Hallo Forum,
ich habe mir vor einiger Zeit gemeinsam mit einigen Freunden überlegt, dass man, will man die Sprache wirklich geschlechtsneutral gestalten, eine explizit männliche Endung in Analogie zu „-in“ benötigt (weil man Wörter mit großem Binnen-I nicht wirklich aussprechen kann). Aus ästhetischen Gründen sind wir auf die Endung -at verfallen (männlicher Schüler = Schülerat, weiblicher Schüler = Schülerin, Schüler = irgendeine lernende Person).
Nun entbehrt unser ad-hoc-„at“ leider jeglicher etymologischer Grundlage. Diese könnte man eventuell schaffen, wenn man wüsste, woraus sich das Suffix „-in“ entwickelt hat.
Und leider weiß ich nicht, wie ich danach suchen soll (Google Etymologie + in bringt’s ja nicht), außer dass ich die Wissenden in diesem Forum fragen kann.
Dies tue ich hiermit.
Liebe Grüße
Immo
Saluton Immo,
Ich find’s selbst immer schade, dass in etymologischen Wörterbüchern nur höchst selten Prä- und Suffixe aufgelistet sind, die interessieren mich teilweise auch. Also im Pfeifer steht dazu nichts.
Ich habe aber lustigerweise ein etymologisches Esperanto-Wörterbuch. Dort steht drin, woher die Wörter und Morpheme entnommen sind und was sie in den anderen Sprachen bedeuten und ähnliches. Dort stehen ebenfalls Affixe drin und „zufällig“ ist das weibliche Suffix im Esperanto auch -in- (student_in_o, hund_in_o, vendist_in_o etc.), dort steht leider auch nur, dass es ursprünglich aus dem Lateinischen bzw. Griechischen kommt. Dort steht explizit:
-ino F(femala sufikso) . G Nd -in , F -ine , I H -ina , Rm -ină , R -и́ня ← L -īna , Gr -ίνη (ekz.: G Löwin, Nd leeuwin «leonino», F héorïne «heorino», I regina, H reina, Rm regină, L rēgīna «reĝino», Gr ἡρωΐνη «heroino», R графи́ня «grafino»).
Keine wirkliche Erklärung hier, leider, aber zumindest sieht man, wo es das Suffix in der Form noch so gibt. Das hochgestellte F steht für das „Fundamento“ als Quelle für das Suffix (also ein Buch, worin es zum ersten Mal auftauchte, hier die erste Grundgrammatik), die Abkürzungen für die Sprachennamen sind selbsterklärend, außer vllt. H, was für „hispana“ (Spanisch) steht.
Amike,
Hallo André,
nach dem Hinweis aufs Griechische habe ich einmal nach ινη +Etymologie gegoogelt und fand diese Seite: https://webspace.yale.edu/chem125/125/history99/5Val…. Dort steht geschrieben:
_Greek Feminine Patronymic Suffix
Many feminine names in Greek end in -ene (ηνη, -ine (ινη), or -one (ονη) meaning „daughter of“. Here are some examples:
-ene Esmene (Ισμηνη) : daughter of wisdom (ισμη = wisdom)
-ine Mersine (Μυρσινη) : daugher of myrtle (μυρτια = myrtle)
-one Hermione (Ερμιονη) : daughter of Hermes (Ερμησ) ; Antigone (Αντιγονη): daughter that goes against her parentage (αντι, anti = against ; γενια, genia = generation) ; Persephone (Περσεφονη) : daughter of Perseus (Περσεασ) ; Dione (Διονη) : daughter of Zeus (Διασ, Dias = Zeus)_
Obgleich mir die Bedeutung „Tochter von“ leicht fragwürdig erscheint (schließlich ist eine Heroine ja nicht die Tochter eines Helden, und die Frau Doktorin war früher auch die Gattin, nicht die Tochter des Herrn Dokor), legt diese Quelle nahe, für Männer dann auch ein Patronym zu benutzen. http://de.wikipedia.org/wiki/Patronym nennt -πουλοσ, -ιδης und -ιαδης (welch letztere beiden ich auch in http://books.google.de/books?id=FrFR6CloHvIC&pg=PA15… bestätigt finde).
Wenn man nun eines dieser Suffixe ins deutsche entlehnen wollte, so wäre meine Wahl „id(e)“. Im Vergleich: der Schülerid(e) / die Schüleriden – das geht schon als Wort durch, weckt auch keine irreführenden Assoziationen. Der Schüleriade (klingt irgendwie weiblich) / die Schüleriaden (klingt nach einem Versepos) bzw. der Schüleropel (was bitte?!) sind mir dann doch zu abwegig.
Liebe Grüße
Immo
P.S. Mitunter finde ich Esperanto richtig lustig:
«leonino»
Da denke ich eher an ein kleines Löwchen als an eine raubgierige Löwin.
P.P.S.
außer vllt. H, was für „hispana“ (Spanisch) steht
Ich hab wirklich erst überlegt, wofür das H steht (Ungarisch konnt’s nicht sein), aber beim Beispiel reina war’s mir dann klar.