Hi Amira,
ich glaube es gibt kaum Frauen die sowas nicht erleben als Kind / Jugendliche, die es auch verdrängen, nichts sagen, irgendwann aussprechen und total erschüttert vor diesem kalten und gefühllosen Sprüchen der Eltern stehen.
…meine Mutter heute zu mir, als ich ihr erzählte, dass ich
einen Hass auf meinen Onkel habe, weil der mich in meiner
Kindheit und Jugend (ab 11. Lebensjahr) an die Brust gefasst
hat:
„Ach, Dich haben andere Männer auch an die Brust gefasst,
stell Dich nicht so an.“
Ich kenne weder dich noch deine Mutter oder eure Beziehung, aber kann dir nur raten mit solchen Eröffnungen vorsichtig zu sein und auch deine Eltern nicht zu überfordern. Unsere Mütter wurden noch ebenso als Besitz des Vaters und ihres Ehemannes angesehen, wie es um die vorletzte Jahrhundertwende eben war. Dass Vater entscheidet auf welche Schule die Tochter geht, mit welchem Mann sie ausgehen darf, etc. war normal. Selbstbestimmung ein Fremdwort. Ebenso die Selbstbestimmung über den eigenen Körper. Und so war es normal für Mütter dass die Töchter das ebenso hinnehmen und geben solche herzlosen Sprüche ab.
Wenn ich zurückdenke ist es noch zu meiner Schulzeit eine „normale“ urban legend gewesen die niemand anzweifelte. dass Mädchen angebl. mit Jungs in gemischten Klassen sein müssen, weil sie sonst hysterisch würden. Dass Jungs die Hysterie „ableiten“. Dass junge pubertierende Mädchen (war dann immer ein Fall den der Lehrer persönlich kannte und der echt wahr war) sich mit Vorliebe in ältere Männer verknallen und wenn die liebestollen Lolitas dem Kerl dann auf die Pelle rückten und der nicht so wollte wie sie, bei der Polizei die erfundene Vergewaltigung anzeigten und so „die gesamte Familie des Mannes zerstörten und den Mann in den Selbstmord trieben“.
Ich und meine Freundinnen wurden noch so erzogen dass Kinder und Jugendliche nix zu melden hatten und die Erwachsenenwelt prinzipiell jedes Recht und vor allem Recht hatte. Niemand fragte uns jemals um unsere Meinung und wir bekamen sehr oft zu spüren dass Kinder und Teenies sich mehr einbilden, als dass da wirklich was dran wäre.
Einige meiner Freundinnen mussten sobald sie ihre Tagen hatten ihren Eltern jeden Monat Rapport erstatten, aus reiner Panik vor Schwangerschaften. Wenn die sich mit 16 o. 17 irgendwann weigerten das zu tun, gabs Prügel. Dass sich Cousins, Onkel, Freunde der Familie an die Mädels ranmachten, mit bierseligen Sprüchen die wachsende weibliche Pracht besangen und auch gleich mal Probetatschen wollten, Klapse auf den Po, „Schweineküsschen“ (so nannte eine Freundin von mir Zungenküsse die sie ihrem Vater geben musste) zum üben für deinen Freund später, und wenn man sich wehrte oder nicht wollte: „Stell dich nicht so an. Du wirst noch früh genug in die Büsche kriechen mit irgendwelchen dahergelaufenen Kerls und noch viel mehr machen.“. Eine Freundin (ich war 8 und habe das alles nicht verstanden damals) erzählte uns sie müsse sich jeden Abend wenn ihr Vater aus der Fabrik kam mit seinen Kollegen, sich nackig ausziehen und den Typen vortanzen. Ich will nicht wissen das die arme Kleine noch aushalten musste. Und wir, wir fanden das komisch aber schwiegen (weil wir u.a. auch nicht kapierten was da abging) weil wir wussten jeder würde glauben wir spinnen, lügen, übertreiben, meine Freundin würde eine solche Prügel bekommen das sie nie wieder irgendwas sagen würde und das ganze wäre im Sande verlaufen.
Wie haben Eure Eltern auf solche Berichte reagiert?
Wie geht es Euch damit?
Du musst auch deinen Eltern zugestehen dass sie erstmal abwehren und blöde Sprüche klopfen. Denn du bringst mit dieser Geschichte natürlich auch ihre Welt zum Einbruch und sie müssten merken, wenn sie es an sich heranlassen, das sie dich nicht genug geschützt haben. Dass sie versagten, es nicht merkten, dich allein ließen. Daher habe Geduld und versuche immer mal wieder einen Vorstoß, so dass sie dir glauben können, mit dir trauern können. Da kann dir evtl. ein Therapeut helfen diese Sache auch deinen Eltern so beizubringen, dass es von Ihnen angenommen werden kann.
Gruß
Helena