Esperanto

und wäre ein vereinfachtes
Neulatein nicht viel zu kompliziert?

würde ich nicht sagen.

  • latein hat eine sehr klare bausteinartige struktur mit
    flexionen, die fast jedem europäer vertraut ist.
  • die syntax ist sehr offen.
  • tausende vokabel sind bekannt aus englisch und französisch.
  • neue wortbildungen sind kein problem. mit blick in den
    vatikan oder nach griechenland - die haben genau dasselbe
    problem.

Das sind alles auch Eigenschaften von Esperanto.

Ich seh nur nicht ganz was der Vorteil dabei ist, wenn eine Sprache einen natürlichen Ursprung hat? Doch eigentlich nur, dass diese Vorurteile verschwinden, und das Menschen eine Abneigung gegen künstliche Sprachen haben. Oder wie meinst du das jetzt?

aber für Russen ist die Prozentzahl
der Wörter gleich deutlich niedriger),

auch finnisch, schwedisch, ungarisch usw. würden nicht
berücksichtigt werden. andererseits: wieviele japanische und
arabische wörter enthält esperanto? man sagt es wäre eine
„weltsprache“, in wirklichkeit spiegelt es genau wider, wozu
es gedacht war: ein kommunikationstool für menschen im
osteuropäisch-slawischen raum, dort, wo zamenhof eben gelebt
hat!

Ja richtig, man kann es einfach nicht jedem Recht machen. Die Chinesen, Inder, Araber, Russen, Spanier und Engländer machen z.B. den Großteil der Erdbevölkerung aus, aber nur Spanier und Engländer werden Wörter aus ihren eigenen Sprachen in Esperanto wiederfinden. Das halte ich aber nicht für einen Nachteil, da es für einen Chinesen z.B. möglicher ist, Englische Worte und griechische/lateinische Fremdworte zu kennen, als für einen Engländer (oder Deutschen, Spanier, etc.), ein Chinesisches Wort zu kennen.
Lojban ist ja eine weitere konstruierte Sprache (allerdings nicht direkt als Weltsprache gedacht), bei der versucht wurde, die Wörter an die obengenannten Sprachen gleichzeitig anzupassen. Man erkennt in jedem Wort sowohl Englische, als auch Spanische, Chinesische, Arabische und auch Russische Elemente, sofern dies möglich war. Das Problem: Man erkennt die Wörter einfach nicht mehr.

ja, stimmt. da sehe ich jetzt auch einen widerspruch! für eine
lebende sprache sind unregelmäßigkeiten einfach notwendig,
weil es die färbung ausmacht.

Seit wann braucht eine Sprache Unregelmäßigkeiten? Türkisch kommt ganz gut (nahezu) ohne aus. Und Esperanto lässt sich auch einfach so sprechen, ohne dass es einem aufgrund mangelnder Kompliziertheiten komisch vorkäme. Oder man sagt’s so: Die „Färbung“ Esperantos ist eben, dass es so frei und regelmäßig ist. Außerdem gibt es ja einige geringe Unregelmäßigkeiten oder Dinge die ein wenig unlogisch erscheinen. Viel mehr als bei Türkisch ist das nicht.

andererseits hätte ich bei einer zweitsprache und einem
kommunikationstool auch gar kein problem, wenn einfach eine
kommission darüber entscheiden würde, was erlaubt ist und was
nicht. wie bei HTML eben. M$ erlaubt sich zwar immer wieder
ein paar ausreißer, aber solange gewisse „wörter“ nicht
standard sind, sind sie eben „falsch“. wie gesagt, bei
natürlichen sprachen bin ich absolut gegen irgendwelche regeln
und reformen. aber bei der europäischen sprache wäre das
angebracht. es wäre einfach *nützlich*.

Zamenhof hat ja Esperanto festgelegt, mit seinem Fundamento, man darf es nicht verändern. Jedoch haben sich trotzdem kleine Änderungen vollzogen: Die Mehrheit sagt jetzt „Germanio“ statt „Germanujo“, das Pronomen „ci“ (du) wurde durch „vi“ (ihr/Sie) ersetzt. Und man benutzt vorzugsweise das x-Sistemo (also „sxangxi“) statt dem h-Sistemo welches Zamenhof vorschlug („shanghi“).

Nagut, ich weiß allerdings zu wenig über Neulatein. Ist das das gleiche wie „Latina sine Flexione“? Oder hat es etwas mit Interlingua zu tun?

  • André

wie an anderer stelle schon erwähnt ist da ein widerspruch
drin. einerseits wird behauptet, esperanto sei eine
internationale sprache und andererseits wird
selbstverständlich davon ausgegangen, daß europäische
einfachheitsmaßstäbe zu gelten haben und keine asiatischen
oder sonstigen. esperanto ist NICHT „einfach für jeden“,
sondern nur einfach für jeden, der eine europäische
muttersprache und eine lateinische „mutterschrift“ hat.

Naja, wie gesagt, so eine Sprache kann es nicht geben, die es jedem Recht machen würde. Die Mehrheit der Welt schreibt nun mal mit lateinischen Buchstaben, und romanische/germanische Wörter sind im Allgemeinen bekannter als Sinotibetische oder Arabische…
Außerdem: fast jeder auf der Welt kann lateinische Buchstaben lesen, bei Kyrillisch oder Arabisch sieht’s schon nicht mehr so doll aus.

  • André

Schau an (off topic)
Hallo André,

ganz vertrauensvoll: WARUM steht da jetzt kein Akkusativ? Im Deutschen stünde doch zum Beispiel einer.

Vielen Dank schon mal für die (hoffentlich lehrreiche) Antwort,
Susan

Das halte ich aber nicht für einen
Nachteil, da es für einen Chinesen z.B. möglicher ist,
Englische Worte und griechische/lateinische Fremdworte zu
kennen, als für einen Engländer (oder Deutschen, Spanier,
etc.), ein Chinesisches Wort zu kennen.

wenn du zugibst, dass es da unterschiede gibt und es ein bekanntheitsgefaelle gibt, dann koennte man ebensogut auf esperanto verzichten und aufs uebliche englischlernen zurueckgehen.

Nagut, ich weiß allerdings zu wenig über Neulatein. Ist das
das gleiche wie „Latina sine Flexione“?

ich weiss auch nichts darueber. ich habe den begriff einfach erfunden. mir schwebte sowas vor, einfach alle deklinationen ausser der a-deklination zu streichen. dasselbe bei den verben. usw.

gruss datafox

Hallo Susan,

Naja, im Deutschen verwendet man die Fälle ja oft mit unterschiedlichen Präpositionen. Aber in diesem Fall heißt der Satzteil „pli da demandoj“, also wörtlich „mehr von Fragen“, und „von“ verlangt keinen Akkusativ. Ich glaube man kann das mit dem Deutschen schlecht vergleichen, da im Deutschen „von“ den Akkusativ verlangt und bei Esperanto nicht.

Wenn ich jetzt sagen würde „Mi havas amason da demandoj.“ (Ich habe Massen von Fragen), dann wird nur „amason“ in den Akkusativ gesetzt, und das was hinter dem „da“ steht nicht. Nur „pli“ kann man nicht akkusativieren.

Klingt ein wenig kompliziert, aber alles was man sich merken muss: Nach „da“ kommt kein Akkusativ.

Korajn Salutojn,

  • André

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Die Mehrheit der Welt schreibt nun
mal mit lateinischen Buchstaben, und romanische/germanische
Wörter sind im Allgemeinen bekannter als Sinotibetische oder
Arabische…
Außerdem: fast jeder auf der Welt kann lateinische Buchstaben
lesen, bei Kyrillisch oder Arabisch sieht’s schon nicht mehr
so doll aus.

ja und warum ist das so? weil alle englisch lernen. also wo bleibt dann die esperanto-idee? verstehe ich jetzt echt nicht.

gruss datafox

ja und warum ist das so? weil alle englisch lernen. also wo
bleibt dann die esperanto-idee? verstehe ich jetzt echt nicht.

Esperanto ist dazu gedacht, eine einfach erlernbare Sprache zu sein. Und da jeder ja schon die lateinischen Buchstaben kennt, bietet sich das doch an, oder nicht? Hätte Zamenhof extra ein eigenes Alphabet erfunden, gäbe es heute bestimmt nicht so viele Sprecher, denn bis man ein Alphabet fließend kann (und Wörter gleich *sieht* und nicht erst buchstabenweise lesen muss) vergeht ganz schön viel Zeit.

Man könnte sich jetzt über die Sonderzeichen (mit dem Zirkumflex) aufregen, aber dass Esperanto lateinisch schreibt, ist praktisch die einzig logische Lösung.

Genauso könnte Esperanto das 8er oder 12er System einführen, weil das vielleicht praktischer wäre (von den Teilern, bzw. wegen der Uhrzeit her), aber man hat das natürlich nicht gemacht.

  • André

ich weiss auch nichts darueber. ich habe den begriff einfach
erfunden. mir schwebte sowas vor, einfach alle deklinationen
ausser der a-deklination zu streichen. dasselbe bei den
verben. usw.

Oh achso. Ja, da träfen dann wohl am ehesten dieses „Latinum sine flexione“ (oder so) und natürlich Interlingua zu. Der Vorteil bei Interlingua ist, dass man es ohne Vorkenntnisse der Grammatik leichter versteht als Esperanto (bei dem am Anfang Wörter wie „kiel“, „cxiam“ oder „baldaux“ unbekannt erscheinen); doch die Grammatik ist ein wenig komplizierter als bei Esperanto. Naja, ist auch weit weniger bekannt.

  • André

Hallo André,

Du antwortest einfach zu schnell, grad war’s mir selber auch wieder eingefallen, dass ja nach Präpositionen kein Akkusativ steht (außer, um die Richtung zu kennzeichnen bei Präps, die auch Ort bedeuten könnten).

Aber trotzdem vielen lieben Dank für deine Mail (wenigstens weiß ich jetzt, dass ich richtig lag.) Ich hatte irgendwo verpeilt, dass da eine Präp ist, weil man das ja so schlecht übersetzen kann.

Dankon kaj ^gis
Susan

Hätte Zamenhof extra ein
eigenes Alphabet erfunden, gäbe es heute bestimmt nicht so
viele Sprecher, denn bis man ein Alphabet fließend kann (und
Wörter gleich *sieht* und nicht erst buchstabenweise lesen
muss) vergeht ganz schön viel Zeit.

aber fuer die mehrheit der weltbevoelkerung ist das lateinische alphabet nicht die „mutterschrift“ (gibts dafuer ueberhaupt einen ausdruck?). das lateinische alohabet nur deswegen so weit verbreitet, weil die meisten menschen englisch als fremdsprache lernen. also akzeptiert der esperantist doch die vorherrschaft des englischen/europaeischen.

Man könnte sich jetzt über die Sonderzeichen (mit dem
Zirkumflex) aufregen, aber dass Esperanto lateinisch schreibt,
ist praktisch die einzig logische Lösung.

fuer eine weltsprache, die fuer alle gleich schwer sein soll, finde ich grade das nicht :smile:

gruss datafox