Kürzlich habe ich vernommen, daß beim Rohöl der tägliche Börsenumsatz das 15-fache des täglichen Rohölverbrauches beträgt. Die Preisbildung erfolgt also demnach auf Grund einer 15-fach höheren Nachfrage als die tatsächliche! Nun kann man das ja in etwa für alle Rohstoffe verallgemeinern, wenn vielleicht auch nicht ganz so extrem.
Ist dann die Finanzindustrie mit ihrem modernen Instrumenten drauf und dran die Grundlagen der Marktwirtschaft zu zerstören?
Marktwirtschaft bedeutet doch auch eine Preisbildung nach Angebot und Nachfrage. Die Vielzahl der Finanzinstrumente/Derivate führt doch aber mittlerweile zu einer totalen Abkopplung der preisbeeinflussenden Nachfrage / des Angebotes von der tatsächlichen?
Sehe ich hier was falsch?
Gruß
Boris
Hallo Boris,
gerade das Öl ist ein schlechtes Beispiel für eine Marktpreisbildung im herkömmlichen Sinne. Du hast aber schon recht. Es ist ganz einfach so, dass gerade beim Öl, ob seiner Knappheit und v.a. der sehr sensiblen Verhaltensweise auf Fördermengenänderungen jetzt verstärkt auch Spekulanten dabei sind.
Der Preis wird schon seit geraumer Zeit zu einem wesentlichen Teil durch Spekulanten beeinflusst. Zwar wird China immer wieder als Argument angeführt. Tatsächlich nutzen aber dies gerade Spekulanten aus, um den Preis „unter dem Mantel der angeblichen Mega-Nachfrage“ aus China gezielt zu beeinflussen. Hier denkt jeder nur an sich.
Derivate sind dabei die Paradewerkezuge dieser Zocker. So gesehen hat es in der Tat nicht mehr viel mit der Marktpreisbildung im eigentlichen Sinne der VWL zutun.
VG
Sebastian
Hi,
Marktwirtschaft bedeutet doch auch eine Preisbildung nach
Angebot und Nachfrage. Die Vielzahl der
Finanzinstrumente/Derivate führt doch aber mittlerweile zu
einer totalen Abkopplung der preisbeeinflussenden Nachfrage /
des Angebotes von der tatsächlichen?
Sehe ich hier was falsch?
nein, grundsätzlich nicht. Aber solange Derivate, zumal in diesem Umfang, emittiert werden (dürfen) sind sie Teil des Marktes und damit der Preisbestimmung.
Ist doch bei Gold nicht anders: Die Nachfrage nach dem tatsächlichen Bedarf (Schmuck, Industrie) dürfte ein Bruchteil dessen sein, was „der Markt“ als (vermeintliche) Sicherheit oder alternative Anlage derzeit bunkert.
Derivate bzw. der allgemeine Hype sind eben auch nur Teil des Systems aus Angebot und Nachfrage. Und so kommen Preise zustande, die für denjenigen, der nicht auf dieser Welle mitschwimmt, scheinbar jenseits von Gut und Böse liegen. Gestern Gold, heute Öl, morgen Weizen, Soja, CO2-Zertifikate. That’s life.
Gruß
Nils
Kürzlich habe ich vernommen, daß beim Rohöl der tägliche
Börsenumsatz das 15-fache des täglichen Rohölverbrauches
beträgt. Die Preisbildung erfolgt also demnach auf Grund einer
15-fach höheren Nachfrage als die tatsächliche!
Hallo Boris,
bei dieser Betrachtung sollte man nicht vernachlässigen, dass der Handel nicht wirklich den Bedarf darstellt.
Bsp:
Wenn ich einen Liter Heizöl in meinem Keller verbrenne, dann wurde dieser Liter zwischen Mir-dem Händler-wahrscheinlich mindestens einem Großhändler-der Raffinerie-dem Förderunternehmen bereits mehrfach gehandelt. Der Bedarf ist aber dennoch gleich.
Wenn nun also an den Märtken Öl gehandelt wird, sagt das nicht wirklich etwas über die wirkliche Nachfrage aus.
Gruß vom Money-Schorsch