Das wären nicht einmal 200 Jahre. Für eine Evolution ist das
entschieden zu wenig (die ist zwei bis drei Zehnerpotenzen
langsamer). Der in dieser Statistik belegte Trend ist deshalb
wohl eher auf die stetige Verbesserung unserer
Lebensbedinbgungen zurückzuführen.
So lautet eine Hypothese. Die Sache ist aber noch komplizierter, was man erkennt, wenn man sich nicht nur die Mittelwerte der Körpergröße über die Zeit anschaut, sondern die gesamte Verteilung der Körpergrößen betrachtet. Seit 1830 stieg die mittlere Körpergröße nämlich deshalb, weil der Anteil der kleinen Männer (unter 170 cm) zurückging. Erst ab 1900 stieg auch der Anteil der großen Männer (über 180 cm). Daher erklärt die Hypothese der „stetigen Verbesserung unserer Lebensbedingungen“ vor allem den Rückgang der kleinen Menschen. Die Zunahme des Anteils der großen Männer kann möglicherweise auf sexuelle Selektion zurückgeführt werden:
„Vielen Frauen erscheinen größere Männer attraktiver als kleinere, und eine darauf basierende Selektion würde ebenfalls zu einem allmählichen Anwachsen der Durchschnittsgröße führen“ (Wendt, 1997, S. 351).
Bekanntlich muß sich die Präferenz von Weibchen / Frauen für ein Merkmal von Männchen / Männern nicht auf ein Merkmal beziehen, daß generell die Fitneß der Nachkommen erhöht. Dies hat der Evolutionsbiologe Fisher mit seiner Hypothese der „runaway selection“ gezeigt. Wer Näheres dazu wissen will, der lese Bücher zur Evolutionsbiologie.
Grüße,
Oliver Walter