Hallo zusammen,
würde gerne mal ein Stimmungsbild zu folgender Situation einholen:
Unser letztes Au-Pair (Mitte 20) studiert mittlerweile hier, und wir haben immer noch guten Kontakt. Ich habe eine Art Vaterrolle übernommen, da sie noch recht kindlich ist und noch Eltern braucht.
Sie hatte noch nie einen Freundund ist mehr als zurückhaltend, eher sachlich, ganz und gar nicht der Typ, der sich Hals-über-Kopf in irgendetwas von Romantik überwältigt hineinstürzen würde, was keine Aussicht auf echten Erfolg hätte.
Jetzt gibt es eine beginnende Beziehung (noch ein ganz zartes Pflänzchen, und sie ist realistisch genug, darin noch nicht die große Liebe für den Rest ihres Lebens zu sehen), und alles könnte wunderbar sein, wenn sie nicht ihren Eltern davon erzählt hätte, die damit aus ganz grundsätzlichen Erwägungen (ohne ihn auch nur gesehen zu haben) gar nicht einverstanden sind, weil besagter Freund Moslem ist (dies allerdings nicht einmal lebt), leicht gebräunten Taint hat, und vor vielen Jahren als Asylbewerber nach Deutschland kam. Er hat einen ordentlichen Job, eine anständige Wohnung, ein vernünftiges Auto, spricht nahezu akzentfrei, passt vom Alter her (ein paar Jahre älter), es gibt also konkret eigentlich gar nichts an ihm auszusetzen.
Ihre Eltern kamen jetzt nach Deutschland, wollten uns auch kennenlernen, und ich habe angeboten, dass dies doch eine gute Gelegenheit wäre, die Beteiligten mal auf neutralem Grund zusammen zu bringen, was die Eltern in den zwei Wochen davor zu verhindern gewusst hatten. Wir hatten einen tollen Nachmittag/Abend, nur Eltern und Freund wechselten kaum ein Wort miteinander, obwohl er sich wirklich merklich Mühe gab.
Wir habe uns sowohl mit ihrem Freund als auch mit ihren Eltern an dem Tag wunderbar verstanden und viel Spaß gehabt, aber auch diese Begegnung hat offenbar zu keinem Stimmungswechsel geführt. Jetzt sitzt unser ehemaliges Au-Pair in seiner Stundentenbude und ist ganz verzweifelt, und ruft mich an um Lebenshilfe zu bekommen. Ich habe sie darin bestärkt, dass sie ihren eigenen Weg gehen muss, dass ich ihren Freund als netten Kerl kennengelernt habe, … aber ich habe so den Verdacht, dass dahinter unausgesprochen die Frage steht, ob ich nicht mal mit ihren Eltern sprechen könnte. Sprechen ist dabei leider schon sprachlich ein Problem, aber ich könnte noch rechtzeitig vor Rückflug einen Brief schreiben. Die Eltern leben bei Verwandten, die beide Sprachen ausreichend beherrschen, ohnehin involviert sind und übersetzen könnten.
Sollte man sich als Au-Pair-Eltern/Freunde so in die Beziehung zu den natürlichen Eltern einmischen? Über das Verhalten der Eltern in Bezug auf Intoleranz/berechtigte Zweifel brauchen wir hier nicht zu diskutieren. Was ich ihnen schreiben würde, wenn ich etwas schreiben sollte, steht fest.
Gruß vom Wiz