…aber speziell in diesem Fall freut es mich
das endlich mal wieder ein Deutscher im Ausland mit Drogen
erwischt wird, und harte Strafen drohen.
Guten Morgen!
Es spielt zunächst keine Rolle, um welchen Vorwurf es sich handelt, entscheidend ist einzig, daß ein Mensch von der Todesstrafe bedroht ist. Nach unserer Werteordnung ist die Todesstrafe menschenrechtswidrig, unsere Verfassung verbietet solche Strafen. Nun ist eine deutsche Staatsbürgerin von solcher Strafe bedroht, die unserer Rechtsordnung und unserem Verständnis des Verhältnisses von Staat und Bürger zuwider läuft. Allein daraus ergibt sich die Verpflichtung für deutsche Staatsorgane, der Bürgerin dieses Landes zu helfen.
Daß Befürworter der Todesstrafe angesichts nicht wegdiskutierbarer menschlicher Schwächen, Unzulänglichkeiten und Irrtümer die Vollstreckung nur akzeptieren können, wenn sie Betriebsunfälle wie das irrtümliche Hinrichten eines Menschen und Todesurteile aufgrund irrender oder bestochener Zeugen, gefälschter Beweise und korrupter Justiz billigend in Kauf nehmen, sollte man sich bei solchen Diskussionen stets vor Augen führen.
Zum konkreten Fall: Es geht um den Besitz von Haschisch, einer Substanz, die in ihrer Gefährlichkeit ungefähr auf der Stufe von Tabak oder Alkohol einzuordnen ist. Wer hat solches Zeug noch nicht ausprobiert? Eine Presse, deren Stärke nicht die Differenzierung ist, verbreitet Hysterie, schmeißt alles in einen Topf und redet nur von Rauschgift. Da kann man sich am Biertisch zuprosten, sich die hoch mit Steuern belastete Zigarette anstecken und drakonische Strafen für alles fordern, was irgendwie mit Rauschgift zu tun hat. Bigotterie in Reinkultur. Es kommen in Deutschland mit Sicherheit in einem einzigen Monat mehr Menschen durch Nikotin und Alkohol zu Schaden, als in der gesamten Geschichte dieses Landes Menschen an Cannabis Schaden genommen haben, sofern man überhaupt jemanden findet. Die größte Gefahr geht von Hanf aus, wenn man Seile daraus fertigt, weil sich damit jemand aufhängen könnte.
Unstrittig ist es bodenloser Leichtsinn und/oder Dummheit, wenn sich jemand trotz der bekannten Strafandrohung nicht gesetzeskonform verhält oder sich erwischen läßt. Das gilt aber für jede Art gesetzeswidriger Handlungen. Unabhängig von den Argumenten gegen jede Art der Bestrafung gegen das Leben, ist hier ein grobes Mißverhältnis von Tat und Strafe offenkundig. Solche groben Mißverhältnisse sind typisch für Diktaturen, in denen Rechte des Einzelnen unbedingt hinter obrigkeitlichem Herrschaftsanspruch zurück stehen. In solchen Strukturen ist man gut beraten, jeden gebrachten Beweis mit Argwohn zu betrachten. Wenn schon das Leben nichts zählt, wie kann da jemand auf die Idee kommen, solchen Staatsorganen Wahrheit zu attestieren?
Dieser Fall in Singapur paßt in eine ganze Reihe von vollstreckten und angedrohten Todesurteilen gegen deutsche Staatsangehörige, z. T. aufgrund von Vorwürfen, die hierzulande nicht einmal der Erwähnung wert gewesen wären. Wir sind weltweit an Regime gewöhnt, unter denen Leben und Menschenrechte nichts zählen. Wir haben in unserem Land vom Obrigkeitsstaat bis zur Verbrecherclique an der Spitze nichts ausgelassen. Hier wurde über Jahrhunderte geköpft, erschossen und gehängt, oft willkürlich und im Schnellverfahren. Amigos, Korruption und Seilschaften gehen täglich durch die Medien. Mit zweierlei Maß vorgehende Staatsanwälte gehören ebenso zur Tagesordnung wie unfähige Richter. Es sind eben nur Menschen mit menschlichen Schwächen.
Angesichts dieser Geschichte und des täglichen Erlebens entsprächen aufgeklärte Köpfe, die jedem Versuch staatlicher Übergriffe und Bedrohung des Lebens entgegen treten, meiner Erwartungshaltung. Statt dessen gibt es immer noch eine riesige Kopf-ab-Fraktion, die nur gleichgültig mit den Schultern zuckt oder bei Menschenrechtsverletzungen sogar Beifall klatscht. Das macht mich am meisten betroffen.
Gruß
Wolfgang