Essstörung

Hallo,

noch Fragen zu Essstörungen:smile:.

hab gelesen Leute mit Essstörung trinken oft gerne heiße getränke. welchen grund hat das?

außerdem heißt es ja eine Essstörung ist nur ein Symptom/ Folgeerscheinung von irgendwas… seelischer Unausgeglichenheit oder was auch immer. Also wenn nicht der Wille abzunehmen die Hauptursache für eine solche Erkrankung ist, wieso ist es dann so unwahrscheinlich, dass man wieder ganz von dieser Krankheit wegkommt? Es heißt ja das selbst „geheilte“ noch ihr ganzes Lebenlang zu viel über Essen/essmenge nachdenken auch wenn sie sonst (seelisch) wieder gesund sind.

und drittens: hat man überhaupt ne chance wen zu helfen der an ner Esskrankheit erkrankt ist, wenn es der Person nicht richtig dreckig geht, so dass sie Hilfe freiwillig akzeptiert? ich denke mir… gerade bei Bulimie kann es ja Phasenweise wieder besser sein und daher schwierig dass so eine Person Hilfe annehmen will?
lg und vielen Dank für Antworten :smile:

Gude!

hab gelesen Leute mit Essstörung trinken oft gerne heiße
getränke. welchen grund hat das?

Hast du bei dir selbst nie beobachtet, dass heiße Getränke ein gewisses Sättigungsgefühl auslösen?

außerdem heißt es ja eine Essstörung ist nur ein Symptom/
Folgeerscheinung von irgendwas… seelischer Unausgeglichenheit
oder was auch immer.

Das hört sich so nach ‚bisserl Stimmungsschwankungen‘ an. Essstörungen gehen meist aber schwerere seelische Belastungen voraus.

Also wenn nicht der Wille abzunehmen die
Hauptursache für eine solche Erkrankung ist, wieso ist es dann
so unwahrscheinlich, dass man wieder ganz von dieser Krankheit
wegkommt? Es heißt ja das selbst „geheilte“ noch ihr ganzes
Lebenlang zu viel über Essen/essmenge nachdenken auch wenn sie
sonst (seelisch) wieder gesund sind.

Die Grundlagen für diese Verhaltensstörung wird schon sehr früh gelegt, meist in der Kindheit, und in dieser Zeit erfolgen eben wichtige Prägungen.
Essgestörte haben ihr gestörtes Verhalten oft über Jahre eintrainiert und können es deshalb später nur sehr schwer loswerden.

und drittens: hat man überhaupt ne chance, wen jemandem zu helfen der an
ner Esskrankheit erkrankt ist, wenn es der Person nicht
richtig dreckig geht, so dass sie Hilfe freiwillig akzeptiert?

Du denkst also, dass sie sich nur helfen lassen, wenn es ihnen richtig dreckig geht? Leider oft nichtmal dann!

ich denke mir… gerade bei Bulimie kann es ja Phasenweise
wieder besser sein

Warum glaubst du das? Und wie äußert sich deiner Meinung nach eine ‚Besserung‘ bei einer Bulimie?

und daher schwierig dass so eine Person
Hilfe annehmen will?

Diese Patienten haben ein gestörtes Selbstbild und erleben sich nach den ‚Fressphasen‘ als äußerst schwach. Dem begegnen sie mit dem herbeigeführten Erbrechen des Essens, dass sie vorher in sich reingestopft haben. Sie haben also eine Lösung für den Umgang mit ihrer Schwäche. Und gerade, weil sie diese Schwäche - nämlich keine Kontrolle zu haben über die Menge, die sie essen - an sich selbst nicht akzeptieren können, werden sie sie niemand anders eingestehen wollen.

just my 2 cents

IANAD - ich hoffe hier antworten noch Experten. Es ist ein interessantes Thema, und leider habe ich auch immer wieder Schülerinnen, die davon betroffen sind.

Liebe Grüße
von der
Flaschenpost

Hallo,

was genau verstehst Du unter „Essstörung“?

  • Übergewicht (Adipositas), Unterernährung, Bulemie, Fressattacken . . .?

Das Thema ist immens umfangreich und man kann/sollte nicht alles über einen Kamm scheren.

Grundsätzlich denke ich, dass Essstörungen mit anderen Süchten vergleichbar sind.

Hallo,

ja… ich meinte mit Esstörung jetz eher Bulimie/Anorexie…

hab gelesen Leute mit Essstörung trinken oft gerne heiße
getränke. welchen grund hat das?

Hast du bei dir selbst nie beobachtet, dass heiße Getränke ein
gewisses Sättigungsgefühl auslösen?

hmm… also echt gesagt, hab ich das noch nicht beobachtet… und es macht für mich auch ned wirklich sinn… ich dachte sättigungsgefühl beruhe eher auf der Menge der Nahrung bzw. auf psychologischen Einflüssen…

ich denke mir… gerade bei Bulimie kann es ja Phasenweise
wieder besser sein

Warum glaubst du das? Und wie äußert sich deiner Meinung nach
eine ‚Besserung‘ bei einer Bulimie?

Naja… analog zu den Stimmungssschwankungen gibt es auch sicher Phasen, wo sich die Betroffen besser fühlen… (bei Bulimieleuten v.a.) und sie vllt periodeneise „nur“ zweimal in der Woche erbrechen… und dann wieder zweimal täglich. Eine Besserung ist das natürlich nicht… aber zumindest ist es für die Betroffen momentan gesehen an manchen tagen besser/schlechter.

IANAD - ich hoffe hier antworten noch Experten. Es ist ein
interessantes Thema, und leider habe ich auch immer wieder
Schülerinnen, die davon betroffen sind.

Hmm… ja Lehrer wäre für mich in dieser Situation ein schwieriger Beruf… eigentlich hat man ja fast keine Mittel den Betroffen zu helfen… ich frag mich ja shcon wie man als Angehöriger da was machen kann.
vlg

Hallo hetäre,

daß sich psychische Störungen aus irgendeiner Konstellation von Personen- und / oder Umweltmerkmalen entwickeln, gilt nicht nur für die Eßstörungen und ist daher nicht für diese spezifisch. Zu solchen Konstellationen gehört z.B. die „schwierige Kindheit“ oder eine Familiensituation, die wir nicht gerade als optimal bezeichnen würden und die langfristig negative Konsequenzen haben kann, z.B. in Form einer Eßstörung. Die Eßstörung kann man behandeln, die Symptome können zurückgehen, die Familienkonstellation kann sich ändern, aber die Erfahrungen aus der Kindheit bzw. aufgrund der (vergangenen) Familiensituation können nicht geändert werden. Nur der Umgang mit diesen Erfahrungen kann geändert werden. Wenn dies nicht im ausreichenden Maße geschieht oder die Merkmalskonstellation, die die Entwicklung der psychischen Störung verursacht hat, wieder auftritt, kann die Störung erneut auftreten.

Die Therapie der Eßstörungen, insbesondere der Magersucht (Anorexie), ist insbesondere deshalb schwierig, weil sich viele Betroffene häufig gar nicht krank fühlen und hartnäckig bei dieser Auffassung bleiben. Selbstverständlich kann man versuchen, die Betroffenen durch Informationen über die Krankheit und die eigene Situation zu motivieren, Hilfe zu suchen. Aber die Hilfe suchen und annehmen, muß die Person in den meisten Fällen selbst.

Beste Grüße

Oliver

Hallöchen!

Grundsätzlich denke ich, dass Essstörungen mit anderen Süchten
vergleichbar sind.

Im Grundprinzip vielleicht. Ich sehe aber die Bewältigung dieser Süchte (egal in welche Richtung) als schwieriger an, weil man seiner Sucht ja in Zukunft nicht einfach aus dem Weg gehen kann wie bei Alkoholismus zum Beispiel sondern man sich tagtäglich mehrfach damit konfrontieren muss (essen muss man nunmal).

Seit 15 Jahren kenne ich meine beste Freundin. Als ich sie kennenlernte war sie schon essgestört (Zunächst Anorexie, zwei Jahre später kam Bulemie dazu). Es war eine verdammt schwierige Zeit für alle Beteiligten.
Mir ging es damals auch nicht so ganz pralle, daher habe ich unsere Freundschaft zu dem Zeitpunkt damals immer als eine Art Aneinanderkrallen zweier Ertrinkender im Blick. Vermutlich war das auch der Grund, warum sie mich mit ihrem ständigen „Vor-den-Kopf-Gestoße“ (das war so eine Art unbewusstes Ausloten, wie weit ich gehen würde, wie weit ich zu ihr halte) nicht vertrieben hat… weil ich einfach genauso von ihr abhängig war, wie sie von mir.
Wir haben viel über ihre Essprobleme gesprochen, ich denke, dass konnte sie so gut, weil ich ihr keine Vorwürfe gemacht habe, versucht habe sie zu verstehen und sie nicht allzusehr bedrängt habe. Sie wusste sehr wohl, dass es ihr nicht gut geht, sie wusste, dass sie krank ist… aber sie war nicht davon überzeugt, dass ein „Klapsdoktor“ ihr da helfen kann, der sie doch gar nicht kennt… und schließlich hat sie sich ja nicht verrückt gefühlt sondern hatte „nur“ das Essproblem.
Irgendwann hatte ich durch sanftes Geleit sie soweit mit mir zu einer Beratungsstelle erstmal zu kommen und sie wirkte ganz zuversichtlich, dass wir uns erstmal ohne Druck anhören konnten, was zu empfehlen wäre. Ende vom Lied war, dass ich allein beim Berater saß… sie hatte mich mal wieder ohne Vorwarnung versetzt.
Der sagte mir, was man auch heute noch immer wieder hört und wohl leider nur allzu wahr ist: „Du kannst ihr nicht helfen, solange sie sich nicht helfen lassen will“.

Etwa zwei Jahre nach diesem Gespräch wurde sie zwangseingewiesen in eine Jugendpsychatrie… stationär. Das war zunächst ein großes Drama. Aber irgendwann begann sie ihre Psychaterin wirklich als Freundin zu begreifen…
Ich denke, was ihr wirklich durch die Zeit geholfen hat, und auch die Behandlung als ersten Schritt anzunehmen war, dass sie damals Freunde hatte, die ihr zur Seite standen. Ich denke das ist oft problematisch, denn die Erkrankten schaffen es oft recht gut, sich die alle vorher vom Leib zu halten…
Man darf natürlich keine Wunder erhoffen von so einer Therapie. Es ging noch sehr lange ständig bergauf und bergab. Letztes Jahr (10 Jahre nach der Zwangseinweisung) war sie nocheinmal auf Kur… freiwillig diesmal. Sie wollte nochmal soweit es geht einen Haken hinter die Sache setzten, denn als nächstes steht die Familienplanung an *freu*
Ganz gesund ist man damit wohl nie, und wie weit sie die Krankheit im Griff hat wird sich wohl erst zeigen, wenn es in ihrem Leben mal wieder bergab geht… aber toitoitoi,…derzeit läuft es richtig rund, und sie sieht schon seit Jahren richtig gut aus.

Ich denke als Angehöriger kann man nur versuchen das Gefühl zu vermitteln, immer da zu sein, den Betroffenen aufzufangen aber nicht unter Druck zu setzen. Das heißt nicht, das Thema Krankheit oder Therapie komplett außen vor zu lassen, aber man sollte da sehr vorsichtig rantasten.
Bei mir hat es zwar auch damit nicht geklappt und es musste erst schlimmeres passieren, aber ich denke, dass das ganze dennoch ein wichtiger Meilenstein war. Eine Zwangseinweisung allein wird niemanden überzeugen. Ich würde sowas daher wirklich eher als letztes Mittel der Wahl in betracht ziehen um ehrlich zu sein.

Ich wünsche euch ganz viel Glück!
Vielleicht, wenn sie schon soweit ist zu erkennen, dass sie sich nichts gutes tut, bauen sie positive Erfahrungsberichte wie die meiner Freundin wieder auf? Vielleicht kannst du sowas ja zusammensuchen und vielleicht nimmt es ihr eine wichtige Hemmung, sich helfen zu lassen, wenn sie sieht, dass es doch was bringen kann.
Meine Freundin war vor ihrer Einweisung schon 6 Jahre essgestört, sie wog mit 175cm nicht mal mehr 45kg, das Gehirn war bereits angegriffen… aber mit ehrgeizigem Willem hat sie es geschafft heute nach außen völlig gesund zu wirken, die meiste Zeit auch völlig gesund zu sein und mit ihrem Partner eine Familie gründen zu wollen.

liebe Grüße
Aj

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Hallo!
Also,ich kann Dir aus eigener Erfahrung berichten,da ich selbst seit 4 Jahren Anorexie habe. Die Getränke müssen nicht unbedingt heiss sein,es geht mehr ums satttrinken(auch Wasser füllt erstmal den Magen),aber heisse oder warme Getränke geben einem oft das Gefühl man wäre satter(vergleich wie eine Mahlzeit). Ich selbst trinke heute noch,obwohl ich vom Gewicht her seit August stabil bin,bei den Mahlzeiten 1-2Liter Kaffee oder Tee. Auch zwischendurch wenn ich eigentlich hunger habe und es aber nicht schaffe was zuessen(vom Kopf her),trinke ich lieber einen Kaffee.
Die Ursache woher eine Esstörung kommt ist individuell. Bei mir ist es sozusagen eine Erweiterung meine Zwänge. Es sind Normen die ich mir selbst auferlegt habe,die ich erfüllen kann. Die Normen die von Außen kamen waren immer für mich schwer zuerfüllen(schulischer Leistungsdruck,Kindererziehung,Ansprüche von Außen). Meine eigenen Anforderungen hatte ich selbst in der Hand und konnte sie selbst steuern,wie weit ich sie erfüllen will oder muss.Aber wie gesagt,bei jedem ist es anders.
Und wenn jemand eine Esstörung hat ist es sehr schwer selbstständig davon loszukommen. Selbst bei Bulemikerinnen denen es zeitweise besser geht ist die Krankheit nicht besiegt,da sobald es im Leben etwas schwierig wird,sie auf Ihr Problem sozusagen zurückgreifen um scheinbar alles wieder in der Hand zuhaben. Das ist dann ein Trugschluss und schon ist man wieder im Kreislauf drin. Allerdings muss man selbst zur Einsicht kommen und sich helfen lassen wollen sonst wird das nichts. Und alles Gerede und Gedränge von Aussen macht es eher noch schlimmer. Man wird dann trotzig und hat das gefühl wieder was falsch zumachen und alle sind gegen einen. Also,vorsichtig mit dem was Ihr zu einen Essgestörten sagst. Es kann ganz schnell nach hinten losgehen.
Alles Gute und liebe Grüsse! Dennise