Eure Meinung zum Thema Julia B. in Singapur

du zitierst ‚Freedom House‘, ein amerikanisches Institut zur
Überwachung der Menschenrechte!

Und siehe da (wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing)
werden die Staaten der Welt aus US Brille und mit deren
Kriterien beurteilt.

Hallo Karl-Heinz,

die Fragwürdigkeit sehe ich ebenso. Das Ergebnis ist stets eine Frage des Maßstabs und des Blickwinkels. Hier aber ging es um Rechtsstaatlichkeit in Singapur, um persönliche Rechte, die jemand braucht, um sich seiner Haut zu wehren. Und es ging darum, wieviel Vertrauen die Staatsmacht verdient.

Ein sauberes Straßenbild assoziert einen sauberen Staat. Mit Härte durchgesetzte unsinnige Vorschriften werden mit Rechtsstaatlichkeit verwechselt. Wahlmanipulation wird ganz unverhohlen betrieben, wobei die dortige Verfassung praktischerweise keine Opposition zuläßt. Wer dem Irrtum aufsitzt und irgendwann nicht still kuschen mag, vielleicht sogar Kritik wagt, wird Bekanntschaft mit der Peitsche machen. Eine Aussage, die dem Beamten nicht gefällt, wird per Folter in die passende Richtung gebracht. Das ist zumindest nach meinem Verständnis pure Tyrannei.

Aber lassen wir’s dabei.

Gruß
Wolfgang

Singapur IST ein Willkürstaat
Hallo Karl-Heinz,

mit Deiner Meinung über die Todesstrafe stimme ich Dir zu,
aber was aber das Thema Singapur und „Regime/Willkürstaat“
angeht, da hast Du mich nicht überzeugen können.

ein deutliches Kennzeichen für das Demokratieverständnis eines Staates ist die Religionsfreiheit. Die Religionsfreiheit ist eine eine der ersten Freiheiten die mit der Aufklärung definiert wurde.

In Singapur sind die Zeugen Jehovas verboten. Der Besitz von Literatur der Watchtower Society, einschließlich der Bibeln, wird mit Gefängnis oder Geldstrafe gahndet!
Die offizielle Begründung ist die, dass Jehovas Zeugen wegen ihrer Verweigerung des Militärdienstes die nationale Sicherheit bedrohen würden.

Wenn der Besitz einer Bibel strafbar ist, dann muss man das Demokratieverständnis des dortigen politischen Systems in Frage stellen.

Gruß
Carlos

Hi,

In Singapur sind die Zeugen Jehovas verboten. Der Besitz von
Literatur der Watchtower Society, einschließlich der Bibeln,
wird mit Gefängnis oder Geldstrafe gahndet!

ob die Zeugen Jehovas durch die Religionsfreiheit gedeckt sein müssen, ist eine Frage, die ich hier nicht diskutieren möchte. Aber dazu, daß der Besitz einer Bibel in Singapur verboten ist, hätte ich schon gerne eine Quelle. Schließlich liegt der Anteil der Christen in Singapur bei rund 15%. Daß denen der Besitz einer Bibel nicht erlaubt sein soll, kann ich mir nicht so recht vorstellen.

Gruß
Christian

Hi,

Daß denen der
Besitz einer Bibel nicht erlaubt sein soll, kann ich mir nicht
so recht vorstellen.

Gruß
Christian

Wenn dann handelt es sich dabei wohl um die mir nicht näher im Detail bekannte ZJ-Spezialform der Bibel, die verboten ist…

Was die Fragwürdigkeit von ZJ Religionsgemeinschaft/-freiheit angeht, denke ich auch, daß gerade diese Gruppe kein gutes Argument für religiöse Unterdrückung dort liefert…

Gruß,

Doc.

Hallo,

das, was ich hier von mir gebe, ist eine absolut persönliche Sicht der Dinge:

Grundsätzlich halte ich die Todesstrafe nicht für ein probates Mittel zur „Erziehung“, Länder mit Todesstrafe haben nun wirklich nicht unbedingt niedriger Verbrechensraten, also funktioniert die Abschreckung nicht. Also ist der Sinn nicht da.

Aber:

Diese Julia lebt nicht erst seit gestern in diesem Land, Singapur macht keinerlei Hehl aus seiner Sicht der Dinge - als ich vor Jahr und Tag nach Singapur gereist bin, was eines der ersten Dinge, die uns auf dem Flughafen ins Auge stachen ein Banner, auf dem geschrieben stand, daß Drogenbesitz in Singapur u.a. mit dem Tod bestraft wird. Von der jetzt geheuchelten Unkenntnis und dem Unverständnis, jetzt auch nur die Anklage zu verstehen, kann also keine Rede sein!

Ich bin auch der Ansicht, wenn man in ein Land reist und noch mehr, wenn man in einem Land lebt, hat man die Pflicht, sich den lokalen Gesetzen unterzuordnen, nur weil ich Ausländer bin, stehe ich nicht über dem Gesetz. Julia war durch keine macht der Welt gezwungen, in Singapur mit diesen Gesetzen zu leben. Sie wollte das. Wenn sie ein Land mit liberalerer Drogenpolitik gwünscht hätte, hätte sie beispielsweise in den Niederlanden studieren müssen.

Es ist sicherlich die Pflicht der Botschaft, das Mädchen zu betreuen. Es ist sicherlich auch die Pflicht der Botschaft, alles zu versuchen, das Urteil evtl. glimpflich ausfallen zu lassen.

Aber dennoch: Wer wissentlich in dem Maß gegen die Gesetze eines Landes verstößt, der muß auch die Konsequenzen bedenken.

Jemand, der in Saudi Arabien auf Montage ist, sollte schließlich auch keine öffentlichen Gin-Gelage abhalten.

Das Mädchen war dumm und dreist - das Unwissenheit nicht vor Strafe schützt, ist allgemein bekannt - und die Unwissenheit glaub ich ihr nicht mal.

Nun aber als Argument auch noch einzubringen, daß ganz Singapur ja schließlich eine verdeckte Diktatur ist (was ich durchaus nicht abstreite, sondern selbst auch meine), tut nichts zur Sache. Es ist absolut nicht unser Recht, über das Staatswesen anderer Länder zu befinden. Eine Änderung kann ausschließlich von innen heraus kommen. Das ist dann sicherlich zu unterstützen, aber man kann nicht jede Regierung, die uns nicht in den Kram paßt und unsere persönlichem Geschmack nicht entspricht für unzulässig erklären.

Und dann darf man auch nicht in diese Länder reisen, da wären dann so ziemlich alle auf der Welt - übrigens ist im Sinne von AI auch Deutschland nicht so ganz astrein. Aber die Antarktis böte sich da noch an…

Soll ich mal aufzählen: Neuseeland (Benachteiligung der Maoris), Australien (u.a. Internierung der Asylbewerber), USA (u.a.Todesstrafe), China (Todesstrafe, kommunistisch), Vietnam (überhaupt relativ rechtsfrei), Thailand (hat meines Wissens auch noch die Todesstrafe), viele islamische Länder (und wenn es nur die Unterdrückung der Frau ist), Norwegen (Zwangssterilisation und Zwangsadopotionen von Besatzerkindern, Verleugnung dieser Geschichte bis teilweise heute), Schweden (Diskriminierung der Samen) und und und.

Grüße

Wendy (und wenn ich mich damit auch in die Nesseln setze)

du hast es auf den punkt gebracht!
alle achtung + sternchen dafür :smile:

liebe grüße
ann

Hallo Chistian,

das Thema geht mehr in die Bereiche Religion und Außenpolitik.
Deswegen verlagere ich meine Antwort in das Brett Religion.

Gruß
Carlos

Hallo Doc,

Wenn dann handelt es sich dabei wohl um die mir nicht näher im
Detail bekannte ZJ-Spezialform der Bibel, die verboten ist…

da würde mich aber schon eine Begründung interessieren.
Weil die so oft geschmähte ZJ-Bibel gar nicht so anders ist, als die allseits anerkannte Elberfelder-Übersetzung.

Gruss Harald

PS.: Antwort kann auch im R&E-Brett erfolgen.

Hallo Wolfgang

Thema USA: Es sind nicht die USA schlechthin, sondern einige
Staaten der USA, die Todesurteile vollstrecken.

Ähm, doch. Die Todesstrafe gilt in 37 Einzelstaaten, davon wird sie in 6 nicht vollstreckt.

Daneben gibt es die Todesstrafe auf Bundesebene, die 1988 wieder eingeführt wurde. Seitdem gab es immerhin 211 Todesstraffälle, z. Zt. werden 23 weitere Prozesse geführt bzw. vorbereitet. 21 mal wurde bislang das Todesurteil auf Bundesebene ausgesprochen.

Interessanterweise wird im Militärstrafrecht die Todesstrafe nicht mehr vollzogen. Könnte sich aber aufgrund derzeitiger Verhältnisse ändern…

Gruss
Feanor