urplötzlich ersetzt die halbe (medien)nation „man braucht, ich du, er, sie braucht usw.“ durch „es braucht“. das erzeugt doch gehörig überlkeit bei mir.
darum frag ich: wer hat das zu verantworten?
schlamperei oder ein exotischer dialekt?
*gaaanzvorsichtigzurgroßenuschirüberschielundkopfeinzieh*
fragt sich und bedankt sich schon mal im vornherein:
wir haben Schweizer Freunde. Die sagen statt „es gibt“ immer „es hat“ bzw. statt „man benötigt“ immer „es braucht“. Handelt es sich möglicherweise um einen Unterdialekt oder so etwas (die Leute kommen von der Alm, also nicht direkt aus Zürich)?
urplötzlich ersetzt die halbe (medien)nation „man braucht, ich
du, er, sie braucht usw.“ durch „es braucht“. das erzeugt doch
gehörig überlkeit bei mir.
darum frag ich: wer hat das zu verantworten?
schlamperei oder ein exotischer dialekt?
Hallo Strubbel.
Ich bin zwar kein Sprachgewaltiger, sondern kann nur mit dem dienen was man halt so kennt.
Die Wendung ist mir nicht neu, habe sie aber in letzter Zeit selten gehört, ausgenommen von Schweizern.
Im Zusammenhang mit ‚man braucht‘, was beinhaltet daß Personen gemeint sind, sagte man ‚es braucht‘ wenn abstrakt z.B. eine Situation etwas erforderlich machte. Beispiel: „Es braucht jetzt vor allen Dingen Ruhe und Besonnenheit“. Oder: „Jetzt braucht es tatkräftige Leute“.
Ist meiner Meinung nach Deutsch und grammatikalich richtig.
Mit freundlichen Grüßen
Alexander Berresheim
Ich war’s nicht, strubbel, ich schwör’s! Ehrlich! Aber es könnte schon sein, dass der eine oder andere Bayer oder die eine oder andere Bayerin diesen Ausdruck benützt… oder? Bin mir nicht sicher…
Also, des hätt’s jetzt net braucht, dass du mich andauernd an meine Körperlänge erinnerst *g*
Bei unseren zahllosen Dialekten ist eine endgültige Aussage unmöglich. Deshalb kannst du uns nicht für die erwähnte Sprachverluderung verantwortlich machen – auch Chauvis müssen sterben!
Ich sage z.B. „s’hät“ (es hat) „hät’s no?“ (hat es noch?) meine Frau hingegen „s’git“ (es gibt) "git’s no? (gibt es noch?)
Weitere Varianten: „häsch es?“ (hast du es?) „gisch es?“ (gibst du es?)
Plural:„heimers?“ „hemmers?“ „hämmers?“ (haben wir es?)
„Benötigen“ ist ausschliesslich im Schriftverkehr gebräuchlich. Mündlich: „er häts nötig“ (er hat es nötig) „i has nüd nötig“ (ich habe es nötig)
„heimers, hämmers, hemmers nötig?“ haben wir es nötig?
„I bruch es“ (ich brauche es) und „nötig ha“ (Ich benötige es) werden je nach Kontext gebraucht, aber auch wieder verschieden in den Dialekten. Beide Varianten können sogar die gleiche Aussage beinhalten, erlauben aber trotzdem eine weitere Differenzierung…M.E. ist es ein hoffnungsloses Unterfangen, als Fremdsprache(sic!)einen Schweizerdialekt mit allen Finessen erlernen zu wollen.
Das erklärt weshalb am Schweizerischen Idiotikon schon fast ein Jahrhundert gearbeitet wird und von den ursprünglich geplanten 20 Bänden in der Zwischenzeit trotzdem erst 13 dicke Wälzer erschienen sind. Diese werden immer noch nachgeführt - ein Werk ohne Ende. Ein Problem für die Herausgeber ist die immer mehr überhand nehmende Dialektvermischung. Noch problematischer ist die Jugendsprache. Diese wird zunehmend durch Immigrantenkinder beeinflusst. (Yugo-Sprache!)
Auch mein heimatlicher Dialekt hat im Zürcher Exil schwer gelitten und trotzdem behaupten meine Verwandten im Heimatkanton, dass ich nach einer halben Stunde wieder „normal“ rede. Unbewusst.
Ich behaupte, dass über unsere Dialektvielfalt niemand den Gesamtüberblick hat. Meist sind es Lehrer und heimatverbundene Germanisten, die die Dialekte und den Sprachschatz ihrer Heimatregion aufzeichnen und aufzeichneten.
schönen Dank für die ausführliche Beschreibung. Mir scheint es allerdings doch so, dass die Wendung einem schweizerischen Dialekt entstammt. Denn anderswo habe ich die Wendung nicht gehört.
Herzliche Grüße
Thomas Miller
*der eigentlich vor drei Tagen schon in der Schweiz sein wollte*
Dieses „es braucht“ ist weder neu noch zu beanstanden.
Es ist gutes, altes Deutsch, wie diese Belegstellen zeigen:
_ich wollte dir wie Amors wunde sticht
ein wenig zu versuchen geben,
allein bei meiner mutter leben!
es braucht hier meiner pfeile nicht. WIELAND 10, 136;
es braucht keines tiefsinnigen nachdenkens, um den grund heraus zu bringen. 29, 457; KLINGER 11, 224;
danke und erläuterung
huhu und vielen dank an alle für die erläuterungen.
mir viel nur auf, daß im tv urplötzlich dies zu einer neuen modewendung wird, gebt mal fein acht…
hätte ja sein können, daß das bis vor kurzen bei so exotischen volksstämmen wie bayern(oben und unten), franken, schwaben, rheinländer und so exklusiv benutzt wurde.ich meine das natürlich im rein sprachlichen sinne…
es braucht hier meiner pfeile nicht
es braucht keines tiefsinnigen nachdenkens
es braucht hier keiner vollmacht
… als aktives Mitglied des VVG (Vereins zur Verteidigung des Genitivs) wollte ich nur noch anmerken:
es braucht des Genitivs, wenn man „es braucht“ mit einem Objekt verbindet!
Grüße
Eckard.