Hallo,
das, was ich hier von mir gebe, ist eine absolut persönliche Sicht der Dinge:
Grundsätzlich halte ich die Todesstrafe nicht für ein probates Mittel zur „Erziehung“, Länder mit Todesstrafe haben nun wirklich nicht unbedingt niedriger Verbrechensraten, also funktioniert die Abschreckung nicht. Also ist der Sinn nicht da.
Aber:
Diese Julia lebt nicht erst seit gestern in diesem Land, Singapur macht keinerlei Hehl aus seiner Sicht der Dinge - als ich vor Jahr und Tag nach Singapur gereist bin, was eines der ersten Dinge, die uns auf dem Flughafen ins Auge stachen ein Banner, auf dem geschrieben stand, daß Drogenbesitz in Singapur u.a. mit dem Tod bestraft wird. Von der jetzt geheuchelten Unkenntnis und dem Unverständnis, jetzt auch nur die Anklage zu verstehen, kann also keine Rede sein!
Ich bin auch der Ansicht, wenn man in ein Land reist und noch mehr, wenn man in einem Land lebt, hat man die Pflicht, sich den lokalen Gesetzen unterzuordnen, nur weil ich Ausländer bin, stehe ich nicht über dem Gesetz. Julia war durch keine macht der Welt gezwungen, in Singapur mit diesen Gesetzen zu leben. Sie wollte das. Wenn sie ein Land mit liberalerer Drogenpolitik gwünscht hätte, hätte sie beispielsweise in den Niederlanden studieren müssen.
Es ist sicherlich die Pflicht der Botschaft, das Mädchen zu betreuen. Es ist sicherlich auch die Pflicht der Botschaft, alles zu versuchen, das Urteil evtl. glimpflich ausfallen zu lassen.
Aber dennoch: Wer wissentlich in dem Maß gegen die Gesetze eines Landes verstößt, der muß auch die Konsequenzen bedenken.
Jemand, der in Saudi Arabien auf Montage ist, sollte schließlich auch keine öffentlichen Gin-Gelage abhalten.
Das Mädchen war dumm und dreist - das Unwissenheit nicht vor Strafe schützt, ist allgemein bekannt - und die Unwissenheit glaub ich ihr nicht mal.
Nun aber als Argument auch noch einzubringen, daß ganz Singapur ja schließlich eine verdeckte Diktatur ist (was ich durchaus nicht abstreite, sondern selbst auch meine), tut nichts zur Sache. Es ist absolut nicht unser Recht, über das Staatswesen anderer Länder zu befinden. Eine Änderung kann ausschließlich von innen heraus kommen. Das ist dann sicherlich zu unterstützen, aber man kann nicht jede Regierung, die uns nicht in den Kram paßt und unsere persönlichem Geschmack nicht entspricht für unzulässig erklären.
Und dann darf man auch nicht in diese Länder reisen, da wären dann so ziemlich alle auf der Welt - übrigens ist im Sinne von AI auch Deutschland nicht so ganz astrein. Aber die Antarktis böte sich da noch an…
Soll ich mal aufzählen: Neuseeland (Benachteiligung der Maoris), Australien (u.a. Internierung der Asylbewerber), USA (u.a.Todesstrafe), China (Todesstrafe, kommunistisch), Vietnam (überhaupt relativ rechtsfrei), Thailand (hat meines Wissens auch noch die Todesstrafe), viele islamische Länder (und wenn es nur die Unterdrückung der Frau ist), Norwegen (Zwangssterilisation und Zwangsadopotionen von Besatzerkindern, Verleugnung dieser Geschichte bis teilweise heute), Schweden (Diskriminierung der Samen) und und und.
Grüße
Wendy (und wenn ich mich damit auch in die Nesseln setze)