Hallo Christian,
bin zwar kein Gastronom, aber einige Gedanken eines Selbständigen sind für jede Tätigkeit gültig.
Zunächst brauchst Du ein Unternehmenskonzept - und zwar nur und ausschließlich für Dich selbst. Du mußt wissen, ob Du eine Frittenbude mit Daddelautomaten aufmachen willst, wo sich immer die gleichen Leute an einer Flasche Bier festhalten, wo Du mangels Toiletten keine Sitzgelegenheiten anbieten darfst und Du einmal wöchentlich von der Metro Dein Zeuchs in Plastikeimern beischaffst.
Oder willst Du tagsüber Arbeitslose mit Bier abfüllen?
Oder soll es eine Szene- oder Musikkneipe werden?
Oder so ein Teil mit viel Eiche rustikal, einem teuer-geschmacklosen Tresen und Lampen über den Tischen, deren Anblick aber nur noch als Beleidigung des Geschmacksempfindens bezeichnet werden kann?
Oder ein Speiselokal, eine Bierschwemme, ein Nachtclub…das soll alles keine Wertung sein, Du mußt nur genau wissen, was Du willst und diese Linie verfolgen. Du brauchst Klarheit über Zielgruppe, Preisklasse und Angebot.
Ich höre immer „Brauerei-Vertrag“. Jede Brauerei ist froh, wenn sie ihren Saft verkaufen kann. Dafür bestellst Du die gewünschte Ware und bezahlst nach Lieferung - das ist alles. Einen Brauereivertrag brauchen nur die Leute, die eine Brauerei anpumpen wollen und dafür im Gegenzug eine Bindung eingehen. Ja, ich weiß, daß solches Tun branchenüblich ist. Aber vernünftig ist es nicht. Du gibst nämlich einen großen Teil Deiner unternehmerischen Freiheit auf und bindest Dich an einen Lieferanten und an dessen Vorstellungen. Das rächt sich in jedem Einzelfall und ohne jede Ausnahme bitter. Nimm statt dessen ausschließlich eigenes Geld, auch wenn es nur wenig ist. Von der Bank bekommst Du als Gastronomie-Neuling eh keinen Cent. Verzichte auf zig tausend Euro teures Schnörkel-Tresen-Gelumpe. Investiere lieber Geld in sanitäre Anlagen auch ohne Schnörkel, aber trotzdem vom Feinsten und falls Du Speisen anbietest, in eine Küche vom Feinsten. Richte Deinen Betrieb spartanisch, aber sauber, mit Geschmack und Phantasie ein. Kaufe Deine Ware von einem Lieferanten, dessen Qualität und Konditionen Deinem Konzept entsprechen und wenn Dir der Lieferant nicht mehr gefällt, schickst Du ihn wieder weg. Auf diese Weise hast Du die Chance, mit der Selbständigkeit auf einen grünen Zweig zu kommen, aber nicht, indem Dein erster Schritt Richtung Fußfesseln mit Bierverträgen geht.
Bis hierher waren die Aussagen noch für jede Art von Gastronomiebetrieb gültig. Jetzt bist Du dran, zu erzählen, was es ungefähr werden soll, damit noch ein paar Anregungen kommen können.
Gruß
Wolfgang