Essigsyndrom

Hallo Gemeinde,

es gibt ja bei (manchen) Filmen das sogenannte Essigsyndrom. D.H. das Celluloseacetat (bei alten ca. 80 Jahre alten Filmen) kann dabei durch Luftfeuchte zu Essigsäure hydrolysiert werden. Habe jetzt auf folgender Seite eine interessante Information gelesen:

http://www.oci.uzh.ch/edu/lectures/material/AC_BII/K…

(Ist ne Uniseite, daher denke ich schon dass die wissen, was sie schreiben :wink: )

Zitat: „Im Gegensatz zu den Alkanoylhalogeniden und den Carbonsäureanhydriden reagieren Ester in Abwesenheit eines Katalysators nicht mit Wasser und Alkoholen“

Eine Veresterung wird im Normalfall nie 100% so sauber verlaufen, dass keine Restsäuren mehr im Material verbleiben. Ist das vielleicht der Grund, warum ein Ester mit Luftfeuchte reagiert? Also aktivieren diese Restsäuren das Material gegenüber der Reaktion mit Luftfeuchte? Das würde erklären, warum es anfangs sehr langsam beginnt und das Material irgendwann beginnt regelrecht Essigsäure zu „schwitzen“ und sich zu zersetzen und zweitens, warum das Phänomen ansteckend ist. Also ein nicht befallener Film kann bei Kontakt mit den Essigsäuredämpfen eines befallenen Filmes regelrecht „angesteckt“ werden.

Das würde bedeuten, dass die Säure im Material (die man bei der Produktion vermutlich nie vermeiden kann) die eigentliche Ursache der Zersetzung ist, richtig?

Dann würde mich interessieren, ob moderne Bindemittel auf Urethanbasis das gleiche Schicksal erledigen? Diese sind ja durch meine Recherchen durch die Amidresonanz ziemlich geschützt. Also sehr schwer zu protonieren. Mir wurde mal gesagt, dass da starke Säuren notwendig sind, sonst passiert da garnichts. Stimmt das denn?

Hallo,

keiner ne Idee?

Grüsse

Hallo lucky luke: Google mal bei wikipedia nach Celluloseacetat (CA). CA wird hergestellt aus Cellulose plus Eisessig plus Essigsäureanhydrid plus Schwefelsäure als Katalysator. Da so zu stark acetyliert wird, wird als Nachbehandlung durch (saure!) Hydrolyse wieder ein Teil der Acetatgruppen abgespalten und danach mit NaOH wieder neutralisiert --> 2,5 AC. AC ist leicht hygroskopisch und nimmt ca. 5-6% Wasser auf. Das ist das übliche Prozedere nach Literatur. Nach welchem Verfahren vor 80 Jahren AC für Filme produziert wurde, weiss ich nicht. Ob Spuren von Schwefelsäure im AC zurück blieben wäre möglich. In der Luft gab es früher wie heute NO2 Stickoxyd durch Verbrennung und Abgase von Automobilen. Irgendwann gab es PVC das bei Verbrennung HCl freisetzt, die Abluft-Reinigung war früher noch nicht existent oder mangelhaft. Es gibt viele Möglichkeiten für eine mögliche Hydrolyse von AC. Welche war massgebend? Gruss. Paul