relationen
hallo enrico,
zunächst mal danke, dass du überhaupt zurück fragst. allzu viele mehrheitsmeinungsinhaber tun das bei diesem thema nämlich nicht.
interessante Sichtweise… Hat das was mit „Was ich denk´und
was ich tue, dass trau ich auch den anderen zu“ zu tun ???
nichts mit denken und trauen- bei dem, um was es hier geht, habe ich mehr eigene erfahrung, als mir lieb ist. (du auch?)
Hört sich ja nach absoluter Willkürherrschaft des
Sachbearbeiters an.
die ist mit dem real existierenden sozialrecht meiner meinung nach über größere strecken institutionalisiert- ja. und was helge hier berichtet, ist ein hübsches kleines beispiel aus dem behörden-alltag, finde ich. viel haarsträubendere beispiele kann man sogar recht häufig in der presse lesen, wenn man etwas sensibel ist für das thema.
Dem gegenüber steht dann offensichtlich
der immer freundliche und stets arbeitsbereite
Sozialhilfeempfänger, der ja nur sein Recht einfordert und
natürlich nie irgendein Gesetz übertreten würde.
nun, deine ironie entspricht leider der gängigen stammtisch-propaganda, bei der der kanzler vorne mitmischt. ich kann mir hier gelegentlich den spaß nicht verkneifen, das mal mit den empfindungen derjenigen zu konterkarieren, die auf der anderen seite ihr leben fristen müssen und obendrein einer tagtäglichen flut von diskriminierung ausgesetzt sind.
apropos gesetz: hast du schonmal mittels kreativer formulierung dem finanzamt gegenüber dein einkommen etwas kleiner gemacht?
(das mal als erste anmerkung zum thema relationen)
Geht´s nicht so, wie er es sich denkt, dann hat er halt Pech
gehabt, weil ja der Sachbearbeiter mit dem falschen Fuß
aufgestanden ist.
Meinst Du das wirklich?
wo willst du das gelesen haben?
hier geht es um ein ganz konkretes beispiel, wo ein glücklicher bekommt, was einem anderen ohne ersichtlichen grund vorenthalten wird.
(und erstmal der einzige weg, auf dem ich mir das erklären kann, ist satire)
Jeder Sachbearbeiter mußte jahrelang studieren, um das
Ermessen, das er zweifellos hat, richtig im Sinne des
Bundessozialhilfegesetzes auszuüben!
genau richtig gelesen: das problem ist, dass beim derzeitigen zustand des sozialrechtes völlig gegensätzliche maßnahmen dem gesetz entsprechen (und ich glaube gern, dass man jahre braucht, um sich so viel widersprüchliches anzueignen…)
Und sei Dir mal sicher, viele Hilfeempfänger fühlen sich oft
gemüßigt, zu Gericht zu ziehen, und zwar manchmal auch wegen
jeder Kleinigkeit.
das weiß ich sogar nur zu gut: eben weil das real existierende sozialsystem den notleidenden kaum eine andere chance lässt.
bist du selbst mal in einer solch existenziellen notlage gewesen?
wenn man vor dem schreibtisch des SBs sitzt mit der nackten angst vor obdachlosigkeit im nacken (ich mach’s jetzt auch mal dramatisch- weil nämlich diese relation inzwischen völlig verloren gegangen ist) und erleben muss, dass du nicht etwa beraten, sondern pauschal auf die anklagebank geschoben wirst, wie dir auf kleinlichste art und weise die unkenntnis der komplexen rechtslage um die ohren geschlagen wird, während die leute auf der anderen seite des schreibtisches in aller gemütlichkeit jeden fehler machen dürfen, der auf deine kosten geht…
…dann treibt dich das im nullkommanix zu der haltung „nehmen, was du kriegen kannst“- dir bleibt überhaupt nichts anderes übrig.
Man kennt ja seine Rechte
genau falsch: gerade weil den betroffenen von behördlicher seite die infos vorenthalten werden, vernünftige beratung nur von juristen mit spezialqualifikationen zu haben ist und die ämter ganz gern mal probehalber gegen geltendes recht verstoßen (auch wenn sich das der brave zeitungsleser nur äußerst ungern vorstellen mag), gibt es oftmals kaum einen anderen weg, als die sache vom gericht klären zu lassen.
und muß sie nur
durchzusetzen verstehen, richtig?!
anders überlebst du das nicht.
und meine kardinale relation kann ich mir nicht verkneifen: solange steuer“sünder“ (dies wörtchen schon alleine!), die den staat um abermillionen betrügen, als seriöse geschäftsleute gelten und hinterher noch amnestiert werden, ist mit mir kein staat zu machen.
ich hoffe, dass meine antwort jetzt nicht zu hart ausgefallen ist (aber die zeiten sind so…). denn ich möchte dir an dieser stelle nochmal ausdrücklich respekt zollen, dass du wenigstens mal nachfragst- das ist eine selten gewordene qualität heutzutage.
beste grüße
bernd