Existenzgründung mit Überbrückungsgeld

Hallo liebe Kollegen,

ich habe Ende letzten Jahres das Überbrückungsgeld für eine Existenzgründung bewilligt bekommen. Es lief nicht so wie geplant und nach ca. 3 Monaten erhielt ich ein Angebot aus einem anderen Bereich (als ursprünglich beantragt) - naiv wie ich war, dachte ich „nimm die Chance war und probier es“ - nun habe ich von meinem Steuerberater erfahren, ich hätte Sozialbetrug begangen und sollte mich unverzüglich mit dem Arbeitsamt in Verbindung setzen - ich müsste die letzten 3 Monate zurückzahlen … ???
Ich habe damals beim Arbeitsamt erfragt, was für Auflagen ich erfüllen muss mit der Existenz und ob danach irgendwas geprüft wird - da hieß es nur: versuchen Sie es, wenn es nicht klappt kommen Sie wieder und melden sich wieder arbeitslos.

Kennt sich jemand aus ?

Vielen Dank und viele Grüße
Tina

ich habe Ende letzten Jahres das Überbrückungsgeld für eine
Existenzgründung bewilligt bekommen. Es lief nicht so wie
geplant und nach ca. 3 Monaten erhielt ich ein Angebot aus
einem anderen Bereich…

Hallo Martina,

wenn Du ursprünglich ein Fingernagelstudio betreiben wolltest und jetzt aber in Fußpflege machst, läßt sich solcher Wandel im Geschäft bestimmt begründen, sofern überhaupt je jemand danach fragt.

Aber einige Bemerkungen machen mich stutzig: Du erzählst etwas von 3 Monaten, wo es nicht so richtig lief und Du erwähnst den Steuerberater. Schließlich zitierst Du die Aussage eines AA-Mitarbiters, wonach Du die Sache mit der Selbständigkeit ruhig versuchen solltest.

Das hört sich alles fürchterlich halbherzig an. Du machst Dich selbständig! Kein unverbindlicher Versuch mit der Rückkehr in die Arbeitslosigkeit. Es geht nur mit voller Kraft und ganzem Einsatz und dem unbedingten Willen, daß dies der Lebensweg wird.

Der nächste Punkt ist der Steuerberater. Was willst Du mit einem Steuerberater? Hast Du solche schwerwiegenden Probleme mit Steuern? Vermutlich hast Du gar keine Sorgen mit Steuern, vielmehr fehlen handwerkliche Grundkenntnisse etwa in Buchführung und im Umgang mit Umsatzsteuer etc. Ich bin ziemlich sicher, daß Du Dir keinen Steuerberater leisten kannst, der doch nur Handwerkliches für Dich erledigt. Du mußt statt dessen dringend die kaufmännischen Defizite beseitigen, indem Du z. B. einen VHS-Kursus in Buchführung absolvierst.

Und schließlich eine Bemerkung zu den 3 Anfangsmonaten, in denen es nicht wie geplant lief. Da scheint etwas mit der Planung nicht zu stimmen. Welches Geschäft läuft nach 3 Monaten? Das ist viel zu kurz gesprungen. Du wirst wie fast jeder andere mehrere Jahre mit Aufbau, hohem Einsatz und persönlichen Einschränkungen überstehen müssen. Nach Auslaufen von Überbrückungsgeld und Aufzehren privater Rücklagen muß die Selbständigkeit wenigstens so viel bringen, daß Du mit Ach und Krach überleben kannst. Geld für Steuerberater und andere Leute, die Honorarrechnungen schreiben, hast Du dann bestimmt noch nicht übrig.

Verzettele Dich jetzt nicht in Nebensächlichkeiten, etwa dem Gerede des Steuerberaters. Du brauchst statt dessen ein stimmiges Unternehmenskonzept. Das muß dann mit aller Power durchgezogen werden und zwar mit sehr viel mehr Geduld als nur lächerlichen 3 Monaten. Praktisch jede Existenzgründung braucht Jahre, bis sie auf einigermaßen sicheren Füßen steht.

Wenn Du die zähe Aufbauarbeit für lange Zeit nicht willst, dann brich die Sache lieber schnellstmöglich ab.

Gruß
Wolfgang

Hallo Tina!

Erst mal keine Panik. Rein juristisch kann man das wohl so sehen wie Dein Steuerberater.
Ohne wirklich Experte zu sein, möchte ich Dich aber beruhigen: Meine Erfahrungen mit Arbeitsämtern, die auch zu dem passen, was Du von dem Gespräch damals berichtest, lassen mich vermuten, dass die da nicht gleich schweres Geschütz auffahren.
Bei Deinem ersten Antrag hast Du ja diverse Unterlagen beibringen müssen, u.A. ein Gutachten. Vermutlich hast Du für den zweiten Anlauf kein Gutachten erstellen lassen. Aber Du weisst, worauf Du achten musst und hast die Tipps hoffentlich wieder beherzigt.
Dann sollte es kein Problem sein, nachträglich die Unterlagen für die neue Geschäftsidee einzureichen. Sprich mit Deinem Berater und biete das an. Dann gibt es sicher keinen Stress.

Im Übrigen viel Erfolg bei Deiner Existenzgründung!

Ach ja: Um was geht es denn? Mir kommt das Wort „Angebot“ merkwürdig vor in dem Zusammenhang.

Gruß
Arndt