Etymologie des Wortes 'Verletzung'

Hallo liebe Experten,

beim Anschauen einer TV-Arztserie ist mir die Frage gekommen, woher das Wort „Verletzung“ stammt.
Es gibt beispielsweise:
„Vergiftung“ - kommt von Gift
„Verwundung“ - Wunde
„Verfehlung“ - Fehler

Gibt oder gab es (vielleicht im Althochdeutschen) ein Wort „Letz“, „Letze“ oder so ähnlich, aus dem sich „Verletzung“ gebildet haben könnte?

Für Antworten vielen Dank!

Thomas

Hallo, Thomas,

Gibt oder gab es (vielleicht im Althochdeutschen) ein Wort
„Letz“, „Letze“ oder so ähnlich, aus dem sich „Verletzung“
gebildet haben könnte?

es gab die „Letzung“, abgeleitet vom Verb „letzen“, siehe Grimm:

"LETZEN, _verb. impedire; laedere; oblectari.

Die denominativbildung zu_
lasz … ist allen deutschen sprachen eigen, doch nur in der nächsten bedeutung lasz, d. i. zurückstehend machen, hinter bringen, hindern, abhalten…
erst das mhd. gewährt die zeugnisse dafür, dasz sich das verbum zu seiner so mannigfachen bedeutung auszubilden beginnt.

I. …
3) namentlich vom zufügen eines körperlichen schadens, einer wunde, einen letzen, heute verletzen

5) letzen, von der verletzung des gemütes, der empfindung"

http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbu…

Vgl. auch http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbu…

Gruß
Kreszenz

letz, letzen
Hallo, Thomas und Kreszenz,

im Schwäbischen gibt es noch das Adjektiv „letz“.

Dazu ein kleiner Text:

letz
Dieses in der Schriftsprache abgegangene, im Schwäbischen zumeist lätz ausgesprochene Wort geht auf mittelhochdeutsch letze zurück, das je nach Zusammenhang verkehrt, links, ungünstig oder auch falsch bedeuten kann.
Um einige Ecken herum ist es letztlich auch mit unserem schriftsprachlichen verletzen verwandt.

So kann man zum Beispiel

  • morgens mit dem letzen ( = linken) Fuß aufstehen,
  • den letzen (= falschen) Weg gehen,
  • den Kittel letz ( = verkehrt herum) anziehen,
  • gesundheitlich letz ( = schlecht) dran sein,
  • bei Auseinandersetzungen an den Letzen ( = Falschen) kommen,
  • als Vorgesetzter ein ganz Letzer ( = Unangenehmer) sein,
  • bei unerfreulicher Nachricht »0 letz, 0 letz!« ausrufen.

Hierzu eine Anekdote:
Bis zum Bombenangriff auf Heilbronn im Dezember 1944 war der Ausdruck „letz“ auch auf einer Gedenktafel zu lesen, die an jenem Bürgerhaus angebracht war, in dem Götz von Berlichingen während seiner Gefangenschaft von 1519 bis 1522 gewohnt hatte:

Unser großer Landsmann Götz
sprach, jetzt geht die Sache letz,
aber – eh ich soll verrecken,
könnt ihr mich am Arsche lecken.
Goethe hört dies große Wort,
gibt ihm einen Dichterhort,
und er schafft mit dieser Tat
Deutschlands häufigstes Zitat.

Der Verfasser dieses Poems war kein geringerer als der Pennäler Theodor Heuss. Und ich bin noch heute saumäßig stolz darauf, daß mir der Altbundespräsident dem Protokoll zum Trotz während eines Empfangs der Landesregierung anlässlich des 61, Deutschen Wandertags im August 1960 in Göppingen eben diese Verse aus dem Stegreif buchstäblich ins Ohr geflüstert hat,

Klarheit schafft in Wort und Tat
Letztlich nur das Götz-Zitat!

Aus: Heinz-Eugen Schramm, LmaA.

An dem albernen Gelalle am Ende hört man einmal mehr, dass einer nur auf seinen Dialekt – für den er ja nun gar nichts kann – ein bisschen stolz sein muss und schon verliert er Sinn und Verstand, sieht alles durch einer verschmierte Brille und hält das Schillern der Fettflecken für strahlendes Funkeln an Diamanten, was doch nur Kieselsteine sind.
Götz von Berlichingen war ein fränkischer Ritter, Goethe ein Hessenbembel und doch will Schramm, dass das Götz-Zitat der „Schwäbische Gruß“ sei.

Gruß Fritz

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Danke, Kreszenz und Fritz!
Bin nun wieder etwas schlauer.

Schöne Grüße
Thomas