Ethik, BSE, Aids, etc

Hallo Harald, alter Freund
Ja, Du hast recht, ich habe es absichtlich vermieden von einer Christlichen, sogar bestimmten gläubigen Ansatz auszugehen. Viele Menschen trauen diese Grundsätze nicht mehr. Ausserdem, wenn eine irgendwie gestaltete Ethik eine Chance haben soll, muss es auch von Nichtchristen und die jenigen, die nicht an einem allmächtigen Gott glauben, angenommen werden können.

Ich habe in einem anderen Beitrag darauf hingewiesen, dass die 10 Gebote nicht überholt sind, jedoch eine Erweiterung benötigen. Vielleicht schaust Du im Thread nach.

Ich bin froh, dass eine Diskussion in Gang gekommen ist. Ich möchte aber nicht, dass sie zu einem Seilziehen zwischen Gläubigen und Nichtgläubigen verkommt.
Beste Grüsse,
Mike

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Hallo Raimund
Vermutlich scherzst Du. Es ist klar, dass das Gebot „Du sollst nicht töten“ einer Auslegung bedarf. Wir haben es schon, wie bereits bemerkt im Thread, relativiert und nur auf Mitmenschen beschränkt - und dann nur bedingt.

Es geht mehr darum, Kritierien zu entwickeln, die uns vor grosser Katastrophen bewahren. Hast Du Ideen dazu?
Grüsse, Mike

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Hoffnung :smile:
Hi Marion,

sorry, daß es solange gedauert hat… :smile: :frowning: :o)

Du schreibst viel, deshalb antworte ich mal im üblichen SatzfürSatzVerfahren - ok?

Genau das meinte ich mit: „Der Gesetzgeber forscht danach,
was seiner Meinung nach (und der seiner Wähler)
gesellschaftlicher Konsens ist und erläßt dementsprechende
Gesetze.“ (siehe mein letztes Posting)

Der gesellschaftliche Konsens sollte eigentlich per def. durch den Bundestag repräsentiert sein. Und der Konsens bei der Kristallisierung ethischer Normen zu spezifischen Gesetzen geschieht ja durch Abstimmung. Aber häufig werden Probleme halt auch vorher öffentlich diskutiert (d.h. nicht nur im Parlament) - wie z.B. die Abtreibungsdiskussionen etc… und dabei wird sicher sehr sensibel auf Stimmen der Wähler gehorcht…

Sicher spiegelt sich in unseren Gesetzen auch in gewissem Maße
unsere christlich-abendländische Tradition wieder. Will ein
gläubiger Christ (oder gar ein Angehöriger einer anderen
Religionsgemeinschaft) jedoch nach den Grundsätzen seiner
Religion leben, muss er weit über das hinausgehen, was unsere
heutigen Gesetze als Maßstab setzen.

Gottseidank ist das so, daß diese Konflikte enstehen können, sonst hätten wir ja einen Religionsstaat… das Konkordat ist grad problematisch genug bei uns…

Reicht denn Sachkenntnis für eine Urteilsbildung aus ?
Dann müssten ja Menschen mit dem gleichen (guten)
Kenntnisstand in der Lage sein, einen ethischen Konsens zu
bilden…

Das hab ich ja nicht gesagt, daß das ausreicht. Aber es ist die Mindestbedingung, Sachkenntnis zu haben, wenn es um die moralische Bewertung von Handlungen geht. Und wenn dafür aber (vorläufig!!) keine allgemeinen ethischen Grundsätze vorhanden sind, dann muß wenigstens ein weitgehender Konsens unter den Betroffenen in (persönlichen) Handlungs-Maximen hergestellt werden (Ärtzte z.B. die unter Handlungsdruck stehen, weil sie die Patienten nun mal aktuell vor sich haben, und handeln MÜSSEN).

Und umgekehrt, wenn jemand z.B. nun gar nicht weiß, was ein Chromosom ist, oder ein Gen, oder ein Mitochondrium usw. soll der sinnvoll diskutieren können (d.h. letztlich mit dem Ziel ethische Normen zu finden!), ob eine Morula ein Lebewesen ist oder gar ein Mensch?

Allerdings meine ich auch umgekehrt: soll jemand, der weiß, wie eine Morula funktioniert, aber nicht weiß, welcher Unterschied zwischen einer persönlichen Handlungsmaxime und einer sittlichen Norm besteht, oder meint, moralische Urteile seien ausschließlich persönliche Meinungssache, oder nicht weiß, daß moralische Urteile sich begründen lassen müssen (weil es sonst keine Wert-Urteile sind)… usw… wie will der bei der Suche nach Normen mithelfen?

Haben wir den heutigen Zustand nicht gerade der Aufklärung zu
verdanken, die Glaube zunehmend durch Naturwissenschaft
ersetzt hat ?

Hat sie? Das ist kaum die Folge der Aufklärung! Sie hat vielmehr die Möglichkeit der Emanzipation hergestellt, bzw. dafür die Grundlagen gelegt, indem sie der Individualität ein Primat gegenüber jeder Authorität und Machtinstanz erkämpfte.
An dieser Emanzipation nehmen allerdings viele (dogmatische)Religionsgemeinschaften nicht teil (jedenfalls die drei Hauptvertreter von sogenannten monotheistischen Religionen nicht) und erst recht viele Individuen nicht (spiegelt sich ja hier im w-w-w sehr deutlich wieder!!).

Ein Ergebnis (nicht unbedingt der Aufklärung, aber der Philosophie zwischen 1770 und 1830, „Deutscher Idealismus“)
war, daß die Naturwissenschaften nicht im Widerspruch zur Religion stehen müssen… sondern daß es lediglich verschieden DenkWEISEN sind - und keinem Menschen ist es (eigentlich) verwehrt, in beiden Weisen zu denken… sogar gleichzeitig, wenns sein muß…

Daß es einen Konflikt zwischen religiösen und naturwissenschaftlichen Denkweisen gibt, ist ausschließlich ein Resultat davon, daß immer noch geglaubt wird (nein besser: geMEINT wird), daß man nur EINE dieser Denkweisen haben dürfe…

Und ist es nicht eher so, dass wir jetzt an den
Punkt kommen, an dem wir erkennen müssen, dass die
Naturwissenschaft uns in unserem Selbstverständnis des
Menschen als „Ding der Natur“ als auch für seine Bestimmung
als „etwas anderes als Natur“ bedroht ?

Ich sehe nicht, daß Wissenschaft den Menschen bedrohen könnte, im Gegenteil: Sie liefert die Mittel, ihm Bedrohtheitsgefühle zu beschwichtigen, indem sie nämlich insbesondere einen adäquaten Umgang mit NICHTwissen ermöglicht - Daß diese Möglichkeit von manchen Religionsfanatikern (die ich nicht für wirklich religiös halte… auch diese gibt es ja zahlreich hier im w-w-w), von einzelnen Philosophen und besonders auch von einzelnen Naturwissenschaftlern verspielt wird, daran zweifle auch ich nicht - aber das wäre ein Thema für ein neues Thread…

Vielleicht wäre es nützlich dafür nochmal meine Artikel im Philosophie-Brett unter „Vorsokratiker“ und unter „Was ist eigentlich Philosophie“ nachzuschauen…

Die grossen Kirchen mögen ja an Einfluß verlieren, aber ich
meine, der Zulauf, den Gruppierungen jeglicher Couleur
erhalten, solange sie nur das Etikett „spirituell“ aufweisen,
spiegelt deutlich diese zunehmend wahrgenomme Bedrohung
wieder.

Ja, ganz sicher. Die Kirchen verlieren Einfluß, weil die dogmatisch gesetzten Normen für die gegenwärtige gesellschaftliche Situation und das Selbstverständnis des Menschen keine wirkliche Brauchbarkeit mehr aufweisen (siehe Dyba, Ratzinger etc…). Dadurch werden sehr viele auf ihre persönlichen Handlungsmaximen reduziert und eine "Einbettung in überindividuelle Normen können sie nicht mehr verantworten. Das ist eigentlich ok, aber die Folge ist dann leider, daß man sich Frust gegen unsere versagende 2000jährige Tradition fremden Spritualitäten zuwendet, die in den importierten trendy Nesquickvarianten und Popversionen nicht einen Deut weniger Geschwafel enthalten, als das der „Wort-zum-Sonntag“-Popen, die man nicht mehr hören kann

Nur - Gerade durch diesen Umstand findet eine noch
größere Segmentierung der Bevölkerung in Einzelgruppen mit
eigenständigen ethischen Grundsätzen ohne
gesamtgesellschaftlichen Konsens statt, und verschärft damit
die gesamtgesellschaftliche Ratlosigkeit.

Volle Zustimmung - deshalb ja die Fragen, wie das geändert werden könnte…

Deine Antwort:
„… durch endlich anständige Philosophieausbildung an den
Schulen und in den Lehrerstudiengängen… und durch „Bildung“
der Bevölkerung in Fragen der heutigen Biologie und Medizin…“

ist für mich nicht richtig verständlich. Wie kann obiges einen
Anstieg an allgemeingültigen ethischen Grundsätzen (im
Gegensatz zu individuellen ethischen Grundsätzen) bewirken ?

…indem dadurch überhaupt erstmal lernbar wird, die richtigen Fragen zu stellen, sinnlose Fragen schneller zu erkennen und zu vermeiden, verantwortungsbewußt mit Nicht-Wissen und Noch-Nicht-Wissen um zugehen, und folgerichtig und begründbar zu denken…
Da kommen dann nicht ethische Normen heraus, aber man wird eher fähig sein, sie zu finden… Unsere Fitness-Panik beschränkt sich eben leider nur auf die Körperlichkeit - das verkauft sich besser und man kauft es lieber…

Das Problem ist damit, daß wir sowohl für die Bestimmung des
Menschen als „Ding der Natur“ als auch für seine Bestimmung
als „etwas anderes als Natur“ den Naturbegriff erstmal
bestimmen müssen… der kann jedoch von den
NaturWISSENSCHAFTEN nicht gegeben werden… aber
NaturPHILOSOPHIE (die hier zuständig wäre) ist nach der ersten
Hälfte des 19. Jhdts (also nach Schelling und Hegel) nicht
mehr systematisch weiterentwickelt worden.

Ich verstehe zu wenig von Philosophie um mit dem Begriff
Naturphilosophie wirklich etwas anfangen zu können…

Diese klassischen Naturphilosophien haben das Werkzeug geliefert, um die „natürliche“ und die „geistige“ Existenz des Menschen einerseits zu differenzieren und andererseits zu versöhnen… und haben die Grundlagen geliefert, mit denen wir (auch) die heutige Krise des Begriffs „Mensch“ bewältigen könnten. Warum diese Philosophien nicht zum Tragen kamen, ist ein Problem der neueren Philosophiegeschichte…

In welcher Weise kann die Naturphilosophie uns die Antworten
(!!) liefern, die die Naturwissenschaften schuldig bleiben (?)

auf die oben von mir angedeutete Weise zum Beispiel… aber das heißt nicht, das das bereits geschehen ist und die Resultate vorliegen… Philosophie ist eine Sache systematischer Arbeit, die braucht Zeit… das oben Angedeutete ist jedenfalls der Weg, an dem ich seit geraumer Zeit arbeite… es läßt sich schlecht in diesem Rahmen hier in ein paar Sätzen skizzieren ohne trivial zu erscheinen…

und in welcher Weise kann sie eine „echte“ Alternative …

anbieten

…in denen die Menschen nach einer Antwort (!) auf das „etwas
anderes als Natur“ suchen (?)…

Indem sie einmal wieder grundlegender und allgemeiner nach dem Entscheidenden und Wesentlichen in der Sache „Religion“ fragt, ohne sich dabei auf die dogmatischen (und daher gedankenlosen) Sprachregelungen jeweils EINZELNER Religionsbekenntnisse einlassen zu müssen…

Die Basis für eine solche systematische Arbeit sehe ich tatsächlich in der primären (aber vorläufigen) Unterscheidung zwischen den Bestimmungen des Menschen
a. als wesentlich „nur Natur“
b. als wesentlich „nicht nur Natur“
Wie man - davon ausgehend - weiterkommt… hm… ähm…
das Buch ist leider noch nicht fertig - es ist nicht unkompliziert, aber ich habe Hoffnung :wink:

Liebe Grüße
Manfred

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Theodizee und moralische Urteile
Hi Peet

Eine Dekonstruktion der Ethik
wird auf uns eher kommen als eine neue Aufklärung, befürchte
ich.

Ich hatte nicht eigentlich sagen wollen, daß wir eine neue Aufklärung bräuchten… aber ich sehe auch keine „Dekonstruktion“ von Ethik. Das scheint mir eher eine schnieke trendy Ausrede zu sein (nein, nicht von dir *gg*), die darüber wegtäuschen soll, daß das „postmoderne“ (mir wird oft übel bei diesem Pseudobegriff) Philosophieren weder Hand noch Fuß hat und nicht einen Deut weiterbringt in den Fragen, die von den Wissenschaften und der Wirtschaft den Café-Philosophen längst aus der hand genommen wurden…

Nach wie vor bleibt: uns fehelen ethische Normen und wir haben heute mehr Grund als je, daran zu zweifeln, daß wir welche finden können - Ich zweifle nicht daran!

Aber

…Eine NEUE THÉODICÉE?

nein - nicht eine NEUE, sondern die alte: Die bekannte Frage (von Leibniz unter diesem Namen behandelt) „wie kann es das Übel in der Welt geben angesichts eines Gottes, der gerecht ist und die Liebe ist?“ ist dabei tatsächlich DIE Frage, deren Herausforderung sich heute mehr als je sich alle Bekenntnisse zu stellen hätten, die mit irgendeinem Recht sich „Religion“ nennen. Tun sie das?

Nein, denn es wird in äußerst langlebiger Feigheit immer unter dem „Übel“ verstanden, „das, was uns/mir geschieht“ oder „das, was die anderen tun“… aber allzuselten „das, was wir/ich anderen tun/tue“ - das allein brächte uns weiter, vermute ich, und es läge ein sinnvoller Ansatz zu einer Renovierung des Begriffs „Religion“.

Das andere Problem bleibt: daß wir für heute anstehende Fragen zunächst einmal KEINE ethischen Norman zur Verfügung haben…
sollen doch die neunmalklugen Poster hier, die alles dieses so genau wissen, statt der menschenverachtenden Quicky-Antwort „moralisch verwerflich“ (menschenverachtend, weil respektlos gegenüber allen, die sich mutig dem „wir wissen es noch nicht“ stellen!) - sollen die doch mal aus der bisherigen Geschichte der Religionen (die einen Schöpfergott voraussetzen) BEGRÜNDEN, wie mit den Fragen umzugehen ist,
ob wir Menschen klonen dürfen
ob wir (menschliche) Gene manipulieren dürfen
ob wir Eizellen extrauteral befruchten dürfen
ob und inwiefern eine Morula im 4-Zellen-Stadium ein Mensch ist

Es scheint unendlioch schwer zu sein, zu lernen, daß moralische Urteile nur dann moralische Urteile sind, wenn sie sich einer BEGRÜNDUNG unterziehen, und daß diese Begründung darin besteht, die Handlung in einen bereits VORHANDENEN und anerkannten allgemeinen Satz sittlicher Normen einzuordnen…

Liebe Grüße
Manfred

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Hi Michael

Ich persönlich wundere mich immer wieder,
welche Leute eine dezidierte ethische Meinung über Bergbau
haben, aber ofensichtlich keine Ahnung haben, das ihr Auto im
wesentlichen aus Stahl, Kupfer, Blei und Zink besteht… Und
Benzin kommt aus der Zapfsäule.

Genau das meinte ich - schönes Beispiel!

Das Problem liegt darin, das die Naturwissenschaften zur
Ideologie erhoben wurden, mit dem Anspruch der „totalen
Kontrolle“ Das ist spätestens seit der Chaostheorie obsolet.

…und das, obwohl die hübschen Apfelmännchen jahrelang die Medien beschäftigt haben. Und was für eine (durchaus auch populäre) Botschaft läge darin, daß eben diese nichtlineare Dynamik zeigt, daß nicht alles in der Natur vorauberechenbar ist, OHNE daß dadurch die Kausalität verletzt wird…

das Hauptproblem liegt darin, das die Naturwissenschaften eben
genau das Gegenteil von Glauben und Ideologie ist. Glaube und
Ideologie bauen auf „absoluten Wahrheiten“ auf, während die
Naturwissenschaften dynamisch auf der Suche nach Wahrheiten
sind (aber sie per definitionem niemals mit absoluter
Sicherheit beweisen kann)

Genau! Wobei aber die absolut GESETZTEN Wahrheiten der Religionen durchaus einen wichtigen und wertvollen Sinn haben, allerdings handelt es sich um einen völlig ANDEREN Wahrheitsbegriff als den der Naturwissenschaften, und mit siesem verantwortungsvoll umzugehen, haben unsere Hauptreligionen in mehr als 2000 Jahren nicht gelernt…

Nicht die Naturwissenschaften an sich bedrohen unsere
Existenz, sondern die darauf aufbauenden Ideologien.

…und die Konsequenzen eines schrankenlosen Kapital-Sadismus

  • siehe Gen-Patentierung…

vermutlich das grösste Versagen der
Naturwissenschaften. Sie haben es nicht geschafft, die
grandiose Schönheit der „Schöpfung“ zu vermitteln.
Somit flüchten sich viele Menschen in ein „kleineres und
überschaubareres“ Weltbild…

Schön gesagt!

Ethische Normen können nur aus der gesellschaftlichen
Diskussion heraus entwickelt werden (Sozusagen eine
Gebrauchsethik).

Wohlgemerkt: aus gesellschaftlichen Diskussionen (und diese müssen durchaus garnicht utilitaristisch sein!), und jedenfalls nicht aus monopolkapitalistischen Diskussionen - wie z.B. bei dem Vandalismus der weltweiten Zigarettenindustrie seit den 60er Jahren… wir müssen vermuten, daß so bereits auch mit biologischem Wissen umgegangen wird…

Grüße
Manfred

Hallo Manfred,

nein - nicht eine NEUE, sondern die alte: Die bekannte Frage
(von Leibniz unter diesem Namen behandelt) „wie kann es das
Übel in der Welt geben angesichts eines Gottes, der gerecht
ist und die Liebe ist?“ ist dabei tatsächlich DIE Frage, deren
Herausforderung sich heute mehr als je sich alle Bekenntnisse
zu stellen hätten, die mit irgendeinem Recht sich „Religion“
nennen. Tun sie das?

Nein, denn es wird in äußerst langlebiger Feigheit immer unter
dem „Übel“ verstanden, „das, was uns/mir geschieht“ oder „das,
was die anderen tun“… aber allzuselten „das, was wir/ich
anderen tun/tue“ - das allein brächte uns weiter, vermute ich,
und es läge ein sinnvoller Ansatz zu einer Renovierung des
Begriffs „Religion“.

Wie würde ein sinnvoller Ansatz deiner meinung nach aussehen?
Könnte man dafür die goldenen Regel verwenden?
Matthäus 7:12
Alles daher, was ihr wollt, daß euch die Menschen tun, sollt auch ihr ihnen ebenso tun; in der Tat, das ist es, was das GESETZ und die PROPHETEN bedeuten.

Das andere Problem bleibt: daß wir für heute anstehende Fragen
zunächst einmal KEINE ethischen Norman zur Verfügung haben…
sollen doch die neunmalklugen Poster hier, die alles dieses so
genau wissen, statt der menschenverachtenden Quicky-Antwort
„moralisch verwerflich“ (menschenverachtend, weil respektlos
gegenüber allen, die sich mutig dem „wir wissen es noch nicht“
stellen!) - sollen die doch mal aus der bisherigen Geschichte
der Religionen (die einen Schöpfergott voraussetzen)
BEGRÜNDEN, wie mit den Fragen umzugehen ist,
a) ob wir Menschen klonen dürfen
b) ob wir (menschliche) Gene manipulieren dürfen
c) ob wir Eizellen extrauteral befruchten dürfen
d) ob und inwiefern eine Morula im 4-Zellen-Stadium ein Mensch
ist

Ich bin froh, dass ich nicht in der Lage bin hier moralische Urteile fällen zu müssen, denn diese Fragen sind wirklich schwer.

Wenn ich versuche bibliche Maßstäbe anzuwenden, wüßte ich persönlich keine Gründe, die gegen die Fälle a bis c sprechen.
Die generelle Beeinflußung der Natur ist dem Menschen nicht verboten.

Beim Fall d sehe ich es so. Die Bibel macht keine Aussage darüber, ab wann ein Mensch ein Mensch ist. Aber auch der ungeborene Mensch findet die Beachtung Gottes.
Psalm 139:16
Deine Augen sahen sogar den Embryo von mir,
Und in dein Buch waren alle seine Teile eingeschrieben
Hinsichtlich der Tage, da sie gebildet wurden
Und unter ihnen noch nicht einer da war.

Da ich also nicht sagen kann, ab wann ein Mensch in Gottes Augen den Status eines Menschen gewinnt, werde ich vorsichtshalber auch die oben erwähnte Morula, diesen Status gewähren.

Wie gesagt, dies ist meine persönliche Meinung, die sich selbstverständlich ändern kann , wenn ich neue Kenntnisse gewinne.

Es scheint unendlich schwer zu sein, zu lernen, daß
moralische Urteile nur dann moralische Urteile sind, wenn sie
sich einer BEGRÜNDUNG unterziehen, und daß diese Begründung
darin besteht, die Handlung in einen bereits VORHANDENEN und
anerkannten allgemeinen Satz sittlicher Normen einzuordnen…

Dem möchte ich beipflichten.

Liebe Grüße
Carlos

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Begriff Religion
Hi Carlos

Wie würde ein sinnvoller Ansatz deiner meinung nach aussehen?
Könnte man dafür die goldenen Regel verwenden?
Matthäus 7:12

Diese Goldene Regel, die ja von Marion-pendragon schon einmal in eine Ethik-Diskussion hier eingetragen wurde, und die im NT keineswegs zum erstenmal ihren literarischen Niederschlag fand. ist sicherlich einer der allgemeinsten ethischen Grundsätze, die man formulieren kann.

Aber für eine Aktualisierung des Begriffs „Religion“ würde das allein nicht genügen, denn Ethik ist nur EIN Bestandteil von Religion - und möglicherweise nichteinmal der bedeutsamste.

Ich gehe einem religionsphilosophischen Ansatz nach, in dem „Religion“ als eine wesentlich anthropologische (nicht theologische!) Bestimmung des Menschen gefaßt wird.

Ein solcher Ansatz findet sich (neben manchen Ansätzen in indischen und chinesischen Traditionen - aber in den AT-NT-Traditionen ausschließlich hier…) im sog. „Johannes“-Evangelium:
Da wird aus einer (1.) immanent göttlichen Selbstbeziehung (die zugleich eine Bestimmung eines Gottestbegriffs ist) eine (2.) Beziehung zwischen dem Gott und dem Menschen fundiert und daraus wiederumg das ganze ALS eine (3.) Beziehung zwischen den Menschen
bestimmt (in Form einer Analogie, aber doch eher als eine ontologische Identifizierung): Was somit der „Gott“ in sich selbst „ist“ (pneuma ho theos Joh. 4.24), das wird in die Zwischenmenschlichkeit transponiert (wo „Religion“ ja auch ausschließlich Bedeutung hat) - womit der mystischen Formulierung „der logos wurde Fleisch“ (Joh. 1.16) eine realistische und praxisnahe (und vor allem: eine rein anthropologische!) Interpretation gegeben wird…

Ich bin froh, dass ich nicht in der Lage bin hier moralische
Urteile fällen zu müssen, denn diese Fragen sind wirklich
schwer.

Da freut mich sehr! denn es kommt selten vor, daß jemand genau DIESE Antwort (die mir auch die vorerst einzig mögliche zu sein scheint) auf diese Fragen gibt…

Wenn ich versuche bibliche Maßstäbe anzuwenden, wüßte ich
persönlich keine Gründe, die gegen die Fälle a bis c sprechen.
Die generelle Beeinflußung der Natur ist dem Menschen nicht
verboten.

So sehe ich es auch, etwas anderes ist aus AT und NT nicht zu entnehmen…

Beim Fall d sehe ich es so. Die Bibel macht keine Aussage
darüber, ab wann ein Mensch ein Mensch ist. Aber auch der
ungeborene Mensch findet die Beachtung Gottes.
Psalm 139:16

Außer, daß „Embryo“ nicht in diesem Psalm steht, ist es ein sehr schönes hierhergehöriges Zitat.

Da ich also nicht sagen kann, ab wann ein Mensch in Gottes
Augen den Status eines Menschen gewinnt, werde ich
vorsichtshalber auch die oben erwähnte Morula, diesen Status
gewähren.

und wann ein Mensch in des MENSCHEN Augen den Status eines Menschen gewinnt, das NEU zu bestimmen sehe ich als die dringlichste ethische Arbeit der Gegenwart an…

und für das „vorsichtshalber“ kriegst du ein Sternchen !!

Wie gesagt, dies ist meine persönliche Meinung, die sich
selbstverständlich ändern kann, wenn ich neue Kenntnisse
gewinne.

ja, und auf diese Weise könnten wir auch unsere diesbezüglichen Gesetzgebungen handhaben…

Grüße
Manfred

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Hallo Manfred,

Danke für deine Antwort. Abgesehen von den nachfolgenden Absatz, von dem ich nicht weiss ob ich ihn korrekt verstehe :-o,
kann ich dir bei allem uneingeschränkt zustimmen.

Da wird aus einer (1.) immanent göttlichen Selbstbeziehung
(die zugleich eine Bestimmung eines Gottestbegriffs ist) eine
(2.) Beziehung zwischen dem Gott und dem Menschen fundiert und
daraus wiederumg das ganze ALS eine (3.) Beziehung zwischen
den Menschen
bestimmt (in Form einer Analogie, aber doch eher als eine
ontologische Identifizierung): Was somit der „Gott“ in sich
selbst „ist“ (pneuma ho theos Joh. 4.24), das wird in die
Zwischenmenschlichkeit transponiert (wo „Religion“ ja auch
ausschließlich Bedeutung hat) - womit der mystischen
Formulierung „der logos wurde Fleisch“ (Joh. 1.16) eine
realistische und praxisnahe (und vor allem: eine rein
anthropologische!) Interpretation gegeben wird…

Verstehe ich dich in dieser Form richtig? Gott hat Wünsche und Forderungen an die Menschen, genauso wie Menschen Wünsche und Forderungen an Gott haben. Die Goldene Regel wäre dann das Gleiche auf die zwischenmenschlichen Beziehungen übertragen?

ja, und auf diese Weise könnten wir auch unsere
diesbezüglichen Gesetzgebungen handhaben…

Ich fürchte, das Gesetzgebungen auch in Zukunft das Ergebnis von politischen Prozessen sein werden. Zwar haben auch Verantwortungsbewußtsein und Vernunft einen Anteil an solchen Prozessen. Aber häufig überwiegen letztendlich Interessen.

Gruß
Carlos