Euthanasie-Debatte und Tierrechtsproblematik

Folgender Satz bereitet mir hinsichtlich der Bindestrichkonstruktionen Probleme:

„Es stellt sich angesichts der Euthanasie-Debatte auf der einen Seite und der Tierrechtsproblematik auf der anderen die Frage …“

Schreibe ich nun besser „Euthanasiedebatte“ oder „Tierrechts-Problematik“ bzw. beides mit Bindestrich oder beides ohne?

Wer kann mir weiterhelfen? Momentan kann ich mich dabei nur auf mein Gefühl verlassen, vermisse aber im Satz die Einheitlichkeit.

Schon hier, bester Chris,

wäre ein Bindestrich leserfreundlich! :wink:

Bindestrichkonstruktionen

Also: Bindestrich-Konstruktion!

Muss nicht sein, aber gib zu, so liest es sich leichter. Und nach eben dem Prinzip tät ich diese Buchstabenprozessionen, oder lieber: Buchstaben-Prozessionen, stets mit Bindestrich schreiben.

Euthanasie-Debatte
Tierrechts-Problematik

Einzig die Tatsache, dass beim zweiten Wort ein Genitiv-s am Ende des Bestimmungswort steht, könnte mich dazu bestimmen, es doch zusammen zu schreiben.

Du hast die Wahl.

Gruß Fritz

Bindestriche werden bei längeren zusammengesetzten Wörtern mit Fremdworten oder in der Mischung aus deutschem und Fremdwort gesetzt, um die Lesbarkeit zu verbessern.

In Deinem Fall würde ich beide so schreiben wie in der Überschrift, weil „Euthanasiedebatte“ genau zwischen den Wörtern eine Leseundeutlichkeit hat (es steckt das Wort „siede“ drinnen, das dem deutschsprachigen Leser richtig entgegenspringt. Das Problem gibt bei der „Tierrechtsproblematik“ nicht.

Grundsätzlich hat man hier aber etwas Spielraum.

Was Spaßiges am Rande: Ich habe bis vor kurzem geglaubt, der englische Begriff „Beefeater“ (die Wachleute im Londoner Tower) bedeutet „Bienenfütterer“ (Bee-feater). Mr. Jauch hat mich aufgeklärt: Das bedeutet „Fleischesser“ (Beef-eater).

Gruß, Artefakt

Danke für eure hilfreichen Beiträge!

Sind diese Bindestrich-Konstruktionen (diesmal tatsächlich mit Bindestrich) eigentlich typisch für die deutsche Sprache oder trifft man sie auch häufiger in anderen Sprachen (z.B. im Englischen) an?

Es stimmt schon, dass im Fall von „Euthanasie-Debatte“ bei konsequenter Zusammenschreibung die Lesbarkeit erschwert wird. Was allerdings auch negativ auffallen kann, ist die Uneinheitlichkeit der Schreibweise, gerade, wenn zwei längere Begriffskombinationen in einem Satz vorkommen.

Ich schreibe für gewöhnlich eher zusammen als getrennt (wie gerade bei „Begriffskombinationen“) und setze Bindestriche äußerst sparsam ein. Vielleicht ist es letztlich Geschmackssache, aber bei tatsächlich sehr schwer lesbaren und langen Wortkombinationen kann ich es verstehen, wenn man die Begriffe mit Bindestrichen versieht, z.B. bei „antik-griechisch-hellenistisches Weltbild“.

Bindestriche
Hallo, Chris,

Sind diese Bindestrich-Konstruktionen (diesmal tatsächlich mit
Bindestrich) eigentlich typisch für die deutsche Sprache oder
trifft man sie auch häufiger in anderen Sprachen (z.B. im
Englischen) an?

Nunja, da wir unbegrenzt Wortschlangen bilden dürfen - du kennst doch „Donaudampfschifffartkapitänswitwenversicherungspolice“, so wären Bindestriche nicht nötig. Um der Lesbarkeit willen aber hat man schon immer Bindestriche verwendet.

In der Duden-Grammatik (sic!) gibt es den § 113 (6. Auflage, 1998). Dort wird gesagt unter dem sechsten Spiegelstrich:

- Bei langen und deshalb unübersichtlichen Zusammensetzungen kann die hauptsegmentgrenze durch Bindestrich angezeigt werden (Hochschul-Strukturkommision, Beamten-Unfallversicherung). Auch zur Auflösung von Mehrdeutigkeiten kann der Bindestrich Verwendung finden (Druck-Erzeugnisse - Drucker-Zeugnis)

Lies da mal selber nach, da gibt es noch viele hübsche Bindestrichfälle.

Im Englischen braucht man die Bindestriche nicht; da werden die Wörter einfach nebeneinander gestellt. „Hat check clerk at an ice rink“ (Laurie Anderson).

Wie es im Französischen ist, weiß ich nicht; aber das wissen andere.

Gruß Fritz

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Hallo,

- Bei langen und deshalb unübersichtlichen
Zusammensetzungen kann die hauptsegmentgrenze durch
Bindestrich angezeigt werden (Hochschul-Strukturkommision,
Beamten-Unfallversicherung)
. Auch zur Auflösung von
Mehrdeutigkeiten kann der Bindestrich Verwendung finden
(Druck-Erzeugnisse - Drucker-Zeugnis)

Super! Mein Gefühl zum Umgang mit der Sprache war schon immer sehr für Bindestriche. Ich war mir aber immer unsicher, ob das richtig ist.
Danke!

Gruß Steffi

„Es stellt sich angesichts der Euthanasie-Debatte auf der
einen Seite und der Tierrechtsproblematik auf der anderen die
Frage …“

Ohne mit allzu großer sprachlicher Sachkenntnis gesegnet zu sein, würde ich auch die Bindestrich-Lösung um der Lesbarkeit willen bevorzugen.

Aber ganz abgesehen davon würde es mich brennend interessieren, was das wohl für eine Abhandlung sein mag, in der dieser Teilsatz einen auch nur einigermaßen sinnvollen Platz haben könnte!? Aber das ist wohl leider schwer off topic.

Hallo Chris,

Sind diese Bindestrich-Konstruktionen (diesmal tatsächlich mit
Bindestrich) eigentlich typisch für die deutsche Sprache oder
trifft man sie auch häufiger in anderen Sprachen (z.B. im
Englischen) an?

typisch für die deutsche Sprache sind diese Bandwurmwortungetümkonstruktionen, die sich in unserer Sprache so schön zwanglos bilden lassen. Bindestriche sind eher eine Konzession an die verminderte Aufnahmefähigkeit jüngerer Generationen und jener bedauernswerten Menschen, die nicht das Glück hatten, Deutsch als Muttersprache zu erlernen. Man lese nach, was Mark Twain zu dem Thema zu sagen wusste:

"In meinem Notizbuch finde ich folgende Eintragung:

  1. Juli. Im Krankenhaus wurde gestern einem Patienten – einem Norddeutschen aus der Nähe von Hamburg – ein dreizehnsilbiges Wort herausgenommen; aber da die Chirurgen ihn höchst unglücklicherweise an der falschen Stelle geöffnet hatten (nämlich in der Annahme, er habe ein Panorama verschluckt), starb er. Das traurige Ereignis hat einen düsteren Schatten über die ganze Stadt geworfen.

Diese Eintragung liefert mir den Text zu ein paar Bemerkungen über einen der eigentümlichsten und bemerkenswertesten Züge des von mir behandelten Gegenstandes – die Länge deutscher Wörter. Manche deutschen Wörter sind so lang, dass man sie nur aus der Ferne ganz sehen kann. Man betrachte die folgenden Beispiele:

„Freundschaftsbezeigungen“
„Dilettantenaufdringlichkeiten“
„Stadtverordnetenversammlungen“

Dies sind keine Wörter, es sind Umzüge sämtlicher Buchstaben des Alphabets. Und sie kommen nicht etwa selten vor. Wo man auch immer eine deutsche Zeitung aufschlägt, kann man sie majestätisch über die Seite marschieren sehen – und wer die nötige Phantasie besitzt, sieht auch die Fahnen und hört die Musik. Sie geben selbst dem sanftesten Thema etwas schauererregend Martialisches. Ich interessiere mich sehr für diese Kuriositäten. Sooft mir ein gutes Exemplar begegnet, stopfe ich es aus für mein Museum. Auf diese Weise habe ich eine recht wertvolle Sammlung zusammengebracht. Wenn ich auf Duplikate stoße, tausche ich mit anderen Sammlern und erhöhe so die Mannigfaltigkeit meines Bestandes. Hier sind einige Exemplare, die ich kürzlich auf der Versteigerung des persönlichen Besitzes eines bankrotten Raritätenjägers erstand:

„Generalstaatsverordnetenversammlungen“
„Altertumswissenschaften“
„Kinderbewahrungsanstalten“
„Unabhängigkeitserklärungen“
„Wiederherstellungsbestrebungen“
„Waffenstillstandsunterhandlungen“

Natürlich schmückt und adelt solch ein großartiger Gebirgszug die literarische Landschaft, wenn er sich quer über die Druckseite erstreckt; gleichzeitig jedoch bereitet er dem Anfänger großen Verdruss, denn er versperrt ihm den Weg. Er kann nicht darunter durchkriechen oder darüber hinwegklettern oder einen Tunnel hindurchbohren. Er wendet sich also hilfesuchend ans Wörterbuch, aber dort findet er keine Hilfe. Das Wörterbuch muss irgendwo eine Grenze ziehen, daher lässt es diese Sorte von Wörtern aus, und zwar mit Recht, denn diese langen Dinger sind wohl kaum rechtmäßige Wörter, sondern vielmehr Wortkombinationen, deren Erfinder man hätte umbringen sollen. Es sind zusammengesetzte Wörter ohne Bindestrich. Die einzelnen Wörter, die zu ihrem Aufbau benutzt wurden, stehen im Wörterbuch, allerdings sehr verstreut. Man kann sich also das Material Stück um Stück zusammensuchen und auf diese Weise schließlich auf die Bedeutung stoßen, aber es ist eine mühselige Plackerei."

Den kompletten Text kann man u.a. hier finden: http://www.alvit.de/vf/de/mark-twain-die-schrecklich…

Freundliche Grüße,
Ralf

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Aber ganz abgesehen davon würde es mich brennend
interessieren, was das wohl für eine Abhandlung sein mag, in
der dieser Teilsatz einen auch nur einigermaßen sinnvollen
Platz haben könnte!? Aber das ist wohl leider schwer off
topic.

Auch wenn es in der Tat off topic ist, kann ich dir auf deine Frage eine (kurze) Antwort geben. Der Satz ist Teil meiner Arbeit „Schichtentheoreme als Hindernis für die moderne Tierethik“ und bezieht sich auf das präferenzutilitaristische Tierethikkonzept (ganz ohne Bindestriche) des australischen Philosophen Peter Singer. Es geht darum, inwiefern Singer Euthanasie begünstigt, wenn er den Wert eines Lebens nach den Interessen des Individuums, unabhängig von dessen Spezieszugehörigkeit, bemisst (insbesondere im Zusammenhang mit geistig schwerstbehinderten und senilen Menschen). Ist vielleicht ein wenig schwer zu verstehen, wenn man den Zusammenhang nicht kennt. Ich empfehle:

„Peter Singer: Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere.“

In der Tat eine interessante Fragestellung in einem Bereich, in dem ich mich leider überhaupt nicht auskenne. Vielen Dank für die Info!

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