Evangelisch vs. Reformiert

Hi Freunde,

hab weiter unten zum ersten Mal gelesen, dass es einen Unterschied zwischen reformierter Kirche und lutherischer Kirche gibt.

Kann mir da jemand weiterhelfen?

Dachte bisher immer, aufgrund Luthers Thesen, sei der gesamte Reformationsprozess in Gang gekommen und damit sei reformiert und lutherisch insgesamt einfach „nur“ evangelisch und nicht unabhängig voneinander.

Vielleicht kann mir da ja jemand auf die Sprünge helfen…

Danke!

Beste Grüße,
Typhoon

Hi Freunde,

hab weiter unten zum ersten Mal gelesen, dass es einen
Unterschied zwischen reformierter Kirche und lutherischer
Kirche gibt.

Kann mir da jemand weiterhelfen?

Dachte bisher immer, aufgrund Luthers Thesen, sei der gesamte
Reformationsprozess in Gang gekommen und damit sei reformiert
und lutherisch insgesamt einfach „nur“ evangelisch und nicht
unabhängig voneinander.

Die reformierte Richtung entstand in der Schweiz und natürlich auch im Zug der von Luther ausgehenden Reformation. Einge Reformen gingen den Vertretern der reformierten Lehre nicht weit genug. So gab es in reformierten Kirchen überhaupt keine Abbildungen und keinen Schmuck mehr. Außerdem gab es meines Wissens keinen Gesang.
Heute sind viele Kirchengemeinden übergreifend für die lutherische und die reformierte Lehre.

Außerdem gab es meines Wissens keinen Gesang.

Hallo Ostlandreiter,

im Großen und Ganzen hast Du Recht - außer beim Gesang. Den gab es sehr wohl.

Heute sind viele Kirchengemeinden übergreifend für die
lutherische und die reformierte Lehre.

Das kommt einerseits von der altpreußischen Union, die Friedrich Wilhelm IV. 1817 für die preußische Kirche in Kraft gesetzt hat: jede bis dahin bestehende Gemeinde bleibt bei ihrem Bekenntnis - lutherisch oder reformiert -, jede neu gegründete Gemeinde ist seither uniert und benutzt den lutherischen Katechismus mit Fragen aus dem Heidelberger Katechismus. Überdies konnte seitdem in der preußischen Landeskirche ein Pfarrer jeglicher Konfession in eine Gemeinde anderer Konfession wechseln - er mußte nur den Bekenntnisstand der Gemeinde achten und wahren. Auch die volle Abendmahlsgemeinschaft wurde dekretiert.

Seit Beginn der 70er Jahre des letzten Jhdts ist die „Leuenberger Konkordie“ in Kraft, die für alle deutschsprachigen Kirchen gilt: zwischen lutherischen und reformierten Kirchen herrscht jetzt - unbeschadet des unterschiedlichen Bekenntnisses - volle Kirchengemeinschaft.

Gruß - Rolf

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Hallo Typhoon,

die Unterschiede in einem Artikel zusammengefasst:

http://www.nikodemus.net/article.php?article=846

Vor allem das Thema Abendmahl hat damals zu unüberbrückbaren Gegensätzen wischen lutherischer und reformierter Lehre geführt.

Als Mitglied einer unierten Kirche (also von beiden ein bisschen) kam mir der erste Gottesdienst von reinen Lutheranern sehr katholisch vor:smile:. Die Reformierten waren hingegen wesentlich puristischer als wir.

Beste Grüße,

Barbara

Ergänzung
Hallo Rolf,

ich will mal für die nicht ganz so beschlagenen etwas ergänzen.

Seit Beginn der 70er Jahre des letzten Jhdts ist die
„Leuenberger Konkordie“ in Kraft, die für alle
deutschsprachigen Kirchen gilt: zwischen lutherischen und
reformierten Kirchen herrscht jetzt - unbeschadet des
unterschiedlichen Bekenntnisses - volle Kirchengemeinschaft.

d.h. man erkennt die Sakramente der anderen Kirchen voll an:
dies betrifft die Taufe und das AbendmahlErsteres ist i.d.R. wichtig wenn man zwischen zwei Kirchen wechselt oder man einen Partner nach dem Ritus einer Kirche heiraten will, nach dem man nicht getauft ist. Es aknnalso kein Pfarrer sich aus theol./kirchenrechtl. Gründen querlegen.

Die Gegenseitige Anerkennung der Kommunion heisst, dass man auch in der anderen Kirche ein vollgültiges Abendmahl erhält.

Ciao maxet.

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Hallo Barbara,

da Du Nikodemus.Net ansprichst…

Ich finde, dass dort sicherlich sehr viele und gute Antworten zu finden sind. Die Exegetik mag wohl auch hinhauen. An mancher Stelle jedoch ist Nikodemus.Net (mir persoenlich) schon fast zu bibelfest. Gerade dann, wenn dort Fragen nach Suenden beantwortet werden. Da wird zu oft zu genau aus der Bibel zitiert und hinterher ausgelegt und das vermag wiederum viele Menschen abzuschrecken. Gerade in solchen Sünden-Fragen, die Menschen halt nunmal schrecken, und womit sie sich vielleicht von der Gemeinde abwenden, weil sie glauben, Gott wolle sie ja sowieso nicht haben, weil sie seinen „hohen Moralansprüchen“ nicht genügen könnten, gerade in solchen Fragen ist es m. E. einfach nur richtig, gar nicht so umfangreich die Bibel zu bemühen, sondern dass man einfach nur sagt: Mach’ dir keine Sorgen - wenn du dir Sorgen darum machst, dass dein Tun Gott nicht gefallen könnte, dann bist du schon längst erlöst, zumal du dann an ihn glaubst und dir dein Handeln in seinem Angesicht nicht egal ist. „Wer da glaubt und getauft ist, der wird selig werden.“ That’s all. Es gibt keine zusätzlichen Bedingungen.

Als Mitglied einer unierten Kirche (also von beiden ein
bisschen) kam mir der erste Gottesdienst von reinen
Lutheranern sehr katholisch vor:smile:.

Als Lutheraner muss ich sagen: Stimmt meistens, aber ja auch durchaus nicht immer. Da macht halt viel die Liturgie aus, aber dennoch liegt auch viel am Herrn Pastor :wink:. Für meinen Teil höre ich mir die Predigt an und versuche, davon zu zehren. Wenn’s nicht klappt, klappt’s ein andermal. Hauptsächlich lege ich viel Wert auf das Abendmahl. Wichtig ist mir aber auch die Gemeinde - mein Engagement lässt hier sicherlich noch viel zu wünschen übrig, wie auch die Regelmäßigkeit meiner Gottesdienstbesuche noch verbesserungswürdig ist :wink:

Gruss
tigger

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