EU-Vermittlerrichtlinie?

Hallo Experten,

habe gerade woanders im www etwas über neue Vermittlerrichtlinien gelesen, die wohl ab Juni dieses Jahres kommen und damit viele schwarze Schafe hochgehen lassen werden???

Das wirft bei mir die Fragen auf, was für Richtlinien sind das, wo kann ich diese finden und nachlesen und was halten die Experten hier davon?

Vielen Dank im Voraus und beste Grüsse

Icequeen

Hallo Experten,

habe gerade woanders im www etwas über neue
Vermittlerrichtlinien gelesen, die wohl ab Juni dieses Jahres
kommen und damit viele schwarze Schafe hochgehen lassen
werden???

Den Wunsch hatte ich auch, den Effekt wird es leider nur bedingt haben.

Das wirft bei mir die Fragen auf, was für Richtlinien sind
das, wo kann ich diese finden und nachlesen und was halten die
Experten hier davon?

Ich versuch’s mal - hab mich nur kurz damit beschäftigt, meine Anforderungen und die fehlenden Punkte idenfitiziert und die Hälfte wieder vergessen. Also ein Versuch:
Jeder ungebundene Vermittler (der also nicht abhängig bei einem Versicherer beschäfigt ist) muss einen Sachkundenachweis erbringen, außerdem muss er eine Vermögensschadenhaftpflicht nachweisen. Darüberhinaus muss er bei der IHK die Erlaubnis nach §34d GewO beantragen - fehlt eine der o.g. Voraussetzungen, kann ihm Berufsverbot erteilt werden.

Der Hintergedanke: Die Pseudo-Vermittler, die tagsüber einem erlernten Beruf nachgehen um abends und nach Feierabend die Welt mit nichtverstandenen Produkte der Versicherungs- und Finanzbranche zu beglücken, sollte endlich vorbei sein. Immerhin muss man jetzt irgendwann mal gewusst haben, wovon man redet. Schreckt hoffentlich viele ab, die mal eben gucken wollen, wie man da an Geld kommt in der Branche.
Leider gibt es wieder ein Schlupfloch, wie man sich 12 Monate darum drücken kann - nunja, nicht näher drauf eingehen, sonst spricht es sich rum.

So, und nun die Experten, die das Ding verstanden und auswendig gelernt haben (oder heiißt es nach der neuen Rechts.ref. „aufwändig“?)

Frank Wilke

Guten Tag icequeen,
gibt man in die meistverbreitete Suchmaschine den Begriff Vermittlerrichtlinie ein, so lauern rund achtzigtausend
Artikel darauf, gelesen zu werden.
Der Stichtag für die Umsetzung der Richtlinien ist der 22. Mai 2007.
Ergänzend zu den bereits genannten Punkten der Richtlinie füge ich noch die Pflicht an, ein Beratungsprotokoll zu führen.

Wie so oft im Leben wird auch hier die Zukunft zeigen, ob die derzeitigen Verhältnisse auf dem Vermittlermarkt - deren Beurteilung je nach Interessenlage von „wo ist das Problem ?“ über „verbesserungsfähig“ bis hin zu „abgründig“ reicht - sich verändern.
Meine persönliche Prognose lautet: Kurzfristig: kaum spürbar, mittelfristig: bleibt abzuwarten.
Das Problem im Vermittlermarkt besteht aus meiner Sicht weniger in der Tätigkeit der Nebenberufler als vielmehr in dem Umstand, dass insgesamt viel zu viele Vermittler unterwegs sind, die sich - scheinselbständig, angestellt oder als Makler tätig - um die Kunden balgen.
Dass es bei riesigem Verkaufsdruck dann zu Auswüchsen bei den Vermittlern kommen muss, um das eigene Überleben zu sichern, ist eine seit vielen Jahren in der Branche stillschweigend hingenommene Tatsache mit entsprechenden Folgen für den Personalverschleiss und das Ansehen der Branche in der Öffentlichkeit.
Allein, die Versicherungsgesellschaften kümmert dieser Missstand kaum bis nicht.
Auszubaden haben das die Interessenten, die Kunden und die Vermittler selbst. Die Richtlinie ist untauglich, um diese Grundmisere in der
Vermittlerbranche aufzulösen. Dazu brauchte es ein Übereinkommen
in der Versicherungsbranche weg vom Provisionssystem und hin zu einem
Vergütungssystem, das die Kundenzufriedenheit und die Beratungsqualität über lange Stornofristen konsequent honoriert. Mit auskömmlichen Margen für den Vermittler, so dass dieser keinen Anreiz hat, falsche Erwartungen zu wecken und aus dem Ruder zu laufen, nur um
seinen Mindestumsatz zu erreichen.

Gruß
Günther

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Meine persönliche Prognose lautet: Kurzfristig: kaum spürbar,
mittelfristig: bleibt abzuwarten.

Ich bin da eher pessimistisch. Am Problem wird sich nicht viel ändern.

Das Problem im Vermittlermarkt besteht aus meiner Sicht
weniger in der Tätigkeit der Nebenberufler als vielmehr in dem
Umstand, dass insgesamt viel zu viele Vermittler unterwegs
sind, die sich - scheinselbständig, angestellt oder als Makler
tätig - um die Kunden balgen.

Es sind eher die Angebote, die einen Provisionsdruck ausüben. Das Beispiel mit der DWS-Riesterrente zeigt es doch ganz deutlich. Vorher ein Schattendasein, manche Deutsch-Banker haben stur auf Abschluss der Herold-Versicherung gedrängt. Obwohl Kunden eindeutig auf dem Sparplan bestanden haben. Und jetzt ist die vorverprovisonierte Lösung da und schwups, sind Fondssparpläne bei der DWS gut.
Es ist nicht die Anzahl an sich, sondern eher die Anzahl der schlecht ausgebildeten.

Dass es bei riesigem Verkaufsdruck dann zu Auswüchsen bei den
Vermittlern kommen muss, um das eigene Überleben zu sichern,
ist eine seit vielen Jahren in der Branche stillschweigend
hingenommene Tatsache mit entsprechenden Folgen für den
Personalverschleiss und das Ansehen der Branche in der
Öffentlichkeit.

Die treibenden Kräfte sind die, welche an der Spitze der Nahrungskette stehen. Die kämpfen ganz sicher nicht um’s Überleben. Brauchen aber immer wieder Vertreternachwuchs, um mit deren Vertrauensvorteil in neue Kundenkreise vorzustoßen.

Allein, die Versicherungsgesellschaften kümmert dieser
Missstand kaum bis nicht.

Warum auch? Warum sollten die auf Umsätze verzichten?

Auszubaden haben das die Interessenten, die Kunden und die
Vermittler selbst.

Die Vermittler? Das glaub ich nicht wirklich. Vorher informieren, bevor man seine Kreuze unter den Vermittlervertrag setzt. Und wer durchkommt, verdient wahrlich nicht schlecht

Die Richtlinie ist untauglich, um diese Grundmisere in der
Vermittlerbranche aufzulösen. Dazu brauchte es ein
Übereinkommen
in der Versicherungsbranche weg vom Provisionssystem und hin
zu einem
Vergütungssystem, das die Kundenzufriedenheit und die
Beratungsqualität über lange Stornofristen konsequent
honoriert. Mit auskömmlichen Margen für den Vermittler, so
dass dieser keinen Anreiz hat, falsche Erwartungen zu wecken
und aus dem Ruder zu laufen, nur um
seinen Mindestumsatz zu erreichen.

Gruß
Günther

Das ist das Grundproblem! Provisionsdruck wird immer zu solchen Auswüchsen führen. Man braucht bloß diese Regelung zu unterbinden, schon hat man Tür und Tor für eine gute Beratungsqualität geöffnet.
Schwarze Schafe haben auf diese Art keine Chance mehr, Kunden, die eine Beratung wünschen, bekommen günstigere Tarife und sollten bereit sein, dafür zu bezahlen. Und wer nicht bezahlen will, bekommt auch keine Beratung. Der Irrglaube, dass eine heutige „Beratung“ kostenlos wäre, ist der Hauptgrund, warum eine Honorarberatung heute fast keine Chance hat.

Hallo,

Vermittlerrichtlinien gelesen, die wohl ab Juni dieses Jahres
kommen und damit viele schwarze Schafe hochgehen lassen
werden???

Sie ist ab 22.5. in Kraft. Die schwarzen Schafem, die bereits tätig sind, werden nicht komplett verschwinden, aber neue haben es deutlich schwerer diesen Beruf zu ergreifen. Wer sich seit dem 1. Januar als Versicherungsvermittler niederlassen will, muß einen Sachkundenachweis erbringen, muß finanziell in geordneten Verhältnissen leben und eine ziemlich teure Vermögensschadenhaftpflichtversicherung nachweisen.

Auf mein Stelleninserat habe ich zahlreiche Bewerbungen bekommen. Keiner der Bewerber hätte diesen Kriterien genügt. Im vergangenen Jahr hätten sich alle diese Personen selbstständig machen können, jetzt nicht mehr.

Da siehst Du schon die Auswirkungen dieser Richtlinie.

Gruß

Nordlicht

Hallo,

ich danke Euch für Eure Antworten und wollte noch sagen, dass ich mit Günther und Herrn Bräutigam übereinstimme.

Beste Grüsse

Icequeen

Nach verschiedenen Zuschriften möchte ich meinen Beitrag vom 23. d.M.
ergänzen: Zunächst sehe ich keine Veranlassung, den Inhalt zu ändern.
Da die Anfrage sich dezidiert nur auf die Vermittlerrichtlinie bezog,
habe ich sie - bezogen auf die Vermittlerseite - auch entsprechend
beantwortet.
Ich verkenne dabei nicht - und damit bestätige ich die Kritiker gerne - dass die Vermittlung von Finanz- und insbesondere Versicherungsprodukten immer zwei Seiten hat. Auf der einen Seite
die Vermittler. Mitunter unter Aufbietung aller (un)möglichen Mittel
die Lücken beim Kunden ausspähend und auf den Abschluss ausgerichtet,
so dass zumindest die Fahrtkosten wieder hereinkommen.

Auf der anderen Seite sitzt der Kunde oder Interessent.
Und da gibt es mindestens genau so viel Trübes festzustellen.
In der Regel sind die Kunden oder Noch-Nicht-Kunden desinteressiert bis unkundig, wenn es um Versicherungsprodukte geht.
Wenn dann noch eine beschränkte geistige
Aufnahme- und Verarbeitungskapazität hinzukommen und das Ganze mit
einem gewissen Grad von tumber Geldgier einhergeht, so haben es die
entsprechend orientierten Vermittler leichter, an ihre Provision zu kommen. Denn allzu oft, erfolgt der Abschluss dort, wo die Dinge
schlicht erklärt und gleichzeitig die Hoffnungen besonders stark geschürt werden.

An dieser Stelle - und hier schließt sich wieder der Kreis zur Vermittlerrichtlinie - will ich gerne zugeben, dass eine noch so ausgefeilte Richtlinie über die Tätigkeit von Versicherungsvermittlern
an der Grundeinstellung der Deutschen und deren Verhaltensweisen im
Umgang mit Versicherungsvertretern ebenso kaum etwas ändern wird.

Gruß
Günther

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