Nur kurz
Hallo Anwar!
Ach, jetzt argumentierst Du mit Ästhetik, ich darf es aber nicht? Im
Übrigen stimmt die Aussage nicht, vgl folgende Sätze:
Nachdem Florian geantwortet hatte, ging Florian nach Hause.
vs.
Nachdem er geantwortet hatte, ging er nach Hause.
Gut, Pronomina können aber auch für ein längeres Subjekt oder Objekt stehen.
Er (= der 70-jährige, grauhaarige Mann) geht mit ihr (= die nette Frau von nebenan) ins Café.
Das Argument der Ästhetik ist ein nicht besonders starkes. Meines Erachtens sieht es beispielshalber unästhetisch aus, wenn Fairneß mit ß geschrieben wird, wie auch Schloß mit ß geschrieben wurde. Dies ist aber mein subjektives Empfinden, mit dem ich nicht argumentieren kann.
Die Groß- und Kleinschreibung ist gut für den Lesefluss. Ich vermute, es wäre schlecht für den Lesefluss, wenn nun auch noch Pronomina großgeschrieben werden würden.
"Substantivistisch gebrauchte Infinitive mit mehr als zwei
Bestandteilen schreibt man mit Bindestrichen, bei nur zwei
Bestandteilen gilt Zusammenschreibung"
Diese Regel entsprach nie dem Regelwerk der neuen
Rechtschreibung. Die frühere Regel sprach von einfachen
Zusammensetzungen (leider leicht misszuverstehen), was
unglücklicherweise zu Fehlinterpretationen bei
Wörterbuchverlagen führte.
Diese Regel stammt, wortwörtlich, aus dem aktuellen Duden, 22.
Auflage. Schau nach!
Aber natürlich ist jetzt wieder der Duden schuld, da arbeiten ja
auch nur Idioten, oder wie?
Nein, der Duden ist auch mein favorisiertes Wörterbuch und ich weiß, dass der aktuelle Duden nur die Schreibweise das In-Kraft-Treten zulässt. Dies ist gerade wegen dieser Regel, die aber nie dem amtlichen Regelwerk entsprach. Wie gesagt, handelt es sich hierbei um eine Fehlinterpretation (die im nächsten Duden korrigiert ist).
Siehe hierzu einen Auszug aus dem vierten Bericht der „Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung“:
«Einfache Zusammensetzungen» (§ 43 E)
KRITIK
Verschiedentlich ist der in § 43 E verwendete Ausdruck «einfache Zusammensetzungen» missverstanden worden.
DISKUSSION
§ 43 hält fest, dass man Bindestriche bei substantivisch gebrauchten Zusammensetzungen
(Aneinanderreihungen) zu setzen hat, insbesondere bei substantivisch gebrauchten
Infinitiven mit mehr als zwei Bestandteilen.
Als Beispiele führt das Regelwerk auf:
das Auf-die-lange-Bank-Schieben, das An-den-Haaren-Herbeiziehen, das In-den-
Tag-Hineinträumen, das Von-der-Hand-in-den-Mund-Leben
Auf den Bindestrich kann hier in der Tat kaum verzichtet werden – Schreibungen wie
das Aufdielangebankschieben sind kaum akzeptabel. Anders ist das bei kürzeren Verbindungen.
Aus diesem Grund hält eine zusätzliche Erläuterung fest:
Dies gilt nicht für einfache Zusammensetzungen mit Infinitiv, zum Beispiel: das
Autofahren, das Ballspielen, beim Walzertanzen
Das Problem an dieser Formulierung ist das Adjektiv «einfach». Intendiert war die Bedeutung
«unkompliziert, übersichtlich», gelesen worden ist das Adjektiv aber oft in seiner
zahlwörtlichen Bedeutung (in Opposition zu zweifach, dreifach usw.). Das hat dazu geführt, dass viele gedacht haben, dass eine doch relativ übersichtliche Verbindung wie
das Inkrafttreten neu nur noch mit Bindestrichen geschrieben werden dürfte: das In-
Kraft-Treten. Da das nicht beabsichtigt war, geht es darum, die Erläuterung weniger
missverständlich zu formulieren. Das ist möglich, indem man das Adjektiv «einfach»
durch «übersichtlich» ersetzt und ein weiteres Beispiel wie das Inkrafttreten anführt.
FAZIT
Umformulierung von § 43 E:
E: Dies gilt nicht für übersichtliche Zusammensetzungen mit Infinitiv, zum Beispiel:
das Autofahren, das Ballspielen, beim Walzertanzen, das Inkrafttreten
Zusammensetzungen wie
„Inkrafttreten“ sind nach den aktuellen Regeln korrekt; im
neuen Duden, der am 28. August erscheinen wird, kannst du
diese Schreibweise nachschlagen.
Meine Wörterbücher von Duden und Wahrig sagen einstimmig (!),
dass „Fairness“ nach alter Rechtschreibung mit ß
geschrieben werden musste.
Duden und Wahrig treffen Aussagen über die deutsche Rechtschreibung,
wie englische Wörter geschrieben werden, wirst Du darin nicht
finden. Also nochmal: Das deutsche (eingedeutschte) Wort „Fairneß“
musste mit „ß“ geschrieben werden, der Anglizismus „Fairness“ musste
(und muss!) mit „ss“ geschrieben werden.
Wenn ein Schüler im Deutsch-Diktat nach alter Rechtschreibung „Fairness“ schrieb, dann bekam er einen Fehler. („Aus Gründen der Fairness sollte …“)
Man konnte / kann das Wort natürlich zitieren, dann muss man es aber klein und mit ss schreiben, weil es dann explizit als Wort einer fremden Sprache gekennzeichnet ist, auf die ein deutsches Regelwerk natürlich keinen Einfluss hat.
Ich frage mich, würdest Du auch so rumjaulen, wenn sich tatsächlich
Zivilisten in die Militärpolitik einmischten, oder Umweltschützer in
die Atomenergie-Debatte (beides Gruppen, die nach Ansicht der
jeweiligen „Experten“ keine Ahnung von der Materie haben)?
Die Hubris (ja, auch ich kann Fremdwörter benutzen), die Du
versprühst ist genau der Grund, warum kein normaler Mensch jemals
wirklich glücklich mit der NDR sein wird.
Dieses Regelwerk wurde von Experten erstellt. Da war weder Gudrun dabei noch du noch ich. Dieses Regelwerk kam nicht auf weniger demokratische Weise zu Stande als das alte. Beide Regelwerke wurden letztendlich von Politikern verabschiedet.
Wieso soll man das Regelwerk nicht so lassen, wie es jetzt ist?
Kleine Verbesserungen wären ja okay, aber eine Rückumstellung wäre total falsch. Sämtliche Schüler / -innen, die nun die neue Rechtschreibung beherrschen, müssten (nochmals) umlernen. Diese Schüler / -innen müssten ein komplizierteres Regelwerk lernen, das mehr Ausnahmen hat als das jetzige – und das ist ein Faktum!
So, nun werde ich mich zu diesem Thema nicht mehr äußern, wie ich schon in Fritz’ Beitrag (vorher) angekündigt hatte.
Liebe Grüße
Florian
PS: Von Hybris kann hier nicht die Rede sein!