Ersatzstrom

Hallo,
hier meine Konfiguration:
22 KW PV auf dem Hausdach, 50 KW Akku im Keller, Hybrid-Wechselrichter mit Ersatzstromfunktion von Azzurro
Eigene abgesicherte Leitung in den Zählerschrank
Idee:
Wenn der öff. Stromversorger ausfällt:
Ein spezieller Schalter (Schütz?) trennt das Haus vom öff. Netz und schaltet auf Akku/PV um.
Jetzt wird das Haus aus PV/Akku versorgt (natürlich nur solange von dort Energie kommt, also der Akku nicht leer)
Wenn der öff. Stromversorger wieder da ist:
Der spezielle Schalter (Schütz?) stellt die alte Verbindung wieder her.
Frage:
Ist das so richtig gedacht? Welcher Schalter (Schütz?) Es ist ein normaler Haushalt mit Ölheizung und Kühltruhe - also keine großen Stromverbraucher)
Grüße
RPK

Im Prinzip richtig, aber das ist wesentlich mehr als ein Schütz. Es muss auch in 2 Stufen umgeschaltet werden, also erst AUS für das öffentliche Netz, dann wird das Notnetz zugeschaltet und umgekehrt. Die Überwachung „Netz vorhanden, ja/nein“ übernimmt ein Überwachungsrelais.
Deshalb frage ich mich warum automatisch ? Bist du nicht zuhause, wenn es mal ausfallen sollte, und was passiert dann „schlimmes“.
Es ist jedenfalls in Anmeldung beim Versorger und der Schalttechnik viel aufwändiger als Handumschaltung.

Einfacher wären Handumschalter die 3 Stellungen haben „Netz-0- Netzersatz“, die sind 4-polig, denn der N muss ebenfalls getrennt werden.
Da in Stellung „Netz“ der gesamte Hausstrom über die Kontakte fließt muss man den Schalter entsprechend auswählen und an die Vorsicherung anpassen. Nicht an die Leistungsfähigkeit des Notnetzes, das ja meist schwächer ist.

MfG
duck313

Moin,

Dazu habe ich eine Verständnisfrage. Wie erfolgt die Synchronisation nach der Trennung und Netzersatzbetrieb, wenn dann von Hand wieder auf Netz umgeschaltet wird?

-Luno

Welche Synchronisation ?
Muss man bei Dir so etwas machen, wenn z.B. die Sicherung ausfällt oder nach Wartung abgeschaltet wurde ?
Nö !

So etwas braucht man bei Netz-Parallelbetrieb, das ist noch aufwändiger und gibt es allenfalls in Großanlagen, wo das Ersatznetz zeitweise mit dem Netz zusammen läuft. Oder wenn man PV-Strom einspeist und verkauft.

Hier handelt es sich doch um 2 getrennte Anlagen, einmal Netz, einmal Inselanlage aus Akku und Wechselrichter. Es wird nicht ins Netz zurückgespeist !

Moin,

Da bin ich mir nämlich nicht sicher, denn wer das auf dem Dach hat:

speist meinem Gefühl nach typisch ein. Eine Anlage dieser Größenordnung koste keine Peanuts. Egal, wissen wir beide natürlich nicht.

Daher meine Frage an dich @RPK, speist du ein oder sind beide Anlagen wirklich sauber getrennt? Wenn du einspeisen würdest, dann klappt das mit dem Umschalten nicht so einfach.

-Luno

Nö.
Vermutlich hast du einen Wechselrichter von
Shenzhen SOFARSOLAR Co., Ltd.
11/F, Gaoxinqi Technology Building,
District 67, XingDong Community,XinAn Street,
Bao’an District, Shenzhen, China

Da hat Azzurro seine Aufkleber drauf gemacht.
Demnach sollte dein WR einen AC-Ausgang für „critical load“ besitzen, an welchem notstromberechtigte Verbraucher separat anzuschließen sind und der mit recht kurzer Umschaltzeit von <10ms eine nahezu unterbrechungsfreie Spannungsversorgung bereitstellt.

Wie heißt denn dein WR genau?
Und hast du tatsächlich 50 kWh als Speicher? Wow, das ist heftig viel und war bestimmt teuer.

Mein WR kann auch Notstrom bereitstellen. Mache ich aber nicht. Das ist nur sinnvoll, wenn man einen Mindest-SOC definiert. Mein Akku hat nur 10 kWh und um einen Tag das Nötigste laufen lassen zu können bräucht ich schon mindestens 2 kWh. Für 10 kWh habe ich 7000 € bezahlt, wenn ich davon 2 kWh für den Notstrom reserviere verplempere ich also 1400 € davon und habe gerade einmal einen Tag davon.

Mein Notstromkonzept ist blau, kommt aus Gemmingen, macht Krach und hat 40 Liter Benzin im Tank.

Hallo,
ich bin hocherfreut über die vielen sachkundigen Antworten. Gerne gebe ich hier die gewünschten Details an:
1 Dreiphasen WR Azzurro Hybrid 3PH HYD 15000
1 3PH 8.8 KTL (weil wir so viele unterschiedliche Dachflächen haben)
Gesamtkosten mit 50 KW Akku rund 30 000 €
Wir speisen neben dem Eigenverbrauch auch ein.
Bisher funktioniert alles gut. Wir haben seit Monaten faktisch keinen Strombezug vom Energieversorger mehr - normaler Haushalt plus E-Auto

Der Hybridwechselrichter hat (neben der Akkuleitung) zwei Ausgänge zum Netz:

  • Ein direkt angeschlossener: (aktuell)- Normal Load
    Hier wird der Reststrom überwacht. Wenn der WR feststellt, dass der Reststrom 300 mA übersteigt, wird der Anschluss ans Netz (DIN-gerecht) sofort getrennt.
  • Noch nicht angeschlossen: Critical Load
    Hier fließt dauerhaft Strom (aus PV, sofern Sonne und aus Akku, sofern geladen)
    Das wäre unser Ersatzstrom bei Netzausfall. Der Hybrid WR startet automatisch sobald das Netz wieder da ist.
    Man könnte also die normalen Verbraucher unseres Einfamilienhauses dauerhaft an den Critical Load anschließen. Wir wären damit (Sonne und Akku vorausgesetzt) bei Netzausfall autark.
    Der Hybrid WR trennt in diesem Fall in Bruchteilen von Sekunden die Verbindung zum öff. Netz DIN gerecht.
    Dazu müssten wir aber ein weiteres 17 m langes 16 Quadrat? Kabel einziehen.
    Das wollen wir vermeiden und suchen nach einer Alternative mit dem vorhandenen (neuen) Kabel.
    Die hier geäußerte Idee eines manuellen Umschalters klingt sehr gut (Danke!)
    Schön wäre aber eine Automatiklösung mit dem vorhandenen Kabel. Der Critical Load Anschluss blieb dann leer.
    Zum Schluss:
    Natürlich machen wir nichts selber. Unser Elektriker will aber nicht so richtig dran, daher suchen wir hier weitere Ideen.
    Azzurro selber will nur mit Elektrikern sprechen (verständlich, die hängen sonst nur am Telefon)
    Sofarsolar bietet ja das baugleiche Gerät an, hier wäre unter Umständen eine technische Auskunft nach dem Umschaltgerät möglich.
    Im Netz wird dieses Umschaltgerät von einem Elektriker angeboten, er ist aber 500 km von uns entfernt.
    Grüße
    RPK
    Link zu unserem Hybrid WR:
    https://www.zcsazzurro.com/uploads/documetazione/Datasheet-ZCS-3PH-HYD-10000-20000-ZSS-DE.pdf

Ich möchte nochmal kritisch hinterfragen, ob das wirklich ein 50 kWh Akku ist. Ich sehe da eher so Preise in Höhe von 1400€ für einen einzelnen 2,4 kWh Akkublock.

Die Angaben aus dem miserabel übersetzten Datenblatt helfen nicht. Die Italiener haben da wohl zuerst das China-Datenblatt ins Italienische übersetzt und dann hat das jemand aus dem Italienischen ins Deutsche verwurstet.

Wenn euch die maximal möglichen 15 kW Dauerleistung ausreichen: Warum nicht. Es geht aus den Dokumentationen nicht hervor, ob der „Critical Load“ Ausgang bei vorhandenem Netz auch stärker belastet werden könnte.

Für 24 Ampere (man muss von den 16500 VA Scheinleistung ausgehen!) sind sicher keine 16mm² notwendig. Ich würde daher (vorbehaltlich der Situation vor Ort) eine 5 x 4mm² in Verbindung mit einem Sicherungs-Lasttrennschalter 3 x 20A installieren.

Auf der „normalen“ Ausgangsleitung des Wechselrichters wird niemals vom WR Leistung bereitgestellt, wenn dort kein Netz mehr vorhanden ist.

Es müsste dann zwei Umschalter geben. Am WR einen, der die bestehende Zuleitung von „Normal Load“ auf „Critical Load“ umschaltet und einen am Zählerschrank, der das Stromnetz von der nun noteinspeisenden Zuleitung abtrennt. Diese müssen zwangsweise so gegeneinander verriegelt sein, dass man niemals „aus Versehen“ „Critical Load“ auf das Netz schaltet.

Mir fehlt die Phantasie, wie man das sinnvoll, sicher und preiswert installieren könnte. Das wird aufwändiger, teurer, unkomfortabeler.

Leider sehe ich weder in der Original-Dokumentation von Shenzen Sofarsolar noch in der Anleitung vom Importeur Azzurro einen Hinweis, wie der Ersatzbetrieb zu beschalten ist.

Im Ersatzbetrieb könnte ein IT oder TN Netz vorliegen. Der Schutz vor elektrischem Schlag hat dann ganz anders auszusehen als bei einer Einspeisung durch das Stromnetz!

Die saubere Lösung ist:
Man definiere die ersatzstromberechtigten Stromkreise. Man separiere diese im Zählerschrank / Sicherungskasten. Man prüfe die Netzform im Ersatzbetrieb. Wenn das ein IT-Netz wäre, hat man die A-Karte (weil dann im Netzbetrieb ein FI notwendig ist, während im Ersatzbetrieb eine Isolationsüberwachung notwendig ist - viel Spaß bei Kauf, Verdrahtung, Umschaltung!). Dann verlegt man die 5 x 4mm² (oder mehr nach örtlichen Gegebenheiten) und kümmert sich um FI (oder um FI und Iso-Überwachung samt Umschaltung).

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Hallo,
danke für die schnelle und ausführliche Antwort, deren angebotenen Alternativen wir prüfen werden.
Ergänzung, bzw. Korrekturen:
Bei dem Preis habe ich versehentlich aus einem Abschlag abgelesen: Sorry
Richtig ist: 35 000 (ohne MWST die ich ja zurückerhalte)
Gruss RPK

Du hast aber tatsächlich ein riesiges Akkupaket neben dem Wechselrichter?
Für 50 kWh Speicher, 22 kWp Panel und zwei Wechselrichter wäre das immer noch unglaublich billig.
Warum das wichtig ist:
Bei einem extrem ungewöhnlich großen Speicher ergibt so eine Ersatzstromversorgung einen Sinn.
Ansonsten verplemperst du teuer bezahlten Speicher, den du für unwahrscheinliche Ersatzstromzwecke reservierst und dich kaum einen Tag lang über Wasser halten wird.

Bislang haben alle Kunden, denen ich das vorgerechnet habe, sich für einen kleinen Notstromgenerator entschieden. Damit kann man nicht kochen - aber lebensnotwendige Dinge wie Router, Fernseher und Weinkühlschrank betreiben.

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Hallo,
muss der Notstromgenerator dann nicht geglätteten? Strom liefern? Ein einfacher Baugenerator tut es dann wohl nicht?

Oh je, oh je,
da sieht man mal, wenn man zu eilig liest und schreibt.
Natürlich sind es 5 mal 2 KW und nicht 5 mal 10 KW im Akkugestell
50 KW hat unser E- Auto!!
Das habe ich einfach verwechselt. Grosses Sorry
Erst eure Nachfrage nach dem günstigen Preis hat mich noch einmal nachschauen lassen.
Wir haben trotzdem seit August keinen Strom vom Netzbetreiber gebraucht.

Sobald du einen Mindestspeichergrad vorgibst, den du für Ersatzsttromzwecke vorhalten willst, wird sich das schon ändern. Kennst du den Verlauf der Speicherstände (SOC) über den Tag?

Sobald du sagst „Hey, reserviere mir 2 kWh für den Notstrom“, wird der Akku öfters nichts mehr liefern. Du verzichtest dann auf 20% der Akkukapazität. Was hat der Akku gekostet? Ich schätze mal rund 5000€ netto? Dann hast du davon 1000€ nur für die Notstrombevorratung ausgegeben.
Wie tief darf der entladen werden? Bei meinem sind 5% empfohlen. Wenn das bei dir auch so ist, hättest du für 1,5 kWh Notstrom 1000€ ausgegeben.

Im Prinzip schon. Aber dazu gehört ein Elektriker, der schon einmal was von der Einspeisesteckdose gehört hat und weiß, was am Generator umzubauen wäre (dem fehlt nämlich für den Einspeisebetrieb eine lebenswichtige Drahtbrücke). Der Generator darf dann nicht mehr mobil benutzt werden.

Und dazu gehört auch (wie jetzt auch schon), dass man sich die notstromberechtigten Stromkreise heraussucht, separiert und auf den Umschalter für die Einspeisesteckdose legt.

Mein Generator macht 5 kVA / 4 kW Dauerleistung und kann ordentlich Schieflast liefern (ist nämlich ein Drehstromgenerator). Allerdings wiegt der vollgetankt auch eher so 180 kg und war richtig teuer. Meinen Kunden empfehle ich daher - höchst unprofessionell - einen Handtaschen-Generator wie den Honda EU22i und eine hinreichende Anzahl Verlängerungen für Heizung, Kühlschränke und Co. .

Zum Kochen für Ausfälle ist ein Gaskocher besser. Den kann man dann auch anderweitig nutzen, Camping, Fest auf freiem Feld und je nach Kartuschen- bzw. Flaschengröße auch längere Zeit oder mit 2 Brennstellen. Gut, Backen wird schwierig.
Auch mancher Holzogen eignet sich zum Kochen
Lebensnotwendig: Licht ja. Tv und Radio naja. Router nicht (geht nix bei Stromausfsll in der Straße) Weinkühler​:rofl::joy:

Eine Sinuswellle. Nix geglättet. (Oder willste 12V-Akkus laden mit dem Generator. Manche Generatoren können auch das)
Viele Geräte kommen auch mit Quasisinus zurecht, aber manche empfindliche ned. Die meisten Haushalts- und IT-Geräte vertragen Quasisinus.

Hallo
nochmals zu meiner Anlage und dem Speicherverlauf.
Ich überlasse die Verteilung der Stromflüsse auf Akku, Netzeinspeisung und Eigenverbrauch dem WR. Der macht das nach meiner bisherigen Kontrolle (Eine App zeigt mir jederzeit die aktuellen Aktionen) gut. Wenn ich große Einspeisungen (ab 4 KW) ins Netz sehe (meistens bei klarem Wetter und Sonnenschein) stelle ich die Verbindung zwischen E Auto und Wallbox her. Hier warten wir noch auf die sinnvolle Verbindungslogik zwischen WR und Wallbox, um Überschussstrom automatisch ins Auto fließen zu lassen. Man hat uns beim Wallboxhersteller versichert, dass man daran arbeitet.

Die gibt es schon lange.

Am einfachsten wäre es gewesen, gleich eine etwas intelligentere Wallbox zu kaufen, etwa die Zappi von Myenergi.

Alternativ muss man nämlich entweder WR und Wallbox vom selben Hersteller kaufen - oder sich selber um die Anpassung von WR und Wallbox kümmern. Meistens sprechen die beide dieselbe Sprache (Modbus), nur leider unterschiedliche „Dialekte“, so dass das zu einem blöden Krampf ausartet.

Und dann scheitert im nächsten Schritt gerne an der fehlenden Kommunikationsleitung zwischen Wallbox und Zählerschrank. Hier haben und hatten wir bei der Wallboxförderung eine dumme Regulierungslücke: Gefordert war stets, dass die Wallbox „regelbar“ sein muss - sonst gibt es keine Förderung. Die dazu notwendige Steuerleitung durfte aber vom Installateur weggelassen werden - und das wurde dann halt auch so gemacht. Die kostet ja 70 ct. pro Meter!