habe seit kurzem eine essgestörte Gastschülerin aus Japan, die bei Ankunft ca. 80 kg wog. Sie ist eine ganz Liebe und wir mögen sie total gern (wir haben auch 4 Kinder), aber sie übertrifft einfach alles, was wir an Essgewohnheiten kannten. Sie isst und isst. Nimmt sich ständig Essen aus dem Kühlschrank, 4 Schulbrote, nach der Schule Döner, dann am liebsten 4 Stück Kuchen, danach gleich wieder Brötchen oder so und das Abendessen kann sie kaum erwarten und isst wirklich ungelogen so viel, wie ich und mein Mann+2 Kinder zusammen. Was soll ich nur tun? Wir haben es bisschen mit Zuteilen versucht, ohne ihr bisher etwas gesagt zu haben und immer schon die Teller aufgefüllt, dann fragt sie aber, ob sie die Reste der Kinder noch essen kann, wenn die etwas nicht schaffen, es ist unglaublich… Ich möchte sie auch nicht verschrecken, wenn ich mit ihr rede über normales Essverhalten, wie sind denn so die Sitten in Japan, ich dachte immer, die legen totalen Wert auf Figur, dann müsste sie s doch auch wissen. Bitte gebt mir einen Rat, ohne dass ich ihr irgendwie weh tun muss, wie kann ich das denn regeln? Die Organisation meinte, wir sollten beobachten und dann reden, aber ich weiß gar nicht wie…
das ist natürlich schwierig, da fällt es schwer, einen Rat zu geben.
„Typisch japanisch“ scheint mir das Essverhalten nicht zu sein, ich kenne das aber nur als Tourist und nicht als Gastschüler.
Grundsätzlich kann man sagen, dass eine Austauschschülerin nicht unbedingt einfach so darauf kommt, dass sie sich unpassend verhält, wenn man es ihr nicht sagt. Man sollte das also schon ansprechen, denn sonst lässt sich das nicht vermitteln. Also z.B. „Ich denke ein Stück Kuchen reicht“ oder „zwei Pausenbrote sind genug“.
Als Gasteltern hat man IMO auch die Aufgabe, die Gastkinder zu erziehen. Und wenn das unangenehm ist (weil es nicht die eigenen Kinder sind), muss man sich trotzdem dazu durchringen (denn die eignen Kinder erzieht man ja auch).
In dem geschilderten Fall ist das aber meiner Meinung nach problematisch:
Denn, ist es eher kulturell bedingt oder tatsächlich krankhaft? Wenn es krankhaft ist, dann muss man (die Organisation am besten) auch mal mit der japanischen Familie darüber sprechen, denn die japanischen Eltern sind die Erziehungsberechtigten. Wenn es wirklich eine Esstörung ist, kann man das nicht mal eben so lösen.
Dann muss man die Lösung des Problems entweder der japanischen Familie überlassen oder möglicherweise mit deren Einverständnis professionelle Hilfe beanspruchen.
Ich denke es wäre daher am besten, mit ihr offen darüber zu reden, denn so lässt sich am ehsten herausfinden, ob sie das für normal hält oder ob sie selbst von sich denkt, zu viel zu essen.
Das Gespräch würde ich möglichst nicht vorwufswoll beginnen, sondern ich würde sie fragen, wie sie das selbst einschätzt oder ihr erklären, dass es in Deutschland (oder eurer Familie) unüblich ist, so viel zu Essen…
das ist natürlich sehr beunruhigend, v.a. weil Ihr natürlich nur ihr bestes wollt und schließlich die Verantwortung für sie übernehmen müsst.
Nun, eine Esstörung ist eine Krankheit und für den Betroffenen ist es meist schwer bis unmöglich darüber zu reden. Ich spreche aus Erfahrung, da ich selbst seit über 10 Jahren immer wieder an Esstörungen leide und es bis heute nicht geschafft habe, diesen Mist abzulegen. Weder mit Familie noch mit Freunden rede ich darüber bzw. wissen diese Bescheid, da ich - und ich denke die meisten anderen Betroffenen auch - andere nicht damit belasten will. Glaube mir, jeder Betroffene wünscht sich nichts mehr als davon abzukommen!
Wenn man in einer Gemeinschaft wohnt kann man seine Essgewohnheiten nicht immer unbedingt verheimlichen und es ist gut, dass ihr ihr Problem erkannt habt und euch darüber Gedanken macht und ihr helfen wollt
Was mir als erstes in den Sinn kam: Kann es sein, dass sie das Essen anschließend erbricht. 80 kg sind viel, v.a. für eine Japanerin, doch sind Bulimiekranke nicht zwangsläufig dünn, da nicht unbedingt immer das gesamte Essen wieder rückwärts herauskommt. Das würde ich als erstes ganz genau beobachten. Geht sie nach dem Essen auf Toilette? Sprüht sie das Bad mit Duftspray ein? Gibt es vielleicht doch in der Nähe der Toilette irgendeinen kleinen Flecken, den sie vergessen hat, wegzumachen? Braucht sie manchmal länger im Bad als gewöhnlich, sei es auch nur zum Duschen?
Dann wisst ihr schon einmal, ob Sie an Ess- oder Ess-Brech-Sucht (Bulimie) leidet. Es gibt für beide Fälle viele Informationen für Angehörige im Internet.
Ich würde sie keinesfalls in einer Gruppe darauf ansprechen, höchtens unter 4 Augen!! Es kann aber gut sein, dass sie peinlich berührt ist und alle Vorwürfe negiert. Nichts desto trotz gibt es in jeder größeren Stadt Suchtberatungsstellen. Ich würde vielleicht mal unterschwellig eine Broschüre von solch einer Beratungsstelle oder einen Zettel mit Adresse und Telefonnummer in ihr Zimmer legen. Dann hat sie einen neutralen Ansprechparner und eine Anlaufstelle, die auf solche Fälle spezialisiert ist und womöglich besser bei der Sache helfen kann.
das ist in der Tat ein sehr schwieriges Thema. Da stößt man ja schon bei Deutschen auf Probleme, aber dann noch aus einem anderen Kulturkreis. Bei Asiaten besteht zudem oft das Problem, dass sie die direkte Art der Kommunikation nicht gewöhnt sind und sie in diesen Ländern nicht praktiziert wird.
Beobachtet habt ihr ja bereits. Ich würde euch raten, euren Betreuer oder den Betreuer eures Gastkindes anzusprechen, die können meist besser vermitteln. Vielleicht hat ein Betreuer eures Komitees/Region ja selbst Japan-Erfahrung, dann wäre das noch besser.
Viele Grüße,
Steffi
sei froh, dass deine Gastschülerin so gerne isst, viel öfter hört man von Gastschülern, die das deutsche Essen verschmähen & sich lieber ihr Essen von zu Hause schicken lassen (wir hatten zwei solcher Gastschüler bei uns zu Hause!). Grundsätzlich ist es so, dass jeder, der für ein Jahr ins Ausland geht, zunimmt. Das hat weniger mit dem Appetit zu tun, als damit, dass der Körper es schwer hat, sich an die neuen Essgewohnheiten zu gewöhnen und anzupassen. Allerdings das übermäßige Essen scheint anderer Natur.
Ich schlage vor, die Mahlzeiten dem Problem entsprechend zu gestalten. Auf alles, was außer Haus gegessen wird, hast du vllt keinen Einfluss, aber das, was es daheim zu Essen gibt kann vllt kalorienarm bleiben. Eine Essstörung verlangt Maßnahmen, ich denke aber man kann das alles zuerst ganz subtil anstellen: Rotkohl und Kartoffeln zum Beispiel haben wenig Kalorien. Schwarzbrot statt Mischbrot oder Toast zur Schule. Keine Kalorien nach 20 Uhr. Gemüse & Obst statt Kuchen zum Kaffee - ich denke, die Familie kann das vllt verstehen und sich drauf einstellen.
Ansonsten ist es gut, dass die Organisation Bescheid weiß & zuletzt ist es an ihnen, sich dem Mädchen anzunehmen. Bevor du denkst, das nicht mehr ihm Griff zu haben, gib die Verantwortung ab. Frag, ob die Familie die Kosten für eine Behandlung übernimmt. Oder sag, du willst nicht Gefahr laufen, dass das Mädchen einen gesundheitlichen Schaden nimmt und möchtest sie aus deiner Obhut geben.
ich kenne bei Gastschülern nur das Gegenteil; dass sie Bulimie oder Magersucht im Ausland entwickeln. Aber egal wie rum, natürlich sollte versucht werden zu hefen.
Hat deine Gastschülerin eine feste Betreuerin von der Organisation? Normalerweise ist haargenau für solche Fälle die Betreuerin da.
Ansonsten würde ich ganz langsam anfangen. Versuch erstmal mit ihr darüber zu reden, ob sie sich (in Deutschland) wohlfühlt, wie ihr Leben in Japan ist,… und versuche zu hören, ob sie irgendwelche Probleme hat, mit denen die Krankheit zusammenhängen kann. Dann versuch eine Situation zu finden, in der du sie auf ihr Gewicht/Essverhalten ansprechen kannst… ob sie glücklich damit ist… und versuche ihr Hilfe anzubieten. Vielleicht freut sie sich drüber und ihr könnt einen gemeinsamen Essensplan erstellen,… eventuell braucht sie nur einen Anstoß und Unterstützung.
ja das klingt schon heftig… fragt am besten mal einen Psychologen. Der kann Profitipps geben. Wichtig, denke ich, dass ihr mit ihr darüber redet- ihr ist es anscheinend nicht bewusst, dass ihr so über sie denkt?
Natürlich sind die kulturellen Differenzen groß- aber Japan ist schon westlicher Standard. Kannst du mit den Eltern sprechen?
Ich hab gar nicht so richtig rausbekommen, was eure (konkreten) Bedenken sind- wird sie zu dick? Ist es euch zu teuer? Versucht da auch nicht zu verkrampfen- isst sie denn außerhalb/ in der Schule auch so viel? Geht es schon länger als einen Monat?
Ja- das meine ersten Gedanken- wichtig versucht darüber mit ihr zu sprechen- Frag Sie doch wie die EssSitten in Japan sind? Dann kannst du später im Gespräch auch leichter anschließen, dass ihr denkt, sie würde ‚zu viel‘ essen.
Ich habe bei uns in der entsprechenden Abteilung mal nachgefragt. Hier die Reaktion:
Hallo Hartwig,
das ist wirklich ein bisschen komisch, dass die Organisation in diesem Fall nicht einschreitet. Meiner Meinung nach kompensiert das Mädchen durch ihr heftiges Essverhalten ganz viel und scheint große psychische Probleme zu haben. So ne Art Fressfleshs hatten wir auch schon häufiger. Das ist schon auch normal, aber so wie sie das beschreibt, das ist über die Maßen krass! Ich wird das mal einer ganz lieben Gastmutter zeigen, die das Problem auch hatten, aber im Vergleich war das hier minimal.
Die Organisation sollte mit dem Partner in Japan sprechen und der Betreuer muss sich mit dem Mädchen treffen. Fragen, ob sie auch in Japan so viel Hunger hatte, oder warum sie das Gefühl hat, sie muss so viel essen… eigentlich finde ich es schon auch ein bisschen unzumutbar, dass die Gastfamilie damit so alleine gelassen wird. Ich glaube, dass hier professionelle Hilfe geboten wäre.
Hallo Kati72,
so verschieden wie die Deutschen und ihre Essgewohnheiten, so verschieden sind wohl auch die Japaner/innen. Anscheinend habt Ihr eine Schülerin mit besonders gutem Appetit „erwischt“, das soll´s geben.
Möglicherweise verarbeitet sie aber auch Heimweh oder sonstigen Kummer durch essen.
Du hast zwar geschrieben, dass sie 80 kg wiegt aber nicht, auf welche Körpergröße sich das Ganze verteilt. Ist es eine 180 cm große junge Frau, dann wäre das doch ein ganz normales Körpergewicht. Wäre sie aber nur 150 cm klein, dann sind Deine Bedenken wohl berechtigt …
Wenn Du Dir Sorgen um sie und ihre Gesundheit machst, dann ist es das Beste für Euch alle, wenn Du das Mädchen mal dirkt darauf ansprichst. Offenheit ist da das einzig richtige Mittel. Biete ihr gegebenenfalls doch Alternativen an: Wenn sie zwischen den Mahlzeiten Hunger hat, kann sie Möhren oder Äpfel knabbern bzw. ungesüßten Tee bzw. Mineralwasser trinken.
Ein mögliches Schönheitsideal würde ich bei dem Gespräch allerdings nicht in den Mittelpunkt der Diskussion bringen. Da gehen die Meinungen wohl doch etwas auseinander …
Hallo Kati72,
ich vermute mal, dass ich die o.g. Gastmutter bin (Danke Franzi!). Unser Problem damals (2009) stellte sich fast gleich dar. Wir sind auch eine sechsköpfige Familie mit „begrenzten“ finanziellen Mitteln. Wir führen regelmäßig Haushaltsbuch und waren daher sehr erschrocken, so dermaßen deutlich über den üblichen Essensausgaben zu liegen.
Auch unsere (total liebe und süße) Austauschschülerin hat uns fast die Haare vom Kopf „gefressen“. Dabei war sie eher ein Spargeltarzan und hat auch erstmal augenscheinlich nicht zugenommen.
Beim Mittagessen wurde sich mindestens 2 x nachgenommen und die Teller der Kinder wurden auch noch leergefegt. Für uns auch sehr befremdlich, wenn jemand, der erstmal neu in der Familie ist, ohne Hemmungen von den benutzten Tellern der anderen Familienmitglieder die Reste verputzt…
Man hatte das Gefühl, dieses Mädchen hat ein Loch im Magen und wird niemals satt. Ehrlich gesagt, waren wir nahe daran, das Ganze aus diesem Grund abzubrechen. Da wir sie aber dennoch schnell ins Herz geschlossen hatten, versuchten wir es anders.
Japaner tun sich, wie bereits beschrieben, etwas schwer mit direkten Worten und haben vielleicht das Gefühl, das „Gesicht zu verlieren“.
Wir haben in ihrem Beisein unsere eigenen Kinder darauf hingewiesen, dass sie doch bitte bedenken sollen, dass alle sich gern sattessen möchten und bitte fragen, ob es in Ordnung ist, ob sie sich noch nachnehmen. Auch mit dem Nachtisch mögen sie doch bitte warten, bis alle mit dem Hauptgericht fertig sind, damit jeder noch etwas abbekommt. So fühlte sie sich nicht direkt angegriffen, konnte aber dementsprechend reagieren. Das Frühstück für die Schule habe ich dann letztendlich wieder für alle vorbereitet, so dass nicht immer unser ganzer Aufschnitt verschwand. Dennoch hat sie sich in den ersten 3 Monaten sowohl bei uns extrem viel Essen genommen, als sich auch noch Außerhalb einiges dazu gekauft.
Nach dem Vierteljahr hat sich das allerdings normalisiert und ging etwa 1,5 Monate vor ihrer Abreise wieder von vorn los.
Ich bin sicher, dass sie weder Magersüchtig noch Bullimiekrank war.
Erklären tue ich persönlich mir das inzwischen so (ich kann hier aber auch falsch liegen):
Bei unserer Großen (unsere ATS) lag es hauptsächlich an ihrem Kummer, sozusagen ein Frustessen. In Japan herrscht ja bekanntlich eine vollkommen andere Esskultur. Gegessen wird in der Gemeinschaft mit einem voll gedeckten Tisch und mehreren verschieden Speisen. Da muss es einem Japaner extrem arm vorkommen, wenn bei uns in Deutschland grad mal eine, im höchstfall 3 verschiedene Dinge auf dem Tisch stehen.
Auch die Mentalität ist dort deutlich anders. Einem Gast wird das leckerste und teuerste Essen serviert und ein guter Gast wird auch ordentlich essen, um dem Gastgeber seine Dankbarkeit zu zeigen. (Alles Dinge, die wir uns vorher schon angelesen haben, mit denen wir aber erstmal nicht wirklich was anfangen konnten.)
Mit einer komplett anderen Kultur konfrontiert Zu werden ist einmal sehr spannend, kann einen aber auch an seine Grenzen bringen.
Wie ergeht es euch inzwischen mit eurer ATS?
Wir haben das Austauschjahr durchgezogen und es war letztendlich ein ganz tolles Erlebnis. Allerdings haben wir inzwischen nicht mehr so viel Kontakt zu ihr, auch mentalitätsbedingt.
LG Siva
Moin!!
Ich bin der mann von siva…hier nu ma mein TIPP,KNALL-HART !!:
Mann muß trotz der ganzen emotionalitäten sich UND die Familienkasse fragen O B man das B E Z A H L E N kann !!
WENN nicht dann beenden !! Das ganze gequatsche hat keinen sinn wenn IHR als familie die letzte woche im monat dann zur SUPPENKÜCHE latschen müßt…in diesem sinne…noch viel S P A S S !!! so long
Hallo Kati
wenn ich dich richtig verstehe hat deine Gastschülerin schon Übergewicht mit nach Deutschland gebracht. D.h. das scheint kein Problem zu sein, das durch den Austausch hervorgerufen wurde.
Deine Organisation hat sicher Recht: reden, reden und nochmals reden ist der Schlüssel zu gegenseitigem Verständnis. Aber: Wenn die Essstörung kein Problem ist, das durch den Austausch hervorgerufen wurde, was ist dann dein Problem damit? Meinst du, du musst oder kannst etwas ändern, was die leiblichen Eltern nicht geschafft haben?
Falls aber deine Gastschülerin auf ihrem Bewerbungsfoto, das du hoffentlich gesehen hast, schlank gewesen ist und sich bis zur Anreise verändert hat, sollte man versuchen herauszufinden, ob sie tatsächlich ins Ausland/ nach Deutschland wollte und sich ansonsten hier wohlfühlt oder ob sie nur ihren Eltern gehorcht hat und die Essstörung Ausdruck ihrer Verzweifelung/Angst/Einsamkeit etc. ist. Dazu sollte jemand in ihrer Muttersprache mit ihr reden, der sich mit der japanischen Kultur gut auskennt. Ich hoffe deine Organisation kann dir da weiterhelfen. Falls nicht melde dich noch mal bei mir vielleicht kann ich dir jemanden aus meiner Organisation vermitteln.
mcwu
meime Mama meint du sollst unbedingt professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Frag mal deinen Hausarzt bzw. bei deiner Krankenkasse wegen einer professionellen Beratung. Ich glaube einfach so Reden bringt da nichts.