Meine Lateinkenntnisse sind verschüttet, mein Stowasser verstaubt, mein Lateinlehrer verstorben… Kann mir jemand folgende Fragen beantworten?
Gibt es eine Verbform zu existentia? Und welche ethymologische Bedeutng hat es (ich meine „ex“ heißt doch „aus“, oder?)? Ist meine Wortschöpfung Exestenz (aus „ex est“: es ist aus) als Gegenbegriff zu Existenz nur ein allzu doofes Wortspiel oder eine durchaus denkbare Bildung? Was würde dann exestentia bedeuten?
ich versuche mal eine Antwort, auch wenn mein Versuch etwas weiter unten nicht ganz exakt war.
Gibt es eine Verbform zu existentia? Und welche ethymologische
Bedeutng hat es (ich meine „ex“ heißt doch „aus“, oder?)? Ist
meine Wortschöpfung Exestenz (aus „ex est“: es ist aus) als
Gegenbegriff zu Existenz nur ein allzu doofes Wortspiel oder
eine durchaus denkbare Bildung? Was würde dann exestentia
bedeuten?
Als Verbform hab ich „existimare“ gefunden, was so viel heißt wie „schätzen“, „beurteilen“, „entscheiden“, „meinen“, „glauben“, „denken“. Das ist m. E. schon ein Hinweis auf die Etymologie von „ex-sistere“. „ex“ heißt „aus“ oder „heraus“, „sistere“ bedeutet „hinstellen“ „feststellen“ „(fort)bestehen“. Demnach könnte man „Existenz“ vielleicht als „Etwas aus sich selbst Bestehendes“ bezeichnen.
„Exestenzia“ halte ich für keine gute Wortbildung, allenfalls könnte man es rhetorisch ableiten aus „ex-sestertius“, wobei „ex“ nach wie vor „aus“ bedeuten würde, „sestertius“ aber eben die „Sesterze“, also eine Währungseinheit. Ob man daraus dann weiter ableiten könnte, das „Exestenzia“ etwas ist, was aus dem (Geld-)Wert heraus „ist“, halte ich für ziemlich fragwürdig.
Aber alles in allem finde ich solche Wortspiele höchst amüsant!
die Etymologie ist „ex-sistere“ (Verb) => „exsistens“ (Partizip) => „ex(s)istentia“ (Verbalabstraktum)
„ex-sistere“ heißt „heraustreten“. Existenz ist als philosophischer Terminus das Heraustreten einer Sache aus dem bloßen Dasein („essentia“, von „esse“) in die Erscheinung.
In der klassischen Philosophie galt existentia als etwas zum Dasein (nicht wesensnotwendig) Hinzukommendes. Die moderne Existenzialphilosophie sieht dagegen das „Heraustreten“ (beim Menschen: Körpersprache, Sprache, Arbeit, Kleidung, Lebensweise) als das Wesentliche, durch das der Mensch erst wird, was er ist.
Existenz als „Vorhandensein“ ist ein volkstümlicher Missbrauch des Begriffs
Gruß,
Pietro
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