letz, letzen
Hallo, Thomas und Kreszenz,
im Schwäbischen gibt es noch das Adjektiv „letz“.
Dazu ein kleiner Text:
letz
Dieses in der Schriftsprache abgegangene, im Schwäbischen zumeist lätz ausgesprochene Wort geht auf mittelhochdeutsch letze zurück, das je nach Zusammenhang verkehrt, links, ungünstig oder auch falsch bedeuten kann.
Um einige Ecken herum ist es letztlich auch mit unserem schriftsprachlichen verletzen verwandt.
So kann man zum Beispiel
- morgens mit dem letzen ( = linken) Fuß aufstehen,
- den letzen (= falschen) Weg gehen,
- den Kittel letz ( = verkehrt herum) anziehen,
- gesundheitlich letz ( = schlecht) dran sein,
- bei Auseinandersetzungen an den Letzen ( = Falschen) kommen,
- als Vorgesetzter ein ganz Letzer ( = Unangenehmer) sein,
- bei unerfreulicher Nachricht »0 letz, 0 letz!« ausrufen.
Hierzu eine Anekdote:
Bis zum Bombenangriff auf Heilbronn im Dezember 1944 war der Ausdruck „letz“ auch auf einer Gedenktafel zu lesen, die an jenem Bürgerhaus angebracht war, in dem Götz von Berlichingen während seiner Gefangenschaft von 1519 bis 1522 gewohnt hatte:
Unser großer Landsmann Götz
sprach, jetzt geht die Sache letz,
aber – eh ich soll verrecken,
könnt ihr mich am Arsche lecken.
Goethe hört dies große Wort,
gibt ihm einen Dichterhort,
und er schafft mit dieser Tat
Deutschlands häufigstes Zitat.
Der Verfasser dieses Poems war kein geringerer als der Pennäler Theodor Heuss. Und ich bin noch heute saumäßig stolz darauf, daß mir der Altbundespräsident dem Protokoll zum Trotz während eines Empfangs der Landesregierung anlässlich des 61, Deutschen Wandertags im August 1960 in Göppingen eben diese Verse aus dem Stegreif buchstäblich ins Ohr geflüstert hat,
Klarheit schafft in Wort und Tat
Letztlich nur das Götz-Zitat!
Aus: Heinz-Eugen Schramm, LmaA.
An dem albernen Gelalle am Ende hört man einmal mehr, dass einer nur auf seinen Dialekt – für den er ja nun gar nichts kann – ein bisschen stolz sein muss und schon verliert er Sinn und Verstand, sieht alles durch einer verschmierte Brille und hält das Schillern der Fettflecken für strahlendes Funkeln an Diamanten, was doch nur Kieselsteine sind.
Götz von Berlichingen war ein fränkischer Ritter, Goethe ein Hessenbembel und doch will Schramm, dass das Götz-Zitat der „Schwäbische Gruß“ sei.
Gruß Fritz