Eventuell die falsche Berufswahl?

Hallo zusammen!

Ich bin angehender Rettungsassistent, inzwischen fast fertig. Ich bin auch nicht mehr der Jüngste; gehe stark auf die 27 zu. Ich habe zwar zahlreiche praktische Erfahrungen und auch ein brauchbares Abi, ansonsten aber keine abgeschlossene Ausbildung.

Ich habe mich in der Vergangenheit für die Berufsausbildung zum Rettungsassistenten nach einem schweren selbstverschuldeten Verkehrsunfall entschieden, bei dem ich massive Verlezungen davontrug. Froh und dankbar dafür, dass die Rettungskette so wunderbar funktioniert hat, erkannte ich die in meinen Augen große Bedeutung des Rettungsdienstes als Teil der Kette und war bestrebt, in diesem Berufsfeld Fuß zu fassen.

Der Beruf an sich mach mir durchaus Spaß, nur ist er doch oft mit großen psychischen Belastungen verbunden. Inzwischen bin ich auch außerhalb meiner Dienstzeit deutlich nervöser als zuvor, und ich habe mich auch schon dabei ertappt, dass ich erleichtert bin wenn der Melder ausgelöst wird und „nur“ ein Einsatz zu einem Krankentransport gegeben wird.

Vor wenigen Wochen, nicht im Dienst, wachte ich nachts in meiner Wohnung auf, sicher einen alarmgebenden Melder gehört zu haben und sprang auf…

Ich fühle mich im Einsatzgeschehen fachlich nicht überfordert, habe jedoch sehr große Angst, bei akuten Notfalleinsätzen Fehler zu machen und Patienten zu schaden. Noch sitze ich nicht als Hauptverantwortlicher auf einem Rettungswagen, bin jedoch nicht mehr weit davon entfernt.

Auch brauche ich wesentlich länger als andere, um mit belastenden Einsätze klarzukommen.

Brauchbare Hilfe von Kollegen konnte ich bisher zu meiner persönlichen Misere nicht bekommen.

Gibt es einen Weg, diese Belastung besser zu bewältigen und die permanente Nervosität abzubauen? Ich glaube nämlich nicht, dass alles nur eine Frage der Zeit ist.

Viele Grüße

Logan

  • der vorab schon für jeden Hinweis dankt -

Hallo Logan!

Gibt es einen Weg, diese Belastung besser zu bewältigen und
die permanente Nervosität abzubauen? Ich glaube nämlich nicht,
dass alles nur eine Frage der Zeit ist.

Eine Lösung oder Bewältigungsstrategie kann ich dir leider auch nicht anbieten. Aber erkundige dich doch mal bei deinem Arbeitgeber (wird ja sicherlich ein Krankenhaus sein, oder?), ob es für die Angestellten einen psychologischen Beratungsdienst gibt. Denn ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man in deinem Job einer ziemlich großen psychischen BElastung ausgesetzt ist. Bei der Polizei gibt es ja auch Psychologen, die sich um die Beamten kümmern, wenn diese den Bedarf danach haben.

Viele Grüße
PlanB

Hallo Logan!

Hallo PlanB!

Eine Lösung oder Bewältigungsstrategie kann ich dir leider
auch nicht anbieten. Aber erkundige dich doch mal bei deinem
Arbeitgeber (wird ja sicherlich ein Krankenhaus sein, oder?),
ob es für die Angestellten einen psychologischen
Beratungsdienst gibt. Denn ich kann mir sehr gut vorstellen,
dass man in deinem Job einer ziemlich großen psychischen
BElastung ausgesetzt ist. Bei der Polizei gibt es ja auch
Psychologen, die sich um die Beamten kümmern, wenn diese den
Bedarf danach haben.

Es gibt zwar ein Kriseninterventionsteam, dass nach belastenden Einsätzen für Angehörige und Einsatzpersonal manchmal in Erscheinung tritt, jedoch gibt es keinen betriebsinternen Psychologen.
Insofern bleibt es an einem selbst, die permanente Anspannung zu verkraften und zu bewältigen.

Arbeitgeber ist kein Klinikum, sondern eine gemeinnützige GmbH des DRK.

Ich frage mich einfach, ob es vllt. eine Typen-Frage ist und ich evtl. zu sensibel für den Job bin :frowning:

Viele Grüße
PlanB

Grüße,
Logan

Hi LOgan

Ich frage mich einfach, ob es vllt. eine Typen-Frage ist und
ich evtl. zu sensibel für den Job bin :frowning:

Wenn ich mich in deine Situation hinein denke, würde ich vielleicht noch Medizin studieren (du bist noch jung genug, ich war auch etwa in deinem Alter, als ich mit dem Medizinstudium begann), um dann später nicht nur auf die schwere Intensiv- und Rettungs-Medizin als Beruf fixiert zu sein.
Ich selbst habe gemerkt, dass ich gerne ärztlich tätig bin, aber dass mir die Rettungsmedizin zu stressig ist.
Gruß,
Branden

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Hallo Logan,

also ich bin selber Rettungsassistent und das auch noch nicht so lang. Jeder der neu in dem Beruf ist hat Angst wenn er das erste mal eigenverantwortlich tätig wird. Im Gegensatz zu dir musste ich schon eine Woche nach der Ernennung zum RA eigenverantwortlich RTW fahren. Dies ist für jeden eine große anspannung.
Fehler werden immer passieren. Davor sollte man keine Angst haben. Die wenigsten Fehler schaden dem Patienten tatsächlich. Wichtig ist dass mann aus seinem Fehlern im nachhinein lernt und diese Fehrler nicht nochmal passieren. Nur so kann man zu einem guten RA werden.

Auf unserer Wache gibt es glaub ich keinen, der in der Nacht noch nicht aufgewacht ist weil er gedacht hat er hätte eine Alarmierung gehört. Das gehört dazu. Um den Stress und die Nervosität abzubauen gibt es kein universalrezept. Du solltest für dich versuchen ein Ventil zu finden. Dem einen hilft Sport als ausgleich oder andere Hobbys. Bei belastenden Einsätzen helfen mir Gespräche mit Kollegen. Wir sind auf der Wache gottseidank ein gutes Team wo solche Gespräche kein Problem sind. Ansonsten hilft es auch mit der Freundin oder mit Freunden oder der Familie zu sprechen. Die haben zwar oft keine ahnung von der Thematik Notfallmedizin aber durchaus können sie sich in die psychische Belastung hineinversetzen. Es ist wichtig über belastende Ereignisse zu sprechen sonst wirst du diesen Beruf nicht lange aushalten. Sonst ist ein Burnout schneller da als einem lieb ist.

Also ich hoffe ich konnte dir weiter helfen. Ansonsten kannst du dich gerne nochmal an mich wenden.

Gruß Basti

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Hi LOgan

Hallo Branden,

Wenn ich mich in deine Situation hinein denke, würde ich
vielleicht noch Medizin studieren (du bist noch jung genug,
ich war auch etwa in deinem Alter, als ich mit dem
Medizinstudium begann), um dann später nicht nur auf die
schwere Intensiv- und Rettungs-Medizin als Beruf fixiert zu
sein.
Ich selbst habe gemerkt, dass ich gerne ärztlich tätig bin,
aber dass mir die Rettungsmedizin zu stressig ist.

Ich habe durchaus schon an ein Medizinstudium gedacht. Nur das Studium + Facharzt - da gehen nochmal ca. 11 Jahre ins Land…und dann bin ich bereits fast vierzig :frowning:
Ich bin mir auch darüber im Klaren, dass es in meinem jetzigen Beruf kaum Fortbildungsmöglichkeiten gibt, die sind wirklich überschaubar.

Für mich ist ein großer Anteil an praktischem Arbeiten sehr wichtig in meinem Job. In diesem Punkt kommt mir das Tätigkeitsfeld des Rettungsassistenten sehr entgegen.

Der für mich zuständige Lehrrettungsassistent meinte, ich solle mir sehr gut überlegen, ob ich wirklich diesen Job weiter ausüben wolle. Erfahrungsgemäß würden „Sensibelchen“ wie ich über kurz oder lang gesundheitliche Probleme dabei bekommen.

Kurz und gut - ich bin verzweifelt…

Gruß,
Branden

Gruß zurück + meinen Dank
Logan

Hallo Basti,

noch bin ich ja kein fertiger RA (bin im Anerkennungsjahr), das Abschlussgespräch liegt noch vor mir. Sobald ich das hinter mir habe, übernehme ich auch den ersten Part auf dem RTW.

Ich bin durchaus zufrieden mit meinem Privatleben und meinen Hobbies und treibe auch häufig Sport.

Nur ändert das leider gar nichts an meiner Anspannung. Sicher, belastende Einsätze werden durchgesprochen, und ich finde auch immer ein offenes Ohr bei den Kollegen auf der Wache. Und trotzdem kann mich der nächste Einsatz mit fast identischer vorgefundener Situation wieder ziemlich plätten.

Und auch wenn ich mir im Familien- und Freundeskreis den Kummer von der Seele rede, so knabbere ich doch arg an manchen Einsätzen. Beispielsweise konnte ich über eine Woche nach einem Einsatz, bei dem wir ein stranguliertes Kind vorfanden, nicht ruhig schlafen. Ich wachte häufiger nachts auf und fühlte mich sehr unruhig, manchmal auch ohne konkrete Gedanken an diesen Einsatz.

Ein Ventil finden ist gut…nur was, wenn ich keines finde?

Danke

Gruß,

Logan

HI LOgan,

Ich habe durchaus schon an ein Medizinstudium gedacht. Nur das
Studium + Facharzt - da gehen nochmal ca. 11 Jahre ins
Land…und dann bin ich bereits fast vierzig :frowning:

Ganz so schlimm ist es nicht. Wenn Di mit 27 anfängst zu studieren, wirst Du vermutlich mit etwa 32-33 Jahren anfangen, voll zu arbeiten. Doktortitel (so gewünscht) + Facharztausbildung laufen dann quasi „nebenbei“, nicht als Vollzeitstudium.
(Auch nicht als Larifari-Mach-ich-nebenbei natürlich…)
Was ich meine: Als Arzt verdienst Du auch beim Einstieg zwar nicht fürstlich, aber mehr als in Deinem jetzigen Job. Sollte Deine Sorge also auch in Richtung Familiengründung gehen - da mach Dir lieber Gedanken um die Freizeit als um das Geld.
Alt finde ich den Berufseinstieg mit 32 bei einem Mediziner nun auch nicht unbedingt - ich kenne viele Studenten diversester Fachrichtungen, die ohne Ausbildung und Berufserfahrung vorher erst mit 28/29 fertig waren.

Und: bevor Du was aus Angst vor evtl zu alt wenn dann… nich machst, und mit 35 da sitzt und Dir denkst „huch, so alt fühl ich mich gar nicht, hätte ich doch nur, dann würde ich jetzt“ - tu es!!

LG,
NOrah

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Hallo,

gerade Einsätze mit Kindern gehören selbst für erfahrene Kollegen zu den schwersten Einsätzen im Rettungsdienstlichen Alltag. Noch dazu wenn die Kinder versterben noch dazu wenn es durch so etwas dramatisches wie einer strangulation passiert. Das der Körper und die Psyche da kurz nach einem solchen Einsatz verrückt spielt ist normal und es wird deinen Kollegen nicht anders gehen.Doch gerade Kollegen die den Job schon länger machen gestehemn sich so etwas nicht ein und werden es im Kollegen Kreis nicht zugeben. Aber ich denke, dass wenn irgendjemand, der im Rettungsdienst tätig ist nach solchen Einsätzen nicht mitgenommen ist, der ist entweder schon ziemlich ausgebrannt oder hat in so einem Job nichts verloren. Nur muss nach einer gewissen Zeit so ein Einsatz dann aber auch mal im inneren abgeschlossen sein. Dass dir solche Einsätze gerade in der Nacht zu schaffen machen ist auch aus physiologischer Sicht normal. Denn wie du ja sicher weist, verarbeitet die Psyche des Menschen ja in der Nacht dass, was der Mensch am Tag erlebt hat. Wenn dies dramatische und auch traumatische Ereignisse sind dann fällt auch der Schlaf unruhig aus. Aber wie gesagt dass sollte sich nach einer gewissen Zeit aber wieder gelegt haben.
Unter Kollegen werden dies Alptäume auch oft die Sogennante " Geisterbahn" genannt. Weil einen diese schlimmen Ereignisse immer wieder mal im schlaf einholen.

Also wie du siehst geht es nicht nur dir so sondern es geht fast allen so die im Rettungsdienst arbeiten. Dies ist leider einer der Schattenseiten. Trotdem sollte mann sich immer auch die schönen Seiten des Berufs wieder vor augen führen. Denn in den meisten Fällen schaffen wir es auch zu helfen und zu retten. Doch sollte die ganze Sache dein Leben so negativ beeinflussen, dass ein „normaler“ geregelter Tagesablauf nicht mehr möglich ist, solltest du natürlich eine Lösung finden. Der erste Schritt wäre dann eventuell einen Niedergelassenen Psychologen aufzusuchen und mit ihm zusammen nach Lösungen zu suchen. Letztendlich musst du aber für dich ganz alleine entscheiden ob du weiter dich in der Lage fühlst diesen Job auszuüben. Denn wenn du dich kaputt machst ist keinem geholfen.

Gruß

Basti

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