Guten Tag,
ich hatte vor ein paar Wochen in einem Krankenhaus ein CT der Lunge sowie der Nasennebenhöhlen sowie ein Perfusionsszintigramm. Festgestellt wurde ein diffuses Lungenemphysen sowie eine Sinusitis. Seitdem mache ich mir große Sorgen wegen der Strahlenbelastung! Um genau zu sein, habe ich große Angst vor einer daraus resultierenden Krebserkrankung! Kann vielleicht mal jemand Kompetenter das Risiko einordnen?
Darüber wäre ich sehr froh!!
Sanne, 38 Jahre
Im Normalfall ist die Strahlenbelastung durch eine Krankenhausuntersuchung nicht ausschlaggebend für die Bildung eines Tumors. Bei häufiger Strahlenbelastung sollte man sich entsprechend untersuchen lassen. Eine einmalige Untersuchung ist m.E. Aber nicht ausschlaggebend.
Soweit ich weiß ist die Strahlungsbelastung geringer als bei einer Röntgenuntersuchung. Allerdings kannst du das bei der Untersuchungsstelle selbst erfragen.
Gruß Uli
Die Chance, dass du wegen einem ct gleich ein Karzinom bekommst ist in der heutigen Zeit mit der Technologie zu vernachlässigen! Also brauchst du dir keine sorgen machen! Röntgen strahlen sind heutzutage nicht mehr So gefährlich wie früher!
MfG,
Keri
Liebe Sanne,
zunächst: ich bin kein Mediziner. Bei fortbestehenden Beschwerden oder Sorgen solltest Du also unbedingt einen Arzt zu Rate ziehen. Ich arbeite in der Forschung mit CT, bin also über Strahlenschutz und die Folgen ionisierender Strahlung aufgeklärt und belehrt. Aus diesem Wissen möchte ich Dir Deine Frage beantworten.
In der Regel wird ein Arzt eine CT nur bei entsprechender Indikation verordnen. Das bedeutet, dass Nutzen und Risiko sorgfältig gegeneinander abgewogen wurden. Aus den bei Dir durchgeführten Diagnosemaßnahmen vermute ich, dass bei Dir der Verdacht auf eine Lungenembolie bestand. Eine Lungenembolie ist um ein vielfaches lebensbedrohlicher als die erhöhte Wahrscheinlichkeit durch eine CT an Krebs zu erkranken.
Laut einer Studie aus den USA werden zukünftig 1.5% bis 2% aller Krebsfälle auf eine vorhergehende CT zurückzuführen sein (http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMra072149)
Also: jede Art von ionisierender Strahlung birgt ein Risiko, das ist richtig. In deinem Fall war aber das Risiko durch eine Lungenembolie in einen lebensbedrohlichen Zustand zu geraten um ein vielfaches höher, akuter und greifbarer als die erhöhte Wahrscheinlichkeit zu einem späteren Zeitpunkt an Krebs zu erkranken.
Bei weiteren Fragen melde Dich!
Herzliche Grüße, gute Besserung und schöne Feiertage!
Alex
Liebe Sanne,
nach derzeitigem Kenntnisstand ist die Gefahr nicht sehr hoch.
Es ist tatsächlich erwiesen, dass die CT Krebs erzeugen kann. Jedoch ist die Chance sehr niedrig. Langzeitstudien existieren nur in geringem Maße, da das Verfahren erst seit 20 - 30 Jahren angewandt wird. Man geht davon aus, dass ca. 1 % - 2 % der Krebserkrankungen in späterer Zukunft durch CT und Co verursacht worden sein werden.
http://de.wikipedia.org/wiki/Computertomographie
Wenn man nun davon ausgeht, dass jeder eine ca. 30 % Wahrscheinlichkeit hat, in seinem Leben an Krebs zu erkranken, dann steigt die Chance auf weniger als 30,1 % .
http://de.wikipedia.org/wiki/Krebs_(Medizin)#Statistik
Die Wahrscheinlichkeit auf Grund einse Verkehrsunfalls verletzt oder getötet zu werden ist weitaus größer, als auf Grund einer CT eine Krebserkrankung zu entwickeln. Trotzdem sind Autos offziell in unserem Alltag zugelassen!
Das liegt daran, dass der Nutzen der Autos größer ist, als das Risiko, man muss immer abwägen. Ähnlich ist es mit dem CT.
Mir liegen keine Daten vor, aber es wurden sicher unzählige Todesfälle durch CT Untersuchungen verhindert und -zwar nicht lebensgefährliche- aber dennoch belastende Krankheiten aufgeklärt und konnten so richtig behandelt werden.
Es ist immer wichtig selbstständig zu denken und kritisch zu hinterfragen, daher finde ich deine Überlegungen absolut verständlich.
Sie sollten aber dafür dienen, dein zukünftiges Handeln zu organisieren. Wenn die Sorgen jetzt jedoch nicht geringer geworden sind, auch wenn du dich informiert hast, oder -im Gegenteil- du dir jetzt noch Sorgen machst, dass der Verkehr so gefährlich ist, oder die Tatsache dich beunruhigt, dass die Chance allgemein mal an Krebs zu erkranken relativ hoch ist, dann denke ich, dass diese Sorgen eher als Ventil funktionieren. In diesem Falle sind Entspannungsverfahren wie Autogenes Training sicher einen Versuch wert.
Angst ist ein wichtiger Mechanismus, den wir früher (und auch heutzutage) zum Überleben brauch(t)en.
Sie ist aber dazu da, um uns durch (verändertes) Verhalten zu beschützen. Sobald die Angst selber als belastend empfunden wird, ist das eine andere Geschichte, die aber für dich eventuell nicht zutrifft.
Wichtig für ein langes Leben sind: nicht rauchen, nicht (zu viel) Alkohol trinken, etwas Sport und auf die Figur achten.
Dann müsste das auch mit der Gesundheit klappen.
Zu mir. Ich bin Ärztin, aber keine Spezialistin für Strahlenschäden / -folgen oder Krebserkrankungen.
Daher sind alle Angaben nur meine persönlichen Einschätzungen. Da ich auch keine Hellseherin bin, sind alle Angaben ohne Gewähr.
Liebe Grüße und alles Gute.
Hallo Sanne,
ich bin auf diesem Gebiet kein Fachmann, aber ein CT ist natürlich immer eine Strahlenbelastung. Aber… man macht ein CT ja auch nur, wenn ein wirklicher Grund vorliegt, bzw. dringend etwas „Schlimmeres“ abgeklärt werden muss, so daß man das CT dann eben in Kauf nimmt. Daß nun sofort ein Krebs daraus entsteht… mhhh - dann müßten ja fast alle einen haben. CTs werden ja in Unmengen gemacht. Ein Perfusionsszintigramm sagt mir gar nichts - sorry. Ich hoffe, daß Dir hier noch ein richtiger Fachmann eine Auskunft geben kann.
LG
mona
Liebe Susanne, leider bin ich kein Experte. Du müsstest sicher Mediziner oder Radiologen befragen.
LG und alles Gute!
Hallo Sanne
Beide Untersuchungen gehen mit einer bestimmten Strahlendosis einher. Soviel ist klar. dass man sich Gedanken macht bei diesen Untersuchungen ist normal, besonders in jungen Jahren.
Strahlenschäden werden in stochastische und nicht stochastische unterschieden. Die nicht stochastischen unterliegen einer bestimmten Schwellendosis (die durch CT und Szinti nicht erreicht werden) und sind mit quasi sofortigen Strahlenschäden verbunden. Die stochastischen Strahelnschäden treten mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit ein und sind die sog. (eventuellen) Spätfolgen einer Strahlenbelastung.
Mit höherer Dosis steigt natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass diese Dosis irgendwann Schäden hervorrufen kann. Des Weiteren ist ein junges Lebensalter ein Faktor, da der etwaige Schaden länger Zeit hat, sich irgendwann bemerkbar zu machen. Zudem kommt hinzu, dass die Physiologie (Zellteilungsrate, Anteil des roten Knochenmarks, etc.) aktiver ist in einem jungen Organismus. Dies kann wie beschrieben von nachteil sein, allerdings weiß man auch, dass junge Menschen ein stärkeres Immunsystem haben als ältere - wenigstens normalerweise.
Die Strahlungsenergie beim CT Thorax liegt etwa bei 120keV und je nach Körperumfang passen die modernen Geräte die mAs, also die „Strahlenmenge“ an. Wenn Du dünn bist, reicht eine geringe mAs, bei ner gewissen Leibesfülle, steigt die Dosis somit.
Wie hoch also die letztendliche Dosis ist, hängt von mehreren Faktoren ab.
Jedenfalls bekommt man auch ohne medizinische Untersuchung eine gewisse natürliche Strahlung ab, die wiederum abhängig ist von der Region (hauptsächlich wegen der Konzentration von Radongas).
Um Dir hoffentlich die latente Strahlenphobie etwas nehmen zu können, ein kurzer Vergleich:
Eine CT des Thorax entspricht etwa 150 konventionellen Thoraxaufnahmen. Eine Thoraxaufnahme birgt in etwa das Risiko an einem strahlenbedingten Tumor zu erkranken, wie 5 Zigaretten das Risiko bergen, an einem Brochial-Karzinom zu erkranken. Somit hast Du mit der CT quasi 750 Zigaretten geraucht. In einem Päckchen sind 20 Zigaretten [glaube ich, weil ich bin Nichtraucher:wink:], somit entspricht dies knapp 38 Zigarettenpackungen.
Hoffe das hilft Dir in etwa das ganze einzuschätzen!
Allerdings betone ich, dass es sich bei dem Vergleich um einen metaphorischen handelt…so als würden Äpfel mit Birnen verglichen…aber trotzdem hilfreich denke ich?!
So oder so…Gute Besserung!
Hallo,
natürlich verbergen solche Untersuchungen ein gewisses Risiko und deswegen werden solche Untersuchungen auch nur gemacht, wenn es tatsächlich erforderlich macht.
Mit diesem Wissen „tröste“ ich mich über die Tatsache hinweg… Denn ohne solche Untersuchungen wäre ich bestimmt schon tot (um es mal salopp zu schreiben).
Ich hoffe dass sie verstehen, was ich meine.
Meine Chemotherapie beispielsweise, war für meinen Körper mehr als gefährlich. Und wenn ich aber sie für gefährlich einstufe oder verinnerliche, kann sie mir andererseits nicht helfen…
So habe ich die Chemao also damals dankbar angenommen und freute mich, dass die mir mein Leben drastisch verlängern wird, was sie auch getan hat.
So nehme ich auch jede wichtige (!) strahlenbelastete oder radioaktive Untersuchung dankbar an und bin froh, dass es die Möglichkeit gibt den Kern der Sache auf der Spur zu kommen, um mir letztendlich zu helfen.
Ihre Ängste sind die Ängste vieler. Sie sind nicht unbegründet und liefern in jeder Selbsthilfegruppe Diskussionsmaterial. Ich habe auch vor jeder solcher Untersuchungen mir Gedanken gemacht und gelernt, dass
die mir immer ein Stückweit Sicherheit oder sogar mir mein Leben geschenkt haben.
Bitte versuchen auch Sie diese Art von Untersuchungen etwas positiver zu sehen und seien Sie sich gewiss, dass es von einem Arzt, der eine solche Untersuchung veranlassen möchte, sehr gut überlegt ist.
Alles Gute und schöne Feiertage,
Kathra
Hallo Sanne,
ich kann Dir Folgendes antworten:
(1)
Die Wahrscheinlichkeit, irgendwann im Laufe des Lebens an einem durch eine einzelne CT Aufnahme verursachten Krebsleiden zu sterben ist so gering, dass keine ganz genauen Zahlen bestimmt werden können.
Ähnliches gilt für die Szintigraphie.
Ausserdem hängt dieser Wert von einer Reihe weiterer Faktoren und der genauen Art der Aufnahme ab.
(2)
Die Wahrscheinlichkeit, irgendwann im Laufe des Lebens an einem durch eine einzelne CT Aufnahme verursachten Krebsleiden zu sterben wird von verschiedenen Studien in der ungefähren Grössenordnung von 1 zu 1000 angegeben.
Dieses Risiko (1:1000) ist somit einerseits gering, andererseits aber auch nicht vernachlässigbar.
(3)
Eine diagnostische CT Untersuchung muss daher in jedem Fall begründet sein, zum einen durch den Verdacht auf eine Krankheit, die gefährlicher ist als die CT-Untersuchung und zum anderen dadurch, dass die genaue Diagnose durch die CT-Untersuchung die Heilungschancen durch Anpassung der Behandlung verbessert.
Oder anders ausgedrückt: Das Risiko der CT-Untersuchung sollte kleiner sein als das Risiko einer falschen oder unangemessenen Behandlung der Erkrankung.
(4)
Für die Beurteilung eines Lungenemphysems scheint eine CT-Untersuchung daher angemessen.
-> http://www.springerlink.com/content/366143v47u074n71/
Gruss,
Thilo
Vielen Dank für die schnellen und ausführlichen Antworten! Soweit ich alles verstanden habe, ist das Risiko einer Krebserkrankung durch eine CT des Thorax sehr gering. Das beruhigt mich. Ist es richtig, das die CT mit sehr großer Wahrscheinlichkeit auch mein Brustkrebsrisiko nicht signifikant erhöht hat? Oder muß ich, was mein Brustkrebsrisiko angeht, alamiert sein? Oder wenn mein Brustkrebsrisiko jetzt sehr erhöht ist, kann man dann eventuell durch beispielsweise halbjährliche Blutuntersuchung oder anderer ungefährlicher Diagnostik eine Krebserkrankung frühzeitiger entdecken und so meine Überlebenschancen erhöhen? Kurz gesagt: was kann ich, außer der Vermeidung weiterer Strahlenexposition tun, um mein erhöhtes Risiko nicht weiter zu erhöhen oder es vielleicht sogar zu senken? Es sind viele Fragen, ich weiß, aber für mich sind sie sehr wichtig!
Hallo Sanne,
leider sehe ich die Frage erst jetzt und ein direkter Experte bin ich dafür auch nicht (kein Arzt/Radiologe), aber ich denke, dass das Risiko hier bei einer Untersuchung wirklich minimal ist.
Das wäre wohl anders, wenn CTs mehrmals im Jahr gemacht würden, und auch hierbei dürften die Ärzte schon den Bedarf gegen die Risiken abwägen.
Gute Besserung
S.K.