Hallo, Ihr Sprachwissenschaftler! Ich m"ochte mir ein ethymologisches W"orterbuch kaufen - und habe geh"ort, der ‚‚Kluge‘‘ sei gut - kann mir einer mal einen Rat geben?
Danke, Gruss, Gnlwth
Hallo, Ihr Sprachwissenschaftler! Ich m"ochte mir ein
ethymologisches W"orterbuch kaufen - und habe geh"ort, der
‚‚Kluge‘‘ sei gut - kann mir einer mal einen Rat geben?
Zunächst einmal: „etymologisch“ wird ohne „h“ geschrieben, u.a. weil in der Etymologie des Wortes kein „h“ auftaucht. 
Wieviel willst Du denn investieren? Der „Kluge“ ist ja recht teuer. Es gibt ein ganz ordentliches und mit 39.-DM auch erschwingliches von DTV: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen.
HOFee
Zunächst einmal: „etymologisch“ wird ohne „h“ geschrieben,
u.a. weil in der Etymologie des Wortes kein „h“ auftaucht.
Ok ok
Wieviel willst Du denn investieren? Der „Kluge“ ist ja recht
teuer. Es gibt ein ganz ordentliches und mit 39.-DM auch
erschwingliches von DTV: Etymologisches Wörterbuch des
Deutschen.
Na ja, am Geld soll’s nicht scheitern, ich meine, sowas hat man dann ja eine ganze Weile, dann kaufe ich mir doch lieber gleich was Gescheites, oder? Aber wenn das Buch f"ur 39,- auch gut ist, dann brauch ich ja nicht das f"ur 79,- (hab’ n"amlich schon mal geguckt). Also - isses nur billiger, oder isses auch nicht so umfangreich, "ubersichtlich, was weiss ich?
HOFee
Kluge vs. DTV
Na ja, am Geld soll’s nicht scheitern, ich meine, sowas hat
man dann ja eine ganze Weile, dann kaufe ich mir doch lieber
gleich was Gescheites, oder? Aber wenn das Buch f"ur 39,- auch
gut ist, dann brauch ich ja nicht das f"ur 79,- (hab’ n"amlich
schon mal geguckt). Also - isses nur billiger, oder isses auch
nicht so umfangreich, "ubersichtlich, was weiss ich?
Das DTV ist umfangreicher (8000 Einträge, 22000 Wörter gegenüber 13000 im Kluge). Es ist m.E. auch besser.
Kostet mittlerweile allerdings 42.-DM (Kluge gibt’s auch als Taschenbuch: 39,80.-DM).
Guck mal bei Amazon:
DTV bzw. Pfeifer
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3423325119/qid…
Kluge
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3110163926/qid…
Viel Spass damit - ist immer wieder spannend!
HOFee
Vielen Dank!
pfeifer ist ein gutes ostprodukt / beispiel
hi alle
ich benutze alle drei wichtigen etymologischen wörterbüche und finde, dass der dtv-pfeifer der beste ist. er bietet mehr ableitungen und sprachgeschichtliche hinweise, vor allem aber kommentiert er die kluge-behauptungen (wie umgekehrt kluge in der jüngsten auflage endlich auch den pfeifer.
darf ich hier als beispiel ein kleines textlein wiedergeben, das ich kürzlich in der zeitschrift „mare“ veröffentlicht habe? Es geht um das wort „segel“.
Dietmar
Um die geschichte des wortes „Segel“ streiten sich die Germanisten. „Gehört wahrscheinlich im Sinne von ,abgeschnittenes Tuchstück’ zu der unter Säge behandelten Wortgruppe“, heißt es im Herkunftswörterbuch des Duden-Verlages, dem „Etymologie-Duden“. Er verweist auf die verwandten altisländischen Wörter segi „Fleischstreifen“ und sœgr „losgerissenes Stück“. „Wenig befriedigend“ findet dies der Berliner Sprachwissenschaftler Wolfgang Pfeifer in seinem „Etymologischen Wörterbuch des Deutschen“. Ein Segel sei kein abgerissener Fetzen, sondern ein sorgfältig zusammengenähtes Stück Stoff.
Tatsächlich machen die „abgeschnittenen Tücher“ wenig Sinn. Die ersten germanischen Segel, die dann auch ein eigenes Wort benötigten, waren sicher nicht so klein, dass dafür Stoff etwa aus großen Tüchern herausgeschnitten werden musste. Selbst wenn das Segelzeug von Stoffbahnen abgetrennt wurde – das war auch für Kleidung der Fall, ohne dass sie deswegen einen ähnlichen Namen bekommen hätte. Die Eigenschaft des Segelstoffes, abgeschnitten zu sein, war wohl kaum bedeutungs- und wortstiftend.
Nachweisbar ist Segel als segal im Althochdeutschen seit dem 8. Jahrhundert; segl ist kurze Zeit später im Altisländischen belegt. Das Wort könnte kurz nach der Zeitwende entstanden sein, denn der römische Geschichtsschreiber Tacitus erwähnt im Jahr 98, dass bei den Suionen in Schweden das Segel unbekannt sei. Plinius der Ältere, der seine Militärzeit um das Jahr 50 herum in Germanien abgeleistet hat, berichtet, dass Segel dort erst seit kurzem verfertigt würden.
Beim römischen Einfluss setzt Sprachwissenschaftler Pfeifer für seine Alternative an: Vom lateinischen Wort sagum, „Mantel“, existiere die Verkleinerungsform sagulum, die wiederum ein umgangssprachliches segellum zulasse. Daraus wiederum könne „Segel“ entstanden sein. Vielleicht haben germanische Handwerker das Wort bei römischen Seefahrern aufgeschnappt. Zudem ist sagum, eigentlich die Bezeichnung für den Mantel der römischen Soldaten, selbst wiederum aus dem Germanischen übernommen. Im „Kleinen Pauly“, dem Lexikon der Antike, heißt es über sagum: „Das keltische Lehnwort bezeichnet ein Männergewand in Pelerinenform“, also rechteckig geschnitten, über den Kopf geworfen oder als Umhang getragen.
Aber warum nennt der Duden den Pfeiferschen „Mantel“ nicht wenigstens als Alternative zum eigenen „abgeschnittenen Stoff“? Aus der Duden-Sprachberatung ist die knappe Antwort zu hören, Pfeifers Wörterbuch sei kein Referenzwerk; so sehe man das in Germanistenkreisen. Nein, das habe nichts damit zu tun, dass „der Pfeifer“ ein Ostprodukt ist, erstmals 1989 in der DDR erschienen, doppelt so ausführlich wie der Duden und mit mehr Nachweisen aus den slawischen Sprachen. Aber für Wortgeschichte gelten im Duden-Verlag nur zwei Werke: der eigene Band und Friedrich Kluges „Etymologisches Wörterbuch“.
Annett Auberle von der Duden-Redaktion – nicht von der Sprachberatung – erhebt hingegen sachliche Einwände. Gegen sagum spreche, dass sich eine Wortbedeutung „Segel“ im heimischen romanischen Sprachraum nicht fortentwickelt habe. Zudem sei der Übergang von der Betonung der ersten Silbe in sagum zur zweiten in segellum „etwas ungewöhnlich“. Außerdem werde ein Segel immer als ein Stück Stoff betrachtet; so bedeute das lateinische velum neben Segel auch Hülle oder Vorhang. Warum sollte plötzlich ein Kleidungsstück dem Segel den Namen geben?
Diese Frage findet Pfeifer berechtigt, sieht aber keine bessere Erklärung als seine. Das lateinische segellum in germanischem Munde, vor allem von den seeanwohnenden nördlichen Germanen ausgesprochen, könne durchaus auf der ersten Silbe gedehnt werden. Konziliant beteuern aber beide Seiten den Forschungsbedarf. Derweil hat der Duden einen Verbündeten verloren. Die jüngste Auflage des „Kluge“ nennt das „abgeschnittene Tuch“ des Duden „denkbar“, doch „kaum mehr als eine Vermutung“. Pfeifers „Mantel“, immerhin, sei „ebenfalls gut zu begründen“.