Guten morgen,
Du unterstellst dabei, daß diese Beraterbuden einen
nennenswerten Beitrag leisten. Das muß nicht zwangsläufig der
Fall sein.
Na ja, also m.E. scheitert dies -im Mittelstand- und nur
darüber reden wir hier ja in diesem Zusammenhang, da die
großen Unternehmen dieses „Problem“ schon lange erkannt haben,
vor allem an der oft anzutreffenden Beratungsresistenz.
die Beratungsresistenz gibt es, aber gerade nicht im Umfeld des Ratings. Die nackte Gier, sich über ein besseres Rating (seien es die internen Bankratings oder externe Ratinggutachten) bessere Konditionen zu verschaffen, läßt die seltsamsten Blüten sprießen. Häufig werden ehemalige Kundenbetreuer, die sich als Ratingberater selbständig gemacht haben, engagiert oder kleine und kleinste Beraterbuden aus dem lokalen Umfeld. Daß die daraus resultierenden Ratings und Ratingberichte von jedem Dritten in die Tonne gekloppt werden, versteht sich von selbst.
Die wenigsten Mittelständler engagieren in ruhigen Zeiten eine der großen Beratungsgesellschaften. Schließlich will man zigtausend Euro bei den Zinsen sparen und nicht den gleichen Betrag vorab für einige Seiten Papier bezahlen.
Außerdem sprechen wir hier ja auch nicht nur von einigen
„Rating-Agentur-Referenten“, sondern auch von namenhaften
Beratungsgesellschaften, wie etwa die „big four“. Diese Häuser
haben sich schon lange mit der Analyse der Rating-Verfahren
auseinander gesetzt und können somit schon sehr gut und vor
allem detailliert in Fragen des Ratings beraten.
Ja, das steht in den Broschüren, hat aber mit der Realität nur wenig zu tun. Die paar wenigen guten Berater, die mir bisher begegnet sind, sind ehemalige Mitarbeiter der großen Beratungs-/WP-Gesellschaften, die es dort nicht mehr ausgehalten haben.
Die Frage ist generell, was so ein Berater bringen kann. Eine
Analyse und darauf folgende Beratung in Sachen
Leistungserstellung, Organisation, Markt/Wettbewerb,
Risikomanagement/Frühwarnsysteme etc. ist sicherlich
unabhängig davon durchführbar, daß man weiß, welche
Ratingagentur oder Bank zu Besuch kommt.
Also ich sehe da schon einen Unterschied, ob man nun „Strategy
Consultants“ im Haus hat, oder eben Rating-Berater.
Die Unterschiede sind mal größer und mal kleiner, aber auch ein Ratingberater sollte (!) sich nicht darauf beschränken, bei seinen Berichten und Präsentationen den Unternehmensnamen auszutauschen sondern auch konkrete Vorschläge liefern, wie aich die Aussichten, ein gutes Rating zu erhalten, verbessern lassen. Das schließt die genannten Punkte mit ein.
müssen auch zunehmend die ja von Dir unten genannten „soft
facts“ Berücksichtigung finden. Daher kann man eindeutig
sagen, dass sich das Rating im Laufe der Zeit auch gewandelt
hat, nämlich von den Anfängen der reinen Kennzahlen-Analyse
hin zu einer gesamtheitlichen Konzept- oder
Managementbetrachtung.
Gute Ratingsysteme erreichen allein auf Basis eines Kennzahlenbündels eine Trennschärfe von 85% (d.h. hohe Ausfallwahrscheinlichkeiten werden fast allen aber auch nur solchen Unternehmen zugewiesen, die tatsächlich kurz danach einen Ausfall produzieren).
Ich will gar nicht die Problematik bei der Einschätzung der weichen Faktoren diskutieren, aber ob die Beimischung weicher Faktoren überhaupt einen Mehrwert bringt, muß erst noch nachgewiesen werden, was aber kaum in absehbarer Zeit möglich sein wird. Ursache ist die fehlende Datenbasis: Ich kann rückwirkend Kennzahlenbetrachtungen anstellen, aber es wird kaum möglich sein, rückwirkend bei inzwischen insolventen Unternehmen eine neutrale Beurteilung der weichen Faktoren durchzuführen.
Da die meisten Institute ihre heutigen Ratingsysteme erst seit wenigen Jahren in Betrieb haben, wird es mindestens noch fünf, eher zehn Jahre dauern, bis bzgl. des Mehrwertes der weichen Faktoren eine Aussage getroffen werden kann.
Vor diesem Hintergrund werde ich etwas mißtrauisch, wenn Ratings den weichen Faktoren eine Gewichtung > 30% zuweisen, was aber gerade bei den kleineren Ratingbuden der Fall ist. Wie hoch die Gewichtung bei den größeren Agenturen ist, weiß ich nicht.
Und das „interne“ Rating der Banken ist sowieso noch einmal
ganz anders zu bewerten, wie das externe Rating.
Ja, stimmt, die Ratings der Ratingagenturen fallen in den meisten Fällen besser aus, m.E. strukturell bedingt, d.h. aufgrund der Übergewichtung der weichen Faktoren.
Lediglich einige Banken bzw. deren Tochtergesellschaften
verfügen über eine hinreichende Datenhistorie, um die
Ausfallwahrscheinlichkeiten (nichts anders besagt ja ein
Rating) mit der Realität abzugleichen.
Ja aus eben diesem Grund kann man interne
(Banken)Rating-Verfahren nicht mit den Externen vergleichen.
Allerdings ist der Nachteil daraus nicht sonderlich groß, da
auch die Banken diese Entwicklung etwas zu spät bemerkt haben
und die Externen nun schon einen sicheren Vorsprung haben.
Ich glaube, Du hast da etwas falsch verstanden: Die Kreditinstitute haben die längere Historie sowie die größere Datenbasis und können aus diesem Grund ihre Ratingsysteme deutlich besser kalibrieren. In dem Zusammenhang würde mich mal interessieren, wie hoch eigentlich die Trennschärfe der Ratings von S&:stuck_out_tongue_winking_eye:, Moddy´s, Fitch und DBRS ist. Die letzten großen Ausfälle wurden ja direkt von Investment Grade auf „pleite“ durchgereicht.
Übrigens: Noch ein entscheidender Unterschied zwischen Banken- und Agenturrating ist, daß bei den Agenturratings der Ratingersteller vom Unternehmen bezahlt wird. Außerdem hängt an einem externen S&:stuck_out_tongue_winking_eye:-Rating mehr als an einem internen Rating einer deutschen Bank. Im Falle Enron gab es ja sogar direkten und indirekten (über die US-Regierung) Druck der kreditgebenden Banken auf Moody´s, das Rating nicht herabzustufen.
Gruß,
Christian