Ethnische Säuberung

Liebe Freunde der deutschen Sprache,
soeben habe ich in der Suttgarter Zeitung einen Bericht über
„ethnische Säuberung“ in Afrika gelesen. Wenn man diesen Begriff verwendet, erkennt man dann nicht auch gleichzeitig an, dass es eine „ethnische Verschmutzung“ gibt?

Kann mir jemand sagen, wann und wo dieser Begriff zuerst aufgetaucht ist? Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Begriff aus der finstersten deutschen Geschichte stammt.
Schöne Grüsse
Uli

Hi,

Ich könnte mir vorstellen, dass dieser
Begriff aus der finstersten deutschen Geschichte stammt.

Diesmal scheinbar nicht. Wikipedia.org sagt dazu folgendes:

Ethnische Säuberung ist ein euphemistischer Ausdruck für die gewaltsame Entfernung einer ethnischen Gruppe aus einer Region. Dies kann durch Vertreibung oder Völkermord erfolgen. Der Ausdruck entstammt der Propagandasprache der Führung des gegen 1990 zerfallenden jugoslawischen Staates und wird, obwohl Unwort des Jahres 1992, mittlerweile als übliche Bezeichnung für Vorgänge dieser Art verwendet.

Beispiele sind die ethnische Säuberung in Ruanda (Konflikt zwischen Hutu und Tutsi), die Massentötung von Juden und Sinti und Roma in Nazideutschland oder die Vertreibung der Deutschen aus Mittel- und Osteuropa nach dem Zweiten Weltkrieg. Ziel einer ethnischen Säuberung war und ist die Schaffung eines ethnisch homogenen Staatswesens, wobei die Organisatoren der ethnischen Säuberung das Eigentum, das den Angehörigen der unerwünschten Volksgruppe abgenommen wurde, oftmals für sich selbst beanspruchen und in nahezu allen Fällen auch für die Finanzierung ihrer bewaffneten Schergen verwenden.

Es gibt auch eine Art sanfte ethnische Säuberung, welche zum Beispiel in Südtirol zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg betrieben wurde. Die Bevölkerung erhielt die Option nach Deutschland auszuwandern oder in Südtirol zu bleiben und die italienische Kultur anzunehmen.

Eine weitere Form der „sanften“ ethnischen Säuberung ist das Vorgehen der israelischen Regierung seit 2003 zunehmend Palästinensern und Palästinenserinnen den Aufenthaltsstatus als „permanent resident“, die sich außerhalb der Jerusalemgrenze bewegen, (wenn sie z.B. in der Westbank arbeiten und dort übernachten oder im Krankenhaus behandelt werden) zu verweigern.

Ethnische Säuberung wird mittlerweile als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewertet.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Ethnische_S%E4uberungen

Gruß,

Malte.

Ethnische Säuberung ist ein euphemistischer Ausdruck für die
gewaltsame Entfernung einer ethnischen Gruppe aus einer
Region. Dies kann durch Vertreibung oder Völkermord erfolgen.
Der Ausdruck entstammt der Propagandasprache der Führung
des gegen 1990 zerfallenden jugoslawischen Staates und
wird, obwohl Unwort des Jahres 1992, mittlerweile als übliche
Bezeichnung für Vorgänge dieser Art verwendet.

Beispiele sind die ethnische Säuberung in Ruanda
(Konflikt zwischen Hutu und Tutsi), die Massentötung von
Juden und Sinti und Roma in Nazideutschland oder die
Vertreibung der Deutschen aus Mittel- und Osteuropa nach
dem Zweiten Weltkrieg. Ziel einer ethnischen Säuberung war
und ist die Schaffung eines ethnisch homogenen Staatswesens,
wobei die Organisatoren der ethnischen Säuberung das Eigentum,
das den Angehörigen der unerwünschten Volksgruppe abgenommen
wurde, oftmals für sich selbst beanspruchen und in nahezu
allen Fällen auch für die Finanzierung ihrer bewaffneten
Schergen verwenden.

Es gibt auch eine Art sanfte ethnische Säuberung, welche zum
Beispiel in Südtirol zwischen dem ersten und zweiten
Weltkrieg betrieben wurde. Die Bevölkerung erhielt die
Option nach Deutschland auszuwandern oder in Südtirol zu
bleiben und die italienische Kultur anzunehmen.

Eine weitere Form der „sanften“ ethnischen Säuberung ist das
Vorgehen der israelischen Regierung seit 2003 zunehmend
Palästinensern und Palästinenserinnen den Aufenthaltsstatus
als „permanent resident“, die sich außerhalb der
Jerusalemgrenze bewegen, (wenn sie z.B. in der Westbank
arbeiten und dort übernachten oder im Krankenhaus behandelt
werden) zu verweigern.

Ethnische Säuberung wird mittlerweile als ein Verbrechen
gegen die Menschlichkeit
gewertet.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Ethnische_S%E4uberungen

Hallo Malte, vielen Dank für die Infos.
Trotzdem habe ich Bauchschmerzen, wenn ich den Begriff in der Zeitung lese. Der „Säuberung“ muss ja eine „Verschmutzung“ vorausgegangen sein. Oder sehe ich das falsch? Und dass eine Gegend von X-Menschen veschmutzt sei …, ist doch aus dem Vokabular des Herrenmenschen. Und mit dem Gebrauch des Wortes „Säuberung“ habe ich das Gefühl, mich einer solchen Sprache zu bedienen.
Wer kann mir helfen?
Schöne Grüsse
Uli

Hi,

Hallo Malte, vielen Dank für die Infos.

Gerne. Nebenbei bemerkt: Zitiere doch bitte nur die Abschnitte, auf die Du Dich direkt beziehst: http://learn.to/quote Nur so als gut gemeinter Hinweis für bessere Lesbarkeit.

Trotzdem habe ich Bauchschmerzen, wenn ich den Begriff in der
Zeitung lese. Der „Säuberung“ muss ja eine „Verschmutzung“
vorausgegangen sein. Oder sehe ich das falsch?

Richtig.

Und dass eine
Gegend von X-Menschen veschmutzt sei …, ist doch aus dem
Vokabular des Herrenmenschen.

Richtig - dem widerspricht auch niemand, nur entspringt dieser Begriff offenbar eben ausnahmsweise mal nicht der Nazi-Zeit, sondern wie in wikipedia ausgeführt dem Jugoslawien-Konflikt. Besser macht es das in der Tat nicht.

Und mit dem Gebrauch des Wortes
„Säuberung“ habe ich das Gefühl, mich einer solchen Sprache zu
bedienen.

Na, dann lass es eben, oder verwende ihn eben zitathaft. Wenn man den Begriff benutzt, um eben auf diese Perversion hinzuweisen, ist das imho legitim.

Wer kann mir helfen?

Ich verstehe Dein Problem nicht so ganz.

Gruß,

Malte.

Wer kann mir helfen?

Ich verstehe Dein Problem nicht so ganz.

Du hast mir sehr geholfen! Meine Frage ist so nicht wörtlich zu nehmen. Eher so: Kann es sein, dass ich der einzige bin, der sich über dieses Wort ärgert?
Und: ich ärger mich darüber, dass die Stuttgarter Zeitung nicht von Vertreibung und Völkermord, sondern von einer „Säuberung“ spricht.
Auf schwäbisch hiesse das übrigens „Putzete“. So sagt man hier, wenn sich eine Gruppe Freiwilliger am Samstag trifft, um Unrat aus dem Bachbett oder vom Strassenrand wegzuräumen.
Schöne Grüsse
Uli

Kann es sein, dass ich der einzige bin,
der sich über dieses Wort ärgert?

Nein, Uli,
da bist Du keineswegs der Einzige.
Auch ich ärgere mich Tag für Tag aufs Neue über die „Einebnung“ von Tatbeständen durch derartige Euphemismen.
Allein, wenn man mich beruhigen will, bei einem Missstand sei „die Lösung auf den Weg gebracht worden“, fühle ich mich doch stets nicht nur auf den Arm genommen sondern schlicht angelogen.
„Aufenthaltsbeendende Maßnahmen“ für die Zwangsausweisung von Asylbewerbern, „Nullwachstum“ und all diese Verniedlichungen dienen in der Tat nur dazu, Tatbestände zu verschleiern, zu vernebeln und den Bürger schwindelig zu reden.
Dennoch darf man eine Unwahrheit immer noch eine Lüge nennen und - wie Dein Beispiel - „Ethnische Säuberung“ ist und bleibt eben Völkermord, Deportation oser Vertreibung.
Gruß
Eckard