Ex-DDR oder nur DDR?

Hallo Sprachkundige,
neulich habe ich mich mal mit Freunden über die DDR unterhalten und dabei ungefähr sowas gesagt:
„In der ehemaligen DDR (oder in der Ex-DDR) war das so und so…“
Daraufhin wurde ich belehrt, daß das schlechtes Deutsch wäre und richtig sollte man nur sagen:
„In der DDR…“
also ohne Ex- oder ehemalig. Zur Begründung meinte mein Freund, ich würde ja auch nicht von meiner Ex-, bzw. ehemaligen Oma sprechen, selbst wenn diese schon länger verstorben wäre. In dem Moment hat mir das eingeleuchtet, aber jetzt kommen mir doch etwas Zweifel, schließlich kann ich ja auch „meine Ex-Frau“ oder „meine ehemalige Freundin“ sagen. Und schließlich hört und liest man ja auch öfters von „Ex-DDR“.
Was ist nun richtig und warum?

Viele Grüße
Jan

Hallo Jan,

neulich habe ich mich mal mit Freunden über die DDR
unterhalten und dabei ungefähr sowas gesagt:
„In der ehemaligen DDR (oder in der Ex-DDR) war das so und
so…“

Ja wenn du dich über die Gegenwart in jenem Gebiet ausließest, das vormals die DDR konstituierte, wäre das anders: Sagt man in der Ex-DDR nicht immer noch „Broiler“ statt „Brathähnchen“ und „Zweiraumwohnung“ statt „Zweizimmerwohnung“? Hat man in der Ex-DDR nicht zwar immer noch putzigere Ampelmännchen, aber pro Kopf der Bevölkerung nicht auch deutlich mehr Neonazis als im Westen?

Das alles hat ja durchaus auch mit der Vorgeschichte dieses Landstrichs zu tun und man kann den (vermuteten) Zusammenhang mit einem „Ex“-Begriff kürzer, knapper und deutlicher zum Ausdruck bringen als ohne, wenn man das möchte.

Gruß Gernot

Hi…

neulich habe ich mich mal mit Freunden über die DDR
unterhalten und dabei ungefähr sowas gesagt:
„In der ehemaligen DDR (oder in der Ex-DDR) war das so und
so…“
Daraufhin wurde ich belehrt, daß das schlechtes Deutsch wäre
und richtig sollte man nur sagen:
„In der DDR…“

Was ist nun richtig und warum?

Die Ex- oder ehemalige DDR ist der Teil Deutschlands, der früher DDR hieß. Also zB „Leipzig liegt in der ehemaligen DDR“.
Der öfter gehörte „Ex-DDR-Politiker“, ist jemand, der zu DDR-Zeiten dort Politiker war (egal, wo er sich heute aufhält und welchem Beruf er nachgeht). Überhaupt verwendet man Ex- hauptsächlich für Personen.

Wenn Du von einer Zeit sprichst, zu der die DDR noch existierte, sagst Du nur „DDR“, denn zu dieser Zeit war sie ja noch nicht ehemalig. ZB „In der DDR gab es nur eine Partei“.
Wäre der Politiker aus dem oberen Beispiel vor der Wende verstorben, würde er heute noch „DDR-Politiker“ genannt.

genumi

Hi Jan,

jetzt kommen mir doch etwas Zweifel, schließlich kann ich ja
auch „meine Ex-Frau“ oder „meine ehemalige Freundin“ sagen.

ja sicher. Deine heutige Ex-Frau oder -Freundin.

Wenn ich heute erzähle, dass ich mit meinem Ex-Freund vor Jahren im Urlaub war, dann rede ich eigentlich von meinem damaligen Freund.

Schönen Abend noch,

Susanne

Hallo !

Man sagt auch nicht „bei den Ex-Römern war das so“, wenn man vom alten Rom spricht.

Oder im „Ex-Deutschen Reich“. Oder im „Ex-Osmanischen Reich“.

mfgConrad

Als Ex-Insasse der Ex-DDR würde ich rein vom Gefühl her trotzdem das „Ex“ passender finden. Dass das römische Reich und das Deutsche Reich längst Geschichte sind, ist klar - da wirkt das „Ex“ fremd und unrichtig.

Da aber die DDR mit ihren Tentakeln noch irgendwie in die Gegenwart hereinreicht, noch nicht wirklich Vergangenheit ist (es gibt noch Deutsche, die gar nicht wissen, dass es die DDR als Staat nicht mehr gibt), finde ich es hier besser, wenn auch mit Einschränkungen. Beispiele: „Mein Zeugnis ist ein DDR-Zeugnis.“ - „Als Verwaltungsmitarbeiter der ehemaligen DDR (oder Ex-DDR) war es mir untersagt, Kontakt zu Bürgern der Bundesrepublik zu pflegen.“ (Ich war keiner, ich bin schon mit 15 Jahren ausgereist.)

Gruß, Artefakt

Hallo genumi,

Die Ex- oder ehemalige DDR ist der Teil Deutschlands, der
früher DDR hieß. Also zB „Leipzig liegt in der ehemaligen
DDR“.

Na ja, das würde ich nun nie und nimmer sagen. „Leipzig liegt in Sachsen“, ja, oder „Leipzig im Osten Deutschlands“ oder irgend sowas, aber

„Leipzig liegt in der ehemaligen DDR“

ich weiß nicht. Warum sollte man das so formulieren? Da könnte ich ja auch sagen: „Leipzig liegt im ehemaligen Königreich Sachsen“. Nein, gefällt mir nicht.

Der öfter gehörte „Ex-DDR-Politiker“, ist jemand, der zu
DDR-Zeiten dort Politiker war (egal, wo er sich heute aufhält
und welchem Beruf er nachgeht). Überhaupt verwendet man Ex-
hauptsächlich für Personen.

Das leuchtet mir ein, daher auch die Ex-Freundin…

Wenn Du von einer Zeit sprichst, zu der die DDR noch
existierte, sagst Du nur „DDR“, denn zu dieser Zeit war sie ja
noch nicht ehemalig. ZB „In der DDR gab es nur eine Partei“.
Wäre der Politiker aus dem oberen Beispiel vor der Wende
verstorben, würde er heute noch „DDR-Politiker“ genannt.

Also hat mein Freund recht gehabt.

Viele Grüße
Jan

Hallo Gernot,

Ja wenn du dich über die Gegenwart in jenem
Gebiet ausließest, das vormals die DDR konstituierte, wäre das
anders: Sagt man in der Ex-DDR nicht immer noch „Broiler“
statt „Brathähnchen“ und „Zweiraumwohnung“ statt
„Zweizimmerwohnung“? Hat man in der Ex-DDR nicht zwar immer
noch putzigere Ampelmännchen, aber pro Kopf der Bevölkerung
nicht auch deutlich mehr Neonazis als im Westen?

Das alles hat ja durchaus auch mit der Vorgeschichte dieses
Landstrichs zu tun und man kann den (vermuteten) Zusammenhang
mit einem „Ex“-Begriff kürzer, knapper und deutlicher zum
Ausdruck bringen als ohne, wenn man das möchte.

Vielen Dank, das ist ja ungefähr das, was genumi geschrieben hat. Da kann ich mich dran halten.

Übrigens haben die Österreicher auch Broiler, habe ich jedenfalls mal gehört.

Viele Grüe
Jan

Hallo Artefakt,

Als Ex-Insasse der Ex-DDR würde ich rein vom Gefühl her
trotzdem das „Ex“ passender finden. Dass das römische Reich
und das Deutsche Reich längst Geschichte sind, ist klar - da
wirkt das „Ex“ fremd und unrichtig.

Genau aus dem Gefühl heraus habe ich auch immer Ex-DDR gesagt, aber ich bin ja nun von den meisten hier eines besseren belehrt worden.

Da aber die DDR mit ihren Tentakeln noch irgendwie in die
Gegenwart hereinreicht, noch nicht wirklich Vergangenheit ist
(es gibt noch Deutsche, die gar nicht wissen, dass es die DDR
als Staat nicht mehr gibt)

Das kann ich aber nicht glauben. Da mß ja einer 20 Jahre auf einer einsamen Insel verbracht haben, um das nicht zu wissen.

finde ich es hier besser, wenn
auch mit Einschränkungen. Beispiele: „Mein Zeugnis ist ein
DDR-Zeugnis.“ - „Als Verwaltungsmitarbeiter der ehemaligen DDR
(oder Ex-DDR) war es mir untersagt, Kontakt zu Bürgern der
Bundesrepublik zu pflegen.“

Leuchtet mir auch wiederum ein…

Viele Grüsse
Jan

Wenn Du heute „DDR“ sagst, kommt niemand auf die Idee, an ein anderes Land zu denken, als an die DDR.

DDR ist ein ganz exakter Begriff. Vom Gründungsjahr bis zum Schluß, das ist und war die DDR.

Was ist nun richtig und warum?

Hallo, Jan,
„Ex-DDR“ oder „ehem. DDR“ beziehen sich zwar auf ein geographisches Gebiet (im Volksmund „Fünfneuland“ oder bösartig „Dunkeldeutschland“),
aber bezeichne eher einen Zeitraum, eben jenen, in denen diese Gebiete unter DDR firmierte (1949-1989).

Aber auch dann ist „Ex-DDR“ eigentlich ein Pleonasmus (ein „weißer Schimmel“), denn vorbei ist nun mal vorbei.

Gruß
Eckard