Erwartungen

Wir haben ERwartungen- an uns und an die Umwelt- an die Menschen um uns rum!

Werden diese Erwartungen nicht erfüllt, fühlen wir uns enttäuscht!

Speziell bei den Erwartungen anderer gegenüber höre ich immer wieder „ich erwarte gar nichts mehr!“

Und für mich klingt das eher verbittert und enttäuscht-zurückgezogen, als diese abgeklärte „Mönchs-Haltung“, daß man mit wenig zufrieden sein soll- und DANN noch überrascht statt enttäuscht werden kann!

Ist es nicht das Natürlichste, daß man von den Menschen etwas erwartet??
Ein freundliches Verhalten, vielleicht mal ein Lächeln, Zuspruch oder -je näher einer einem ist- daß auf einen eingegangen wird??

Klar geht man da von sich aus!
Ist man selber jemand, der sich zB um seine Freunde kümmert- wird man auch das erwarten.

Ich kann für mich nur sagen-- habe ich KEINE Erwartungen an den anderen, dann ist er mir normalerweise egal!

Wie ist das bei Euch??
Und gehen wir wirklich mal bitte von dieser „hochgeistigen Haltung“ weg, bei der man vielleicht keine Erwartungen an die Menschen stellt- aber damit eben wohl auch über „allem steht“.

Kitty

Hey Kitty,

ich glaube Erwartungen an unsere Mitmenschen sind ganz normal. Der Umgang untereinander besteht ja aus einer fortwährenden Kommunikation miteinander. Ganz nach dem Motto „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Jedes von uns ausgehende Verhalten, sei es nur eine bestimmte Gestik, ein kleines Zwinkern oder ähnliches wird von uns an unsere Mitmenschen gesendet. Alle Signale die wir aussenden dienen dem Zweck eine Antwort zu bekommen. Also sind wir in einer ständigen Erwartungshaltung, was wohl von dem anderen als Antwort kommt.

Wenn jemand sagt, er hätte keine Erwartungen dann ist das wirklich etwas verbittert. Ich erwarte von denen Leuten nichts, die mir egal sind, so wie bei dir auch. Wenn wir immer eine fehlerhafte Antwort auf unsere Signale bekommen endet das über kurz oder lang in Frustration und dann ist es so eine Schutzfunktion aktiv zu bestimmen, dass man nun nichts mehr erwartet.

Gruß Elli

Hi,

ich persönlich halte Erwartungen für sehr menschliche, jedoch
ziemlich „gefährliche“ Haltungen. Ähnlich wie Ängste kann man sie
nicht einfach abstellen, aber zu viele davon sind in meinen Augen
schlichtweg enorm schädlich.

Erwartungen an andere sind sowohl für mich selbst blöd als auch für
meine Mitmenschen. Für mich selbst, weil - wie du schon sagtest - sie
quasi notgedrungen Enttäuschungen nach sich ziehen. Für andere, weil
sie das Zusammenleben unnötig erschweren und verkomplizieren, ja
sogar Komplexe beim anderen hervorrufen können (bei Erwartungen an
die Kinder u.ä.).

Meine Art, mit eigenen Erwartungen umzugehen ist die: ich bin mir
bewusst, dass ich Erwartungen habe, denn das gehört zum Menschsein
dazu. Ein Minimum an Erwartungen richtet ja auch keinen Schaden an.
Allerdings bin ich mir genauso bewusst, dass Erwartungen nicht immer
erfüllt werden, dass andere Menschen andere Erwartungen haben und
meine Erwartungen nicht riechen können - und sich deshalb nicht so
verhalten, wie ich es von ihnen erwarte. Dafür erwarten sie wiederum
anderes, was ich evtl. nicht erfüllen kann oder möchte.
Ich versuche also, wenn ich enttäuscht zu werden scheine, offen zu
sein für das andere, das sich anstatt dem, was ich erwartet habe,
ereignet. Und ich weiß, dass das Leben mehr für uns bereithält, als
wir uns vorstellen, dass es mehr Blickrichtungen gibt als die eine,
in die wir verzweifelt starren. Und ich mache mir bewusst, dass es
furchtbar wäre, wenn alles so vonstatten gehen würde, wie wir es
erwarten - das hieße ja, sein Leben schon im Voraus zu kennen, und
dann bräuchte man schließlich gar nicht erst leben.
Ein wenig Vertrauen darin, dass das Leben es gut mit uns meint - und
die Enttäuschung kann einer Vorfreude auf Neues, Ungewohntes Platz
machen.

Viele Menschen versuchen, statt zu erwarten, eher zu hoffen, wobei
ich finde, dass dazwischen nur ein sehr, sehr schmaler Grat ist. Die
Erwartungen akzeptieren, aber auch Veränderungen akzeptieren, halte
ich für richtig.
Ich glaube übrigens nicht wirklich, dass man „gar nichts mehr
erwarten“ kann, das sagt man nur so daher und verbittert dadurch erst
recht.

David Lynch: „Es sind ja nicht die Gewissheiten, die uns glücklich
machen.“

Judy

Hallo Kitty,

ich hatte schon viele Probleme mit diesem Thema und habe mich
zwangsläufig damit beschäftigen müssen.

Ich hatte Erwartungen bestimmten Personen gegenüber und umgekehrt
hatten andere Leute Erwartungen mir gegenüber.

Im ersten Fall wurde ich auf kurz oder lang immer enttäuscht und im
zweiten Fall fühlte ich mich unter Druck gesetzt und zog mich zurück.
Ich kann also beide Seiten gut nachvollziehen.

Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass mir Erwartungen nicht gut tun.
Entweder man gibt etwas weil man geben möchte oder man bekommt etwas
weil der andere etwas geben möchte - alles freiwillig, von Herzen
kommend und ohne Beeinflussung durch eine Erwartungshaltung.

Kleine Begriffserklärung:
Er-WARTEN, warten ist passiv und dadurch schon hemmend für eine
erfolgreiche Kommunikation.

Ent-TÄUSCHEN, Du hast Dich getäuscht, bzw. geirrt, auf etwas gewartet
was gar nicht da ist.

Positiv hingegen ist ein offen freundliches und interessiertes
Verhalten den Menschen gegenüber, dann dankbar das nehmen, was Dir
diese Menschen von ihnen preisgeben.

Viele Grüße

Fehlgeschlagene Erwartungen schmerzen

„Nichts schmerzt so sehr wie fehlgeschlagene Erwartungen, aber gewiß
wird auch durch nichts ein zum Nachdenken fähiger Geist so lebhaft wie
durch sie erweckt.“

Benjamin Franklin

Hallo Judy!

Interessanter Gedanke mit diesen Hoffnungen/Erwartungen!

Und wenn ich das so ansehe, dann kann ich für mich auch sagen, daß ich aus „meinen Augen“ schaue und dann auch das bei anderen „erwarte“!

Wie ich hier schon mal gepostet hatte- daß es Freundinnen gibt, die ERWARTEN, daß man immer ein offenes Ohr hat, wenn sie Probleme haben- und zutiefst enttäuscht, wenn das nicht kommt!
Eine Sache, die ich so nicht habe…da würde ich wohl eher nur von der Hoffnung sprechen, die in einem Anruf oder Gespräch innewohnt…die Hoffnung, daß der andere bereit ist auf mich einzugehen!

Denn wenn das dann nicht kommt- finde ich das zwar schade- vielleicht ich mich auch was allein-gelassen- aber da liegt keine Enttäuschung an diesen Menschen in mir!

Dieses Gefühl kommt dann, wenn ich einen Menschen wirklich liebe- und das Gefühl habe, ich werde was zu oft „vergessen“ - oder Handlungen getätigt, die mich und mein Fühlen da ausklammern-- und zwar häufig!
Ich sehe da zwar dann auch die Gründe, die das erklären-- aber enttäuscht fühle ich mich dennoch…

DAnn sind wohl die Erwartungen an die Wichtigkeit der Person geknüpft, die man ihr gibt…??

Kitty

Hi

DAnn sind wohl die Erwartungen an die Wichtigkeit der Person
geknüpft, die man ihr gibt…??

Ich würde fast eher sagen, sie sind daran geknüpft, wieviel
Wichtigkeit und Liebe man der eigenen Person gibt. Denn wenn ich mich
selber nicht genug liebhabe, dann bin ich wahnsinnig darauf erpicht,
ständig von anderen „Beweise“ zu bekommen, dass ich ja doch
liebenswert bin usw. Und selbst wenn diese Beweise kommen, sind sie
nie genug! Man braucht immer mehr! Das resultiert dann in Erwartungen
á la „wenn sie/er sich jetzt nicht meldet, bin ich ihm nichts wert“
etc. - und diese Erwartungen nerven andere schnell. Dann kann es
wirklich soweit kommen, dass man denen irgendwann nichts mehr wert
ist - aber erst, nachdem man selber so empfindet…

Meine gesamte Familie lebt in diesen Teufelskreisen, deshalb habe ich
mich mit dem Thema „Erwarungen“ so oft auseinandergesetzt - warum ich
selber so schnell Zuneigungsbeweise von anderen BRAUCHE, aber selber
nie bereit bin, anderen (meiner Familie) diese Beweise zu geben, sie
BRAUCHEN es einfach zu sehr, sie ERWARTEN es - ich kenn also auch
beide Seiten.

lg
Judith

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Und selbst wenn diese Beweise kommen,sind sie
nie genug! Man braucht immer mehr! Das resultiert dann in
Erwartungen
á la „wenn sie/er sich jetzt nicht meldet, bin ich ihm nichts
wert“
etc. - und diese Erwartungen nerven andere schnell.

Tja- wenn man nicht tief genug „in sich ruht“ dann braucht man wohl wirklich den Zuspruch der anderen!
Und je wichtiger einem ein anderer ist- desto wichtiger möchte man auch für ihn sein!

Grundsätzlich liegt dann wohl das Gefühl von „dazugehören“- vor!?
Und nur selten ist es einem dann egal…selbst über ne unfreundliche Verkäuferin kann man sich ja ärgern… :wink:- auch, wenn DIE einem als Person ja wirklich egal ist!!

Kitty

Hallo,

man hat IMMER Erwartungen selbst wenn man denkt man hat keine:smile:

Liebe Grüße,

Ralf