Evangelienverständniss zur Zeit Lessings

Grüßt euch,

vorab eine Entschuldigung…denn so recht weiss ich nicht, wohin ich mein Problem stellen soll. Doch bei den Möglichkeiten Literaturbrett, Philosophieforum oder Reli/Ethikbrett hab ich mich fürs letztere entschieden…möge der MOD mich rügen, wenns nicht angebracht war.

Doch ad rem.
Eine Bekannte von mir muss in Germanistik ein Referat halten und beißt sich an folgender Thematik die Zähne aus:

Thesenpapier zu Lessings Religionsphilosphie in „Erziehung des Menschengeschlechts“

Aufgaben
-Darstellung des Evangelienverständnisses im 18. Jahrhundert
-dem gegenüber stehend Lessings Verständnis des Evangeliums (unter Berücksichtigung von theol. und philos. Einflüssen)

Leider sind unsere Dozenten nicht so human, dass sie einem wenigstens Literaturhinweise geben…und Aufklärung ist nicht gerade mein Spezialgebiet…auch muss ich zugeben, dass mein religionsphilosphisches Wissen *beschränkt* *g* ist.

Weiss vielleicht jemand von euch zu helfen?

Liebe Grüße
astraea

Hallo,
es gibt Kommentare zu Lessings Schriften, die doch bei diesen Problem eigentlich weiterhelfen müßten:

  • Sechs theologische Schriften Gotthold Ephraims Lessings, eingeleitet und kommentiert von Wolfgang Gericke, Berlin 1985
  • Gotthold Ephraim Lessing, Die Erziehung des Menschengeschlechts. Historisch-kritische Edition mit Urteilen Lessings und seiner Zeitgenossen, Einleitung, Entstehungsgeschichte und Kommentar, hg.v. Louis Ferdinand Helbig, Bern/FrankfurtM/Las Vegas 1980

Vielleicht hilft’s…
Taju

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Lessings und die Religion
Hi Sternenkönigin!

Thesenpapier zu Lessings Religionsphilosphie in „Erziehung des
Menschengeschlechts“

-Darstellung des Evangelienverständnisses im 18. Jahrhundert
-dem gegenüber stehend Lessings Verständnis des Evangeliums
(unter Berücksichtigung von theol. und philos. Einflüssen)

Leider sind unsere Dozenten nicht so human…

Bei einer solchen Themenstellung (eine Frechheit!), die eigentlich einer Dissertation wert wäre, aber hier zum Zweck eines bloßen Referates, fehlt es euren Dozenten wohl noch an so manch anderen als bloß an Menschlichkeit - sind das bei euch wohl Quick-Import-Dozenten aus der ehem. BRD *gg*?

Also: zur Aufklärung ein paar Stichworte. Diese geistige Bewegung begann im 17. Jhdt. in England mit den Freidenkern und setzte sich im 18. Jhdt in Frankreich mit den Enzyklopädisten und in Deutschland fort. Mit Kants Aufsatz 1784 „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung“ bekam diese Bewegung ihren bleibenden Namen und mit seinem Aufruf „Habe Mut, dich deines eigenen Vestandes zu bedienen!“ ihren definierenden Leitspruch.

Damit ist auch ihr Teilspekt der Aufarbeitung der Bedeutung von Religion angerissen: Die bedeutende Leistung der Aufklärung besteht in der radikalen Infragestellung der Vormundschaft religiöser Institutionen über das Individuum und teilweise auch in der Entwicklung eines systematischen Atheismus, der sich aber aus logischen Gründen dann nicht mehr selbst so bezeichnen konnte.

Zu dem letzteren siehe:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Gleichzeitig mit der Abwertung von Autoritätsgleuben und Aberglauben wurde nun der Vernunftglaube (Stichwort „Deismus“) propagiert.

Für die geschichtliche Entwicklung diesbezüglich sind folgende Klassiker empfehelenswert:

v. Brockdorff: Die deutsche Aufklärungsphilosophie (1926)
H.M. Wolff: Die Weltanschauung der deutschen Aufklärung in geschichtlicher Entwicklung (München 1949)

E.Bahr (Hrsg): Was ist Aufklärung? Thesen und Definitionen (Stuttgart 1974)

Eine fundamentale Abhandlung (aber sehr schwere Kost) über Aufklärung ist:
Hegel: Phänomenologie des Geistes VI.B.II.a. „Der Kampf der Aufklärung mit dem Aberglauben“

Euer neunmalkluger Dozent wird zensurgünstige Migräne kriegen, wenn deine Freundin daraus zitiert!

Zu Lessing-Frage ist speziell diese Schrift hier entscheidend:
„Anti-Goeze. D.i. Nothgedrungene Beyträge zu den freywilligen Beyträgen des Herrn Pastor Goeze“ Braunschweig 1778.

Sein Streit mit der protestantischen Orthodoxie hat ihren Anfang mit der Herausgabe der „Fragmente eines Unbekannten“ Wolfenbüttel 1774-1777. Seine Kampf mit Hilfe der historisch-kritischen Methode gilt 1. den kirchlichen Dogmen und 2. dem Versuch der „Neologen“, den Offenbarungsglauben mit Vernunftargumenten zu begründen.

Nach Lessing („Die Erz. d. M.“) schließen sich Offenbarung und Vernunft nicht völlig aus. Vielmehr ist die Religion bei ihm ein Teil der Entwicklung der menschlichen Vernunft. Die „göttliche Offenbarung“ ist insofern ein Teil der Erziehung des Menschengeschlechts, als er meint, daß sie dem Menschen nichts geben könne, was dieser nicht auch selbst in sich finden könne - (aber das steht alles in der Abhandlung besser drin).

Soweit hier ein paar Hieb- und Stichworte zum Thema - ganz ohne douleur - quelle malheur! *zwinker*

Liebe Grüße
astraea

Au fein - dir auch
Metapher

Grüss dich mein Lieber!

Vielen Dank für die Information…die wie immer reichhaltig war…das Dozentenopfer (welches dich grüssen lässt :smile: ist schon in der DB und sucht alles zusammen um die perversen Gelüste des importierten Dozenten zu stillen (hab ich lachen müssen…ich glaub es ist ein Bayer…fieser Beisitzer der misslungenen Prüfung).

Soweit hier ein paar Hieb- und Stichworte zum Thema - ganz
ohne douleur - quelle malheur! *zwinker*

achja…die hiebworte wären sehr interessant…mit stichen…mhm kommt ganz drauf an *gg* aber hast recht…ohne die wirkung ist sinnlos :wink:

*etwas honig für die fleissige biene*
und au revoir