Hallo Helena und alle,
es ist extrem selten, dass NACHWEISBAR eine Person die Ursache
für eine geografischen Ort ist (Ausnahmen: Fahrtrouten im
Meer, z.B. Bering-Straße).
hier war ich zu ungenau und hätte zwingend dazu schreiben müssen, dass ich ALTE Ortsnamen bzw. geographische Namen meine.
Wie du siehst, ab 1492 hat sich die Lage aber etwas geändert.
Alte Ortsnamen sind solche, welche schon im Mittelalter oder noch früher existiert haben. Mit der „Entdeckung Amerikas“ fängt ja nach landläufiger Vorstellung die Neuzeit an.
Natürlich hat es auch danach noch Ortsgründungen gegeben. Aber da diese dann schon in einer schriftlichen Zeit passiert sind, ist für diese Orte (z.B. Karlsfeld bei München) die Quellenlage so gut, dass das sich auch einwandfrei mit Urkunden belegen lässt.
Bezüglich der alten Ortsbezeichnungen:
Aber das ist der alte
Widerstreit innerhalb der Onomasten „Ortsnamen aus
Personennamen“ vs. „Ortsnamen aus Geländeformationen“.
Und für diese alten Ortsbezeichnungen bleibt halt Herr von Reitzenstein für 98% seiner Herleitungen einen Beweis schuldig. für mich sind seine Herleitungen und seine gesamte Theorie der „Ortsnamen aus Personennamen“ (auch „lokalistischer Ansatz“ genannt) reine Volksetymologie und nicht haltbar. Der Ansatz Ortsnamen-aus-Geländeformationen unterzieht die geographischen Namen einer vergleichenden Analyse und kommt zu deutlich nachvollziehbareren Ergebnissen.
Kein Mensch kann sich mit allen Ortsnamen beschäftigt haben, daher ist es müßig, mich nach diesem oder jenem Ortsnamen im Detail zu fragen. Ein paar mir geläufige Beispiele: Tutzing bei München: angebliche Gründung eines Tutto (der aber nirgends belegt ist, geschweige denn als Gründer für Tutzing). Pasing (Stadtteil von München): Gründung eines Paso (genau so unbekannt wie der Tutto), Aubing (Stadtteil von München): Gründung eines Ubo (genau so unbekannt wie der Tutto oder der Paso) etc. etc. etc.
Fazit: nur weil es scheinbar offensichtlich ist, ist es noch lange nicht richtig. Die Sprachentwicklung hat viel zu viele Veränderungen bewirkt, als dass man so simple Ableitungen wie „Sigmaringen - die Gründung eines Sigmar“ oder „Mannheim - die Gründung eines Manno“ oder „München - die Gründung von Mönchen“ ohne Beweise akzeptieren sollte.
Ob jetzt die -inghausen-Orte, die angesprochen wurden tatsächlich so zu zerlegen sind, wie es hier getan wurde, denke ich, sollte hinterfragt werden. Prinzipiell stehen Zusammensetzungen immer im Verdacht, recht jungen Datums zu sein. Also hier, dass der Kopf „-hausen“ erst in jüngerer Zeit angefügt wurde, der alte Kopf aber das „-ing“ war. Dass das vor dem -ing stehende der Spezifikator ist, dürfte unstrittig sein. ob der Spezifikator wirklich aber aus einem Rufnamen besteht, müsste erst noch bewiesen werden. Ich behaupte: In aller Regel steht KEIN Personenname als Spezifikator, auch wenn es zig Heimatbücher so darstellen und behaupten. Ich denke, das „-ing(en)“ kann man mit „Zone, die … ist“ übersetzen. Diese „-ing(en)“-Orte treten europaweit auf und sind weder eine Spezialität der Region Soest noch des bayerischen Südens oder von Baden-Württemberg mit den tausenden „-ingen“-Orten. Sie erscheinen in Frankreich genau so gut wie in Großbritannien und wie ich neulich hier in der Liste lernen durfte als „-inka“ auch in Litauen. Auch Spanien und Italien dürfte welche haben, wenngleich ich jetzt auswendig keine weiß. Würde man in weiteren Ländern suchen, würde man bestimmt ebenfalls fündig. Dass dabei die Endungen sprachspezifisch angepasst worden sind, dürfte klar sein (in Frankreich statt „-ingen“ oft „-ange“ etc.)
Leider habe ich derzeit nicht die Zeit, ausführlicher darauf zu antworten, daher nur ein kleiner Link für weiterführende Informationen:
http://www.theo-vennemann.com/
Einen schönen Abend wünscht
Alexander