Exaktes Vorgehen zum erstellen von Ratings geheim?

Hallo,
ich frage mich gerade, ob die Ratingagenturen (Fitch,Moodys,S&amp:stuck_out_tongue_winking_eye:) ihr exaktes Vorgehen zum erstellen eines Ratings geheim halten.
Für das geheimhalten würde sprechen:
Wenn sie veröffentlichen, was sie genau bei einem Rating alles untersuchen und bewerten, könnten andere Unternehmen einfach kommen und es kopieren. [Weiterhin spricht dafür, dass ich bei google über die genaue Vorgehnsweise nichts erfahren habe]

Dagegen spricht:
Wenn das genaue Vorgehen geheimgehalten wird, weiß niemand, wie so ein Rating zustande kommt und es könnte der Verdacht aufkommen, dass nicht alles 100% „koscher“ ist.

Weiß jemand von euch, wie das genau läuft`?

Grüße
Thorsten

Hallo,

ich frage mich gerade, ob die Ratingagenturen
(Fitch,Moodys,S&amp:stuck_out_tongue_winking_eye:) ihr exaktes Vorgehen zum erstellen eines
Ratings geheim halten.

nein, aber es wird nicht in jeder Tageszeitung veröffentlicht. Die verwendeten Kennzahlen sind bekannt, die Überleitungstabellen von Kennzahlenausprägung zum Rating sind zumindest teilweise bekannt (also welche EK-Quote braucht man für ein AAA usw.) und wer mal einen Ratingbericht in der Hand hatte, weiß auch, welche weichen Faktoren in ein Rating einfließen. Die Gewichtung der einzelnen Kennzahlen und Faktoren kenne ich nicht, aber das muß nichts heißen.

Genauso aber, wie eine Rezeptur im Lebensmittelbereich mitunter geheim ist, ist das genaue Ratingverfahren Geschäftsgeheimnis. Einerseits gibt es die von Dir angesprochene Problematik des Kopierens durch die Konkurrenz. Andererseits - und das ist viel essentieller - könnten die zu beurteilenden Unternehmen ihre Jahresabschlüsse noch viel stärker zielrorientiert gestalten, um auf ein besseres Rating zu kommen und damit die Finanzierung zu verbilligen.

Wenn das genaue Vorgehen geheimgehalten wird, weiß niemand,
wie so ein Rating zustande kommt und es könnte der Verdacht
aufkommen, dass nicht alles 100% „koscher“ ist.

Wenn mir der Gedanke kommt, daß da nicht alles „koscher“ ist, liegt das bestimmt nicht daran, daß ich die genauen Rechenverfahren nicht kenne.

Gruß,
Christian

Hi,

ich frage mich gerade, ob die Ratingagenturen
(Fitch,Moodys,S&amp:stuck_out_tongue_winking_eye:) ihr exaktes Vorgehen zum erstellen eines
Ratings geheim halten.

Na ja, wenn man mal verschiede Aufsätze und Bücher zu dem Thema liest und insbesondere auch mal auf den Websides dieser Agenturen vorbei schaut, dann muss man diese Frage wohl eher verneinen. Es kommt ja auch immer darauf an, wer Auftraggeber eines solchen externen Raitings ist und was dieser dann in puncto Geheimhaltung verlangt.

Für das geheimhalten würde sprechen:
Wenn sie veröffentlichen, was sie genau bei einem Rating alles
untersuchen und bewerten, könnten andere Unternehmen einfach
kommen und es kopieren. [Weiterhin spricht dafür, dass ich bei
google über die genaue Vorgehnsweise nichts erfahren habe]

Insbesondere die „google-Sache“ ist m.E. kein Argument. In jeder halbwegs gut ausgestatteten Uni-Bibliothek kann man dazu etwas finden. Aktuell ist die Sache übrigens gerade bei S&amp:stuck_out_tongue_winking_eye: gegen Fitch und Moody’s. Die Leute von S&amp:stuck_out_tongue_winking_eye: haben doch eine etwas deutlicher werdende abweichende Ansicht (von den anderen beiden) in Fragen des Ratings und hier speziell der Auslegung von Kennzahlen bzw. was man in welche Kannzahlen einbezieht.

Dagegen spricht:
Wenn das genaue Vorgehen geheimgehalten wird, weiß niemand,
wie so ein Rating zustande kommt und es könnte der Verdacht
aufkommen, dass nicht alles 100% „koscher“ ist.

Ja, das ist in der Tat ein Punkt. In diesem Zusammenhang muss man schon erkennen lassen, warum man welchen Sachverhalt wie bewertet. Allerdings bedarf es auch nur einer gewissen Anlaufphase. Danach reicht aus, wenn das Rating einzig und allein unter dem „Rating-Kürzel“ verdichtet wird. Die 3 großen haben nun ja schon eine erhebliche Reputation erlangt und man muss nicht mehr so genau hinsehen.
Allerdings ist es auch immer wieder interessant darüber nachzudenken, wie es die 3 geschafft haben, so einen großen Einfluss zu erlangen … schon interessant.

Weiß jemand von euch, wie das genau läuft`?

Im Prinzip ist es eine stark auf den Jahresabschluss fokussierte Unternehmensbewertung. Rating bedeutet bei weitem nicht nur Kennzahlen bilden schauen, wie hoch das FK ist. Rating ist vielmehr eine gesamtheitliche Unternehmensbetrachtung und da wird dann alles durchleuchtet. Von daher dauern externe Ratings in aller Regel auch mind. 6 Monate.

Viele Grüße
TraderS

Hi,

Genauso aber, wie eine Rezeptur im Lebensmittelbereich
mitunter geheim ist, ist das genaue Ratingverfahren
Geschäftsgeheimnis. Einerseits gibt es die von Dir
angesprochene Problematik des Kopierens durch die Konkurrenz.
Andererseits - und das ist viel essentieller - könnten die zu
beurteilenden Unternehmen ihre Jahresabschlüsse noch viel
stärker zielrorientiert gestalten, um auf ein besseres Rating
zu kommen und damit die Finanzierung zu verbilligen.

Na ja aber dann frage ich mich, warum der Bereich „Rating Advisory“ momentan boomt. Ich meine diese Leute müssen ihr Wissen (wo man etwas besser machen kann) doch irgendwo her haben. Es gibt doch laufend neue Workshops wo selbst Referenten der Rating Agenturen den Unternehmen Hinweise geben.

Letztlich ist die Konkurrenz unter den Rating-Anbietern doch erwünscht, solange sie den Markt für sich „klein halten“ können. Und das ist momentan m.E. -zumindest für die gorßen Unternehmen- mit den 3 großen der Fall.

Viele Grüße
TraderS

In
jeder halbwegs gut ausgestatteten Uni-Bibliothek kann man dazu
etwas finden.

Hmm, dem kann ich ja jetzt so nicht zustimmen. Vielleicht hab ich auch nur falsch gesucht, aber ich hab mal bei Digibib [Link dazu http://metis.hbz-nrw.de/Digibib?SERVICE=TEMPLATE&SUB…
(da sind alle Uni-Bibs drin) nachgesehen und bin nur zu folgendem sinnvollen Eintrag gekommen: Moody’s Rating-Methodik für europäische Lebensversicherungen / Simon Harris; Beatrice Braun; Andreas Naumann (und das ist auch nur 9 Seiten lang).

Hallo,

Na ja aber dann frage ich mich, warum der Bereich „Rating
Advisory“ momentan boomt. Ich meine diese Leute müssen ihr
Wissen (wo man etwas besser machen kann) doch irgendwo her
haben.

Du unterstellst dabei, daß diese Beraterbuden einen nennenswerten Beitrag leisten. Das muß nicht zwangsläufig der Fall sein. Aber natürlich gibt es auch ehemalige Mitarbeiter von Ratingagenturen und Banken, die versehentlich beim Verlassen Ihres alten Arbeitsplatzes ein paar Unterlagen eingesteckt bzw. gesichert haben.

Die Frage ist generell, was so ein Berater bringen kann. Eine Analyse und darauf folgende Beratung in Sachen Leistungserstellung, Organisation, Markt/Wettbewerb, Risikomanagement/Frühwarnsysteme etc. ist sicherlich unabhängig davon durchführbar, daß man weiß, welche Ratingagentur oder Bank zu Besuch kommt.

Bei den Kennzahlen wird es dann schon ein bißchen kniffliger, weil alle genannten Institute verschiedene Kennzahlen zur Beurteilung heranziehen. Grundsätzlich kann sich die Arbeit der Berater daher nur darauf beschränken, die üblichen Maßnahmen zu ergreifen: Verkürzung der Bilanzsumme durch besseres Management der Aktivseite (Vorratshaltung, Forderungsmanagement etc.), Verlagerung der Finanzierung auf LL-Verbindlichkeiten und Rückstellungen, Hebung von stillen Reserven und Ertragspotentialen usw.

Letztlich ist die Konkurrenz unter den Rating-Anbietern doch
erwünscht, solange sie den Markt für sich „klein halten“
können. Und das ist momentan m.E. -zumindest für die gorßen
Unternehmen- mit den 3 großen der Fall.

Im Augenblick wird der Markt mit Ratingagenturen geradezu überschwemmt, was nicht zuletzt im Vorgriff auf Basel 2 und den IRB-Ansatz geschieht. Neben den etablierten Ratingagenturen gibt es immer mehr kleine und mittlere Agenturen, die sich auf den Mittelstand konzentrieren, der dieses Angebot aus Kostengründen gerne annimmt. Hinzu kommen die Banken, die direkt oder über Tochtergesellschaften Ratings durchführen und Ratingberichte erstellen.

Bis sich da die Spreu vom Weizen getrennt hat, wird es noch etwas dauern. Allerdings nutzt jede Agentur verschiedene Kennzahlen und gewichtet diese anders. Außerdem ist die Gewichtung von weichen und harten Faktoren ein wesentliches Element. Über die Aussagen der Trennschärfe der Ratings kann man in den meisten Fällen jetzt noch keine Aussage treffen.

Lediglich einige Banken bzw. deren Tochtergesellschaften verfügen über eine hinreichende Datenhistorie, um die Ausfallwahrscheinlichkeiten (nichts anders besagt ja ein Rating) mit der Realität abzugleichen. Derartige Kalibrierungen machen aber einen unglaublichen Aufwand, so daß die kleinen Agenturen, die derzeit überall aus dem Boden sprießen, noch viel Arbeit vor sich haben, bis sie tatsächlich ernstgenommen werden.

Gruß,
Christian

Hallo,

Du unterstellst dabei, daß diese Beraterbuden einen
nennenswerten Beitrag leisten. Das muß nicht zwangsläufig der
Fall sein.

Na ja, also m.E. scheitert dies -im Mittelstand- und nur darüber reden wir hier ja in diesem Zusammenhang, da die großen Unternehmen dieses „Problem“ schon lange erkannt haben, vor allem an der oft anzutreffenden Beratungsresistenz.
Außerdem sprechen wir hier ja auch nicht nur von einigen „Rating-Agentur-Referenten“, sondern auch von namenhaften Beratungsgesellschaften, wie etwa die „big four“. Diese Häuser haben sich schon lange mit der Analyse der Rating-Verfahren auseinander gesetzt und können somit schon sehr gut und vor allem detailliert in Fragen des Ratings beraten.

Aber natürlich gibt es auch ehemalige Mitarbeiter
von Ratingagenturen und Banken, die versehentlich beim
Verlassen Ihres alten Arbeitsplatzes ein paar Unterlagen
eingesteckt bzw. gesichert haben.

Na ja, ich meine eigentlich eher die Agentur-Vertreter die immer noch bei ihren Agenturen sind, aber gerne zu Tagungen eingeladen werden und diesen Wünschen auch gerne nachkommen.

Die Frage ist generell, was so ein Berater bringen kann. Eine
Analyse und darauf folgende Beratung in Sachen
Leistungserstellung, Organisation, Markt/Wettbewerb,
Risikomanagement/Frühwarnsysteme etc. ist sicherlich
unabhängig davon durchführbar, daß man weiß, welche
Ratingagentur oder Bank zu Besuch kommt.

Also ich sehe da schon einen Unterschied, ob man nun „Strategy Consultants“ im Haus hat, oder eben Rating-Berater.

Bei den Kennzahlen wird es dann schon ein bißchen kniffliger,
weil alle genannten Institute verschiedene Kennzahlen zur
Beurteilung heranziehen. Grundsätzlich kann sich die Arbeit
der Berater daher nur darauf beschränken, die üblichen
Maßnahmen zu ergreifen: Verkürzung der Bilanzsumme durch
besseres Management der Aktivseite (Vorratshaltung,
Forderungsmanagement etc.), Verlagerung der Finanzierung auf
LL-Verbindlichkeiten und Rückstellungen, Hebung von stillen
Reserven und Ertragspotentialen usw.

Ja, das stimmt, das ist m.E. aber noch nicht alles. Sicherlich müssen auch zunehmend die ja von Dir unten genannten „soft facts“ Berücksichtigung finden. Daher kann man eindeutig sagen, dass sich das Rating im Laufe der Zeit auch gewandelt hat, nämlich von den Anfängen der reinen Kennzahlen-Analyse hin zu einer gesamtheitlichen Konzept- oder Managementbetrachtung.

Im Augenblick wird der Markt mit Ratingagenturen geradezu
überschwemmt, was nicht zuletzt im Vorgriff auf Basel 2 und
den IRB-Ansatz geschieht. Neben den etablierten
Ratingagenturen gibt es immer mehr kleine und mittlere
Agenturen, die sich auf den Mittelstand konzentrieren, der
dieses Angebot aus Kostengründen gerne annimmt. Hinzu kommen
die Banken, die direkt oder über Tochtergesellschaften Ratings
durchführen und Ratingberichte erstellen.

Ja, aber ich hatte ja ausschließlich von den 3 großen Agenturen gesprochen die sich zweifelsohne in keinem größeren Markt behaupten müssen. Diese Agenturen setzt jedoch auch die Standards für eine Vielzahl von kleineren, neu entstandenen Rating-Agenturen. Inwieweit diese neuen auf die jeweiligen Bedürfnisse ihrer Klientel mit eigenen Verfahren reagieren werden, bleibt abzuwarten.
Und das „interne“ Rating der Banken ist sowieso noch einmal ganz anders zu bewerten, wie das externe Rating.

Lediglich einige Banken bzw. deren Tochtergesellschaften
verfügen über eine hinreichende Datenhistorie, um die
Ausfallwahrscheinlichkeiten (nichts anders besagt ja ein
Rating) mit der Realität abzugleichen.

Ja aus eben diesem Grund kann man interne (Banken)Rating-Verfahren nicht mit den Externen vergleichen. Allerdings ist der Nachteil daraus nicht sonderlich groß, da auch die Banken diese Entwicklung etwas zu spät bemerkt haben und die Externen nun schon einen sicheren Vorsprung haben.

Viele Grüße
TraderS

Guten morgen,

Du unterstellst dabei, daß diese Beraterbuden einen
nennenswerten Beitrag leisten. Das muß nicht zwangsläufig der
Fall sein.

Na ja, also m.E. scheitert dies -im Mittelstand- und nur
darüber reden wir hier ja in diesem Zusammenhang, da die
großen Unternehmen dieses „Problem“ schon lange erkannt haben,
vor allem an der oft anzutreffenden Beratungsresistenz.

die Beratungsresistenz gibt es, aber gerade nicht im Umfeld des Ratings. Die nackte Gier, sich über ein besseres Rating (seien es die internen Bankratings oder externe Ratinggutachten) bessere Konditionen zu verschaffen, läßt die seltsamsten Blüten sprießen. Häufig werden ehemalige Kundenbetreuer, die sich als Ratingberater selbständig gemacht haben, engagiert oder kleine und kleinste Beraterbuden aus dem lokalen Umfeld. Daß die daraus resultierenden Ratings und Ratingberichte von jedem Dritten in die Tonne gekloppt werden, versteht sich von selbst.

Die wenigsten Mittelständler engagieren in ruhigen Zeiten eine der großen Beratungsgesellschaften. Schließlich will man zigtausend Euro bei den Zinsen sparen und nicht den gleichen Betrag vorab für einige Seiten Papier bezahlen.

Außerdem sprechen wir hier ja auch nicht nur von einigen
„Rating-Agentur-Referenten“, sondern auch von namenhaften
Beratungsgesellschaften, wie etwa die „big four“. Diese Häuser
haben sich schon lange mit der Analyse der Rating-Verfahren
auseinander gesetzt und können somit schon sehr gut und vor
allem detailliert in Fragen des Ratings beraten.

Ja, das steht in den Broschüren, hat aber mit der Realität nur wenig zu tun. Die paar wenigen guten Berater, die mir bisher begegnet sind, sind ehemalige Mitarbeiter der großen Beratungs-/WP-Gesellschaften, die es dort nicht mehr ausgehalten haben.

Die Frage ist generell, was so ein Berater bringen kann. Eine
Analyse und darauf folgende Beratung in Sachen
Leistungserstellung, Organisation, Markt/Wettbewerb,
Risikomanagement/Frühwarnsysteme etc. ist sicherlich
unabhängig davon durchführbar, daß man weiß, welche
Ratingagentur oder Bank zu Besuch kommt.

Also ich sehe da schon einen Unterschied, ob man nun „Strategy
Consultants“ im Haus hat, oder eben Rating-Berater.

Die Unterschiede sind mal größer und mal kleiner, aber auch ein Ratingberater sollte (!) sich nicht darauf beschränken, bei seinen Berichten und Präsentationen den Unternehmensnamen auszutauschen sondern auch konkrete Vorschläge liefern, wie aich die Aussichten, ein gutes Rating zu erhalten, verbessern lassen. Das schließt die genannten Punkte mit ein.

müssen auch zunehmend die ja von Dir unten genannten „soft
facts“ Berücksichtigung finden. Daher kann man eindeutig
sagen, dass sich das Rating im Laufe der Zeit auch gewandelt
hat, nämlich von den Anfängen der reinen Kennzahlen-Analyse
hin zu einer gesamtheitlichen Konzept- oder
Managementbetrachtung.

Gute Ratingsysteme erreichen allein auf Basis eines Kennzahlenbündels eine Trennschärfe von 85% (d.h. hohe Ausfallwahrscheinlichkeiten werden fast allen aber auch nur solchen Unternehmen zugewiesen, die tatsächlich kurz danach einen Ausfall produzieren).

Ich will gar nicht die Problematik bei der Einschätzung der weichen Faktoren diskutieren, aber ob die Beimischung weicher Faktoren überhaupt einen Mehrwert bringt, muß erst noch nachgewiesen werden, was aber kaum in absehbarer Zeit möglich sein wird. Ursache ist die fehlende Datenbasis: Ich kann rückwirkend Kennzahlenbetrachtungen anstellen, aber es wird kaum möglich sein, rückwirkend bei inzwischen insolventen Unternehmen eine neutrale Beurteilung der weichen Faktoren durchzuführen.

Da die meisten Institute ihre heutigen Ratingsysteme erst seit wenigen Jahren in Betrieb haben, wird es mindestens noch fünf, eher zehn Jahre dauern, bis bzgl. des Mehrwertes der weichen Faktoren eine Aussage getroffen werden kann.

Vor diesem Hintergrund werde ich etwas mißtrauisch, wenn Ratings den weichen Faktoren eine Gewichtung > 30% zuweisen, was aber gerade bei den kleineren Ratingbuden der Fall ist. Wie hoch die Gewichtung bei den größeren Agenturen ist, weiß ich nicht.

Und das „interne“ Rating der Banken ist sowieso noch einmal
ganz anders zu bewerten, wie das externe Rating.

Ja, stimmt, die Ratings der Ratingagenturen fallen in den meisten Fällen besser aus, m.E. strukturell bedingt, d.h. aufgrund der Übergewichtung der weichen Faktoren.

Lediglich einige Banken bzw. deren Tochtergesellschaften
verfügen über eine hinreichende Datenhistorie, um die
Ausfallwahrscheinlichkeiten (nichts anders besagt ja ein
Rating) mit der Realität abzugleichen.

Ja aus eben diesem Grund kann man interne
(Banken)Rating-Verfahren nicht mit den Externen vergleichen.
Allerdings ist der Nachteil daraus nicht sonderlich groß, da
auch die Banken diese Entwicklung etwas zu spät bemerkt haben
und die Externen nun schon einen sicheren Vorsprung haben.

Ich glaube, Du hast da etwas falsch verstanden: Die Kreditinstitute haben die längere Historie sowie die größere Datenbasis und können aus diesem Grund ihre Ratingsysteme deutlich besser kalibrieren. In dem Zusammenhang würde mich mal interessieren, wie hoch eigentlich die Trennschärfe der Ratings von S&amp:stuck_out_tongue_winking_eye:, Moddy´s, Fitch und DBRS ist. Die letzten großen Ausfälle wurden ja direkt von Investment Grade auf „pleite“ durchgereicht.

Übrigens: Noch ein entscheidender Unterschied zwischen Banken- und Agenturrating ist, daß bei den Agenturratings der Ratingersteller vom Unternehmen bezahlt wird. Außerdem hängt an einem externen S&amp:stuck_out_tongue_winking_eye:-Rating mehr als an einem internen Rating einer deutschen Bank. Im Falle Enron gab es ja sogar direkten und indirekten (über die US-Regierung) Druck der kreditgebenden Banken auf Moody´s, das Rating nicht herabzustufen.

Gruß,
Christian