Hallo an alle,
eine Freundin von mir ist seit Jahren schon essgestört. Nachdem sie als Jugendliche Bulemie hatte, schlug es vor einigen Jahren in eine Fresssucht um und sie leidet sehr darunter Nahrung wie eine Süchtige zu brauchen. Sie kommt aus einer Missbrauchsfamilie und ich denke genau da ist auch ihr „Problem“ zu suchen. Dass weiß sie auch, hat auch schon vor längerer Zeit eine Therapie gemacht (aber nicht wegen der Essstörung, da gings um den Missbrauch und ihr völlig vernichtetes Selbstwertgefühl) die ihr immerhin so viel half dass sie sich nicht mehr sinnlos mit Essen vollstopft. Ihre „Anfälle“ sind nur noch von Zeit zu Zeit und vor allem wenn sie alleine ist (eines ihrer Probleme aus der Kindheit - Verlassen werden, einsam sein…). Obwohl sie dass weiß und vermutet dass es daher kommt, kann sich dem „Hunger“ nicht widerstehen. Bitte versteht mich nicht falsch. Sie ist keine Fressmaschine die händeweise Junkfood oder Eis in sich stopft, zuhause sitzt und Depris pflegt. Sie ist eine ziemlich lebendige, aktive und sehr sehr nette wahrmherzige Frau die voll im Leben steht. Nur dieser eine Punkt - sie nennt ihn ihren „Hunger“ - den schafft sie nicht „normal“ anzugehen. D.h. ihren auftauchenden Gelüsten nach Nahrung bewußt und konsequent entgegen zu treten. Wir haben dieses „Entzugsgefühl“ wie sie es nennt wenn sie „der Hunger“ überkommt schon oft diskutiert und sie ist jetzt schon soweit dass sie dieses Gefühl sehr gut bildhaft beschreiben kann, um einen Weg zu finden „das Tier“ (in ihrer Beschreibung ist ihr Hunger ein Tier dass mit langen Nägeln an ihren Magenwänden kratzt und sie so lange quält bis sie Nahrung zu sich nimmt auch wenn ihr Hirn dagegen ist - ich finde dieses Bild ziemlich gut und denke damit kann man arbeiten) entweder zu ignorieren oder einen anderen Weg als Essen zu finden, um „das Tier“ still zu bekommen.
Bitte haltet mich nicht für irre, aber ich sah vor kurzem eine Sendung (Phönix? Arte? Keine Ahnung) über Autoagressionspatienten die „Schmerz-Alternativen“ erarbeiteten mit ihren Therapeuten, damit sie sich nicht mehr lebensgefährlich verletzten. Was mich aufhorchen ließ im Beitrag war die Art und Weise wie die Patienten über ihre „Sucht nach Schmerz“ sprachen (es war ebenfalls ein Bild) und dann in mehrfachen Stufen Alternativen erarbeiteten.
Da ich kein Fachmann bin in Psychologie möchte ich von euch wissen ob es eine Chance gibt mit diesen „Bildern“ wirklich zu arbeiten und ob das auch bei Essstörungen ginge und welcher Arzt (Fachrichtung) sich damit auseinander setzt. Ich traue mir wirklich nicht zu einen echten Therapeuten zu ersetzen, und habe auch Angst ihr Ratschläge zu geben. Ich finde es schon toll dass sie ihren Hunger in ein Bild gebracht hat. Nur wegen dem Fernsehbeitrag kam ich auf die Idee dass sowas vielleicht ein neuer Ansatz für eine Therapie sien könnte. Aber bevor ich mit meiner Freundin spreche und es ihr mal vorschlage, wollte ich nur wissen ob ich komplett daneben liege oder ihr mit Tips geben könntet.
Danke und Grüsse
Helena
