Esszimmer

Liebe Mitwisser,

selbst auf die Gefahr hin, Euch das Wochenende zu verderben, muss ich diese Frage loswerden - sonst zerreißt es mich:

http://www.bader.de/index.asp?resolution=low&action=…

Dieses Esszimmer fand ich dort angepriesen.
Und nun meine Frage; Wer, um Himmels willen, kauft sich sowas?

Und Käufer muss es geben; sonst stünde es nicht im Kataöog.

Gruß - Rolf

Hallo Rolf,

welches Esszimmer meinst Du denn? Dein Link führt (bei mir) nur auf die Startseite der Firma. Möchte doch gerne ein richtig hässliches Esszimmer sehen… :wink:

Viele Grüße
Tanja

Servus,

sie sind alle ziemlich heftig. Mein Favorit ist unter „Stil“ das in Hochglanz-Marmor-Optik. Da schmeckt der Niersteiner Müller-Thurgau zum Schnitzel „Hawaii“ gleich nochmal so gut!

Schöne Grüße

MM

Pardon, Tanja,
ich hatte gehofft, es würde reichen, per copy und paste den Titel hier reinzusetzen. Offenbar nicht. Also dann: Du mußDich durchklicken auf „Schöner Wohnen“, dann auf „Esszimmer“ und da auf „Stil“. Und dann siehst Du, was Dich prompt erblinden macht.

Gruß - Rolf

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Servus,

sie sind alle ziemlich heftig. Mein Favorit ist unter „Stil“
das in Hochglanz-Marmor-Optik. Da schmeckt der Niersteiner
Müller-Thurgau zum Schnitzel „Hawaii“ gleich nochmal so gut!

Lieber Martin,

wenn es nicht so schrecklich wäre, würde ich uns gratulieren, daß wir den gleichen Geschmack haben.
Aber das beantwortet meine Frage nicht: Wer kauft sowas?

Herzlichst - Rolf

Lieber Rolf,

Und nun meine Frage; Wer, um Himmels willen, kauft sich sowas?

wohl ähnliches Klientel die sich auch Eiche rustikal ins Wohnzimmer stellen.

Im Freundes- und Bekanntenkreis meiner Eltern und anderen in dieser Altersklasse kann ich mir einige Interessenten vorstellen.
Die haben dann zwar Geld, aber keinen Geschmack, oder sagen wir besser, nicht unseren (guten?!)

Gandalf

Hallo Rolf!

Ich persönlich kenne niemanden, der sich seine Möbel per Katalog bestellt.Deswegen kann ich dir zu der Klientel selber wenig sagen.
Wer so etwas kauft, hat nach unserem Empfinden halt keinerlei Geschmack bzw.hat von zuhause und seinem näherem Umfeld nie etwas anderes kennengelernt.Ich kenne auch Leute meines Alters,die sich ihr Wohnzimmer in Eiche rustikal(ich sage immer Eiche brutal)oder Buchekunststoffnachbildung in grau oder schwarz eingerichtet haben.Aber immerhin im Möbelhaus gekauft.Aber die können sich aus ihrem Dunstkreis und eingefahrenen Vorstellungen was Einrichten angeht nicht lösen.Dabei sind die Möbel ja teilweise noch richtig teuer-für oftmals schlechte Qualität und Verarbeitung.
Aber die Versandhäuser scheinen ja genug Abnehmer zu haben.Ich frage mich aber zuallererst,wer "entwirft"solche Geschmacklosigkeiten?
Bestellen werden dort Leute,die nicht die Möglichkeit haben ein Möbelhaus zu besuchen(wg.körperlicher Behinderung z.B),aus reiner Bequemlichkeit(der Mensch ist von Natur aus faul) :wink: und man hat die Möglichkeit die Rechnung in Raten zu zahlen und/oder einen zinslosen Ratenkredit zu bekommen.Damit locken ja viele Versandhäuser.Also bestellen dort auch viele Leute,die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind.

Gruß Anja

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hi rolf,

also ich kann mir vorstellen, dass z.b ältere reifere schwule sich für derartiges erwärmen könnten - sicher nicht alle, aber einige haben schon einen hang zum „verspielten“. aber dieser bestimmte typ trägt auch gerne einen bestimmten sehr verspielten klamottenstil bei dem es mir die fussnägel hochklappt - schwer zu beschreiben…

aber man darf davon ausgehen, das ganze haus wird ähnlich sein, gerne auch überladen und überall stehen verspielte dinge die „edel“ wirken sollen (oder es für sich genommen evtl sogar tun würden - aber alles zusammen hat dann eher einen touch von…weiss nichtmal wie man das bezeichnen soll - es erschlägt einen einfach…

und bei den damen - ähnlich - also z.b trägt dann eine dame von 55 noch haarschleifen und son gedöhns…

ich will damit nicht sagen, dass ich genau weiss - jene zielgruppe ists.
aber ich erinnere mich dunkel an etwas - und da passts eben wie die faust aufs auge*g

gelsenkirchener barock würden jene sich aber nicht hineinstellen, das fänden sie auch geschmacklos und „billig“.

zum glück lässt sich aber über geschmack nicht streiten:wink:

LG
nina

Hallo,

Und nun meine Frage; Wer, um Himmels willen, kauft sich sowas?

Und Käufer muss es geben; sonst stünde es nicht im Kataöog.

Es gibt sogar immer mehr Käufer. Und zwar eine Schicht, die dies für den Stil der reichen Leute hält, von denen sie immer in Romanheftchen, … lesen, in entsprechenden Fernsehserien sehen, oder die dieses Vorurteil in der Heimat der ehemaligen Ostgebiete (nah wie fern) über Jahrzehnte ohne Abgleich mit der bundesdeutschen Realität gepflegt haben. Man möchte eben „dazu gehören“, wenn auch die Mittel bescheiden sind.

Und wobei ich mit dieser Klientel sogar noch verständiges Mitleid habe, gibt es durchaus auch Einzelfälle in gesellschaftlichen Gruppen, in denen ich dies nie vermutet hätte. Da gibt es den alleinstehenden Sohn mit eigener Wohnung im Elternhaus, dem Mama und Papa die entsprechenden Möbel kaufen, oder auch die eigentlich vollkommen unauffällige Verwaltungsfachangestellte, die stolz ihren Gästen ein Schlafzimmer vorführt, das man eher beim Sonnenkönig vermutet hätte (und in der kleinen Doppelhaushälfte unter dem Dach nicht so richtig wirkt).

Gruß vom Wiz

Danke für Eure Antworten!

Gruß - Rolf

Servus Rolf,

Aber das beantwortet meine Frage nicht: Wer kauft sowas?

vor langer Zeit bin ich als Krankentransporteur in ziemlich viele Wohnungen gekommen und erinnere mich noch gut an mein Entsetzen, wie viele relativ aufwendig, aber ästhetisch grausam eingerichtete Wohnungen ich da gesehen habe. Ich hatte wenig Geld und hab viel darüber gegrübelt, warum so viele Leute ihr Geld für so seltsame Dinge ausgeben, statt mir einen Zweier Trinkgeld zu geben. Meine Schätzung: Etwa zwei Drittel der deutschen Wohnungen sind ästhetisch ohne Rücksicht auf Verluste eingerichtet - ich spreche nicht von „Leisten können“, das spielt keine große Rolle dabei.

Das fängt in den unteren Preisklassen damit an, dass überall irgendwelche überflüssigen Dinge hängen, stehen oder liegen, die wohl „verspielt“ oder „dekorativ“ gemeint sind (der Katalog „Die moderne Hausfrau“ von Walz in Waldsee ist eine Fundgrube dafür), und geht dann zu Möbelstücken über, die - wie die abgebildeten - mit einer Unzahl überflüssiger und unschöner Einzelheiten versehen sind, ohne dass sie dabei freilich in der Substanz immer besonders gut wären.

Ich glaube, dass der Wunsch, „es sich richtig schön zu machen“, ohne dass man so recht wüßte, wie man das anstellen soll, vor allem bei Menschen auftritt, die lange Zeit so intensiv mit Geldverdienen und dem damit verbundenen Aufwand an Zeit und Mühe beschäftigt waren, dass sie darüber vergessen haben, was eigentlich für sie „richtig schön“ ist, und dann ersatzweise auf Stereotypen zurückgreifen, die sie frei Haus geliefert bekommen. Wenn sie dann selber bald keine rechte Freude mehr daran haben, umso besser: Man kann ihnen dann was Neues verkaufen.

Ich kannte (flüchtig) eine Regionalleiterin von Tupper, die in ihrer Wohnung einen riesigen Kachelofen (schätzungsweise 5 Kubikmeter umbauter Raum) nach drei Jahren ersetzt hat, weil sie es nicht mehr „rustikal“ haben wollte.

Die Frage nach der Ästhetik von industriell hergestellten Gebrauchsgegenständen ist offen, seit es diese Herstellungsform gibt, und ich glaube, sie ist fast nie in einer Weise beantwortet worden, die zu einer flächendeckend akzeptierten Ästhetik dieser Produkte geführt hätte - obwohl es freilich immer Dinge gibt, die man schön oder hässlich finden kann, kann ich mir eine so grausige Geschmacksverirrung wie die gezeigte für die Zeit vor etwa 1860 kaum vorstellen.

Die Versuche, der Verkitschung, die mit der Massenproduktion einherzugehen scheint (vgl. der kürzlich in einem anderen Brett diskutierte gusseiserne Luther mit eingebauter Spieluhr) entgegenzutreten, wurden von 1890 bis 1980 alle alsbald neutralisiert und eben aufs Neue verkitscht.

Eine kurze Ausnahme sind wohl die 1920er Jahre gewesen, während derer vorübergehend ziemlich anspruchsvolle und durchaus abstrakte ästhetische Konzepte einen ziemlich breiten Zuspruch gefunden haben, der erst durch das Hereinbrechen des Germanentums gebremst wurde. Allerdings kann man auch in den weniger germanischen Nachbarländern sehen (u.a. in einer sehr schönen umfangreichen Ausstellung in Prag über tschechisches Industriedesign der 1920er und 1930er Jahre), wie es nicht gelungen ist, die einmal erreichte Klarheit von Proportionen, Linien und Dekor zu halten, sondern wie es da wieder verhübschend und überdekorierend aus dem Untergrund dahergeistert, als sei es etwas Unheimliches, wenn man im Alltag mit schönen Gegenständen umgeben ist, und als müsse man dieser Bedrohung durch allerlei Firlefanz, Verkrümmung und Überladen begegnen.

Ich habe keine Vorstellung, was das für ein Wunsch ist, der einmal erreichte Schönheit immer wieder ad absurdum führt: Ich seh bloß diese Pendel- oder im besten Fall Spiralbewegung (nach oben oder unten?). Sicherlich kommt dieser Wunsch denjenigen der Hersteller aber sehr entgegen: Wenn es gelingt, irgendein beliebiges Produkt zu einem Modeartikel zu machen, kann man es nach kurzer Zeit wieder verkaufen, wenns dann aus der Mode ist. Kürzlich hat mir ein Fahrradhändler auf die Frage, warum dieses hundert Euro weniger koste als das ganz ähnliche andere, die Auskunft gegeben, das sei „ein Modell aus der vorigen Saison“… Ebenfalls rentierlich ist, dass man mit dekorativen Zutaten und allerhand Schnickschnack Unzulänglichkeiten in Material und Verarbeitung trefflich überdecken kann, vgl. Spanplatten als Träger irgendwelchen „Dekors“ oder „Optik“ im Vergleich zu Holz, Metall, Glas.

Na, eine Antwort ists nicht geworden; vielleicht ein paar Ansätze oder Anstöße. Ich schau mir meinen alten Freund „Ivar“ hier an und überlege mir, wann der denn wohl in die Jahre kommen wird?

Schöne Grüße

MM

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*gggggggggggggg trefflich!!!

Hi

schau doch allein mal bei Ebay rein, was da an Gelsenkirchner Barock, Eiche rustikal, Sofas der 60/70er haufenweise über den Tisch geht.

Da rollen sich bei mir eher die Fussnägel. Bader spricht hauptsächlich +45 an (lt. ner Mitarbeiterin bei Bader)…

Hallo Martin!

…der Katalog „Die moderne Hausfrau“ von Walz in Waldsee ist eine
Fundgrube dafür…

Damit können wir Nordlichter aber locker mithalten. Ich empfehle einen Besuch in der Wohnmeile Halstenbek und dort insbesondere das Angebot an Polstermöbeln und Schrankwänden. Hartgesottene fahren anschließend ein Stück weiter gen Norden zu Möbel-Kraft. Alles was das Herz begehrt, schöne Fronten aus Folie in Eiche rustikal, beleuchtetes Barfach und gewaltige Sitzmöbel, auf denen es so richtig gemütlich wird. Es fehlt an nichts, Puppen und Plüsch, mit denen man jedes freie Fleckchen zustopfen kann und für das letzte freie Stück Wand gibts ein hübsch gerahmtes Bild mit Alpenpanorama oder röhrendem Hirschen. Nein, das ist keine Satire.

In meinem früheren Leben lernte ich Fernsehtechniker in einem kleinen Städtchen. Im Laufe der dreieinhalb Jahre mußte/durfte ich einen beträchtlichen Teil aller Wohnzimmer des Ortes bewundern. Ich kann von mir behaupten, sämtliche Sorten an Brokatdeckchen, beleuchteten Plastikschiffen und Zierkissen zu kennen. Außerdem entwickelte ich die hohe Kunst, mich im Kittel durch ein Wohnzimmer zu schlängeln, ohne überall herumstehende Verzierungen herunter zu reißen. Im Laufe der Jahre lernte ich auch sämtliche Kunstwerke unserer Lampenindustrie kennen. Besonders liebte ich die gestalterischen Kleinode, die Schummerlicht verbreiten, bei dem man garantiert nichts erkennen kann und die grundsätzlich an einer Stelle und in einer Höhe von der Zimmerdecke baumen, daß man sich unweigerlich den Kopf daran stößt.

Beim Durchschnittswohnzimmer läßt sich die Tür gerade noch öffnen und der ganze Rest ist mit einer riiiesigen Schrankwand und gewaltigen Polstermöbeln zugestellt, als sei es ein Möbellager, in dem Platz für Menschen entbehrlich ist. Die drangvolle Enge in auf mindestens 25 Grad geheizten Zimmern mit körperlichen Schmerz verursachenden Geschmacksverirrungen trug dazu bei, mir meinen Lehrberuf zu verleiden.

Die Mehrzahl aller Wohnungen sind in der beschriebenen Weise mit unsäglichem Krempel vollgestopft, der alle paar Jahre auf den Sperrmüll wandert und gegen neue, aber nicht minder schlimme Entgleisungen ausgetauscht wird. Zuweilen überfielen mich deshalb wilde Verschwörungstheorien, wonach Möbel- und Reiseindustrie einen geheimen Pakt geschlossen haben. In so eingerichteten Wohnungen kann es kein Mensch lange aushalten und muß unbedingt verreisen. Aber ist natürlich keine Verschwörungstheorie, sondern nackte Tatsache. Schließlich bieten Händler wie Karstadt und Quelle neben Möbeln auch gleich die Fluchtmöglichkeit in Form von Reisen an (und bleiben dem Geschmack dabei treu).

Wir haben eine bald 100 Jahre alte Tradition guter Gestaltung, die sich auf Funktionalität und Ästhetik beschränkt. Aber die von den Nazis abgewürgte Bauhaus-Tradition und nach dem Krieg wieder entstandene hervorragende Schulen kommen in der Breite am zweckfreien Firlefanz des Gelsenkirchener Barocks und seinen Nachfolgern nicht vorbei.

Gruß
Wolfgang

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Hallo Wolfgang,

dieses:

Wir haben eine bald 100 Jahre alte Tradition guter Gestaltung,
die sich auf Funktionalität und Ästhetik beschränkt.

finde ich an der Thematik besonders interessant: Vor allem die Art, wie Versuche, Linien und Formen zu klären, über ihre Rezeption immer wieder regelrecht in ihr Gegenteil umgeschlagen sind.

Angefangen mit Jugendstil, der im Konzept den wilhelminischen Tüdelkram ein wenig auslüften und entrümpeln sollte - bis er aber in bürgerliche Salons gelangt ist, war er alsbald wieder von ganz ähnlichen schwülstigen Delirien zugeschaufelt. Auch neuer Sachlichkeit und Bauhaus ging es ähnlich (hinter mir steht ein Bett von 1935, von dem ich nie recht weiß, ob ichs schön finde oder nicht; es ist kein Germanenschwulst, aber es ist schon nicht mehr so klar wie seine zehn Jahre älteren Vorgänger: überall quillt wieder Förmchenlust hervor) - Industriedesign der 1950er Jahre wollte auch daran anknüpfen, und der berühmte Nierentisch ist für sich ja eigentlich nichts besonders Schreckliches - erst wenn er im Maßstab 1:20 verkleinert auf der Anrichte steht, z.B. als Halter für ein Set von im besten Fall kupfernen Untersetzern, entwickelt er sich zu ungeahnter Scheußlichkeit.

Das hier, das wir in den Jugendherbergen kennengelernt haben:

http://www.weberberg.de/abc/texte/engler.html

war ein großer Wurf.

Aber es gibt nicht so viele Leute, die das gerne zu Hause haben wollen.

Ist das jetzt bloß die Lust am Spielen, die keinen rechten Weg findet? Eigentlich hab ich auch Mühe, die Wünsche und den Geschmack von so vielen Leuten in Bausch und Bogen zu verwerfen. Bloß verstehen täte ich sie halt gerne.

Schöne Grüße

MM

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Dieses Esszimmer fand ich dort angepriesen.
Und nun meine Frage; Wer, um Himmels willen, kauft sich sowas?

Und Käufer muss es geben; sonst stünde es nicht im Kataöog.

Genau

Hallo Rolf,

…bei mir funktioniert zwar der Link nicht - hab aber mal bei den Esszimmern hineingeschaut und m.E. ein paar designtechnische Wunderwerke gesehen. Ich kann mir jetzt vorstellen worum es dir geht. Ich denke du machst da einen entscheidenden Gedankenfehler den ich auch früher gemacht habe, so nach dem Motto z.B. bauchfreies T-Shirt oder flippiges Outfit = dieser Stil zieht sich durch = jung, modern etc… Heute weiss ich es besser - meines Erachtens weit gefehlt. Das konntest du letztens erst wieder bei DSDS deutschlandweit sehen - einer der flippigen Kandidaten zog seine Klamotten aus einem eichedunkel/gelsenkirchener Barockschrank und der wohnte nicht bei Mami und Papi! Auch im Bekanntenkreis findet man erschreckende Beispiele für architektonische Missgriffe.

Gruss aus der Slowakei
Keuper

Lieber Martin, lieber Wolfgang,

Ihr habt ja so Recht!
Auch ich habe bei den mehreren tausend Hausbesuchen jede Menge Scheußlichkeiten gesehen. Und ich finde Zilles Wort immer wieder bestätigt, daß man mit einer Wohnung einen Menschen genausogut erschlagen kann wie mit einer Axt. Er hat es damals zwar anders gemeint, aber gute Wahrheiten sind auch nach 120 Jahren noch wahr.

Da lobe ich mit den Eßzimmerschrank, den mein Großvater 1912 zu seiner Hochzeit gebaut hat: zwar zur Hoch-Zeit des Kaiserreichs, aber ohne allen Schnörkel und Schwulst. Meinen Großvater habe ich nie kennengelernt, aber den Schrank halte ich in Ehren, denn der Mann hatte Geschmack und verstand was von seinem Handwerk!

Gruß - Rolf

Hallo Rolf,

ich finde das Sortiment sehr ansprechend und ich bin sicher, du würdest nicht so urteilen, wenn du dir nur eingehend die Lampen und Dielenmöbel angeschaut hättest. Zusammen wirkt es einfach besser!

Aber im Ernst, ich weiß es leider auch nicht wieso und warum, bin aber bei solchen Sachen auf eine grausame Weise fasziniert, die ich von Autounfällen oder Katastrophen kenne. Und dieses Phänomen beschäftigt mich oft, da ich es nicht an mir mag.
Ich habe eine Ahnung, welche Leute sowas kaufen; vielleicht welche, die einen sehr tristen und langweiligen Alltag erleben, sich mit nichts ablenken können und sich vielleicht sozial nicht geschätzt erleben. Kurzum, ich glaube, es wird mit viel Energie versucht, ein Vakuum zu füllen.
Was mich aber mehr beschäftigt ist die Frage: was ist Geschmack, wer legt das fest? Wieso denkt jeder für sich, er habe Geschmack? Warum finde ich das so schrecklich? Ist das nur eine kleine Gruppe von Leuten mit akademischem Hintergrund? Und ist es ein Gefühl von Überlegenheit?
Trotz allem bin ich sicher, dass der Geburtentrückgang Gründe hat, die außerhalb des bisher Erforschten liegen.

Freunde von mir sammeln häßliche Urlaubsgrußkarten. Ich fände eine Pinwand mit „häßlichen“ Einrichtungen auch sehr interssant, oder ist das fies?

lg Doris

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