Esszimmer-Komplett-Sanierung

Hallo liebe Wissende,

bei mir steht mittelfristig eine komplette Sanierung an, die Brücken, Kronen usw haben nun gut 25 Jahre gehalten und damit ihre Schuldigkeit getan.

Ich habe folgende Fragen:

  1. Wozu ratet Ihr: Vollkeramik, keramikverblendet oder Goldkronen bzw. Brücken?

  2. Tote Zähne entfernen und durch Brücken ersetzen?

  3. Wenn auf dem Behandlungsplan unter Befund „w“ steht, meint das dann, dass der Zahn erhaltenswert ist? Warum steht dann bei diesen Zähnen bei Privat-Planung „KM“ bzw „Y3“ und „Y2“? Gibt es einen Unterschied bei den Inlays, oder was sagt die Zahl hinter dem Y aus?

  4. Wie ist Eure Erfahrung: Wenn der Zahnarzt (zu dem ich Vertrauen habe) auf dem Behandlungsplan bereits den 3,5 fachen Satz angibt mit Begründungenn wie Zeitaufwand oder besondere Technik: Kann ich davon ausgehen dass die Krankenkasse hier den Faktor nicht anerkennt? Wie kann ich da mit dem Arzt am sinnvollsten diskutieren? Er könnte doch hinterher bei der Rechnung den Aufwand viel eleganter begründen (extremer Speichefluss, starke Blutungen usw), oder? Immerhin geht es um 8-9kEuro.

Vielen Dank
Greetinx
Gerd

Hallo liebe Wissende,

bei mir steht mittelfristig eine komplette Sanierung an, die
Brücken, Kronen usw haben nun gut 25 Jahre gehalten und damit
ihre Schuldigkeit getan.

Ich habe folgende Fragen:

  1. Wozu ratet Ihr: Vollkeramik, keramikverblendet oder
    Goldkronen bzw. Brücken?

Servus Gerd,

zahntechnische Arbeiten aus Edelmetall sind die genaueste (und damit sicherste) Versorgungsform. Abweichungen davon sind aus ästhetischen (und nur aus diesen!) Gründen erforderlich. Das heißt: bei den Zähnen weiter hinten reicht es IMO auch bei mittelhohem Anspruch, wenn man bei geöffnetem Mund kein Metall sieht. Es kommt ja nicht darauf an, bei irgendwelchen Zahnärzten Eindruck zu schinden :wink:). Weiter vorn (Schneide- und Eckzähne des Oberkiefers) sieht es natürlich phantastisch aus, wenn alle Möglichkeiten der Keramik ( natürliche Farbgebung, individuelle Modellierung der Zahnformen, natürliche Transparenz!) in Anspruch genommen werden können. Bei der (seit den 60ger Jahren bewährten) Metallkeramik besticht die hohe mechanische Festigkeit bei geringen ästhetischen Kompromissen. Dazu kommt die gesicherte Prozessroutine bei den Zahntechnikern.

Jede Form von Keramik (am wenigstens die Metallkeramik) ist problematischer als Gold, wenn PatientInnen gewohnheitsmäßig pressen und knirschen. Hier empfiehlt sich halt ein Abwägungsprozeß gemeinsam mit dem Behandler.

  1. Tote Zähne entfernen und durch Brücken ersetzen?

Wenn die Zähne schon länger wurzelbehandelt-, symptomlos- und röntgenologisch unauffällig sind, wäre es Blödsinn, sie zu ziehen. Man läßt sich ja auch keine Zehen mit Nagelpilz amputieren. Ansonsten gilt dasselbe Prinzip, wie in Deinem Beruf: never change a running system1

  1. Wenn auf dem Behandlungsplan unter Befund „w“ steht, meint
    das dann, dass der Zahn erhaltenswert ist? Warum steht dann
    bei diesen Zähnen bei Privat-Planung „KM“ bzw „Y3“ und „Y2“?
    Gibt es einen Unterschied bei den Inlays, oder was sagt die
    Zahl hinter dem Y aus?

Das ‚W‘ ist eine Abkürzung, die formal für jene Heil- und Ksotenpläne vorgeschrieben ist, die für die gesetzlichen Krankenkassen bestimmt sind. Es bedeutet ‚erkrankt aber erhaltungsfähig‘ und hat historische Hintergründe.

Die anderen Abkürzungen sind nicht verbindlich und sollten auf dem Blatt erläutert sein, auf dem sie verwendet werden.

Was Y heißt, fällt mir nicht mehr ein, frag nach!

Inlays unterscheiden sich im Material (Gold, Keramik) und der Flächenzahl (1 - mehrflächig)

  1. Wie ist Eure Erfahrung: Wenn der Zahnarzt (zu dem ich
    Vertrauen habe) auf dem Behandlungsplan bereits den 3,5 fachen
    Satz angibt mit Begründungenn wie Zeitaufwand oder besondere
    Technik: Kann ich davon ausgehen dass die Krankenkasse hier
    den Faktor nicht anerkennt? Wie kann ich da mit dem Arzt am
    sinnvollsten diskutieren? Er könnte doch hinterher bei der
    Rechnung den Aufwand viel eleganter begründen (extremer
    Speichefluss, starke Blutungen usw), oder? Immerhin geht es um
    8-9kEuro.

Zum Honoraransatz:

die geltende Gebührenordnung ist seit 1969 ‚aufkommensneutral‘. Das heißt, daß der Bund als Verordnungsgeber der GOZ und als Kostenträger bei der Beihilfe :frowning: die Preise für zahnärztliche Honorare im wesentlichen konstant gehalten hat. Wer heute zum 2,3fachen Satz liquidiert, bringt Geld mit. Das BVG hat vor kurzem die Zahnärzteschaft in einem Urteil, wo es um die Anhebung der Honorare ging auf die Möglichkeiten der höheren Liquidation verwiesen. Deshalb auch die - scheinbar unlogische - ‚Voraussage‘ besonderer Verhältnisse, die man eigentlich nicht vorhersagen kann. Das ganze System wird bewußt ‚auf knirsch‘ gehalten und hat mit Transparenz leider überhaupt nichts mehr zu tun. Du solltest Deinen HKPl halt vorher bei der Versicherung vorlegen. Du wirst nur leider u.U. wachsweiche Antworten anstelle einer Deckungszusage bekommen.

Dein Behandler ist übrigens rechtlich verpflichtet, seine Aufklärungspflicht auch auf die Kosten und ihre Refinanzierung auszudehnen.

Viel Glück dabei!

Kai

Hallo Kai,

herzlichen Dank und ein Sternchen für Deine (wie für eifrige Mitlesende auch gewohnt) sehr informative Antwort. Da ich mir just heute morgen (freitag der 13.?) die Kronen auf dem 11er und 21er bei einem Fahrradsturz zerbröselt habe, fange ich am Montag mit der Sanierung früher an als geplant. Y ist das Kürzel für Inlay, habe ich heute morgen erfahren, und die Zahl dazu die Flächen.
Ich hatte halt die Idee, bei der Gelegenheit möglichst viel Metall aus meinem Körper zu entfernen, und tote Zähne sind ja auch als Bakterienherde manchmal durchaus bekannt (ja ich bin in homöpathischer Behandlung…), aber Deine Argumente helfen sehr bei dem Gespräch mit dem Zahnarzt und bei meiner Entscheidung.
Deine Hinweise zur Abrechnung haben sich leider bei einem ersten Gespräch mit der Krankenkasse bestätigt, die zeigten sich ziemlich zickig was das Honorar angeht, und fast gleichgültig bei den Labor- und Materialkosten…
Danke für Deine guten Wünsche

Greetinx
Gerd

Hallo Gerd,

ich würde nicht so absolut wie Kai antworten, dass Gold die bestmögliche Versorgung ist. (eben der normale Vorgang: frag 3 Experten und Du erhälst 5 Antworten)

Mit den heutzutage zur Verfügung stehenden Möglichkeiten sollte man soweit wie nur irgendmöglich auf Metall im Körper verzichten. Bis vor wenigen Jahren war Gold oder anderes Edelmetall wirklich die optimale Form der Versorgung. Gerade bei so umfangreichen „Esszimmer-Komplett-Sanierungen“ solltest Du auf Vollkeramik (verblendetes Zirkon) setzen. Es ist biokompatibel, langzeitstabil und vorallem viel ästhetischer als voll- oder sogar nur teilverblendete Prothetik aus Metall - und es gibt keinen Metallgeschmack). Gerade im Frontzahnbereich verhindert der Einsatz von Vollkeramik die nach ein paar Jahren auftretenden schwarzen Ränder zwischen Krone und Zahnfleisch, wenn selbiges zurückgeht. Auch ist die Tranzluzenz der Frontzähne nur bei Vollkeramik möglich. Was die Kosten betrifft: Willkommen in der Gesundheitsmarktwirtschaft: Du bekommst heutzutage Vollkeramik zwischen 170 und 350 Euro pro Zahn (alles in Dt. produziert, nix ausländisches aus Fernost oder so) angeboten. Vollverblendete NEM oer Edelmetallkronen kosten rund 250 Euro das Stück. Also ist Vollkeramik, der Rolls Royce in der Zahnmedizin, eine echte Alternative. Hole Dir auf jeden Fall verschiedene Angebote von Laboren ein! Gruß Thomas

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Hallo Thomas,

danke für die Antwort, das mit dem Metall sehe ich genauso (obwohl eh im Metallage angekommen…Gold in den Zähnen, Silber im Haar, Blei in den Knochen). Die keramikverblendeten Metallkronen 21 und 11 wurden jetzt grade ersetzt mit Vollkeramik, ich bin sehr zufrieden damit und fahre auch brav ab jetzt Fahrrad MIT Helm. Mit dem Rest warte ich noch, bis die nächste Stufe der Wartezeit der Zusatzversicherung erreicht ist.

Die Ausführungen von Kai wegen den toten Zähnen sind für mich noch diskussionswürdig. Der Vergleich mit dem Nagelpilz hinkt doch etwas. Da habe ich noch Klärungsbedarf, aber noch ausreichend Zeit dafür. Wie an Kai auch ein Danke und ein Sternchen an Dich.

Viele Grüße
Greetinx
Gerd