. Sie empfahl mir schwarzen Tee mit Salz, und sie käme dann so in etwa zwei Stunden und brächte mir ein Rezept. Witzig, wenn man nichtmal in der Lage ist, das Bett zu verlassen…
Derweil kam mein Freund nach Hause, den ich auch noch angerufen hatte. Er rief dann nochmal bei der Rettung an und veranlasste, dass ein krankenwagen kam und mich ins Krankenhaus brachte, wo ich dann auch bestens versogt worden bin.
Diese Geschichte hat mich schon ziemlich deprimiert, was, wenn das jemand alleinstehendem passiert, doer z.B. einem alten Menschen?
Alleine schon die tatsache dass ein diabetiker mit hohem Wert Übelkeit empfindet, reicht eigentlich aus, um umgehend jemanden dorthin zu schicken. Aber scheins gehen die davon aus, dass derjenige, der noch in der Lage ist, selbst zu telefonieren, sich auch noch selbst helfen kann.

Wie gehen eure Ärzte mit chronisch Kranken um - auch immer nur
eingebildete Kranke (so kam ich mir manchmal vor)

Mein Doc nimmt alles ernst, auch wenns ganz klar psychosomatisch ist. Und er geht auf alles ein, egal was es für Beschwerden sind. Dafür nimmt er sich auch zeit, was sich dann negativ in der Wartezeit äussert, anderthalb Stunden sind das Minimum…
Ach ja, und er ist offen für jede Alternative, ich hab ihn damals mit zig Infos aus dem Internet bestürmt, um ein neues brauchbares Medikament zu finden. Er hat sich alles geduldig angehört, gelesen, sich bei anderen erkundigt, und mir alles super verständlich erklärt. Darin ist er echt spitze.

Meine Frage daher, was muss/musste passieren, damit Ärzte (die
Arzthelferinnen sind halt so, wie das Klima der Praxis) „wie
der Herr so`s Geschirr“ ein Sprichwort bei uns, einen ernst
nehmen?

Ich würde, wenns irgendwie möglich ist, eine andere Praxis aufsuchen. Oder wirklich mal Tacheles reden, aber meistens nutzt das wenig. Evt. hilft der Weg über den Chef, aber wenn der sich genauso benimmt, kann ich mir nicht vorstellen, das sich was ändern wird. denn letztendlich ist er derjenige, der das Verhalten der helferinnen „in der Hand“ hat. Und die Helferin sind halt die Visitenkarte der Praxis, wenn die sich schon nicht zu benehmen wissen…

Danke für eure Geduld beim Lesen und in Hoffnung auf
aufklärende Antworten

Helfen kann ich Dir leider nicht, aber ich finde es echt schrecklich, wie Du behandelt worden bist. Ich hätte mir sicher weniger bieten lassen, aber in solchen Sachen bin ich teilweise recht rigoros :wink:

Ich drücke Dir die Daumen, dass es in Zukunft weitaus besser abläuft!
Und alle Achtung über die Leistung, so früh aufstehen und sich so drum kümmern schafft nicht jeder! (bin da selbst etwas sehr nachlässig…)

Liebe Grüsse
Bine

Danke…
danke Bine, schön das es noch Menschen gibt, die einen ernst nehmen. hatte erneut Verkehrsunfall, bin die nächsten Wochen nicht erreichbar.
Gruss Chris