Eröffnung des Seekrieges gegen England 1939

Hitler soll doch 1939 keinen Krieg gegen England gewollt haben, und der Marinechef Raeder hatte erklärt, dass er viel zu wenig U-Boote hat.
Warum um alles in der Welt hat denn die Marine dann den Seekrieg gegen Englang 1939 sofort eröffnet, die Marine ist doch gar nicht angegriffen worden? Wolli

Hallo !

Vielleicht, weil Angriff die beste Verteidigung ist!!!

  1. September 1939

Der Chefdolmetscher des Auswärtigen Amtes, Gesandter Schmidt, nimmt um 9.00 Uhr das Ultimatum der britischen Regierung entgegen. London sieht sich demnach, wenn »bis 11.00 Uhr vormittags« keine befriedigende deutsche Antwort vorliegt, als im Kriegszustand mit dem deutschen Reiche befindlich. Schmidt begibt sich anschließend in die Reichskanzlei und trägt den dort anwesenden Hitler und Ribbentrop das britische Ultimatum vor. Nach seinem Bericht hört Hitler »versteinert« den Vortrag an und fragt anschließend Ribbentrop »Was nun?« Der Außenminister entgegnet: »Ich nehme an, daß die Franzosen uns in der nächsten Stunde ein gleichlautendes Ultimatum überreichen werden.« Göring reagiert im Vorzimmer vor den anwesenden Kabinettsmitgliedern und prominenten Parteimitgliedern auf die Nachricht mit dem Bemerken: »Wenn wir diesen Krieg verlieren, dann gnade uns der Himmel!« Nach der Beobachtung Schmidts wirkt der anwesende Goebbels wie ein »begossener Pudel«.

Um 11.30 Uhr lehnt die deutsche Reichsregierung in einem Memorandum das britische Ultimatum ab. Um 12.30 Uhr überreicht der französische Gesandte Coulondre das französische Ultimatum, welches den Kriegszustand für 17.00 Uhr ankündigt.

Um 14.30 Uhr unterrichtet Hitler durch vier Proklamationen über den deutschen Rundfunk die Bevölkerung über den Kriegszustand des Reiches mit Großbritannien und Frankreich. Der Aufruf an die NSDAP endet mit dem Bemerken: »Wir haben nichts zu verlieren, wir haben alles zu gewinnen!«

In der Nacht zum 4. September werfen britische Flugzeuge über Nord- und Westdeutschland etwa 6 Mill Flugblätter ab.

Australien, Neuseeland und Indien erklären Deutschland noch am gleichen Tage den Krieg.

Die Republik Irland erklärt ihre Neutralität.

Hitler erläßt die Weisung Nr. 2. Sie fordert »zunächst die schnelle siegreiche Beendigung der Operation gegen Polen; Angriffshandlungen der Kriegsmarine gegen England sind freigegeben, gegen Frankreich ist die Eröffnung der Feindseligkeiten dem Gegner zu überlassen.«

Admiral Raeder vermerkt in seinem Tagebuch: »Am heutigen Tage ist der Krieg gegen England-Frankreich ausgebrochen, mit dem wir nach den bisherigen Äußerungen des Führers nicht vor etwa 1944 zu rechnen brauchten … Was die Kriegsmarine anbetrifft, so ist sie selbstverständlich im Herbst 1939 noch keineswegs für den großen Kampf mit England hinreichend gerüstet. Sie hat zwar … eine gutausgebildete, zweckmäßig aufgebaute U-Bootwaffe geschaffen, von der zur Zeit ca. 26 Boote atlantikfähig sind, die aber trotzdem noch viel zu schwach ist, um ihrerseits kriegsentscheidend zu wirken«.

Die Seekriegsleitung eröffnet ab 11.00 Uhr den Unterseebootskrieg gegen Großbritannien. Am gleichen Tage versenkt »U 30« irrtümlicherweise den britischen Passagierdampfer »Athenia« und verursacht dadurch einen ersten schweren Zwischenfall.

(Das dritte Reich. Dig. Bibl.).

Gruß Max

Hallo !

Vielleicht, weil Angriff die beste Verteidigung ist!!!

Hallo Max,

Du hast es kurz und prägnant auf den Punkt gebraucht. Die einzige Chance der KM war eine Zerspliitterung der britischen Seestreitkräfte zu erzielen und dadurch eine örtlich begrenzte Überlegenheit deutscher Einheiten gegenüber britschen auszunutzen. Als Mittel die Zersplitterung mit den vorhanden Mitteln zu erreichen nahm die SKL Anleihen aus der „jeune ecole“ und entwarf den globalen Kreuzerkrieg. Diese Planung entstand 1938 nachdem sich ein bevorstehender Krieg mit England abzeichnete um mit den Vorhanden Mitteln ein Optimum zu erreichen.

Admiral Raeder vermerkt in seinem Tagebuch: »Am heutigen Tage
ist der Krieg gegen England-Frankreich ausgebrochen, mit dem
wir nach den bisherigen Äußerungen des Führers nicht vor etwa
1944 zu rechnen brauchten … Was die Kriegsmarine anbetrifft,
so ist sie selbstverständlich im Herbst 1939 noch keineswegs
für den großen Kampf mit England hinreichend gerüstet. Sie hat
zwar … eine gutausgebildete, zweckmäßig aufgebaute
U-Bootwaffe geschaffen, von der zur Zeit ca. 26 Boote
atlantikfähig sind, die aber trotzdem noch viel zu schwach
ist, um ihrerseits kriegsentscheidend zu wirken«.

An anderer Stelle hat Raeder es noch drastischer formuliert, das die deutsche Marine auf Grund ihrer Unterlegenheit nur zeigen könne, daß sie es versteht tapfer zu sterben.

Gruß
Claudius